Träumereien auf neu angelegten Pfaden
--> Der Förstersteig bei Mayen


  • Weg: Vom Parkplatz am Schloss Bürresheim auf den "Förstersteig". Auf diesem durch das Nitzbachtal hinauf nach Kürrenberg und auf den Scheidkopf. Von dort durch Ruppen- und Eiterbachtal zur Luisenplatzhütte und zum Altener Tempelchen. Am Fünfkantenstein vorbei zurück zum Schloss Bürresheim --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 15,5 km
  • Dauer: 5,5 h
  • Schwierigkeit: Einige Steigungen machen den Weg mittelschwer.
  • Bewertung: Abwechslungsreich geführter Weg, meist durch Wälder. Tal- und Panoramablicke zwischendurch, sowie die Möglichkeit der Schlossbesichtigung zu Beginn oder am Ende der Tour bilden die Höhepunkte.
  • Informationen und Karten: Der "Förstersteig" ist einer von derzeit – im Jahr 2008 - elf Traumpfaden der Rhein-Mosel-Eifel-Touristik. Der Internetauftritt Traumpfade.info bietet alles, was das Herz zur Planung der jeweiligen Wanderstrecke begehrt: skalierbare, topographische Karte mit eingezeichnetem Wegverlauf, Höhenprofil, ein Überblick im pdf-Format, 3D-Flug, GPS-Daten...
    Unterwegs ist der Weg mit Wegweisern und Markierungen sehr gut bestückt, so dass eine Karte nicht nötig ist, um den Weg zu finden.
    Öffnungszeiten und Eintrittspreise für Schloss Bürresheim findet man auf den Seiten der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, allgemeine Informationen bei wikipedia.

Nachtrag
Beim Zusammenstellen dieser Seite war ein anderer "Traumpfad", nämlich der "Virne-Burgweg", gerade von der Redaktion des Wandermagazins zu "Deutschlands Schönstem Wanderweg 2008" gekürt worden. Natürlich konnte ich es mir deshalb nicht nehmen lassen, auch den in der Nähe gelegenen Rundweg zu wandern. Nachzulesen ist das hier: "Virne-Burgweg".

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Wanderwege dürfen heute ja nicht mehr einfach nur Wanderweg, A1 oder Rhein-Main-Weg heißen, sondern müssen ausgezeichnet sein und sich am besten Premiumwanderweg nennen dürfen. Ein Prädikat, das vom Deutschen Wanderinstitut nach bestimmten Kriterien vergeben wird. Und wenn es nicht zum Premiumweg reicht, dann werden eben eigene, neue Qualitätsmerkmale ersonnen, um dem Weg schon mit dem Namen etwas Besonderes mitzugeben und ihn so von anderen hervorzuheben. Was diese Wege aber dann wirklich von anderen unterscheidet, bleibt oft unklar. So auch beim "Förstersteig", der nicht einfach nur ein Wanderweg ist, sondern auch ein "Traumpfad", einer von derzeit elf Rundstrecken im Dreieck Rhein-Mosel-Eifel, und eben auch Premiumwanderweg.

Als Startpunkt für den "Förstersteig" wird in der Beschreibung, die man sich auf der oben genannten Website anschauen kann, der Ort Kürrenberg bei Mayen angegeben. Spätestens nach einem Blick auf das ebenfalls dort zu findende Höhenprofil entscheide ich mich aber dagegen und wähle stattdessen den Parkplatz von Schloss Bürresheim. Das hat vor allen Dingen drei Gründe:

  1. Das Schloss liegt an der tiefsten Stelle der Strecke, startet man dort, wird schon zu Beginn der Wanderung mit frischen Kräften die insgesamt längste und anstrengende, mehr oder weniger 6 km lange Steigung hinauf nach Kürrenberg und zum Scheidkopf bewältigt, und nicht erst am Ende der Wanderung.
  2. Wenn man das Schloss besichtigen möchte und die Strecke nicht kennt, ist es schwer einzuschätzen, wie lange die Besichtigung bzw. der Rest des Weges dauern wird, der Restweg kann aber noch sehr, sehr lang werden, wenn man die Besichtigung in der Mitte der Wanderung macht. Sinnvoller ist es sicher, erst die Wanderung zu machen und dann, wenn noch Lust und Zeit vorhanden ist, das Schloss zu besichtigen.
  3. Am Weg, ganz in der Nähe von Schloss Bürresheim, liegt die Hammesmühle, ein historisches Gasthaus, das sich für eine Einkehr anbietet. Mit vollem Magen zur letzten, schweren Etappe aufzubrechen ist sicher nichts für Jedermann, deshalb erscheint mir eine Pause dort eher als Abschluss geeignet oder um sich für die an- und abschließende Besichtigung des Schlosses auszuruhen.
Auch im späteren Verlauf der Wanderung deuten einige Dinge darauf hin, dass diese Wanderstrecke wohl eher in irgendeinem Planer-Büro erträumt, als wirklich auf der Strecke erdacht worden ist.

Schloss Bürresheim ist aber in jedem Fall ein Hingucker, egal, ob man daran von Mayen kommend vorbeifährt oder auf dem Parkplatz davor anhält. Im dicht bewaldeten Tal liegt es wild-romantisch wie ein Dornröschenschloss. Eindrucksvoll sind auch die wiederkehrenden Blicke auf das Schloss von erhöhter Position während des ersten Kilometers der Wanderstrecke, die von dort in das Nitzbachtal führt.

"Welche Bedingungen muss ein Wanderweg erfüllen?" Diese Frage werden sich die Planer der Traumpfade gestellt haben, als sie am grünen Tisch in der Agentur zusammengesessen haben. Ein Merkmal, das nach dem Brainstorming auf der Flip Chart gestanden hat, war sicher die gute Markierung des Weges. Dieser Punkt ist gelungen. Die Markierung ist wirklich so gut, dass es fast schon wieder langweilig ist, weil das Abenteuer verloren geht, die Jagd nach dem nächsten Hinweis. An vielen Stellen befinden sich Wegweiser, die die Richtung mit Kilometerangabe weisen und zwischendurch leuchten in ausreichend dichter Folge die Wanderzeichen des Traumpfades. Ein Verlaufen ist also so gut wie unmöglich. Das es mir am Ende, als ich nach dem Fünfkantenstein von einem Pfad auf einen Fahrweg abbiege, doch einmal passiert, liegt eher an meinem durch den einsetzenden Regen und die Müdigkeit gesenkten Kopf.

Bis dahin ist es aber noch weit. Zunächst gilt es durch das Nitzbachtal zu wandern. Dabei geht es ein Stück in der Nähe des Baches entlang, bis ein Anstieg über den Rücken eines Bergkammes folgt. Dieser schmale Pfad, immerhin nennt sich der gesamte Weg ja auch "Traumpfad", stößt auf einen breiten Weg, an dem ein Schild den Weg weist. Dabei frage ich mich – nicht das einzige Mal im Verlauf der weiteren Wanderung -, ob der Weg, auf den ich da gelangt bin, nicht der Weg war, von dem ich zuvor abgezeigt bin? Bisher ist der Traumpfad aber sehr schön durch den Wald und auf weichen Wegen geführt, so dass ich darüber nicht weiter nachdenke.

Es folgt eine Passage, bei der es kreuz und quer bergan geht. Bei einem Blick ins Tal ist die schmale Straße durch die Bäume bald nur noch als dünnes, graues Band zu erkennen. Aber immer, wenn man denkt, jetzt ist der Anstieg geschafft, biegt der Weg ab, macht eine erneute Kehre und führt weiter den Berg hinauf. Dabei kann man dann immer auf den gerade erklommenen Weg, eine Etage tiefer, schauen.

Wenn die Bäume dann den Blick auf den Ort Nitztal freigeben, wird man das erste Mal für den langen Aufstieg mit einen schönen Panorama über die Höhen der Eifel belohnt.

Ein Stück weiter tritt der Weg aus dem Wald heraus und führt am Rande einer Weide entlang. Hier sind auch die ersten Häuser von Kürrenberg ganz in der Nähe und während der Scheidkopf unspektakulär daherkommt, ist der weitläufige Blick nach Osten und Westen auf beiden Seiten des Berges wirklich beeindruckend.

Von nun an geht es bergab, zumindest eine ganze Zeit lang für etwas 2 km. Durch das Ruppental verläuft der Weg entlang des Baches in das Eiterbachtal und dort bis zur Eiterbachweiherhütte. Hiernach ist der Anstieg zur Luisenplatzhütte angesagt, von der man dann einen schönen Rundblick über Mayen und weit darüber hinaus hat.

Nein, mit schönen Ausblicken und Panoramen spart diese Tour wirklich nicht. Die nächste Aussicht wartet schon am Altener Tempelchen. Auf dem Weg dorthin, kurz hinter dem Luisenplatz, werden Baggergeräusche laut, die mit jedem Schritt zunehmen. Zunächst denke ich an eine Baustelle in der Nähe – dafür kann niemand etwas. Dann gelange ich an eine Wegkreuzung, an der eine Reihe von Schildern in die verschiedenen Richtungen zeigen. Mit dem Weg links sind es nach Auskunft eines der Wegweiser 1,5 km bis zum Fünfkantenstein, rechts, dem Förstersteig folgend, sind es dagegen 3 km. Zwar zögere ich einen Augenblick, dann biege ich aber doch nach rechts ab. Das erweist sich in zweifacher Hinsicht als Fehler:

  1. Der Lärm der Baumaschinen nimmt mit jedem Schritt zu, auf die Quelle dafür schaut man vom Altener Tempelchen: Ein Steinbruch auf der anderen Seite des Tales. Vielleicht wird dort am Wochenende nicht gearbeitet, in der Woche sind die Geräusche auch auf dem nächsten Wegstück zum Fünfkantenstein lange deutlich zu hören und wirken auf dem Waldweg doppelt störend. Auch der Blick auf den Ort St. Johann, oberhalb des Steinbruches, ist deshalb nicht wirklich ein Genuss.
  2. Natürlich ist er Weg zum Fünfkantenstein nun auch doppelt so lang, aber vor allen Dingen bringt er auf dem letzten Stück eine sehr starke Steigung. Ein neu angelegter Pfad biegt dafür vom Waldweg ab und quert die Höhenlinien senkrecht. Die Steigung auf dem kürzeren Weg fällt dagegen bei einem Blick auf die Karte deutlich weniger steil aus.

Der Fünfkantenstein ist ein Vermessungspunkt aus dem 18. Jahrhundert, an dem fünf Gemarkungen aneinander stoßen. Er steht neben einer Roßkastanie mitten im Wald an einer Wegekreuzung. Daneben gibt es eine große Schutzhütte und einen modernen Fünfkantenstein mit eben genau fünf Kanten bzw. Seiten als Sitzgelegenheit. Dieser Punkt scheint ein sehr beliebtes Ziel zu sein, denn während meiner kurzen Pause kommen dort mehrere Spaziergänger, Nordic Walker und auch eine Reitergruppe vorbei. Leider beginnt es hier auch zu regnen.

Der Rest des Weges ist schnell erzählt. Wie oben schon beschrieben achte ich auf einer Kreuzung kurz hinter dem Fünfkantenstein nicht auf die Markierung und lande so fast wieder in Kürrenberg. Wieder auf dem richtigen Weg geht es dann mehr oder weniger nur noch bergab, zum Teil auch sehr steil. Dafür gibt es aber jetzt auch wieder - trotz Regen - sehr schöne Blicke hinab auf Schloss Bürresheim.



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