Die Erbsensuppetour
--> Vom Kloster Mariawald um das Staubecken Heimbach


  • Weg: Von der Abtei Mariawald ins Tal nach Heimbach, rund ums Staubecken und wieder hinauf zum Kloster --> Streckenkarte
  • Weglänge: ca. 9,5 km
  • Dauer: ca. 3 h
  • Schwierigkeit: Leicht, mit steilem Ab- und längerem Aufstieg.
  • Bewertung: Schöne Runde, auf der man aber nie allein unterwegs ist.
  • Informationen und Karten: Der Weg ist ingesamt gut als Klosterrunde beschildert, wobei sich das Kloster Mariawald bei Heimbach am besten als Ausgangspunkt eignet. Eine Wanderkarte ist nicht nötig.

Ich lebe allein. Ich esse manchmal richtig gerne leckere Erbsensuppe. Wenn man allein lebt, lohnt sich aber das Selbermachen von Erbsensuppe nicht, denn man müsste Tage daran essen und den Aufwand für eine einzige Portion zu betreiben ist auch nicht so wirklich interessant. Zum Einfrieren habe ich keine rechte Gelegenheit und zu Dosenfutter sage ich: Nein danke!

Was das mit dem Wandern zu tun hat? Nun, ich bin ins Kloster gegangen, um beides zu kombinieren und wie ich an einem Herbsttag zum Kloster kam, Versuchungen wiederstand, um als Lohn Erbsensuppe zu erhalten, soll im Folgenden erzählt werden. Ein freier Tag in der Woche, dazu schönes Herbstwetter, morgens noch etwas in der Stadt zu erledigen und nachmittags ein paar Stündchen Zeit, das waren die Parameter, um in die Nähe von Heimbach am Rursee zum Kloster Mariawald zu fahren, dort das Auto zu parken und die Schuhe zu schnüren. Herausgesucht hatte ich mir diese Rundtour aus einem geliehenen Wanderführer, weil ich dort gelesen, aber auch schon zuvor davon gehört hatte, dass es in dieser Abtei Erbsensuppe zu essen gibt, die sehr lecker sein soll. Vor den Lohn hat der liebe Gott bekanntlich die Mühen gesetzt und so machte ich mich also zunächst auf den Weg.

Über einen asphaltierten Wirtschaftsweg führte der in meinem Buch beschriebene Weg nach einigen hundert Metern in den Wald, in dem sich die ersten Bäume herbstlich zu färben begannen. Ein Stück durch den Wald hindurch gelangte ich an eine Schutzhütte, von der man einen schönen Blick auf das im Tal liegende Staubecken Heimbach hat. Von nun an ging es in Serpentinen steil den Hang hinunter, aber die nächste Versuchung, die Aussicht zu genießen, wartete schon ein Stück weiter unten, diesmal mit Blick sowohl auf das Staubecken, als auch und vor allen Dingen auf Heimbach mit seiner Burg und der Kirche. Wenn ich nicht gerade erst losgegangen wäre, hätte ich mich wohl zu einer längeren Rast niedergelassen, um dort den Tag, die Sonne und die Schönheit der Eifel ausgiebig in mich aufzunehmen.

Am Fuße des Berges gelangt man auf eine Straße, nahe dem Ortseingangsschild von Heimbach. Auf der Hauptstraße wird der Ort durchquert, der mit vielfältigen Möglichkeiten zur Einkehr in Versuchung führt, ob nun zu Kaffee und Kuchen oder zu einer deftigen Mahlzeit - viele gemütlich und einladend ausschauende Lokale gibt es dort. Aber ich blieb auch hier standhaft, die Erbsensuppe vor Augen umrundete ich beim Gang durch das Städtchen die Burg und gelangt so an das Staubecken Heimbach. Dabei musste ich vorbei an einer wirklich schönen Kleingartenanlage, deren Nutz-, Zier- und Mischgärten alle direkt am Ufer des Sees liegen, und war beim Vorbeigehen an einem verwahrlosten Stück schon versucht im Nachbargarten nachzufragen, ob diese Parzelle noch zu haben sei.

Doch auch hier riss ich mich zusammen und auf schmalem Weg ging ich weiter direkt am nördlichen Ufer des Staubeckens entlang, was unter dem sich verfärbenden Laub sehr schön war. Aber schon an einem Tag wie diesem, mitten in der Woche, waren dort recht viele Menschen unterwegs, so dass ich mir in Wanderschuhen unter den Spaziergängern eigentlich ein wenig fehl am Platz vorkam. An einem sonnigen Tag am Wochenende dürfte diese Strecke deshalb nicht zu empfehlen sein, da dann Menschenmengen auf ihren Sonntagsnachmittagsspaziergängen zu erwarten sind, die gerade hier, auf diesem engen Wegstück, sehr lange Staus hervorrufen dürften und somit das Wandern schnell zur Qual werden lassen können.

Am Ende des Staubeckens ging es dann vorbei an einem Campingplatz und über die Staumauer hinüber zum Wasserkraftwerk - ein Jugendstilbau, im dem außerdem ein Industriemuseum untergekracht ist.

Auf der andere Uferseite geht man links am Südufer des Beckens weiter, um auf dem Rückweg, etwa in der Mitte des Staubeckens, vom asphaltierten Weg abzugehen und nach rechts bergan in den Wald zu laufen. Nach einigen 100 Metern Anstieg trifft man dann dort an einer Gabelung und hält sich hier links. Der Anstieg zieht sich lang und steil durch das Herbstbachtal hinauf, ist aber optisch recht schön. Nachdem dann der höchste Punkt der Tour mit dem kleinen Ehrenfriedhof erreicht ist, liegt das Kloster wieder zum Greifen nahe.

Alles in allem also eine nette, kleine Tour mit schönem Blick auf Heimbach und das Staubecken, einem schönen, schmalem Pfad am Nordufer des Sees und vielen einladenden Einkehrmöglichkeiten unterwegs, wenn Heimbach und Mariawald nicht Anziehungspunkte für den Tourismus mit entsprecht vielen Menschen wären...

Ach ja, als Gastro-Kritiker wollte ich mich ja auch noch betätigen. Die Erbsensuppe, weswegen die Abteil - neben dem Likör - berühmt ist und für die ich diesen Weg letztendlich gemacht hatte, ist nun wirklich keine Gaumenfreunde. Allerdings ist sie mit 2,60 Euro - im Herbst 2003 - recht preiswert, während man auf die Wursteinlage am besten ganz verzichten sollte. Mit Wurst kostet die Mahlzeit nämlich 4,20 Euro und man bekommt dafür eine Art Bockwurst, die schmeckt, wie Desinfektionsmittel in Großküchen riecht: ekelhaft! Wenn ich nicht so gut erzogen worden wäre, hätte ich die Portion stehen lassen. Aber ich will nicht verschweigen, dass es auch einen Gast gab, der mit seiner Schüssel ein zweites Mal zur Essensausgabe gegangen ist, um sich eine weitere Portion mit den Worten "sehr lecker" zu holen. Allerdings verzichtete er beim Nachschlag auch auf die Wurst.


Nachtrag Winter 2012

Inzwischen bin ich drei-, viermal am Kloster gewesen. Wegen des Wildnis-Trails, aber auch noch einmal wegen der Klosterrunde, mit der ich diesmal den Kreuzweg hinunter nach Heimbach gegangen bin. Dort, unterhalb der Burg, durch den Kurpark, am großen Parkplatz über die Rur und weiter wie oben beschrieben. Auch so ist die Wegstrecke ca. 9,5 km lang, nur habe ich dafür 2,5 h gebraucht. Wegen der Aussicht auf Heimbach und die Burg ist aber der oben beschriebene Beginn vom Kloster in den Ort hinunter der interessantere Weg. Aber auch an einem eiskalten, wenn auch schönem Samstagnachmittag war ich dort nicht allein unterwegs.



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