4. Etappe: Wanderparkplatz Ellerspring – Rheinböllen Bahnhof (17 km)


Mit dem Auto nach Rheinböllen und an der Janismühle in der Nähe der Bushaltestelle Am Bahnhof geparkt. Mit dem stündlich fahrenden Bus zum Bahnhof nach Simmern. Von dort mit dem vorbestellten Taxi zum Wanderparkplatz Ellerspring (Bus: 4,90 €, Taxi: 28,70 € + Trinkgeld).

Start: 11:50 Uhr Wanderparkplatz Ellerspring an der L 108
Ende: 19:40 Uhr Janismühle in Rheinböllen

Allein die letzten 6 km nach der Ortschaft Tiefenbach durch den Wald zum Wanderparkplatz Ellerspring sind schon schön, wobei auch meine Taxifahrerin zuvor einen Kollegen hatte fragen müssen, um zu erfahren, wie sie dort hinkommt, und beide sind wir überrascht, wie weit es bis dorthin ist. Während der Fahrt erzählt sie mir, dass sie Huskys Zuhause hat und mit diesen gerne unterwegs ist, sich gerne mit Gleichgesinnten trifft und am liebsten die Gegend um Thalbach zum Laufen mit den Hunden mag.

Als ich mich vergewissert habe, dass ich auch richtig bin, in dem ich nach einem Wegzeichen gesucht habe, und das Taxi wieder gefahren ist, mache ich mich abmarschbereit, binde die Schuhe noch einmal fest zu und setze schließlich den Rucksack auf. Eine Schutzhütte steht am Randes des Parkplatzes, direkt daneben eine Infotafel und ein Wegweiser, der mir die Richtung zeigt. Überragt wird das ganze von einem Sendemast. Ein schöner Pfad taucht neben der Hütte in das Grün der Bäume ein und ich folge ihm gern. Ein Stück noch parallel der wenig befahrenen Straße beginne ich so meine Wanderung an diesem Tag.

Durch das dichte Unterholz des recht jungen Laubwaldes schlängelt sich mein Weg zunächst, wechselt dann mal in ein Nadelgehölz, um mich anschließend alte, stattliche und hochaufgewachsene Buchenstämme bewundern zu lassen, während die Sonne herrlich die sich verfärbenden Blätter der Bäume bescheint und den gesamten Wald erstrahlen lässt.

Nach etwa 1 Kilometer erreicht der schöne Pfad eine Y-Kreuzung, bestehend aus asphaltierten Fahrwegen. Die Straße macht eine Kurve und der SWS geht weiter geradeaus auf einem noch befestigten Fuhrweg, an dessen Seite bald eine Picknicktisch aufgestellt ist, an dem ein Wegweiser nach links auf einen erneut schönen Pfad links abgehend zeigt. Mit diesem Pfad schleiche ich mich unter dem dichten Blätterdach der Bäume nah an ein mit Maschendrahtzaun abgesperrtes Gelände, auf dem ein hoher, schlanker Turm steht, auf dem ein UFO gelandet zu sein scheint. Für diesen Fernmeldeturm hat man sich die höchste Erhebung in der Umgebung ausgesucht, die Ellerspring mit 657 Metern.

Auf dem Areal sind Männer beschäftigt und ich gebe mir Mühe, nicht entdeckt zu werden – warum auch immer – und umrunde das Gelände im dichten Wald, auf dessen Boden wieder einmal bemooste Felsbrocken verteilt herumliegen.

Nach gut 2 Kilometern hat der vergangene Sturm erneut die Krone einer stattlichen Buche umgehauen und über dem Pfad gefällt, so dass ich weit ausholen muss, um wieder auf die Strecke zu gelangen. Nach weiteren knapp 500 Metern endet dann aber der schöne Pfad und mündet auf einem breiten Forstweg, bei dem es sich um den vom gestrigen Tag bekannten Rennweg handelt. Der SWS quert diesen geradeaus, nimmt aber nun auch einen schnurgeraden Fahrweg, wie ich am letzten Wandertag schon reichlich unter den Schuhen hatte.

Nachdem ich eine zweite Waldautobahn überquert habe, dabei müsste es sich um den Landrichtweg handeln, mit dem ich auch gestern schon kurz zu tun hatte, nimmt die Befestigung meines Weges ab und wird zunehmend wiesiger. Befahren wird er aber trotzdem, wie ich an den Treckerspuren erkennen kann. Schließlich komme ich in einen Nadelwald und kann wieder einen weichen Untergrund genießen, denn immer noch sorgen meine Schuhe dafür, dass meine Füße brennen und insgeheim habe ich schon lange beschlossen, dass ich die morgige Etappe mit ihren mehr als 25 Kilometern in dem Paar meiner Lieblingsschuhe machen werde, auch wenn es sich dabei nur um Leichtwanderschuhe handelt.

Eigentlich unbemerkt stoße ich auf den Gräfenbach. Es gibt keinen Steg oder eine Brücke, die ihn überquert und zu sehen ist auch nichts, außer einer Info-Tafel, die auf das hier befindliche Gewässer aufmerksam macht. Unterschiedliche Vogelstimmen, bei denen es sich nicht um den sonst gut hörbaren Eichelhäher handelt, machen auf sich aufmerksam, als ich die Tafel studiere und mich nicht bewege. Da eine der Stimmen keine 5 Meter von mir im dichten Gras zu sein scheint, glaube ich an eine Bachstelze, denn irgendwo dort muss der Bach fließen. Der Vogel fliegt aber nicht auf, als ich weitergehe, sondern verstummt nur, offenbar sicher, dass ich ihn nicht entdecke.

An dieser Stelle endet auch der Nadelwald und auf einer Schneise wandere ich nun in einem Mischwald, wobei rechts und links einige sehr alte Exemplare ihrer Gattung aufragen. Meist handelt es sich um Buchen, Eichen und Fichten gesellen sich aber auch immer wieder dazu.

Die Lichtung wird breiter, der Weg leider auch. Ein Specht klopf an einen Stamm am Wegrand, ohne dass ich ihn zu Gesicht bekomme. Dabei begleite ich stets den Gräfenbach, der sich mir aber ebenfalls kaum zeigt.

Als der SWS dann aber einen nach links abgehenden Weg nimmt, verlasse ich das Bachgebiet und komme stattdessen an die weite, offene Fläche des Naturschutzgebietes Glashütter Wiesen. Schmetterlinge, erst einer, dann ein zweiter flattern über meinen Weg und ich erreiche eine alte, stattliche Eiche, die einmal mehr einem Forstamtsleiter, nämlich Erich Albert, gewidmet ist. Das einzig unpassende an dieser Szenerie sind die Windräder, die über die Baumgipfel auf der anderen Seite der Wiese hinweg schauen. Entstanden sind die weiten Wiesen, weil hier einst für eine Glashütte Mengen von Holz und gleichzeitig das Gras für die Tierfütterung benötigt worden sind.

Nach rund 600 Metern habe ich das Ende dieser Freifläche erreicht und biege mit dem SWS nach links ab. Es erwartet mich erneut ein breiter Fahrweg, der, wenn auch in der Mitte schon von Gras durchbrochen, zunächst asphaltiert ist. Es folgen 2,5 km auf Forstfahrwegen, unterbrochen nur einmal von einem schmalen Pfad bergan durch ein Nadelgehölz bis ich die L 242 am Parkplatz Schanzerkopf erreiche. Eine Hirschkuh, die ich aufschrecke und eilig im Unterholz verschwindet sowie die Info-Tafel zum Naturwaldreservat Schwappelbruch sind dabei das einzig aufregende auf den langen, befestigten Geraden dorthin.

Auf der anderen Straßenseite biege ich dann mit dem SWS in die meist mit Tannen, Gräsern und Birken bewachsene Böschung ein und steige den Hang hinauf. Wildschweine haben hier den Boden aufgebrochen. Trotz der Straße im Rücken ist dieser Pfad schnell nach meinem Geschmack: Schmal und weich unter den Füßen.

Erneut ragen dann Sendemasten über den Fichten empor, dessen Zufahrt ich die letzten Meter zur Schutzhütte am Schanzerkopf nutze. Mit den fünf Masten im Rücken lasse ich mich unter den Bäumen neben der Hütte auf der geschwungenen Liege nieder und genieße den Blick in Richtung Norden, wo ich nahe gelegen eine verschlossene Hütte bemerke, die sich am Rande einer Wiese befindet und im Winter gerne als Rodelpiste genutzt wird, wie ich irgendwo gelesen habe. Weit darunter bemerke ich die vierspurige B 50 von und nach Rheinböllen vor einem Riegel von Windrädern, die sich in der weiten Ebene drehen und Energie liefern. Immer noch zeigt sich keine Wolke am Himmel und so fällt es mir schwer, mich wieder aufzuraffen.

Bevor ich weitergehe, schaue ich mir noch die Tafel zur Traumschleife "Schanzerkopf-Tour" an, denn der Wanderweg begleitet den SWS an dieser Stelle.

Nach einer schönen Strecke auf einem Pfad meist durch Nadelwald erreiche ich nach gut einem Kilometer die nächste Landstraße (L 239) und befinde mich ganz nah an zwei hoch über die Tannengipfel hinausragenden Windrädern. Dass ich im folgenden durch einen Windpark wandere, wird deutlich, als ich an der Schutzhütte Eichberg an eine Mehrwegekreuzung komme: Die Wege sind hier alle mehr oder weniger befestigt und sicher gut mit einem Fahrzeug befahrbar. Voran in einer Senke ragt auf einer freien, geschotterten Fläche, die von kurzgehaltenem Rasen umgeben ist, ein Windrad in die Höhe empor, so dass es sich einige Meter über den Baumgipfel frei drehen kann.

Auf einem der befestigten Wege erreiche ich die Zufahrt zum nächsten Windrad, werde dort aber nach rechts unter die Bäume des Nadelwaldes auf einen Pfad geführt und umrunde so den Turm in einem weiten Bogen. Trotzdem wandert mein Blick immer wieder in die Höhe und sucht nach den drei sich drehenden, gewaltigen Rotorblättern, die schon auch ein wenig Angst verbreiten können, Angst, dass sie aus der Verankerung reißen oder umkippen und einen kleinen Menschen wie mich einfach unter sich begraben. Gleichzeitig fühlt sich hier auf der sonnenabgewandten Seite der schemenhafte, immer wiederkehrende Schattenwurf der Flügel über den Tannengipfel sonderbar an. Andererseits sind die Windräder kaum zu hören und die Verkehrsgeräusche einer nahen Straße würde ich sicher als deutlich schlimmer empfinden.

Als ich wieder auf einen Versorgungsweg der Anlage stoße, stelle ich fest, dass ich auch einfach auf dem Fahrweg hätte geradeaus gehen können, um an gleicher Stelle zu stehen. Gleich dreifach gabelt sich dann der Weg und der SWS nimmt den rechtesten den Berg hinauf. Nein, schön ist dieser Abschnitt wirklich nicht, weder für das Auge, noch für die Füße.

Der Schinderhannesweg sowie der E3, denen ich ja nun schon wiederholt begegnet bin, verlaufen hier wieder parallel zum SWS, mit dem ich nun in ein Waldstück eintauche. Auf dem Weg bergan zum nächsten Windrad kommt mir dann ein Wanderer mit kräftiger Statur entgegen, schwere Wanderschuhe an den Füßen, modere Trekkingbekleidung und einem langen Stab als Wanderstock in der Hand. Der Mann schlendert den Berg hinab, doch sein Gesicht zeigt, dass er nicht so begeistert ist und womöglich Blasen und Müdigkeit die Stimmung drücken. Am interessantesten ist aber wohl die Feststellung, dass der Mann eine schwarze Hautfarbe hat.

Am dann folgenden Naturwaldreservat "Katzenkopf" gibt es ein Denkmal für vier Wehrmachtssoldaten, die in einem Schneegewitter im März 1944 dort im Wald mit ihrem Flugzeug, einer Junkers Ju 188, auf dem Flug nach Eindhoven abgestürzt und verstorben sind. Eine Gedenkplatte an einem Felsbrocken nennt ihre Namen, Dienstgrad und Geburtsdatum. Daneben befindet sich eine kleine Tafel mit der genaueren Information zu dem Ereignis.

Anschließend wandere ich zwischen zwei Windrädern auf ein drittes zu, daran vorbei und bin dann unsicher, als ich an einem Wegweiser lese, dass ich mich am Hochsteinchen befinde. Links geht ein Weg ab, aber gleichzeitig scheine ich auch den SWS verloren zu haben – was soll ich tun? Bevor ich mir jedoch darüber Gedanke mache, werde ich mir den nahen Turm ansehen, der sich hinter dem zuvor umrundeten Windrad befindet. Der Turm besteht aus einem offenen Metallgerüst und erinnert sehr an einen Strommasten. In Inneren steigt eine gewundene Treppe in die Höhe zur Plattform hinauf, die wiederum nur mit einer hüfthohen Brüstung aufwarten kann. Also genau das Richtige für jemanden wie mich mit Höhenangst.

Meinen Rücksack setze ich an einem Tisch mit je rechts und links einer dicken Bohle als Sitzbank ab und gehe dann todesmutig zum Turm hinüber. Am Fuße der Treppe lese ich ein Schild mit dem Hinweis, dass nicht mehr als 20 Personen auf dem Gerüst unterwegs sein dürfen. Zumindest dies ist nicht der Fall, denn ich bin allein an diesem Ort, gleichzeitig mindert diese Warnung mein Vertrauen an die Haltbarkeit der Konstruktion doch sehr. Gut, dass ich erst später lese, dass der Turn gerade sein 125jähriges Bestehen gefeiert hat, denn eine vertrauensbildende Maßnahme wäre das sicher auch nicht gewesen. Trotz allem mache ich mich an den Aufstieg der 40 Stufen bis zur oberen Plattform. Von dort hat man dann auch eine herrliche Aussicht auf Rheinböllen und jetzt, bei klarer Sicht, auch hinüber zum Rheingraben. Doch spätestens mit dem direkten Blick in die Tiefe zieht es mich auf den Boden zurück, jedes Foto bedeutet Angst vor dem Fall zu haben, und sei es nur, vor dem Fall der Kamera aus den zittrigen Händen. Deshalb ist die Verweildauer dort oben für mich auch keine drei Minuten lang, zumal neben dem Rauschen des nahen Windrades auch die Geräusche der A 61 aus dem Tal gut zu hören sind.

Wieder am Tisch mit den dicken Holzbohlen angekommen, nutze ich den abgesetzten Rucksack zunächst, um eine Trinkpause einzulegen und mache mir dann Gedanken darüber, wo ich den SWS wiederfinde. Das stellt sich dann zurück am Wegweiser als gar nicht so schwierig heraus, denn schnell entdecke ein Logo des Weges – also doch noch richtig! Leider beginnt hier dann auch ein Asphaltweg, der sehr steil talwärts verläuft.

Auch als es von der schmalen Straße nach rechts ab in den Wald geht, bleibt es steil und die Autobahn wird immer deutlicher hörbar. Von dort an bringt mich ein schöner Pfad durch das Unterholz des Waldes immer weiter ins Tal, bis ich ein weiteres Mal auf die Zufahrt zu einem Windradspargel gelange und ihr ein Stück folgen muss. Bald wechselt der Weg wieder und führt mich immer tiefer, aber auch leider immer näher an die Autobahn.

Rund 2 Kilometer dauert es so, bis ich die Teves-Straße und ein Industriegebiet von Rheinböllen erreiche. Es bleibt der Marsch an der Straße entlang bis zu einem Übergang der Hunsrückquerbahn, wo sich der SWS für den heutigen Tag verabschiedet, in dem er sofort danach nach rechts zur Kläranlage abbiegt, während ich noch 800 Meter am Autohof vorbei und über die B 50 hinweg bis zum geparkten Auto in Richtung Rheinböllen gehen muss, das dort am Ortsrand in der Straße Janismühle auf mich wartet.

Als ich an diesem Abend auf der Rückfahrt zur Unterkunft im Auto sitze und den Tag an mir vorüberziehen lassen, denke ich, dass die Wanderung eigentlich schön an der Ellerspring begonnen hat, dann aber wurde der Weg wieder zunächst zu einer Waldautobahn, um dann nach einem schönen Intermezzo rund um den Schanzerkopf in einem Windpark zu enden. So waren die Wege meist weder sanft, noch ein Abenteuer...