Daun - Manderscheid - Wittlich
--> Der Lieserpfad


  • Weg: Start der Wanderung ist am Kurpark von Daun, der durchquert wird, bevor es hinauf zum Gemündener Maar geht. Eine Zeit lang oberhalb des Tals führt der Weg bis Manderscheid, mehr oder weniger direkt an der Lieser entlang. Das gleiche gilt für die Strecke nach Wittlich, wobei der Fluss auf diesen Abschnitt zweimal mit Hilfe von Brücken überquert wird. Kurz vor Wittlich gesellen sich zur Lieser dann einige ehemalige Mühlen, die zum Teil eine Einkehrmöglichkeit bieten. Mit dem breiter werdenden Ufer tauchen auch die ersten Weinberge an den Hängen auf --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 18 und 26 km
  • Dauer: 4,5 und 7 h
  • Schwierigkeit: Bei trockenem Wetter sind die Wege gut zu begehen, sonst kann es aber rutschig und damit auch gefährlich werden, denn gerade um Manderscheid ist der Weg sehr schmal und verläuft direkt neben dem zum Teil sehr steilen Abgrund.
  • Bewertung: In der Woche meist einsame und landschaftlich sehr schöne Wanderung --> Ein Erlebnis!
  • Informationen und Karten: Der Lieserpfad ist ein über die Region hinaus bekannter Wanderweg. Einen Überblick zum Weg gibt es auf den Seiten der Vulkaneifel-Tourist mit Sitz in Daun, wo es auch die Möglichkeit gibt, unterschiedliche Arrangements zu buchen.
    Das Land Rheinland-Pfalz hat verschiedene Gewässerwanderungen beschrieben und bietet auch den Lieserpfad mit detaillierten Karten und Informationen zum Gewässer Lieser zum Download an.
    Nützlich ist auch der Fahrplan der Linie 300, der Busverbindung Daun - Manderscheid - Wittlich, mit der man wieder an seinen Ausgangspunkt gelangen kann.



Seit Herbst 2008 begleitet der Eifelsteig den Lieserpfad ein Stück. Vom Kurpark Daun bis zum Gemündener Maar und ab der Üderdorfer Mühle verlaufen die beiden Routen auf den selben Wegen nach Manderscheid. Während der Lieserpfad immer an der Seite des gleichnamigen Flusses bleibt, umrundet der Eifelsteig in einem Abstecher die drei Dauner Maare. Geändert hat sich dabei allerdings der Streckenabschnitt für den Lieserpfad, der zwischen Üdersdorfer Mühle und Tettscheider Bach vorher auf der anderen Uferseite der Lieser verlief.

Zur Beschreibung der 11. Etappe des Eifelsteiges.




Der Lieserpfad

Die Wanderung entlang der Lieser stellt eine besondere Tour für mich dar, denn mit ihr habe ich im Spätsommer 2003 die Freude am Erkunden der Eifel auf eigenen Füßen entdeckt. Zudem ist sie nicht nur eine Streckenwanderung, die mir die liebsten sind, sondern auch die bisher einzige der hier beschriebenen Touren, die zwei Tage dauerte. Bilder gibt es leider keine, weil ich vor der Tour noch nicht daran gedacht hatte, dass einmal mehr daraus entstehen würde und die Kamera Zuhause gelassen habe.

Sonntag Morgen: Den kleinen Rucksack, der bestimmt schon so alt ist wie ich selbst, hatte ich mit ein paar Sachen bepackt, von denen ich dachte, dass ich sie für die Wanderung und zum Übernachten brauchen würde, und war ins 70 km von meinem Wohnort entfernte und auf der anderen Seite der Eifel gelegene Daun gefahren. Dort hatte ich das Auto abgestellt, hatte mir den Rucksack auf den Rücken geworfen und war dann von dort nach Manderscheid aufgebrochen.

Auf den Anfangskilometern hatte der Weg dann eigentlich bis auf den Blick zu Beginn auf das Gemündener Maar - toll im Sonnenlicht gelegen, mit dem bewaldeten Kraterrand und dem grünlich, milchigen Wasser - nichts besonderes zu bieten. Im Gegenteil waren meine Gedanken da noch, dass ich dafür nicht die weite Strecke hätte fahren müssen. Schließlich gibt es Waldwege auch bei uns in der Gegend, zumal auch noch Straßengeräusche aus dem Tal zu mir hinauf schallten. Dann aber kam so langsam mit jedem Schritt das Gefühl, dass es einfach nur schön war, sich aufgerafft und ein schon lange geplantes Vorhaben in die Tat umgesetzt zu haben, mal wieder unterwegs zu sein, und das auch noch auf den eigenen Füßen. Darüber hinaus strahlte die Sonne am blauem Himmel und erwärmte den wunderbaren Spätsommertag, und mit jedem Schritt wurde es einsamer und ländlicher, die Lieser plätscherte bald neben dem Weg, bald am Hang unter dem Weg, und so begann die ganze Tour mehr und mehr Spaß zu machen. Ein Schild, das den müden Wanderer in eine nahe gelegene Mühle zum Verweilen bei hausgemachten Produkten einlud, da der Weg bis Manderscheid noch drei Stunden dauern würde, war dann so eine weitere nette Kleinigkeit, die den Wohlfühlfaktor erhöhte, auch wenn ich dem Weg über die Brücke zur Mühle nicht folgte, sondern weiter den Lieserpfad entlang schritt.

Kurze Zeit drauf die erste, und bis Manderscheid auch die letzte Straße, die zu überqueren war. Allerdings gab es nicht nur direkt gegenüber einen Weg, sondern auch noch ein Stück die Straße weiter hinunter. Da der gegenüberliegende Weg nicht beschildert war, war die Frage, ob nicht der untere Weg der richtige sein könnte. Während ich dort so stand und überlegte, um dann schließlich einen Blick in meine Wegbeschreibung zu tun, fiel mir auf, dass bisher noch kein einziges Auto die Straße entlang gekommen war - ein wunderschönes Gefühl, selbst für einen Menschen, der auf dem Dorf wohnt: Minutenlang im Sonnenschein an einer Landstraße zu stehen, ohne das ein Mensch dort vorbeikommt und drum herum nur saftige Wiesen und Wälder. Also ging ich mitten über die Straße zum unteren Weg, um mir diesen genauer anzusehen und so den richtigen herauszufinden, weil man schließlich nicht erst nach Kilometern feststellen will, dass man falsch gelaufen ist. Daran hatte ich auch gut getan, denn hier hingen tatsächlich die Hinweise für den weiteren Verlauf der Strecke.

Außerdem säumten Berge von aufgestapelten Baumstämmen eine Seite des Weges, die mit einer Bewässerungsanlage feucht gehalten wurden und schwarz im Sonnenlicht glänzten. Davor befand sich ein Schild, auf dem zu lesen stand, dass, um es dem Wanderer zu ermöglichen, trockenen Fußes ans Ende des Holzlagers zu gelangen, einmal die Flussseite für eine gewissen Zeit besprenkelt würde, dann aber im Wechsel auch die Wegseite wiederum für eine bestimmte Zeit. Als ich dies las war gerade die Flussseite an der Reihe, Pfützen auf dem Weg zeugten aber davon, dass tatsächlich auch die dem Weg zugewandte Seite durchaus ihren Teil Wasser abbekam. Sollte ich den Versuch wagen und das Holzlager zu passieren versuchen, oder erst einmal abwarten, um nicht vom plötzlichen Wechsel der Berieselung überrascht zu werden?

Mutig entschloss ich mich, sofort loszugehen, so schlimm konnte es schon nicht werden. Hundert Schritte weiter hatte ich das Ende des Holzlagers erreicht und immer noch war kein Tropfen auf der Wegseite aus den Wasserleitungen gekommen. War das also doch alles nur ein Scherz gewesen?

Um das herauszubekommen beschloss ich, eine Rast einzulegen und eins meiner mitgebrachten Brote und einen Schluck Tee zu verzehren. Dazu setzte ich mich ins Gras und genoss die wärmenden Sonnenstrahlen. Und tatsächlich: Nach drei bis fünf Minuten erstarb die Berieselung auf der Flussseite, es gab gurgelnde Geräusche, Zischen und es begannen auf der Wegseite erste Tropfen aus den Sprühdüsen zu rinnen. Weiteres Gurgeln und Rülpsen, ein Erzittern der Rohrleitungen, und dann kam das Wasser aus den Düsen gespritzt, das Schild hatte also nicht gelogen.

Einige Kilometer weiter gab es eine weitere Unstimmigkeit mit der Wegführung, denn es gab mehrere Möglichkeiten weiterzulaufen. Zwei davon waren wahrscheinlich, eine davon wiederum, nämlich die, welche ich wählte, weil sie direkt zur Lieser führte, erwies sich als Irrweg, da der Weg zwar auf der anderen Seite des Flüsschens weiter führte, man aber dazu wadenhoch durch das Wasser hätte laufen müssen. Anstatt umzukehren entschloss ich mich über die Wiese auf meiner Seite des Flusses weiterzugehen, weil ich mir dachte, irgendwann komme ich so schon irgendwie wieder auf den regulären Weg zurück, der schließlich immer entlang der Lieser verlief. So kam ich auf eine Waldwiese.

Wie will man mit Worten ein Bilder vermitteln, auf dem ein Tal mit steilen, felsigen Hängen zu sehen ist, links und rechts dicht mit Wald bewachsen, der nur hier und da von schroffen Felsen unterbrochen ist, das herrliche Gefühl, bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein allein zu sein in der Natur, das Gefühl zu haben, weit ab von jeglicher Zivilisation zu sein - und das mitten in Deutschland! Und auch auf einem Foto hört man leider das Rauschen des Flusses tief im Abgrund nicht, ebenso wenig den Ruf des Greifvogels in der Luft. Und der röhrende Hirsch stand nun mal auch nicht wirklich als Motiv auf der Lichtung.

Bald darauf wurde der Weg zum schmalen Pfad. Eng an den Hang angelehnt führte dieser zehn, zwanzig Meter oberhalb der Lieser weiter Richtung Manderscheid. Ein Fehltritt und man wäre abgestürzt, der Versuch, sich irgendwo festzuhalten, zwecklos, da es steil über Felsen nach unten ging.

Ein Motiv für ein Bild wäre dann der mächtige Wehrturm sicher gewesen, der plötzlich hinter einer Wegkehre auftauchte und auf der anderen Uferseite der Lieser zwischen den Bäumen emporwuchs, ohne dass der dichte Wald die darunter liegende Burganlage freigegeben hätte.

Doch mit dieser Aussicht wurde nun leider auch der Pfad wieder zum Weg, Bänke und Aussichtsplätze kamen bald hinzu und somit auch die ersten Spaziergänger. Denn mittlerweile hatte ich mich dem Städtchen Manderscheid genähert und die beiden Burgen waren an einem Sonntag bei diesem Wetter natürlich ein willkommenes Ausflugsziel, auch für andere Leute.

In Manderscheid bin ich zuvor noch nie gewesen. Dabei ist das ein kleines Örtchen, das ich richtig nett fand und es beinahe bedauerte, dass ich es zuvor noch nicht besucht hatte. Am eindrucksvollsten ist wohl der Blick am Ortsausgang auf das tief im Tal gelegene Niedermanderscheid mit der Wehranlage der Niederburg, die durch einen mächtigen Wehrturm gekrönt wird und diesseits der Lieser der jenseits und höher gelegenen Oberburg, deren Turm ich schon bewundert hatte, nur drei Steinwürfe entfernt gegenüber liegt. Natürlich hat der Ort, weil er eben auch Kurort sein will, einen kleinen Kurpark, ist adrett und sauber, sind bis auf einige Ausnahmen die alten Häuser gut und schön restauriert, und weil die Menschen dort sich eben auch Einnahmen von Feriengästen erhoffen, sind viele Häuser vor der Tür mit Blumen, Körben mit Kürbissen, Stroh und allerlei mehr herbstlich geschmückt gewesen. Außerdem ist mir aufgefallen, als ich auf dem Balkon in der ersten Etage meiner Pension saß, dass im gesamten Ort sehr viele alte und damit hohe Bäume zwischen der Bebauung stehen. Von der nur etwa zweihundert Meter entfernt liegenden kleinen Kirche des Dorfes ragte nur das letzte Stück der Turmspitze hinter den Bäumen hervor. Überhaupt war von meinem Stand(Sitz-)punkt aus gesehen von sehr vielen Häusern nur der Giebel auszumachen. Auch fiel mir eine weitere Eigenart auf, nämlich dass der überwiegende Teil der Häuser nicht mit Dachziegeln gedeckt ist, sondern mit Schieferplatten. Darauf hatten sich schon zum Teil Moose und Flechten niedergelassen, was irgendwie urig aussah, in jedem Fall aber dem Dorfbild insgesamt ein altertümlicheres Ansehen verlieh. Nett waren aber auch solche Dinge, wie das Schild in der Tür eines Töpfereigeschäftes: "Bin gegen 17:00 Uhr zurück". Dabei standen und lagen Ausstellungsstücke und Waren noch in den Auslagen vor dem Laden, auch Kleinigkeiten, die jeder bequem hätte mitnehmen können, ohne dabei gestört zu werden, zumal dort in dem alten Teil des Ortes, um die Kirche herum, kaum ein Mensch unterwegs war.

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Den zweiten Tag der Wanderung ließ ich erst einmal ruhig angehen, indem ich mir eine Zeitung kaufte und mir damit ausgestattet zu Beginn des Weges eine Sitzgelegenheit mit Blick auf die beiden Burgen suchte. Aber es war ja auch noch früh am Morgen und ich hatte den ganzen Tag Zeit. Außerdem hatte ich eine Kanne heißen Tee im Rucksack, der heute auch deutlich leichter war, weil ich einiges in der Pension, in die ich am Abend zurückkehren wollte, gelassen hatte. Und nicht zu letzt war der Ausblick auf die beiden Burgen im Tal auch am Morgen immer noch überwältigend.

Um Manderscheid herum führt der Beginn des unteren Lieserpfades zunächst über breite Spazierwege. Das ändert sich aber schon bald wieder und der Weg wird erneut zum Pfad, der sich auch hier eine ganze Weile am steilen Abhang im dicht bewaldeten Tal oberhalb des Flusses entlang schlängelt. Sicher gibt es zwischendurch auch Abschnitte, die als Verbindungsstücke dienen und über breite Waldwirtschaftswege führen, aber insgesamt verläuft die Strecke ca. 2/3 über wirklich sehr schön geführte Wege. Erst 5-6 km vor Wittlich wird aus dem Lieserpfad wieder ein Waldspazierweg, der bei schönem Wetter, und je näher es auf die Stadt zugeht, auch zunehmend von Menschen bevölkert wird. Aber 2/3 einer Distanz, die, je nachdem welche Quelle man zu Rate zieht, sich über 22,5 bis 26 km erstreckt, ist schon ein ganz gutes Stück und vorweggenommen sei gesagt, dass es in jedem Fall auch sehr, sehr lang ist, vor allen Dingen dann, wenn man am Vortag bereits die 18 km des oberen Lieserpfades gelaufen ist und Knie und Gelenke, Sehnen und Bänder so völlig eingerostet sind, wie sie es bei mir waren.

Als ich mich also endlich aufmachte, um diese Strecke anzugehen, hätte ich mich auch beinahe nach gut eins, zwei Kilometern das erste Mal verlaufen. Bei einer Schutzhütte, von der man einen schönen Blick auf das bewaldete Liesertal hatte, gab es zwei Möglichkeiten: Ein Stück den Weg zurück und abbiegen, oder den Weg weitergehen, der den Hang hinab ins Liesertal führte. Dem Umstand, dass es bergab ging, verdanke ich, dass ich nach wenigen Metern stehen blieb und mir überlegte, doch erst einmal den abbiegenden Weg genauer in Augenschein zu nehmen, denn wer geht schon gerne den Weg wieder zurück, zumal wenn er dann wieder bergauf gehen muss?!

Dieser Rückweg kostete mich aber einen gewissen Zeitvorsprung, den ich bis dahin vor einer Wandergruppe gehabt haben muss und die nun lautstark hinter mir zu vernehmen war. Vor allen Dingen die Frauenstimmen taten sich hervor, dass ich beinahe schon anhalten wollte, um die Leute darauf hinzuweisen, dass sie sich im Wald und nicht auf der Straße befanden. Aber für diese Menschen war das Wandern eben offensichtlich mehr ein Gruppen- denn ein Naturerlebnis, was man ja eigentlich niemanden vorwerfen kann. Also machte ich mich daran, mit schnellem Schritt Abstand zwischen der Gruppe und mir zu gewinnen und damit wieder Ruhe zu bekommen. Auf dem schmalen Absatz machte es Spaß zu wandern, das erste Grün begann sich bereits herbstlich gelb zu färben, und mit jedem umrundeten Berghang wurde es stiller. Allerdings hatte ich dann bald ein Päarchen mit Skistöcken in den Händen vor mir. Dies ließ mich zwar vorbei, aber die beiden konnten mein Tempo gut halten und der Abstand zwischen uns verringerte sich nur geringfügig.

Nach und nach war es bergab gegangen, ohne das es sonderlich aufgefallen wäre und so stand ich plötzlich auf einer Wiese, die noch feucht vom Morgentau war, am Lieserufer. Über den Fluss führte eine Brücke, über die der Weg verlief, der auf der anderen Uferseite in einen bewaldeten Hang führte und somit nicht weiter mit den Augen zu verfolgen war. Auf der sonnenbeschienenen Seite der Wiese lagen einige gefällte Baumstämme und ich beschloss, wenn ich sie nicht abhängen konnte, die beiden Skistockwanderer wieder an mir vorbeiziehen und weiter vorlaufen zu lassen, um so wieder allein zu sein. Also legte ich den Rucksack ab und holte erneut meine Teekanne heraus, um eine Pause einzulegen, auch wenn es noch früh war und die letzte erst knapp eine Stunde vorbei.

Dumm nur, dass auch das Paar den wunderschönen Platz in der Flussaue eine Zeit lang auf der Brücke stehend genoss und damit meine Wartezeit zwangsläufig verlängerte. Denn ich hatte gerade eine halbe Zigarettenlänge dort gesessen, als die Wandergruppe erneut in Hörweite und kurz drauf aus dem Gebüsch hervorgebrochen kam. Nun, es handelte sich dabei um eine Gruppe von vier Paaren, die mir bereits am Tag zuvor von Daun kommend entgegen gekommen war und mich dabei gefragt hatte, ob es in der Richtung aus der ich kam, nach Manderscheid gehen wurde. Wir hatten uns kurz unterhalten, denn ich konnte ihnen definitiv sagen, dass sie nach Daun gingen, von wo aus auch sie aufgebrochen waren. Nachdem wir uns erkannt hatten, begrüßten wir uns freundlich, wechselten ein paar Wort, und ich ließ auch sie vor, rauchte anstatt einer Zigarette noch ein zweite. Belohnt wurde ich kurz nachdem die Gruppe verschwunden war durch das Klopfen eines Kleibers oder Spechtes an einen Baumstamm ganz in meiner Nähe, der sich nun auch nicht mehr in seiner Ruhe gestört fühlte. Das Warten hatte sich also gelohnt.

Wieder hatte ich mich jedoch verkalkuliert, denn hinter der Brücke ging es einen schmalen Pfad in Serpentinen steil bergauf und je weiter ich nach oben kam, desto deutlicher konnte ich die lauten Stimmen wieder hören. Schweißüberströmt und nach Luft ringend blieb ich ein weiteres Mal stehen, da ich sie am Berg nicht überholen konnte. Als ich nichts mehr hörte ging ich weiter und entdeckte den Grund dafür, dass ich die Gruppe so schnell wieder eingeholt hatte: Auf der Höhe stand eine Bank an einer Stelle, die einen tollen Fernblick bot, und auf der sich meine Wanderfreunde offenbar niedergelassen hatten. Auch ich genoss den Blick über die Eifelhöhen und -täler, Wälder und Weiden eine kurze Zeit und ging dann weiter durch wechselnde Baumbestände, mal Buchen, mal Fichten und schließlich einen Eichenwald. Auch hier führte der Weg ganz leicht, doch stetig bergab, mal auf Waldwegen, mal auf Verbindungspfaden, bis ich die Lieser wieder neben mir plätschern hörte. Eine weiter Brücke folgte, bevor es auf schmalem Weg erst durch eine Schonung, dann am Berghang steil bergauf ging. Dass ich zum Ende des Anstieges wieder laute Stimmen hörte, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen - zu viel Gewicht würde ich dem dadurch zumessen -, aber als ich oben angekommen war, sah ich dort erneut die Gruppe um einen Picknicktisch zur Rast sitzen. Wir winkten uns zu und von da an habe ich sie nicht mehr gesehen.

Noch einmal verlief der Weg auf schmalen Pfad an Hang entlang, bevor er dann steil bergab führte. Die Belohnung für diesen mühsamen Abstieg war ein idyllischen Plätzchen, an dem ein kleiner Bach in die Lieser mündete, mitten im Wald gelegen und überschattet von einem uralten Eichenbaum, der seine Äste tief über den hier sanft dahinfließenden Fluss beugte. Im Schatten am Ufer erschien mir ein geeigneter Platz zu sein, um für eine Mittagsrast meinen Proviant aus dem Rucksack hervorzuholen.

Spätestens von hier ab, aber eigentlich auch schon eine Zeit zuvor, machte sich die Länge des Weges und die damit verbundene Fußkrankheit bei mir bemerkbar. Deshalb war ich letztlich auch froh, dass der Weg mehr und mehr "normale" Züge annahm und er von nun an mit der Lieser ganz leicht aber stetig bergab ging.

Erste Hinweisschilder zu Ausflugslokalen abseits des Weges als Zeichen nahender Zivilisation und dem heranrückenden Ziel Wittlich tauchten auf. Eines davon, die alte Pleiner Mühle, liegt am anderen Uferrand der Lieser im Wald und da der Weg oberhalb davon verläuft, hat man einen netten Blick darauf. Leider war Montag und somit Ruhetag, sonst hätte ich vielleicht dort eine weitere Rast eingelegt, allerdings mit der Gefahr, nach dem ersten Weizen von dort nicht mehr aufstehen zu wollen.

So aber musste ich weiter und schon bald war auf der anderen Talseite eine Straße zu hören. Das Tal öffnete sich immer mehr und immer größere Wiesen schimmerten durch die Bäume, bis sich auch die ersten Weinstöcke an den Bergen reihten. Je weiter das Tal wurde, desto mehr wuchs auch die Zahl der ehemaligen Mühlen, kam ich an einer Schrebergartenkolonie vorbei, bis ich schließlich einen Reitstall, den Sportplatz und die ersten Häuser von Wittlich erreichte.

Nett fand ich schließlich noch die kleine Geschichte, die ich am Rande von Wittlich in einem kleinen Keller- oder Garagengetränkemarkt erlebt habe. Mein Wasservorrat war verbraucht und ich hatte Durst. Also war es keine lange Überlegung, in dem Markt, der am Wege lag, eine Flasche Wasser einzukaufen. Hinter der Kasse saß eine Oma, vielleicht so um die 65, 70 Jahre alt, die mich freundlich begrüßte. Beim Bezahlen fragte ich sie dann, ob sie mir den Weg zum Busbahnhof erklären könnte. Auf ihre Gegenfrage, ob ich mit dem Auto da sei, sagte ich, ich sei zu Fuß von Manderscheid gekommen, worauf sie antwortete, dass es ja noch so weit bis zum Busbahnhof und ich schon so viel gelaufen sei, außerdem wäre es schwierig zu erklären, wie man dorthin kommen würde, da würde sich bestimmt jemand finden, der mich dorthin fahren würde. Gesagt, getan, schon begann sie nach einer Fahrgelegenheit für mich Ausschau zu halten und fand auch tatsächlich sofort jemanden, der sich bereit erklärte, mich bis zum Busplatz mitzunehmen. Eigentlich etwas unsportlich, war ich doch verdammt froh, diese Strecke nicht mehr laufen zu müssen. Aber ich gelangte dadurch auch so pünktlich zum Busbahnhof, dass ich nur 5 Minuten warten brauchte, bis der Bus in Richtung Manderscheid kam. Ansonsten hätte ich erst den nächsten eine Stunde später nehmen können, und zum Ansehen der Stadt stand mir nun wirklich nicht mehr der Sinn.

Als ich dann mit dem Bus zurückfuhr, versuchte ich immer wieder das Tal der Lieser auszumachen, um zu sehen, wie weit es wirklich von der Zivilisation entfernt liegt, aber nirgendwo konnte ich es entdecken. Beinahe schien es so, als läge es in einer weit entfernten Wildnis.

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