Rund um den Mont Rigi
--> Das Hohe Venn in Belgien


  • Weg: Vom Naturparkzentrum in der Nähe von Sourbrodt durch Wald und Hochmoor zur Baraque Michel, einem Restaurant und Informationspunkt an der N68. Von dort durch das Wallonische Venn zum Aussichtturm Botrange, der höchsten Erhebung Belgiens, und zurück zum Nationalparkzentrum. Alternativ kann man auch am Grenzstein 157 dem Bachlauf der Helle folgen --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 14 km
  • Dauer: ca. 3,5 h
  • Schwierigkeit: Leicht.
  • Bewertung: Vor allen Dingen auf den Strecken durch das Moorgebiet auf Grund des ungewöhnlichen Laufens über Holzstege und der einzigartigen Landschaft drum herum macht die Tour Spaß.
  • Informationen und Karten:
    Die Pfade und Stege östlich der N68, sind nach einem Brandes am 25.04.2011 gesperrt gewesen, sollen aber inzwischen wieder begeghbar sein. Natürlich kann man auch andere Wege gehen, so habe ich 2014 eine Schleife von Baraque Michel aus westlich der N 68 gewandert - eine Tour, die ich auf der Tourismus-Website der Wallonie gefunden habe.

    Allgemeine Infos über das Hohe Venn und den deutsch-belgischen Naturpark. Im Nationalparkzentrum Botrange und am Baraque Michel kann man sich über die verschiedene Rundtouren informieren. Baraque Michel ist ausgeschildert und man folgt dem grünen Balken. Von Baraque Michel ins Tal ist der Grenzstein 157 nur über einen Steg zu erreichen. Kurz davor biegt man ab, um zum Aussichtsturm zu gelangen, sonst geht man weiter an der Helle entlang. Auf Grund der Beschilderung und oft auch wegen mangelnder Alternativen ist keine Karte nötig.

Das Verlassen der Weg ist im gesamten Venn verboten. Wer will, kann einen offiziellen Führer anheuern, der dann über "verbotene" Wege durch das Hochmoor führt, die eben nur mit einem solchen Führer zu betreten erlaubt sind. Sonst führen breite, zum Teil asphaltierte Wege durch die Landschaft, und dort, wo es erlaubterweise durch das Moor geht, sind Stege gebaut worden, auf denen man bequem und trockenen Fußes hindurch gelangt.

Das Naturparkzentrum ist ein Anlaufpunkt für Besucher des Hohen Venns. Hier kann man sich über die einzigartige Natur informieren und viel wissenswertes erfahren. Wenn die Tage kühler werden, brennt ein nach frischem Holz duftendes Feuer im Foyer, an das man sich setzen kann, um sich aufzuwärmen oder einfach, um den Flammen bei ihrem Spiel zuzusehen. Auch das Auto kann hier geparkt werden, um zu Fuß durch das Hochmoor zu laufen. Ein Nachteil dabei ist sicherlich, dass recht viele Menschen durch dieses Zentrum angezogen werden, die sich dann auf den wenigen Wegen durchs Venn treffen. Das mag sich nun schlimmer anhören als es ist, aber wer sich einsame Wanderungen durch weite Landschaften wünscht, wird ein wenig ernüchtert werden.

Das erste Ziel und gleichzeitig Halbzeit auf meiner Tour war die Baraque Michel. Zunächst etwas enttäuschend zu Beginn der Strecke der Weg durch Fichtenwald, der am Reißbrett entstanden zu sein scheint - gerade ausgerichtete Bäume ohne nennenswertes Unterholz. Nach wenigen Kilometern aber öffnet sich zum ersten Mal der Wald und gibt den Blick auf die Moorlandschaft frei: Ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen wird.

Eine Straße muss überquert werden und der Weg führt in eine Senke, der hohe Baumbestand tritt nach und nach zurück und gibt den Blick frei auf die hügelige, weite Landschaft. Ein Bach sprudelt munter quer zum Weg und erste, kürzere Stege markieren wo es lang geht. Doch es muss hier im vergangenen Sommer sehr trocken gewesen sein und auch jetzt im Herbst wird es nur wenige Niederschläge gegeben haben, denn eine feuchte Stelle ist nicht auszumachen.

Wieder stößt man auf eine breite Waldstraße, biegt rechts ab zum Kreuz der Verlobten - errichtet an der Stelle, an der ein verlobtes Paar am 21.01.1871 auf dem Weg zur Besorgung der Heiratspapiere erfroren ist - und steigt einen Hügel hinauf.

Oben angekommen geht es dann richtig los und man befindet sich im Hochmoor. Hier beginnt auch der Steg, der bis zur Baraque Michel nicht mehr unterbrochen wird, also gut 1,5 - 2 Kilometer lang ist. Mich erinnert das an Lappland, wo ich vor einigen Jahren einmal eine 10-tägige Wanderung unternommen habe. Dort gab es auch an feuchten Stellen immer wieder Abschnitte, wo der Weg über Holzstege geführt wurde. "Fjäll-Autobahn" habe ich die damals für mich genannt, denn nach steinigen Wegen kam man darauf immer sehr gut und schnell vorwärts. Im Hohen Venn bieten diese Stege aber noch einen weiteren Vorteil: Durch den erhöhten Stand kann man weit über die Hochebene sehen, wobei der Blick nur gelegentlich von niedrig wachsenden Baumgruppen versperrt wird. Noch beeindruckender ist das Bild aber, wenn bei Baraque Michel die Straße überquert worden ist und der Steg von dort ins Tal führt. Dort, durch den erhöhten Standpunkt, geht die Sicht ungehindert noch viel weiter über das jetzt im Herbst gelblich, braun gefärbtem Pfeifengras. So weit das Auge reicht wiegen sich die Halme im Wind, bis über die Grenze ins benachbarte Deutschland hinein.

Doch bevor wir nun eintaucht in dieses wogende Meer noch ein wenig Geschichte: Baraque Michel ist ursprünglich 1808 als Rettungshütte entstanden, bevor 1826, nach dem Bau der preußischen Landstraße Malmedy - Eupen und der Einrichtung einer Postrelaisstation ein Steinhaus daraus wurde. Heute ist es ein Restaurant und das höchstgelegene Hotel Belgiens. Daneben findet man die Kapelle Fischbach von 1830, deren Turm früher ein Leuchtfeuer enthielt. Kurz nach Überqueren der Straße kann man einen Schlenker machen und gelangt so an das Priorkreuz. 1605 wurde die Grenze an dieser Stelle auf Betreiben der Priors von Malmedy neu festgelegt. 250 Jahre später fand man den Grenzstein im Moor wieder, der dann 1950 von den belgischen Vennfreunden - Amis de al Fagne - neu errichtet wurde.

Im Tal angekommen sticht eine kleine Baumgruppe hervor, durch die ein kleiner Bach plätschert, die Helle. Hier taucht plötzlich der Grenzstein 157 auf. Spätestens wenn man vor diesem steht muss man sich entscheiden, ob man der Helle folgen möchte, oder ein paar Schritte zurück geht und den abzweigenden Steg nimmt, der bald am Waldrand endet. Weiter geht es hier zwischen Wallonischem Venn und Wald, steigt man so im Gelände über die Allee Maria-Theresia wieder bergan. Warum dieser Weg so heißt? - Keine Ahnung. Aber er führt hinauf auf den Botrange, Belgiens höchsten Berg mit 694 m. Dort gibt es einen Turm mit Wetterstation und eine Gaststätte. Als Kuriosität sein hier noch der Baltiahügel erwähnt, der hinter der Gaststätte zu finden ist. Diesen Hügel ließ der gleichnamige Hohe Kommissar Belgiens für Eupen-Malmedy 1923 errichten, um Belgien eine Erhebung von über 700 m zu geben.

Vom Botrange ist es dann nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt am Naturparkzentrum.



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