Von Spuren des Bergbaus und falschen Bergen in der Eifel
--> Bergbauhistorische Wanderung bei Mechernich


  • Weg: Start und Ziel ist der Parkplatz des Bergbaumuseums in Mechernich. Von dort führt der Weg an Weihern vorbei hinauf zum Bleiberg und an der Reißhecke zurück zum Museum --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 11 km
  • Dauer: 3 h
  • Schwierigkeit: Leicht.
  • Bewertung: Interessant.
  • Informationen und Karten: Als Karte kommt die Wanderkarte 1 : 25 000 Mechernich/Kommern in Frage. Diese Karte zu kaufen ist jedoch nicht notwendig, denn die Wanderung hier folgt der Bergbauhistorischen Wanderung, die auf dem Internetangebot des Bergbaumuseums sehr schön mit Karte gezeigt ist. Auch im Museum selbst kann diese Beschreibung erworben werden. Das lohnt sich auch deshalb, weil darunter in kurzen Worten beschrieben ist, woran man da eigentlich gerade vorbei wandert.

    Alternativroute mit Weitblick.

Eigentlich habe ich gar keine Zeit, eine Wanderung zu unternehmen. Doch ich will endlich mal wieder los und entschließe mich deshalb, ganz in der Nähe meines Heimatortes eine kleinere Tour zu machen, einen Nachmittagsausflug also. Ziel ist zunächst das Bergbaumuseum in Mechernich. Dort parke ich das Auto und gehe die K28 ein Stück weit in Richtung Bergheim an den Einfahrten des Bundeswehrdepots vorbei den Berg hinauf. Dabei stoße ich auf die Markierungen A1, A2, A3 und folge ihnen. Ein Stück hinter der zweiten Einfahrt zum Bundeswehrgelände führen diese Markierungen dann über die Straße und ich tauche in den Mischwald ein.

Schnell ist dann der Baltesbendener Weiher erreicht, der still zwischen den Bäumen liegt. Wasserlilien säumen das Ufer und ein Stockentenpaar begrüßt mich lauthals, als ich an das Wasser trete. Eine Bank lädt zum Ausruhen ein, aber ich bin ja gerade erst aufgebrochen und so umrunde ich den Weiher und folge den Markierungen A2, A3. Den Weiher im Rücken geht es dann durch einen jungen Baumbestand bergan, bis eine Art Hochebene erreicht ist. Herrlich, jetzt im Frühsommer blüht es überall am Wegesrand und die Farben leuchten gelb vom Ginster, violett von Lupinen, weiß der Holunder...

Auf der rechten Seite des Weges befindet sich nun eine große Wiese, die von Nadelwald umrandet wird, links des Weges stehen Pappeln. Wie in einem großen Garten kommt man sich hier oben vor, denn die Pappeln stehen in Reihe und Glied mit breiter Schneise dazwischen, riesige Holunderbüsche stehen in der Ebene und paar Kirschbäume gibt es auch.

Dann macht der Weg eine Kurve und ein dicker Turm taucht in einiger Entfernung über den Baumgipfeln auf. Eigentlich ein schönes Bild, wenn da nicht auch Maschinengeräusche aus dem Tal hinaufschallen würden. Ob das schon die Mülldeponie ist, überlege ich. Dann ist der Berg, auf dem ich stehe, vielleicht sogar ein Müllberg, an dem ich mitgewirkt habe. Das würde dann auch die noch recht neue Bepflanzung erklären. Aber laut Karte ist die Deponie noch ein Stück weit entfernt.

Als ich noch darüber nachdenke, scheint ein kreisrundes Becken aus Beton am Fuße des Weges durch die Bäume. Im Becken steht das Wasser, das giftig-grüngelb glänzt. "Großer Eindicker" steht in der Karte und jetzt hole ich auch die kurzen, beschreibenden Sätze heraus, die ich mir Zuhause von den Seiten des Bergbaumuseums zusammen mit der Karte heruntergeladen habe. "Er wird genutzt zur Trennung des Wasser-Sand-Gemisches im Rahmen der Erzaufbereitung, sein Durchmesser beträgt 60 m" ist in der Beschreibung zu lesen.

Ein paar Schritte weiter biegen die Wege A2, A3 nach rechts ab, ich aber gehe nach links und kurz darauf wieder nach rechts, um so den Buchholzer Weiher zu umrunden. Dieses Gewässer ist, so steht zu lesen, eine ehemalige Spülkippe, die nach der Schließung des Bergwerkes wegen seines langen, weißen Sandstrandes zum inoffiziellen Freibad von Mechernich wurde und heute ein einzigartiges Biotop darstellen soll. Dieser Abstecher lohnt wegen dem schönen Weg durch den Wald, auch wenn dabei das Wasser des Weihers vom Weg meistens nur zu erahnen ist. Deshalb nutze ich auch dann die Gelegenheit und folge einem Trampelpfad hinunter zum Ufer. Quacken und Vogelsingen begrüßen mich, als ich an den See trete, und plötzlich sehe ich auch einen Reiher, der mich von seinem Ast im Wasser schon lange entdeckt hat und mich nun unsicher beobachtet. Eine Zeit lang ist er unentschlossen, ob er mir trauen und weiter auf Fischjagd gehen kann, oder ob er doch lieber das Weite suchen soll. Letztendlich entscheidet er sich für das Letztere und verschwindet in den Baumkronen.

Nach dem schönen Weg um den Weiher stößt der A2 wieder mit dem A3 zusammen. Gehe ich nach rechts, gelange ich wieder zum Ausgangspunkt der Umrundung, also folge ich nun der A3 und gehe links, womit ich bald auf einen asphaltierter Waldweg komme. Mit dieser Straße steige ich zum Bleiberg hinauf.

Von dort hat man einen schönen Blick in den Tagebau des Kallmuther Berges und zwei Löcher im Berg zeigen alte Stollen, wie ich später erfahren werde.

Abwärts geht es dann auf einem langsam überwucherden Weg bis die Asphaltstraße wieder erreicht ist. Die ist zwar schnell zu laufen, aber jeder Wanderer weiß, dass ein weicher Waldweg für die Füße und auch das Wandergefühl angenehmer ist. Aber es sei auch gesagt, dass, wie man vielleicht bei dieser Art von Weg nicht vermuten würde, mir auf der bisherigen Strecke mit Ausnahme eines Rehs und eines Eichhörnchens niemand begegnet ist, und das wird auch so bleiben.

Die Straße macht eine 180° Kurve und gibt den Blick über die Höhenzüge der Nordeifel und auch auf einen Teil der Mülldeponie frei. Dem schlauen Zettel entnehmen ich, dass die Deponie auf dem Gelände des ehemaligen Tagebaus Virginia angelegt worden ist, unter dem sich das Bergwerk Virginia befindet. Der Müll soll sich hier bereits 80 m hoch türmen.

Entlang der "Reßhecke", die aus eingebrochenen Untertagebauen besteht, geht es auf der breiten Straße wieder in Richtung Bergwerkmuseum, bis ich plötzlich vor einem hohen, dicken Turm stehe: Der Malakow-Turm, dessen Spitze ich bereits gesehen habe.

Als ich keine Lust mehr auf die asphaltierte Rennbahn habe, nutze ich die Gelegenheit und biege von der Straße auf einen Waldweg ab. Laut Karte führt der mich wieder auf den Weg, auf dem ich zu Beginn zum Baltesbendener Weiher gegangen bin. Nach einigen Schritten ist der Weg aber nur noch zu erahnen und alles deutet darauf hin, dass er höchstens noch gelegentlich von Kleinwild genutzt wird. Aber die Karte täuscht mich nicht und so komme ich tatsächlich bald zurück auf den Anfangsweg.

Einen Augenblick überlege ich, ob ich zum Ende der Tour die Bank, die am Ufer des Baltesbendener Weiher zum Ausruhen einlädt, nutzen soll, entscheide mich dann aber dagegen und laufe weiter zur Straße und wieder zum Bergbaumuseum, wo das Auto wartet.

Am Museum gehe ich durch den Außenbereich und denke, dass es ja auch ganz schön wäre, wenn ich ein Foto von der Lore, die vor dem Gebäude steht, machen würde, als ein älterer Herr aus dem Gebäude kommt und mich anspricht. Er weißt mich darauf hin, dass sie innen auch eine Ausstellung hätten, die ich mir gerne ansehen könnte und die kostenlos zu besichtigen sei. Weil er extra für mich das Licht im Saal anmachen will, sage ich mir, warum nicht, und komme so mit dem Herren ins Gespräch, erfahre dabei einiges über den Bergbau in Mechernich, aber vor allem, dass es sich bei den Bergen, über die ich gelaufen bin, tatsächlich nicht um echte Berge handelt, sondern um Abraumhalden des Bergwerkes, die man versucht hat, wieder zu renaturisieren.



Alternativroute mit Weitblick:

Anstatt der Einblicke in den historischen Bergbau von Mechernich, lohnen sich auch die Weitblicke einer Alternativroute. Diese startet ebenfalls am Parkplatz beim Bergbaumuseum, folgt aber der Wandermarkierung A1 bzw. später der A3 in entgegengesetzter Richtung. Dazu wird die Straße nach Bergheim sofort beim Parkplatz überquert. Auf der gegenüberliegenden Seite führt der Weg dann zunächst durch ein Wohngebiet, wo er aber dank der guten Markierung gut zu finden ist.

Hinter dem letzten Wohnhaus geht es bergan, in einem Bogen auf Bergheim zu. Bereits hier lohnt es sich schon an einigen Stellen immer mal wieder stehen zu bleiben, um den Blick zu genießen. Richtig toll wird es aber, wenn der Ort Bergheim erreicht und durchquert ist. So kommt man nämlich bald an den "Galgennück", von dem man einen weiten, fantastischen Rundblick genießen kann, wie es ihn von seiner Weitläufigkeit und Fernsicht zumindest in der Nordeifel nur selten gibt. Von Weisweiler hinter Düren im Westen bis über die "Hohe Acht" hinaus im Osten reicht das Panorama.

Das hat offenbar auch die Macher von Eifel-Blicke beeindruckt, denn sie haben an eben dieser Stelle eine ihrer Tafeln aufgestellt. Und weil dies so ist, lohnt sich an dieser Stelle auch kein Foto, sondern braucht es nur des Verweises auf diese Seite.

In Richtung Rureifel schaut man dann noch einmal von "Pflugberg", der höchsten Erhebung (490 m) auf dieser Wanderung. Anschließend geht es wieder bergab und nachdem die Hochebene einer mit Heidekraut bewachsenen Abraumhalde überquert worden ist, befindet man sich wieder auf der oben bereits beschriebenen Wegstrecke. Welchen Teil dieser Strecke man für den Rückweg wählt, bleibt dann jedem selbst überlassen.



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