6. Etappe: Steckeschlääferklamm / Jägerhaus – Bingen Hbf (10 km)


Fortsetzung im direkten Anschluss an die 5. Etappe bis Bingen Hbf. Von dort mit dem Bus zurück nach Rheinböllen (Bus: 7,- €).

Start: 15:15 Uhr Steckeschlääferklamm (Jägerhaus)
Ende: 18:00 Uhr Hbf Bingen

Figuren, Gesichter und freundliche Geister, die in Baumstämme geschnitzt und gemalt sind, kenne ich von der Ahr, wo sie rund um das Teufelsloch bei Altenahr zu finden sind. Deshalb ist es keine Frage, dass ich, nachdem ich das Jägerhaus habe links liegen lassen und den unteren Eingang der Steckeschlääferklamm erreicht habe, diesen kurzen Abstecher mache.

Gleich, wenn man das Tal betritt, fühlt man sich beobachtet, denn von überall her schauen dem Wanderer meist freundliche Gesichter von Baumgeister aus Asthöhlen der Bäume belustigt dabei zu, wie man sich unsicher umsieht und nach ihnen sucht. Vor einigen Jahren hat ein Künstler 46 Schnitzereien mit Einverständnis des Forstamtes im Tal geschaffen. Durch den natürlichen Wuchs der Bäume sind mit den Jahren allerdings einige Figuren verwachsen, so dass erneut Hand angelegt werden musste. Zuvor waren im Tal schon 15 Brücken über den Hasselbach angelegt worden. Steckeschlääfer bezieht sich im Übrigen auf die Wanderer, die ihren Stecken hinter sich her schleifen.

Gut zweimal 450 m beträgt die Distanz, die der Rundweg durch die Klamm ausmacht. Die sollte man aber in keinem Fall auslassen. Trotz inzwischen schon müder Füße mache ich mich also auf die Suche nach den Baumgeistern und werde auch schnell fündig. Ob ich am Ende wirklich alle gefunden habe, kann ich später allerdings nicht sagen.

Nachdem ich am oberen Ende der Klamm angekommen bin, mache ich wieder kehrt und gehe zurück zum unteren Ende, wo ein Wegweiser mit einer Reihe von Schildern aufgestellt ist. Nicht nur der SWS wird hier angezeigt, auch die zuvor erwähnte Rundtour Baumgeisterweg des RheinBurgenWegs, der Hildegard von Bingen Pilgerpfad und verschiedene mehr treffen sich an diesem Punkt. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich nun in ein stark frequentiertes Wander- und Naherholungsgebiet vorgestoßen bin. 200 m sind es von hier zum Jägerhaus, dem Ziel der vorangegangenen Etappe.

Mit dem SWS geht es von der Steckeschlääferklamm weiter talwärts, weiter stets am Ufer des Morgenbaches entlang. Das Tal ist schön, dicht bewaldet und bewachsen, der Bach plätschert munter in Richtung Rhein, doch der Belag des Weges besteht aus mehr oder weniger grobem Schotter und fühlt sich unter den Füßen gar nicht schön an. Einmal denke ich, dass man offenbar die gesamte Strecke befahren will, so breit und befestigt ist der Weg angelegt worden. Über mir ist es inzwischen komplett bewölkt und der Himmel tiefgrau, aber Regen hat es bisher noch nicht gegeben.

Dann behindert nach 1,7 km nahe der Schutzhütte Morgenbachtal ein Gitter und ein Schild mit der Aufschrift “Morgenbachtal GESPERRT – Betreten verboten!” das Weitergehen. Aufgrund von Unwetterschäden ist der untere Teil des Morgenbachtals wegen Absturzgefahr nicht begehbar. Daneben sind zwei weitere Hinweise aufgehängt, die eine Umleitung und Abkürzung für die Baumgeisterrundtour und den SWS anzeigen. Zwar wäre es ein leichtes, an dem Gitter vorbei und weiter talwärts zu gehen, aber für Experimente und die eventuelle Rückkehr zu diesem Punkt bin ich nach inzwischen 18,5 km eindeutig zu müde. Deshalb nehme ich diese Abkürzung auch mit leichtem Herzen an, auch wenn mir dadurch die Burgen Reichenstein und Rheinstein und darüber hinaus sicher auch einige schöne Blicke ins Rheintal entgehen.

Zunächst muss ich im Folgenden also erst einmal aus dem Tal aufsteigen. Dies geht sehr steil vonstatten, ist aber nach gut 500 m geschafft und am Ende wartet an einer Wegkreuzung eine Bank zum Ausruhen. Anschließend geht es durch schönen Hochwald bergab in Richtung Schweizerhaus.

Zwei Bäume haben sich dann am oberen Rand einer Wiese quer über den Weg gelegt und ich muss mir meinen Weg durch das Gestrüpp der Kronen bahnen. Dafür kann ich über den unteren Rand der Wiese schon den Rhein erkennen, der bei inzwischen eingetrübter Sicht allerdings nur im grauen Einerlei auszumachen ist.

Als ich kurz drauf auf eine Sandsteinsäule stoße, habe ich den sogenannten Eselspfad erreicht. An dieser Stelle ist das leise Brummen der auf dem Rhein fahrenden Schiffe und das Rauschen der Züge an den Ufern schon zu hören. Durch eine Allee aus noch niedrig gewachsenen Kastanien geht der Weg dann weiter. Der Wind hat aufgefrischt und so ist es nicht ungefährlich unter den Bäumen hindurch zu gehen, denn sie werfen dabei gerne ihrer Früchte nach mir.

Am unteren Ende der Allee wartet die Waldgaststätte Schweizerhaus, von deren Terrasse man einen schönen Blick auf den Rhein hat. Leider ist es, wie schon mehrfach erwähnt, inzwischen grau zugezogen, und so ist die Aussicht auch nicht so beeindruckend, wie sie es sicher bei schönem Wetter wäre. Auch ein Verweilen in der Außengastronomie verspricht wegen der Temperaturen kein Vergnügen, und so halte ich mich dort nicht lange auf. Zumal ich hoffe, den Bus von Bingen Hbf nach Rheinböllen um 18:16 Uhr erreichen zu können. Danach wäre erst um 19:21 Uhr die nächste, aber auch die letzte Möglichkeit, zum Auto zurückzukommen. Ab dem Schweizerhaus wandere ich auch wieder auf dem SWS.

Zunächst auf der Zufahrt zur Gaststätte, dann aber abgehend auf einen schmalem Pfad am bewaldeten Hang entlang, wandere ich weiter in ein Seitental, das der Possbach zum Rhein hinab gegraben hat. Nach 1 km gibt es dann eine Aussicht auf den Rhein und auch auf das im Wolkendunst liegende Bingen, nach weiteren 600 m einen Abzweig zum Damianskopf, einem Aussichtspunkt mit Blick auf Bingen. Die rund 300 m bergab schenke ich mir allerdings, denn müdigkeitsbedingt erscheint mir jeder Meter zu viel, zumal es zum Damianskopf bergab geht und ich die Steigung anschließend auch wieder hinaufgehen müsste.

3,5 Kilometer sind es dann noch bis zum Bahnhof Bingen, als ich nahe am Weg eine geschwungene Sitzliege entdecke und beschließe, dort eine Pause einzulegen. Auch von diesem Punkt habe ich einen schönen Blick durch das Blatt- und Buschwerk hindurch, kann im Dunst aber nur wenig von der im Rheintal liegenden Stadt erkennen. Kalt ist es geworden, denn um nicht zu frieren, muss ich mir einen Fleecepullover überziehen.

Eine Viertelstunde später breche ich schon wieder auf, denn es fröstelt mich in den durchgeschwitzten Klamotten und es bleiben mir für die letzten Kilometer so noch eine gute Stunde, um den Bus zu erreichen. Am Forsthaus Heiligkreuz vorbei, das an diesem späten Nachmittag vor dem Wochenende recht gut besucht ist, treffe ich bald auf die Zufahrt des Gasthauses und bleibe nun längere Zeit auf einem Pfad immer ganz in der Nähe der schmalen Straße. Dabei geht bald ein Pfad in die Kreuzbachklamm ab, ein Weg, der als alpin bezeichnet wird und absolute Schwindelfreiheit erfordert. Nichts für mich also, zumal es Passagen geben soll, die über Steigeisen verlaufen.

Den nächste kurze Halt mache ich am sogenannten Prinzenkopf, einem Aussichtspunkt auf Bingen mit Bänken und Schutzhütte. Kurz muss ich dann über die asphaltierte Zufahrt, bevor es links ab auf einen Pfad den Hang hinab geht. Laute Musik schallt hier durch die Bäume aus dem Tal herauf und kündigt die näher gekommene Stadt an. Steil geht es auf dem Pfad ins Tal und offenbar ist im Ort eine Kirmes oder ähnliches, die auf mich zu warten scheint. Der Pfad endet an der Jugendherberge von Bingen im Ortsteil Bingerbrück. Der bekannte Mäuseturm liegt hier unter mir im Rhein, macht aber im grauen Dunst keinen fotogenen Eindruck. Auf der anderen Rheinseite ragt die Burgruine Ehrenfeld über den Weinberg empor.

Durch die abwärts führenden Straßen gelange ich zwischen den Häusern hinab zur B 9 und kann nach Überqueren der Straße die Fußgängerbrücke über die Bahngleise zum Bahnhof und der Bushaltestelle nehmen, die ich eine Viertelstunde vor Abfahrt des Busse nach Rheinböllen erreiche. Auch die Musik in der Stadt klärt sich hier auf, denn viele Mädels und Frauen sind im Dirndl unterwegs, während die Männer in Lederhosen gekleidet sind: Offenbar wird im Park am Mäuseturm Oktoberfest gefeiert. Damit beende ich den SWS und so unspektakulär wie es hier klingt, ist es dann auch.

Die Rückfahrt mit dem Bus dauert 45 Minuten. Müde, aber zufrieden genieße ich die Fahrt mit eigener, leiser Musik im Ohr bei bester Laune und bin froh und glücklich, den Soonwaldsteig geschafft zu haben.




Schlussbemerkung:

Würde ich den Soonwaldsteig noch einmal wandern? - Klares nein!

Natürlich hat es schöne Augenblicke unterwegs auf dem Soonwaldsteig gegeben. Aber in der Rückschau schrumpfen diese Momente auf ein paar wenige zusammen und es überwiegen dann eben doch leider die Enttäuschungen.

Rückblickend dominieren in meiner Erinnerung breite, gut befestigte Fahrwege, die nicht selten schnurgerade durch den Wald verliefen. Besonders unschön empfand ich aber die beiden Windparks, durch die der Soonwaldsteig hindurchführte, garniert mit den Verkehrsgeräuschen der A 61, der vierspurigen B 50 und diverser anderer Straßen. Auch den Lärm bei der langen Umrundung des Steinbruchs bei Henau empfand ich als Zumutung.

1. und 6. Etappe führten durch bewohnte Gebiete, aber die Erwartungen, die ich damit verbunden hatte, waren nicht hoch und konnten so nicht sehr enttäuscht werden. Am Ende bleibt, dass allein die 2. Etappe – vor allen Dingen im Mittelteil zwischen Teufelsfels und Blickenstein – meine Erwartungen erfüllen konnte, denn sie war aussichts- und abwechselungsreich in schöner Natur mit kaum Menschen auf den Wegen. Für einen 90 km langen Weitwanderweg ist das aber zu wenig.

Leider haben weder die Naheland-Touristik GmbH noch das Deutsche Wanderinstitut, das das Wandersiegel für sogenannte Premiumwanderwege vergibt und den Soonwaldsteig damit ausgezeichnet hat, auf meine Kritik reagiert. Beim Wanderinstitut ist das allerdings auch nicht weiter verwunderlich, leiten die die Mail doch nur weiter an den Wegbetreiber, also die Naheland-Touristik Gmbh.