Gebirgsbach und Hochebene
-->Die Rur bei Monschau und Kalterherberg


  • Weg: Vom Parkplatz Dreistegen bei Monschau an der Rur flussaufwärts bis zum Gut Reichenstein. Weiter ein Stück durch den Wald, mit Blick auf die Uferwiesen und -weiden im breiter gewordenen Rurtal, und schließlich hinauf nach Kalterherberg. Über die Hochebene, bis es wieder ins Tal hinab zur Rur und zurück zum Parkplatz geht --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 10 km
  • Dauer: 3 h
  • Schwierigkeit: Leicht, lediglich auf dem Rückweg geht es über einen Pfad bergab, auf dem lose liegende Steine von feuchtem Laub überbedeckt werden und den Weg durch die entstehende Rutschgefahr gefährlich machen.
  • Bewertung: Sehr schöner, landschaftlich reizvoller und abwechslungsreicher Weg.
  • Informationen und Karten: Die Beschreibung der Tour gibt es in der "Wandertüte" von Gottfried Rempel, die ich in Simonskall für 3,50 Euro erworben habe. Danach kann man den Weg auch ohne Karte sehr gut finden. Interessantes und Geschichtliches über das Gut Reichenstein.

Vorgeschichte: Eigentlich hatte ich in Simonskall detaillierte Infos über den dortigen Historischen Wanderweg gesucht und finden wollen. Stattdessen erstand ich die "Wandertüte", eine nett gestaltete Sammlung von Spaziergängen rund um Vossenack und Simonskall, sowie drei Beschreibungen mit der Überschrift "Das besondere Erlebnis". Da der Herbst sich von seiner schönsten und buntesten Seite zeigte, musste ich noch mal hinaus, um diese Farbenvielfalt mit meiner alten Minolta Spiegelreflex-Kamera festzuhalten. Damit bewaffnet war ich also noch einmal eine Strecke mit dem Auto gefahren, die ich als sehr schön und interessant für meine Zwecke in Erinnerung hatte. Gelandet war ich so zunächst wieder im Hürtgenwald und schließlich in der Nähe von Monschau, wo einer der drei Erlebniswanderungen startet.

Der Parkplatz Dreistegen liegt direkt an der Rur in einem dunklen Tal, und was ich vorher der Beschreibung nicht so recht abnehmen wollte, stimmt tatsächlich: Der Fluss sprudelt und windet sich über und um Steine und Felsen, sodass man wirklich glauben könnte, man sei im Hochgebirge gelandet. Kühl ist es, als ich mir die Schuhe schnüre, auch wenn die Sonne scheint. Aber das Tal liegt im Schatten der Berge rechts und links, dichter Baumbewuchs tut ein übriges dazu, und so glitzert auch hier und da noch der Raureif an diesem späten Vormittag im November und bildet überall weiße Flecken auf dem herabgefallenen Laub und der Wiese.

Schon nach den ersten Schritten bin ich angetan von der Gebirgslandschaft und dem wilden Fluss. Ein verwaister Jugendzeltplatz taucht auf und ich denke, dass der Platz schön gewählt ist, aber ob man in direkter Nähe zur rauschenden Rur wirklich zum Schlafen kommen kann?

Tief ragen die Nadelbäume über das Ufer hinweg, klar bis zum Grund ist das Wasser dort, wo es nicht unruhig zwischen den Steinen sprudelt. Dann leuchtet und spiegelt sich die Sonne an diesen seltenen Stellen auf der Wasseroberfläche, bis der Wald wieder dicht am Ufer steht und das Flüßchen munter weiter rauscht. Eichendorff oder Hesse möchte man heißen, um die Schönheit des Tales wiedergeben zu können.

Nach nur 3,5 km ist es leider schon vorbei mit dem wilden Gebirgsbach. Dafür steigt man ein wenig an und gelangt so an einen Weiher, der am Gut Reichenstein liegt. Dieses Gut ist heute in privatem Besitz, hat aber eine lange und bewegte Vergangenheit, die unter dem oben stehen Link nachzulesen ist.

Vom Gut muss man ein kleines Stück wieder zurückgehen, wieder vorbei am Weiher, und kommt so an eine wenig befahrene Straße, die sich durch den Wald schlängelt. Bevor man sich nach links wendet, sieht man rechter Hand noch die Reichensteiner Brücke der Vennbahn, die sich in hochgeschwungenen Bögen über das Tal erstreckt. Ein Stück weit geht es nun der Straße entlang, an einem Parkplatz vorbei, an dem ein Weg zum Kreuz im Venn abgeht. Über eine Straßenbrücke gelangt man dann auf die andere Uferseite der Rur hinüber zur Norbertkapelle. Direkt hinter der Brücke geht der Weg wieder von der Straße ab und führt weiter das Rurtal hinauf in Richtung Hohes Venn, wo die Rur entspringt. Hier aber hat sich das Tal geöffnet und ist weiter geworden, das Ufer mit Wiesen und Weiden gesäumt, und so ganz anders, als noch vor kurzem.

Bald erfolgt der Anstieg durch den Nadelwald hinauf zu den ersten Häusern am Rande von Kalterherberg. Die Straße von vorhin wird überquert und am Waldrand entlang hat man bald einen sehr schönen Blick ins Tal auf das oben schon beschriebene Gut Reichenstein.

Aber nicht zu sehr sollte man sich vom Ausblick auf das Gut gefangen nehmen lassen, denn auf gleicher Höhe des Weges führt ein schmaler Trampelpfad, der nur schwer auszumachen ist, rechts durch Heidekraut den Hang hinauf.

Oben angekommen bekommt die Landschaft nun einen ganz anderen Charakter: Über die kahle Hochebene hat man einen weiten Blick, der nur selten in der Ferne von Bäumen verstellt wird. Über diese Hochebene geht es auf den Wegen durch die Weiden weiter, die sich zunächst unmerklich, dann aber immer mehr dem Tal zuneigt.

Als der Wald wieder erreicht ist, zweigt der beschriebene Weg ab und verläuft eng zwischen Weidenzaum und Waldrand. Die Geländeform nimmt mit jedem Schritt bergab mehr und mehr die eines Keiles an, kein Wunder, in mitten der baumumrandeten Weide fließt wieder ein kleiner Bach, der - man ahnt es bereits - der wilden Rur entgegenstrebt.

Als der Buchenwald erreicht ist, gilt es aufzupassen, denn das Laub hat sich über den Weg gelegt und verbirgt zum Teil loses Gestein unter sich. Dennoch ist es herrlich, durch das hohe, raschelnde Blattwerk ins dunkele Tal der Rur hinabzusteigen.


Nachtrag Frühjahr 2012

Diese Runde hatte ich mir schon lange mal wieder vorgenommen, für einen Wanderführer mache ich dann dieses Vorhaben endlich wahr. Trotz noch schlafender Vegetation und vereinzelten Eisschollen am Ufer der Rur ist die Tour auch diesmal allein wegen dem Abschnitt bis zum Gut Reichenstein, das inzwischen wieder Kloster geworden ist, einfach toll.

Diesmal gehe ich aber nicht einfach die Straße entlang zur Norbertkapelle, sondern füge noch einen weiteren, interessanten Punkt zur Strecke hinzu: An der Bushaltestelle nehme ich den Weg hinauf zur ehemaligen Strecke der Vennbahn, die gerade zum Radweg umgebaut wird, und wandere zum Kreuz im Venn. Dieses große Eisenkreuz, das auf einem Felsen über einer Grote mit einer Marienstatue steht, hatte ich schon lange einen Besuch abstatten wollen.

Nachdem ich den Felsen umrundet und auf der anderen Seite die in den Fels gehauenen Stufen zum Kreuz hinaufgeklettert bin, mache ich noch eine Schleife durch den Wald, bevor ich hinunter zur Norbertkapelle gehe. Anschließend folge ich wieder dem bereits oben beschriebenen Weg, wandere dann allerdings auf der Höhe einfach geradeaus in den Wald hinein, anstatt wie zuvor drum herum. Aber wie die Wegskizze und die Markierungen unterwegs zeigen, gibt es hier mehrere Möglichkeiten.



Drucken  Drucken