Römer, harte Kerle und Kamelle
--> Ein Stück Kottenforst in der Voreifel


  • Weg: Am Parkplatz "Dützhof" an der L182 zwischen Heimerzheim und Brenig startet diese Runde und schließt sich nach "Duvenmaar", "Eiserner Mann" und "Kamelleboom" dort auch wieder --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 11 km
  • Dauer: 2,5 h
  • Schwierigkeit: Leicht.
  • Bewertung: Schöne Rundtour auf ebenen Wegen durch viel Wald und mit interessanten Sehenswürdigkeiten. Allerdings ist dieses Gebiet auch ein beliebtes Ausflugsziel, sodass man bei gutem Wetter nie allein unterwegs ist.
  • Informationen und Karten: Angeregt durch einen Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 1. Mai 2004 hatte ich diese Strecke endlich einmal in Angriff genommen. Leider ist der Artikel auf den Seiten von rundschau-online.de nicht zu finden. Geeignet für die Tour ist die Radwanderkarte 1:50 000 NRW Rhein-Sieg-Kreis.

Das Wetter passt ganz gut an diesem Tag im Sommer, denn es ist nicht zu warm und es verspricht trotzdem ein schöner Tag zu werden. Am Parkplatz "Dützhof" schnüre ich also meine Schuhe und laufe los. Schon am Auto stehe ich im Wald und von dort verläuft der Weg schnurgerade durch einen Buchenwald, dessen Blätter jetzt im Sommer so richtig schön grün leuchten. Nach wenigen Schritten entdecke ich am Wegesrand eine für mich erste kleine Sensation, nämlich eine Staude von ca. 1,80 m Höhe, die ein paar schöne Blüten an der Spitze hat.

Oft empfinde ich Waldwege als langweilig, weil man nicht viel sehen kann, keine Landschaft und eben nur Bäume. Hier ist der Wald aber wirklich schön und vor allen Dingen abwechslungsreich. Denn den Weg säumen nicht nur Nadelbaumkulturen, die es hier natürlich auch gibt, sondern meistens sind es Laubbäume, Buchen, oft Eichen und nicht zuletzt auch Birken. Das Laubwälder viel interessanter sind, zeigt auch ein toter Baumstamm am Weg, der offensichtlich von Vögeln wie Spechten als Brutplatz benutzt wird.

Das "Duvenmaar" liegt versteckt ein wenig abseits des Weges. Sicher ist es keine Sensation, aber es zeigt eben doch, dass dieser Wald nicht aus üblichen Monokulturen besteht und für Mensch und Tier viele interessante Stellen bietet.

Auf einer Vier-Wege-Kreuzung stehe ich dann im warmen Sonnenschein einem aus der Erde ragendem Stück Eisen gegenüber, dem sogenannten "Eisernen Mann". Dies ist ein Roheisenbarren, dessen größerer Teil allerdings in der Erde vergraben ist. Auf Handzetteln, die in der nahegelegenen Schutzhütte zum Mitnehmen ausgehängt sind, finde ich dann nähere Details zu diesem Burschen, der dort steckt. Viel verraten möchte ich an dieser Stelle aber nicht, nur dass sich in der Römerzeit ein Soldat beim täglichen Mittagsgeläut dreimal im Grabe herumgedreht und der "Eiserne Mann" dazu getanzt haben soll. Auch heiratswilligen jungen Frauen soll das Küssen des "Eisernen Mannes" an drei aufeinander folgenden Tagen geholfen haben, einen Mann zu finden und ihre Fruchtbarkeit unter Beweiß zu stellen. Die Buschhovener jedenfalls sehen darin den Grund für das deutliche Anwachsen der Bevölkerung.

Das Stichwort Römer ist gerade gefallen, und schon verläuft der Weg auf dem Römerkanal-Wanderweg. An der ehemaligen Wasserleitung entlang geht es nun weiter zum "Kamelleboom". Von den eigentlichen Leitungsrohren ist allerdings nichts mehr zu sehen, denn die Steine wurden spätestens im Mittelalter herausgebrochen und zum Bau von Gebäuden verwendet. Lediglich der Graben, in dem die Leitung verlief, ist an manchen Stellen zu besichtigen, nämlich dort, wo auch Schilder des Römerkanal-Wanderweges darauf hinweisen. Zugegeben, es ist eher enttäuschend, was man hier sieht, aber wenn man gut drauf ist, kann man sich in diesem Wald tatsächlich mit ein wenig Fantasie vorstellen, wie vor 2000 Jahren die Römerkohorten hier entlang marschiert sind.

Beim "Kamelleboom" zweigt die heutige Tour wieder vom Römerkanal-Wanderweg ab. Auch der "Kamelleboom" hat eine interessante Geschichte: Als Gemarkungsgrenze diente die viele hundert Jahre alte Eiche einst den Grundherren und die Wege trafen sich hier, sodass die Bauern der Voreifel auf ihrem Weg zum Bonner Markt stets an diesem Baum vorbeikamen. Hatten sie auf dem Markttag ein gutes Geschäft gemacht, dann kauften sie ihren Kindern Kamelle. Die gab man den Kindern jedoch nicht einfach, sondern beauftragte vorrausgehende Bauern oder Nachbarn damit, sie in dem Baum, der viele Höhlen und Verstecke bot, zu deponieren. Kam der Bauer mit seinen Kindern dann auf dem Weg nach Hause daran vorbei, durften die Kinder nach den Süßigkeiten im Baum suchen.

Heute steht von dem Baum nicht mehr viel, nur ein Stück des verwitterten, alten Stammes ist noch erhalten. An der Gemarkungsgrenze hat man dafür eine neue Eiche gepflanzt. Wenn die in einigen Jahren einmal so weit ist, wird sie sicher wieder als richtiger "Kamelleboom" dienen können.

Vom alten Baum und seiner Geschichte gelangt man zu einem Kreuz, das an einer Weggabelung steht. Dort biegt man rechts ab und kommt an einer schon ziemlich verfallenen Schutzhütte vorbei. Kurz danach werden die Wege schnurgerade und der Wald öffnet sich mehr und mehr. Ein Zeichen dafür, dass der Parkplatz näher kommt, denn nun kann man bald auch über die weiten Felder blicken, die rechts der Straße nach Brenig liegen.



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