3. Etappe: Brücke B 421 - Sargenroth (20,7 km)


Mit dem Auto nach Sargenroth, in der Ortsmitte geparkt. Um 11:43 Uhr mit dem Bus nach Gemünden, von dort mit dem vorbestellten Taxi an Gehlweiler vorbei bis zum SWS an der Brücke im Simmerbachtal (Bus: 3,- €, Taxi: 10,70 + Trinkgeld).

Start: 12:00 Uhr Holzbrücke über Simmerbach an der B 421 südl. von Gehlweiler
Ende: 19:40 Uhr Parkplatz in Sargenroth

Nachdem der letzte Tag ein schöner Wandertag gewesen ist, an dem es im ersten Drittel viel - vor allen Dingen viel Schmidtburg - zu sehen gegeben hat, dann eine abwechslungsreiche Wegführung folgte und Einsamkeit, die ich mir gewünscht hatte, bin ich sehr gespannt und guter Dinge, was die heutige Tour betrifft.

Nachdem das Taxi mich abgesetzt hat, gehe ich hinunter zur überall mit dem Zusatz "Neue" versehenen Holzbrücke und bereite mich auf die Tour vor: Ziehe mir die Weste über, verstaue alle Utensilien am richtigen Platz, ziehe die Schnürsenkel an den Schuhen noch einmal nach und setze den Rucksack auf. Erst dann steige ich die Stufen zur Brücke hinauf, schaue einen Moment lang auf den Fluss, der munter unter mir hinweg sprudelt und entdecke auf einem Stein am Ufer drei rote Äpfel, die dort wie eine Opfergabe abgelegt zu sein scheinen. Ob dort jemand den Fluss milde stimmen wollte? Es scheint geholfen zu haben, denn im Gegensatz zum Hahnenbach ist das Bett des Simmerbachs zwar auch gut gefüllt, aber das Wasser ist deutlich klarer als das des Bruders am Vortag. Mit dem Simmerbach, der hier oft auch schon Kellenbach genannt wird, folge ich dem SWS am Ufer in Fließrichtung. Schön ist es hier im dunklen Wald, einzig die immer wieder vorbeirauschenden Fahrzeuge auf der an der anderen Uferseite gelegenen B 421 stören den Eindruck.

Bald macht der Pfad eine Kurve und beginnt in den Hang hinein zu verlaufen. Herrlicher Mischwald umgibt mich hier: Buchen, Eichen, Birken, aber auch Nadelgehölz. Als der Pfad steiler wird, führt er durch ein Geröllfeld mit dicht bemoosten Steinen, wie ich es vom Vortag auf dem Abschnitt zwischen Teufelsfels und Blickenstein erlebt habe, nur, dass der Weg gestern eben verlief. Stufen aus künstlichen Baumstämmen sollen dann den Aufstieg erleichtern - tun es aber eigentlich nicht, im Gegenteil - und wahrscheinlich das Abrutschen des Hanges vermeiden helfen.

Nach einem halben Kilometer erreiche ich einen Absatz, auf dem ich auf einen der Traumschleifen-Wanderwege treffe. Dieser hat den Namen "Heimat" bekommen. Für einen Ableger der im Hunsrück angesiedelten Film-Triologe mit dem Titel "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" wurde das nah gelegene Dorf Gehlweiler als Kulisse verwendet und ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Darauf spielt der Name der Traumschleife an. Gleichzeitig ermöglicht eine Aussichtsplattform einen schönen Blick ins dicht bewachsene Tal, aus dem allerdings der Verkehrslärm der B 421 herauf dröhnt, ohne dass die Straße zu sehen wäre.

Zusammen mit der "Heimat" geht es auf einer bewaldeten Felsennase weiter bergan. Wieder quere ich ein Geröllfeld, bleibe vor der Querung des nächstes stehen, um wieder zu Atem zu kommen und dabei den Blick bewundernd ins Tal zu richten, wo ich nun auch das graue Band der Bundesstraße entdecken kann. Anschließend benötigt der sichere Tritt wieder meine ganze Aufmerksamkeit.

Das nächste Mal, als ich auf einen querenden Weg stoße, ist dies ein Waldfuhrweg, der Henauer Weg, der gleichzeitig einen Zuweg des SWS von Gehlweiler darstellt. Geradeaus geht es weiter aufwärts, nun aber zunächst auf einem befestigten Waldweg, bevor es nach wenigen Metern wieder auf einen Pfad abgeht und damit auch in ein nächstes Geröllfeld mit bemoosten Steinen. Dabei geht mir durch den Kopf, dass der Aufstieg durchaus einen alpinen Charakter hat.

Wieder gelange ich an einen Querweg. Auf einem Felsbrocken hat dort jemand eine geöffnete Fischdose abgestellt und mit zwei Steinen beschwert. Richtig gelesen, eine von diesen rechteckigen Dosen mit den abgerundeten Seiten, in denen Heringsfilets meist in viel Tomatensauce schwimmen, hier allerdings ist der Fisch wohl eher in Öl eingelegt. Offenbar hat da jemandem der Inhalt nicht geschmeckt und er wollte die geöffnete Dose nicht weiter transportieren. Einerseits verständlich, so aber sicher auch keine Lösung. Gleichzeitig muss ich an dieser Stelle jedoch sagen, dass Abfall bisher auf dem SWS kein Problem dargestellt hat. Im Gegenteil, so gut wie kein Müll lag am Weg, nicht einmal die sich auf manch anderen Wegen stapelnden Papiertaschentücher sind mir aufgefallen. An der Saar gab es diese Hinterlassenschaften einmal auf einer der dortigen Traumschleifen in einer so großen Häufung, dass ich unterwegs begonnen hatte, sie zu zählen.

Nach dem Absatz wird die Steigung leichter, doch ein Dauerdröhnen wird nun zunehmend lauter. Es hört sich wie das Abräumen von Steinen, Schutt oder Geröll in einem Steinbruch an. Tatsächlich wird hier in großem Umfang Quarzitgestein abgebaut und dieses Gebiet umrunde ich nun oberhalb, nicht all zu weit von der Abbruchkante entfernt. Allerdings ist der Wald hier dicht gewachsen, so dass ich von den Arbeiten in der Grube nichts zu sehen bekomme.

Wieder geht es durch ein gewachsenes Geröllfeld, bei dem man nie weiß, ist der Stein, auf dem man tritt, fest oder lose, gibt er einen sicheren Stand oder wackelt er beim Betreten.

Genau über dem Steinbruch hat man einen schönen Blick in die Landschaft und das weit unter mir liegende Kellenbachtal. Eine Bank lädt zum Ausruhen und Genießen der Aussicht ein, doch die Aufsteller müssen stets an Sonn- und Feiertagen hier oben gewesen sein, denn obwohl ich immer noch nichts vom Steinbruch sehen kann, muss das Förderband und die Verladestation direkt unter mir sein und es schallt entsprechend laut herauf - schön ist das nicht!

Dennoch bleibe ich einen Moment lang in der Sonne sitzen und schaue mich um. Manchmal sieht man es, dass jemand eine Mütze, Handschuhe oder ähnliches irgendwo gefunden und speziell aufgehangen hat, damit sie der Eigentümer, wenn er auf der Suche danach zurückkommt, schnell finden kann. Dort oben ist dies mit einem Handtuch geschehen, das über einen Ast gehängt wurde, und man möchte ausrufen: "Der Wanderer, der sein Handtuch vermisst, wird gebeten es am Aussichtspunkt Henauer Steinbruch abzuholen, der Wanderer, der sein Handtuch..."

Nach dieser kurzen, aber geräuschvollen Pause wandere ich einen breiten Waldweg bergab und lasse den Lärm langsam hinter mir. Nur noch leise ist schließlich ein Grundrauschen aus dem Tal zu hören und so versuche ich Kilometer zu gewinnen, denn ich habe heute noch eine weite Strecke vor mir und bisher getrödelt, denn für die 1,5 Kilometer bis zum letzten Aussichtspunkt habe ich eine Stunde gebraucht. Zunächst gelingt der schnelle Gang auch ganz gut, dann jedoch bleibe ich an einem Wegweiser stehen, der in den Hang zeigt, um die Schilder genauer zu studieren. Ein weiterer Zuweg von Gehlweiler (3 km) wird angezeigt, doch während ich dort so stehe und lese, höre ich aus dem Tal erneut Verkehrslärm, verursacht von einem Rennfahrer, der die Straße mit dem Nürburgring verwechselt.

Wieder geht es danach bergauf, bald zwischen den Hochstämmen von Nadelbäumen hindurch. Eine Etage höher treffe ich auf einen breiten Waldweg und werde mit Hilfe eines Wegweisers nach rechts geleitet. Dabei fällt auf, dass SWS und Traumschleife sich nicht einig bei der Angabe der Entfernung zur Ruine Koppenstein sind, denn während das Schild des SWS 0,7 km angibt, sind es auf dem für die Traumschleife nur 0,4 km. Wenige Meter weiter zweigt der Weg wieder auf einen Pfad in den Hang mit einem Nadelbaumbestand ab und so nähere ich mich ein weiteres Mal der Geräuschkulisse des Steinbruchs.

Der Koppenstein ist eine 554 m hohe Erhebung, auf der der erhaltene Turm einer ehemaligen Burg aufragt. Wie auch immer, 26 steinerne Außenstufen und 58 sehr schmale Metalltritte im Inneren des Turms bringen mich auf die obere Plattform. Dabei ist es so eng, dass ich meinen Rucksack absetzen muss, um im Schlot nicht immer wieder daran hängen zu bleiben. Oben angekommen habe ich dann allerdings vom 14 Meter hohen Turm eine grandiose Rundumsicht. Außerdem kann ich von hier oben das erste Mal den staubenden Steinbruch, den ich zuvor umwandert habe, erkennen. Dahinter sind laut Richtungsanzeiger die Höhen des Lützelsoons zu sehen, über die ich am Vortag gekommen bin. Trotz des herrlichen Sonnenscheins weht dort oben aber auch ein kalter Wind, immerhin hatte es in der vergangenen Nacht bereits Frost gegeben.

Unebene Stufen mit Handlauf führen vom Fuß des Turmes zu einer Schutzhütte. Hier gesellt sich nun auch noch der Schinderhannes Naturerlebnisweg zum SWS und der Traumschleife, Infotafeln dokumentieren dies nur wenig unterhalb der Hütte an einer zugeschütteten Brunnenfassung. Auf breitem Weg geht es durch herrlichen Laubmischwald im gelegentlichen Wechsel mit Nadelwald bergab. Ein Paar mit Hund kommt mir dabei entgegen und es sind die ersten Menschen, die mir an diesem Tag nach rund 3,5 Kilometern Strecke begegnen. Gleichzeitig ist es ruhig geworden, denn mit jedem Schritt ins Tal verblassen die Geräusche des Steinbruchs und keine Straße ist zu hören. Das schöne Gefühl, allein mit sich und der Natur zu sein, ergreift mich seit dem gestrigen Tag zum ersten Mal wieder.

Mächtig Baumstämme, von denen viele sicher schon einige hundert Jahre hinter sich haben, bewundere ich, als nach längerer Zeit der Stille ein Auto auf der tiefer gelegenen Landstraße vorbeirauscht, auf die ich nun zulaufe. Als ich auf die K 62 treffe, muss ich an ihr nach rechts gehen und lasse dabei sowohl den Traumpfad als auch den Schinderhannesweg zurück, nicht ahnend, dass mir letzterer wieder begegnen wird. Schließlich überquere ich die Landstraße - ein einziges Auto ist auf dieser Strecke vorbeigekommen - und tauche wieder in den Wald ein. Gleichzeitig entdecke ich die Markierung des Wanderwegs E3, dem ich am gestrigen Nachmittag nach Gehlweiler gefolgt war. Dabei schaue ich auf die Uhr und stelle entsetzt fest, dass ich bisher 2,5 Std. für nur ca. 4,5 Kilometer gebraucht habe!

Erneut treffe ich auf eine wenig befahrende Landstraße, die K 63, die überquert werden muss. Auf der anderen Straßenseite wandere ich dann an einer Wiese entlang und genieße dabei einen schönen Fernblick auf das nahe Henau und das entfernter liegende Schwarzerden. Im Bogen geht es um die weitläufige Fläche, bis es nach links in den Wald zurückgeht. Vielleicht einen Kilometern später führt der SWS mich dann vom befestigten Waldweg ab nach rechts auf einen Pfad. Damit geht es zu einer Brücke über einen Bach, der unter einem dichten Blätterdach durch den Taleinschnitt plätschert. Auf der anderen Uferseite gelange ich wieder zurück auf einen breiten Forstweg.

Dann höre ich erneut vorbeifahrende Autos, diesmal von zwei Seiten, und komme an die T-Kreuzung der L 229 mit der K 15, an der ich 450 Meter entlang wandern muss. Zwar sind hier nicht all zu viele Fahrzeuge unterwegs, doch die wenigen scheinen es dafür um so eiliger zu haben und nehmen auf Wanderer nur wenig Rücksicht - vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Als ich endlich in die weite Wiesenfläche einbiegen darf, steige ich in ihr etwa einen halben Kilometer hinauf, um dann an einem Heckenriegel eine geschwungene Liege zu entdecken. Obwohl Straße und Fahrzeuge zu sehen und auch leise zu hören sind, der Blick von der Liege auch auf den Steinbruch in der Ferne geht, der dort vor sich hin staubt, gönne ich mir eine Pause. Die Sonne scheint wärmend auf mich, der Lützelsoon ist immer noch hinter dem Steinbruch gut auszumachen und auch der Turm auf dem Koppenstein ist zu erkennen. Die Füße schmerzen in den Wanderschuhen und bieten auch nach einem halben Jahr des Einlaufens keine blasenfreie Wanderung. Erst gestern habe ich ein Blasenpflaster an die rechte Ferse geklebt.

Plötzlich bemerke ich kleine Schmetterling, die um mich herum flattern, ein kleiner blauer und zwei orange-braun gemusterte genießen offenbar wie ich jetzt Ende September die angenehm warme Sonne nach einem viel zu heißen Sommer. Auch Vogelgezirpe fällt mir auf und es herrscht eine friedliche Stimmung. Bevor ich die Augen ein wenig schließe, geht mir noch durch den Kopf, dass an dieser Stelle ungefähr die Mitte des SWS liegen müsste.

Nach einer halben Stunde breche ich wieder auf. Dazu biege ich hinter dem Heckenriegel nach links ab und komme so bald durch einen schönen Baumtunnels an die Landstraße. Hier sind gerade auf weiter Strecke die Fahrbahnmarkierungen erneuert worden und der süße Geruch der Farbe steigt mir in die Nase, als ich über den Asphalt gehe.

Auf der anderen Seite der Straße finde ich einen schmalen Pfad zwischen schwarz/weißen Birkenstämmen, mit dem ich schnell wieder in den Wald verschwinden kann. Anschließend wechselt der Pfad in einen Tannenwald, immer noch befindet ich mich jedoch in der Nähe der Straße. Als dann ein breiter Forstweg quert, haben die Laubbäume in der Umgebung wieder übernommen. Die Spitzen zweier Fichten liegen dann als erneute Opfer des vergangenen Sturms über dem Weg und ich muss mich bergan an ihnen vorbei zwängen.

Nach 4,5 Std. (16:30 Uhr) und knapp 10 Kilometern habe ich den Turm der Alteburg auf 620 m Höhe, einsam im Wald gelegen, erklommen. 20 Stufen aus Bruchstein auf einer Außentreppe, 2 in den Turm hinein und 67 auf der Wendeltreppe im Innern bescheren mir eine tolle Sicht nach drei Seiten. Die vierte wird bereits von den Kronen der umgebenden Bäume verdeckt. Gleichzeitig ist dies der höchste Punkt auf der heutigen Wanderung und von nun an geht es bergab - zumindest tendenziell.

Die Alteburg steht inmitten eines Buchenhochwaldes, gewölbeartig bilden die Bäume ein hohes Dach und die schon herabgefallenen Blätter rascheln um meine Füße, als ich von der Anhöhe hinabsteige. Dann, nach 1,5 km, stoße ich auf den Rennweg, ein breiter Forstweg, der mehr oder weniger schnurgerade durch den Wald verläuft und dabei gut befestigt ist. Schön ist das nicht, aber es lässt mich jetzt gut vorankommen, denn immerhin habe ich noch rund 10 km Strecke vor mir und der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten.

Nach nur 25 m stößt der Sponheimer Weg von rechts zum SWS, nur wenig weiter gabelt sich der Weg und der Sponheimer Weg geht nach links ab. Um zum Auto zu gelangen, habe ich mir die Markierung S des Sponheimer Weges gemerkt, denn damit komme ich nach Sargenroth. Doch zunächst bleibe ich noch auf dem SWS, obwohl das landschaftlich sicher keinen Unterschied macht. Geradeaus wandere ich also durch den noch recht jungen, dafür aber sehr dichten Wald, bis ich die sogenannte "Wildenburger Linie" erreiche, eine weitere Waldautobahn, die den SWS kreuzt. An dieser Stelle ist für heute Schluss mit dem SWS, denn hier muss ich nach links abgehen und den Sponheimer Weg wiederfinden. 2,6 km sind es laut Wegweiser noch bis zum Parkplatz Ellerspring, an dem ich morgen meine Wanderung auf dem Soonwaldsteig fortsetzen werde.

Mit dem breiten, befestigten Fahrweg der Wildenburger Linie geht es bergab, bis ein ebensolch gerader Weg kreuzt. Ein Wegweiser zeigt hier nach links, was ärgerlich ist, denn so gehe ich richtungstechnisch wieder zurück. Zusätzlich kommt mir nun auch noch ein Forstauto entgegen, biegt aber vor mir nach links ein, bevor es mich erreicht. An dieser Kreuzung befindet sich die Bollinger Eiche, ein uralter Baum, der an den Förster Matthias Bollinger erinnert, der den Forstämtern rund um die Alteburg von 1890 bis 1925 vorgestanden und zum hundertjährigen Geburtstag von der Landesforstverwaltung einen Hirsch zum Abschuss geschenkt bekommen hat. Allerdings gelang den Pensionär dies erst ein Jahr nach seinem Ehrentag im Jahr 1959. All dies lese ich auf einer Tafel, die vor der Eiche aufgestellt ist.

An der Kreuzung befinde ich mich erneut auf dem Sponheimer Weg und laufe nun mit ihm in Richtung Sargenroth nach Norden. Natürlich ist auch dieser Weg als Fahrweg angelegt und tatsächlich kommt mir kurze Zeit später ein zweites Auto hinterher, bis es mich ein- und schließlich überholt hat.

In einem Bogen gelange ich so zurück auf die Wildburger Linie, mit der ich bis an die Häuser der Försterei Wildburg, die unterhalb der gleichnamigen Burgruine liegen, laufe. Wenn es diese Ruine tatsächlich gibt, so sind ihre Mauern vom Wald verdeckt und nicht zu sehen. Laut Karte müsste ich, um dorthin zu gelangen, am Forsthaus vorbei und nach der Besichtigung auch hierher zum Ausgangspunkt zurück - ein Mehrweg von etwa 1 km, bei verbleibenden rund 5 km bis zum Ziel. Das ist mir am heutigen Tag zu lang, zumal ich nicht weiß, was mich dort oben wirklich erwartet. Also biege ich vor dem Forsthaus nach links ab und und folge lieber weiter dem Sponheimer Weg.

Der Sponheimer Weg ist mir übrigens schon einmal begegnet, als ich auf dem Moselsteig unterwegs gewesen bin, damals habe ich ihn zwischen Traben-Trarbach und Reil um Starkenburg herum begleitet. Daran zurückdenkend komme ich, inzwischen schon recht erschöpft, an die Kreuzung an der Schutzhütte Wildburg. Von dort geht es die nächsten 3 km talwärts bis zum Brühlbach, wobei auch diese Strecke befestigt und zum Teil sogar asphaltiert und somit nicht gerade eine Erholung für meine brennenden Füße ist.

Plötzlich höre ich ganz in der Nähe das Röhren eines Hirsches. Es ist Ende September und Brunftzeit. Die Geräusche hören sich nach einem ganz schön großen Tier an, das seine Weibchen sicher zu beeindrucken weiß. Tatsächlich entdecke ich wenig später eine Hirschkuh, die auf einem Seitenweg steht. Sie blickt sich zu mir um, entschwindet dann aber im Unterholz in Richtung des Röhrens. Dann ertönt auf der anderen Seite des Weges ein weiteres Brunftgeräusch, nicht ganz so laut und tief wie das erste. Was aber, wenn es zum Kampf zwischen den beiden Kontrahenten kommen sollte, sie aufeinander zugehen, und ich genau dazwischen? Vielleicht erkennt der Bulle mich auch als Störenfried und will mich auf die Hörner nehmen? Mich nach Möglichkeiten umsehend, wie ich mich vor solch einem Angriff schützen kann, wird mein Schritt schneller.

Langsam geht auch die Sonne unter und orangerotes Licht leuchtet auf den Lichtungen des Waldes. Als von links der Schinderhannesweg zum SWS stößt, bin ich im Tal an einem waldpädagogischen Spielplatz angelangt und wähne mich in Sicherheit. Es ist bereits nach 19 Uhr, doch nun fehlen nur noch die zwei Kilometer den Hang hinauf nach Sargenroth zum Parkplatz, auf dem mein Auto auf mich wartet.

Als ich schließlich in ein offenes Gelände komme, sehe ich schon einen Kirchturm und bin dem Ende nahe. In diesem Moment beginnen auch noch die Kirchenglocken zu läuten.

Zum Schluss überquere ich an einem Sportplatz die Landstraße, gehe in das Dorf hinüber und erreiche mit der Waldstraße das Auto, wo ich endlich müde die Schuhe von den Füßen streifen kann.

Während es auf der Fahrt zur Unterkunft dunkel wird, lasse ich mir die Tour noch einmal durch den Kopf gehen. Die beiden Aussichtstürme waren sicher die Highlights, außerdem sind mir auf der Strecke nur das Paar mit dem Hund am Koppenstein, die beiden Fahrzeuge am Forsthaus Wildburg und ein Jogger entgegen gekommen. Aber fast die Hälfte der Strecke war heute mehr oder weniger von Verkehrs-, ganz besonders aber von Steinbruchgeräuschen untermalt, mindestens genauso viel bin ich befestigte und asphaltierte Wege, die meist schnurgerade angelegt waren, gewandert. Insgesamt bleibt deshalb ein eher enttäuschender Eindruck.