Schlusswort und Bewertung des Soonwaldsteigs


Würde ich den Soonwaldsteig noch einmal wandern? - Klares Nein!

Natürlich hat es schöne Augenblicke unterwegs auf dem Soonwaldsteig gegeben. Aber in der Rückschau schrumpfen diese Momente auf ein paar wenige zusammen und es überwiegen dann eben doch leider die Enttäuschungen.

Rückblickend dominieren in meiner Erinnerung breite, gut befestigte Fahrwege, die nicht selten schnurgerade durch den Wald verliefen. Besonders unschön empfand ich aber die beiden Windparks, durch die der Soonwaldsteig hindurchführt, garniert mit den Verkehrsgeräuschen der A 61, der vierspurigen B 50 und diverser anderer Straßen. Auch den Lärm bei der langen Umrundung des Steinbruchs bei Henau empfand ich als Zumutung.

1. und 6. Etappe führten durch bewohnte Gebiete, aber die Erwartungen, die ich damit verbunden hatte, waren nicht hoch und konnten so nicht sehr enttäuscht werden. Am Ende bleibt, dass allein die 2. Etappe – vor allen Dingen im Mittelteil zwischen Teufelsfels und Blickenstein – meine Erwartungen erfüllen konnte, denn sie war aussichts- und abwechslungsreich in schöner Natur mit kaum Menschen auf den Wegen. Für einen 90 km langen Weitwanderweg ist das aber zu wenig.

Leider haben weder die Naheland-Touristik GmbH noch das Deutsche Wanderinstitut, das das Wandersiegel für sogenannte Premiumwanderwege vergibt und den Soonwaldsteig damit ausgezeichnet hat, auf meine Kritik reagiert. Beim Wanderinstitut ist das allerdings auch nicht weiter verwunderlich, leiten die die Mail doch nur weiter an den Wegbetreiber, also die Naheland-Touristik Gmbh.




Ein Jahr später!

Es dauert lange, bis das untere Teilstück des Weges durch das Morgenbachtal wieder freigegeben wird. Als dann der Wetterbericht für das kommende Wochenende im September einen Spätsommertag mit viel Sonnenschein ankündigt, mache ich mich am Samstag auf, um eine Runde von gut 10 km zu laufen, mit der ich am Jägerhaus starte, von dort die wenigen Meter zum SWS gehe und dem Weg an der Burg Rheinstein vorbei bis zum Schweizerhaus folge. Anschließend steige ich der ein Jahr zuvor gewanderten Abkürzung entgegen, wende mich dann aber kurz vor Erreichen der Höhe mit einem abzweigenden Weg nach links, um auf dem Kamm zu bleiben und auf einem einsamen, aber auch nicht weiter erwähnenswerten Waldweg weiter zu wandern. Leider finde ich nicht den richtigen Weg, der mich ans obere Ende der Steckeschlääferklamm bringen sollte, sondern gelange kurz vor dem unteren Ende wieder im Morgenbachtal auf den SWS. Auch diesmal lasse ich es mir nicht nehmen, die Baumgeister im Hasselbachtal zu suchen, gehe im Tal einmal hinauf und wieder hinunter, um dann zurück zum Parkplatz am Jägerhaus zu gehen.

Objektiv betrachtet ist das wieder freigegebene Teilstück des Morgenbachtals wirklich schön und urig, denn unter dichtem Blätterdach hat sich der Bach tief in den Grund gegraben und umgestürzte Bäume scheinen liegenbleiben zu dürfen. Auch die kritisierte Wegbeschaffenheit im oberen Verlauf ändert sich dort und wird nach und nach sogar zu einer spannenden Strecke. Als der SWS an einer ehemaligen, einsam gelegenen Mühle in den Hang und hinaus aus dem Tal steigt, bleibt es lange Zeit ein schmaler Hangpfad. Und natürlich sind die Blicke ins Rheintal und die Burgen wunderbar.

Nun, das alles hätte wahrscheinlich auch mir richtig gut gefallen, allerdings hatte das hervorragende Wetter und das Wochenende selbstverständlich nicht nur mich hinter dem Ofen hervorgelockt, und so war der Weg gut besucht. Im Morgenbachtal ging es auf der Hintour noch, auf den engen Pfaden rund um die Burg Rheinstein aber, einem Ausflugslokal, staute es sich immer wieder durch entgegenkommende Leute. Dabei wären gerade auf diesen schmalen Hangpfaden gutes Schuhwerk und Trittsicherheit dringend erforderlich. Zwei Erlebnisse auf diesem Abschnitt, die mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind:

  • 200 m von der Burg entfernt steht ein kleines, sehr enges Türmchen und weil dort niemand ist, beschließe ich, an dieser Stelle eine Trinkpause einzulegen und die Aussicht auf den Rhein und die Burg zu genießen. Es kommen immer wieder Menschen vorbei, die aber weitergehen, wenn sie bemerken, dass ich mich im engen Turm aufhalte. Als dann aber drei Herren im bayrischen Outfit und Bierfahne meinen, sie müssten sich zu mir in den Turm quetschen und lautstark geistreiche Bemerkung zum Besten geben, geschieht mein Aufbruch fluchtartig.
  • Danach kommt mir ein Paar jenseits der 70 bergab gehend entgegen. Er macht einen rüstigeren Eindruck als sie, beide sind in jeder Hand mit einen Wanderstock bewaffnet, sie mit leichten, hellen Sneakern beschuht. Als die vorangehende Dame mich bemerkt, wird sie langsamer und unsicher. Dann rammt sie so gut es geht die Wanderstöcke rechts und links neben sich in den Boden, blockiert damit den schmalen Hangpfad der zur linken Seite steil zum Rhein abfällt, und verkündet “Oh, ich will aber nicht abstürzen!” Ich bin geneigt zu antworten: “Und von mir erwarten sie, dass ich den Hang hinunter springe?”, quetschen mich dann aber irgendwie wort- oder besser sprachlos an ihr vorbei.

Ohne Frage ist auch die Steckeschlääferklamm bei der Rückkehr am Nachmittag mit Gruppen und Familien gut besucht. Dass dort viele Menschen auf die Suche nach den Baumschnitzereien gehen, ist allein am plattgetretenen Untergrund zu erkennen.

Fazit: Wer es ruhiger und einsam mag, der sollte diese Runde vielleicht besser in der Woche gehen und Wetter bevorzugen, das nicht jeden vor die Tür lockt. Dann kann es ganz schön sein.