5. Etappe: Rheinböllen – Jägerhaus / Steckeschlääferklamm (15,5 km)


Die 6. Etappe, die in Bingen/Rhein endet, schließt sich direkt an diese Wanderung an, deshalb mit dem Auto nach Rheinböllen und in der Nähe der Bushaltestelle Am Bahnhof geparkt. Von Bingen Hbf mit dem Bus zurück nach Rheinböllen (Bus: 7,- €).

Start: 10:05 Uhr Janismühle in Rheinböllen
Ende: 15:15 Uhr Steckeschlääferklamm

Da Parkplätze in Bingen zu bezahlen sind und ich mir die 2 x 25 km Fahrstrecke sparen möchte, parke ich auch am Morgen vor dieser Etappe wieder in Rheinböllen an der Janismühle, wo ich am Tag zuvor schon einen guten, nahen Platz zur Bushaltestelle Am Bahnhof gefunden hatte. Von dort nehme ich den Fußweg an der L 214 entlang über die B 50, an der Bushaltestelle und dem Autohof vorbei zu den Bahngleisen, wo ich nach 800 m wieder auf den SWS treffe. Dabei ist der Verkehrslärm der Landstraße, der vierspürigen B 50 und der Autobahn 61 schon enorm.

Bevor es mit der Landstraße über die Gleise geht, biege ich mit dem SWS nach links zur Kläranlage von Rheinböllen ab. Kurz davor erscheint ein Wanderer mit Isomatte bepacktem Rucksack und bewaffnet mit einem Wanderstab von rechts kommend auf dem Weg. Er geht auf mich zu, scheint in die entgegengesetzte Richtung unterwegs zu sein, und hat möglicherweise in der Nähe übernachtet. Letzteres wundert mich, denn an der Kläranlage sind ja nicht nur die Straßen laut, auch das Werk gibt Geräusche von sich und riecht ein wenig. Vielleicht hatte der junge Mann aber auch eine ganz andere Intention... Beim Umrunden der Anlage kommt er mir allerdings wieder entgegen und so keimt in mir der Verdacht, dass er sich verlaufen hat. Erneut nicken wir uns zu, sehen uns dann aber nicht mehr wieder.

Zwischen Klärwerk und Autobahndamm wandere ich auf einem ansonsten schönen, buschigen Pfad weiter. Tau liegt auf dem Gras und färbt meine Schuhe dunkel. Apropos Schuhe: Für diese letzte, lange Doppeletappe habe ich schon die Tage davor beschlossen, dass ich nicht die bis hier her getragenen Wanderschuhe anziehen werde, denn auch nach einem halben Jahr Einlaufzeit und vier Etappen verursachen sie Blasen und brennende Füße, so dass ich auf meine geliebten Leichtwanderschuhe zurückgegriffen habe, die sich jetzt anfühlen, als hätte ich gar keine Schuhe an den Füßen. Einzig die Sohle ist dünner und Steine dadurch eher zu spüren.

Der Trampelpfad mündet in eine nicht befahrene Landstraße, mit der ich unter der Autobahn hindurch gehen kann. Tatsächlich wäre der Weg ohne A 61 und der an Ende nahen Fabrik durchaus als idyllisch zu bezeichnen gewesen, so aber...

Nach der Unterquerung der Autobahn wechsele ich die Straßenseite und steige an einem Wegweiser den dicht bewaldeten Hang hinauf. Nach einer kurzen Strecke erreiche ich einen Waldweg und werde nach links geleitet, jetzt schon ein Stück oberhalb der A 61. Den nächsten Weg, auf den ich an einer T-Kreuzung stoße, muss ich nach rechts nehmen, er ist breit und mit Steinen befestigt, bringt mich aber durch ein schönes Waldgebiet aus Fichten, Buchen und Birken.

Beim Erreichen des nächsten Absatzes darf ich dann wieder auf einen weich gepolsterten Weg wechseln, an dessen Ende das Forsthaus Emmerichshütte liegt, welches die Möglichkeit zur Einkehr bietet. Doch nach erst gut 3 km und einer Stunde Wanderzeit ist es noch viel zu früh für eine Pause, zumal auch nach dem Gewinn an Höhe ein deutliches Rauschen der Autobahn im Tal zu hören ist. Auf einem Asphaltweg steige ich also weiter den Berg hinauf, vorbei an einem verlassen daliegenden Jugendfreizeitheim, das allerdings in der Außenanlage auch nur die übliche Tischtennisplatte, einige Spielplatzaccessoires (Rutsche, Kletterturm, Schaukel), einen Basketballkorb, ein kleines Tor und eine Grillhütte zu bieten hat. Kurz danach endet der Asphaltweg und ich folge einem breiten, befestigen Fahrweg. An dieser Stelle kann ich, wenn ich stehenbleibe und mich umdrehe, die zurückliegenden Windräder vom Vortag auf der anderen Talseite sehen und überlege, dass ich nun in den Binger Wald wechsele.

Weiter steige ich den breiten Fahrweg hinauf, bis ich an einer gerodeten Fläche wieder in die Nähe von Windrädern komme. Dabei geht mir durch den Kopf, dass ich schon ungewöhnlich lange kein Wegzeichen mehr bemerkt habe. In einer Wegkurve entdecke ich dann einen Pfosten mit Wegmakierung, der meinen Verdacht bestätigt, dass ich eine Weile schon nicht mehr auf dem SWS gewandert bin. Allerdings stellt sich hier die Frage, in welche Richtung ich den Schildern folgen soll: Weiter mit dem breiten Fuhrweg den Berg hinauf, oder links ab auf eines der Windräder zu?

Zunächst entscheide ich mich, dem Weg bergan zu folgen, komme so aber nach 250 m an einen abgehenden Weg, an dem ein Schild aufgestellt ist, mit dem eine Umleitung für Wanderer angezeigt wird: Wegen der Errichtung von Windkraftanlagen ist der ursprüngliche Weg des SWS nicht begehbar. Es braucht eine Zeit, bis ich die Kartenskizze interpretiert habe und begreife, dass der hier aus dem Tal kommende Weg, den ich der Markierung nach jetzt eigentlich hinabsteigen müsste, der Weg ist, den ich hinauf gekommen sein sollte. Also mache ich wieder kehrt, gehe zurück zum letzten Wegweiser und biege dort auf die freigeholzte Fläche des Windparks ein. Dabei bemerke ich die Wolkenfront, die aus Norden über die Ebene auf mich zukommt, es wird Regen geben!

Bald tauche ich dann in einen Nadelwald ein, die Wege werden weicher, doch auch hier kreisen die Windräder über den Gipfeln und wieder achte ich darauf, ob ich die A 61 immer noch hören kann und tatsächlich ist ein leises Hintergrundrauschen immer noch vorhanden.

Der schöne Nadelwaldpfad endet an einer Asphaltstraße, die den Berg hinauf unter einem Windrad hinweg führt. Anschließend gelange ich am Ohligsberg an eine Schutzhütte mit Tisch und Bänken davor. Es ist Mittag und durch den fehlenden Baumbewuchs habe ich wieder die Möglichkeit in die Ebene zu sehen. So kann ich erneut die herannahende Wolkenfront beobachten, die sich immer weiter vor den blauen, sonnigen Himmel schiebt. Es scheint jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Regen beginnt, und deshalb halte ich mich auch nicht lange auf, sondern schultere schnell wieder den Rucksack, um noch einige Kilometer im Trockenen zu laufen.

Auf befestigten Wegen und am nächsten Windrad vorbei wandere ich so ins nahe Tal, wo das Umspannwerk Kandrich auf mich wartet. Anschließend unterschreite ich die dort vorbeilaufende Stromleitungen und lasse endlich den Windpark hinter mir.

Auch ins folgende Forsthaus Lauschhütte kann man einkehren. Der große Parkplatz zeigt aber auch, dass sich dort viele Wanderer treffen und in die umliegenden Wälder aufbrechen oder den naheliegenden Kletterwald besuchen. Nach 9 km treffe ich dort eine gute halbe Stunde nach dem Aufbruch vom Ohligsberg ein, halte mich aber nicht lange auf, sondern wandere ohne Halt weiter.

Wenig weiter komme ich an einen offenen Hang, der im Winter ein beliebtes Ziel für Skifahrer und Rodler sein soll. Dies aber natürlich nur, wenn es ausreichend Schnee gibt und dies ist in den letzten Jahren immer seltener der Fall gewesen.

Durch einen relativ jungen Wald geht es auf breitem, befestigtem Weg am Salzkopf vorbei. Inmitten von Fichten steht dort 75 m vom Weg entfernt ein hölzerner Aussichtsturm, der die Baumgipfel überragt. Selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen, diesen kurzen Abstecher zu machen, um dann die 19 + 17 + 15 + 15 + 14 + 13 Stufen hinaufzusteigen. Oben angelangt ist der Rundumblick wunderbar! Zurück kann ich zum Hochsteinchen und Schanzerkopf sehen, inklusive natürlich der Windparks. Die 70 km entfernt liegende Hohe Acht in der Eifel entdecke ich bei inzwischen zugezogenem Himmel leider nicht, kann aber durch den trüben Dunst in den Rheingraben blicken und dort sogar im Teleobjektiv der Kamera einen Frachter ausmachen. Und wie winzig mein Rucksack dort unten auf einer der Bänke ist... Das ganze ist wiedermal ein Erlebnis, solange ich nicht in die Tiefe blicke und mir dazu überlege, wie lange die Holzstämme, aus denen der Turm gebaut ist, schon Wind und Wetter ausgesetzt sein mögen.

Wieder zurück auf dem SWS muss ich aufpassen, denn schnell zeigt die Markierung vom befestigten Fuhrweg, auf dem kurz zuvor tatsächlich noch ein Auto vorbeigefahren ist, als ich noch am Aussichtsturm gestanden und einen Schluck Wasser getrunken habe, auf einen zwischen den Stämmen von Nadelbäumen abgehenden Pfad. Dieser ist angenehm weich, verläuft aber nur ein Stück weit parallel zum Waldweg, um nach 400 m an einem Picknicktisch wieder in diesen zu münden. Ein kurzen Vergnügen also.

Nach dem Salzkopf verläuft der SWS übrigens nur noch mehr oder weniger abwärts. Auf dieser Strecke ins Tal bin ich von schönem Wald umgeben, allerdings ohne Ausblicke oder sonst einer Abwechslung, und der Weg, den ich dabei gehen muss, ist langweilig breit und befestigt. Immerhin kann ich so Tempo aufnehmen und gut vorankommen.

1,2 km geht es so, dann zweigt an zwei Picknicktischen ein Weg im spitzen Winkel ab, mit dem ich ins Morgenbachtal hinein wandere. Dabei haben Blätter des herabgefallenen Laubes den Weg dick bedeckt und rascheln jetzt bei jedem meiner Schritte um meine Füße. Herrlicher Buchen- und Eichenwald umgibt mich, ein besonders eindrucksvolles Exemplar einer Eiche ist dabei einmal mehr einem Förster gewidmet. Sein Name ist Ernst Jung.

Wieder zweigt ein Weg im spitzen Winkel ab, die Befestigung des Weges ist hier zunächst schon etwas älter und wieder dicht mit Laub bedeckt. Nach einem wie am heutigen Tage beinahe üblichen breiten, befestigten Weg, ist dies aber im Zusammenspiel mit dem umgebenden Buchenhochwald einmal wieder ein schöner Wegabschnitt. Dazu zwitschert ein einzelner Vogel je dreimal, Pause, dann wieder dreimal...

So komme ich in das Quellgebiet des Morgenbaches, den ich nun bergab weiter begleiten werde. Dabei umgibt mich ein dunkler, aber schöner Hochwald, und so ist es eigentlich wieder nur der Wegbelag, der manchmal sogar parkähnlich geschottert ist, der nicht so recht in das Bild einer naturnahen Wanderung passen will.

Schließlich treffe ich auf eine Rundtour (Baumgeisterweg) des RheinBurgenWeges, den ich von Winningen an der Mosel bis zu seinem Ende in Remagen auch bereits gewandert bin. Weiter am Morgenbach entlang im schönen Tal stoße ich nach einem weiteren Kilometer auf die Zufahrt zum Jägerhaus, das eigentlich das Ziel dieser Etappe darstellt. Um dorthin zu gelangen müsste ich die 300 m nach links in die Straße einbiegen. Stattdessen folge ich dem SWS nach rechts über eine Brücke an einem Löschteich vorbei und biege danach nach links zur nahen Steckeschlääferklamm ein.