1. Etappe: Kirn (Nahe) - Rudolfshaus (14 km)


Das Auto auf dem Platz an der Straßenkreuzung in Rudolfshaus geparkt, mit dem Bus (Abfahrt 12:46 Uhr außerhalb der Schulferien, nur werktags) nach Kirn zum Bahnhof gefahren (4,50 €).

Start: 13:10 Uhr Bahnhof Kirn
Ende: 17:50 Uhr Parkplatz Rudolfshaus

Am Bahnhof von Kirn ist es einfach, den Zuweg zum Soonwaldsteig (SWS) zu finden, ich folge ihm in die Bahnhofstraße, biege dann aber in der Gerbergasse vom markierten Weg ab, gehe nach rechts in die Kirchstraße am Ufer des Hahnenbachs in Richtung Rathaus, um mir die ev. Kirche anzusehen. Den mit Bäumen gesäumten Weg war ich bereits am Vortag gegangen, als ich mir den Ort nach meiner Anreise bei Regen kurz angesehen hatte - die Kirche war allerdings verschlossen. Jetzt ist die schwere Holzpforte der gotische Hallenkirche mit romanischem Turm aus dem 11. und 12. Jahrhundert geöffnet und ich kann das klar strukturierte, bemalte Deckengewölbe bestaunen. Die Einrichtung ist wie in den meisten evangelischen Kirchen schlicht gehalten.

Nach der Besichtigung gehe ich die wenigen Meter weiter zum Marktplatz, wo sich eine Infosäule zum offiziellen Startpunkt des Soonwaldsteigs befindet. Der Informationsgehalt der Säule ist eher gering, nichts, was ich nicht schon vorher gelesen hätte, und auch der Platz hat außer einem Brunnen mit einem Drachentöter in der Mitte, einem Eiscafé und den üblichen Restaurants mit italienischer und griechischer Speisekarte, nicht viel zu bieten. Einzig der üppige und prächtige Bewuchs einer mit Geranien bepflanzten Stele zieht hier den Blick auf sich.

Also mache ich mich auf und folge einem ersten Wegweiser in Richtung Norden, der mich in den Steinweg führt, der sicher einmal eine belebte Geschäftsstraße gewesen ist, jetzt sind aber die meisten Läden an beiden Seiten verwaist, stehen leer und haben sicher schon bessere Tage erlebt.

Nach rechts geht es dann mit der Amthofstraße wieder zum Hahnenbach zurück und mit Hilfe einer Straßenbrücke auf die andere Uferseite. Dort biege ich mit der Wegmarkierung in die Schulstraße ein und gehe auf dem Bürgersteig der Wohnstraße dem Lauf des Baches entgegen. Auf der anderen Uferseite befindet sich dabei die Kirner Brauerei und später eine Einkaufsmeile mit Discountern und Supermärkten.

Mit dem Wechsel in die Straße An der Mühle bleibe ich zwar am Ufer des Hahnebaches, gelange aber bald in einen von Häusern umringten Wendehammer und bin einen Augenblick irritiert, denn hier endet die Straße. Als ich mich umschaue, entdecke ich eine Treppe, die mich zur nächst höher gelegene Straße Im Hohen Rech bringt. Mit ihr erreiche ich beinahe die Kallenfelser Straße, die ich mit dem Bus durch das Tal gekommen bin. Kurz vor Erreichen geht jedoch rechts ein Fußpfad zum Restaurant "Entenfang" den Hang hinauf und dorthin bringt mich auch der SWS. Auf der nächst höher gelegenen Wohnstraße folge ich dann einem Fußweg weiter den Hang hinauf und ins Gebüsch hinein. Dort versperrt mir bald eine quer liegende Baumkrone den Weg. Am Tag zuvor hatte es einen kurzen, aber sehr starken Sturm mit gewaltigen Böen und heftigem Regenguss gegeben, der nicht nur im Garten meiner Gastgeber Schäden angerichtet, einen Obstbaum gefällt und mehrere starke Äste aus anderen gebrochen hatte, sondern ganz offensichtlich auch hier für Bruch gesorgt hat. Als ich stehenbleibe und mir den Baumstumpf des relativ jungen Ahorns ansehe, der noch etwas 5 Meter in die Höhe ragt, entdecke ich durch eine Schneise auf der gegenüberliegenden Anhöhe die Reste einer Burg, bei der es sich um die Türme der Kyrburg, die über Kirn wacht, handeln müsste.

Wiederum gelange ich eine Stufe höher auf eine Straße, folge ihr aus dem Ort hinaus und habe am letzten Haus vorbei einen guten, jetzt freien Blick auf Kirn hinunter und die darüber thronende Burgruine.

Der Anstieg geht weiter, jetzt durch ein Waldgebiet, bis ich einen Asphaltweg erreiche. Wieder genieße ich den offenen Blick ins Tal und die dicht bewaldete Flanke auf der anderen Seite. Vereinzelte Häuser um die Reste einer kleinen Burgruine am Kallenfelser Hof tauchen nun auf, dann, wenige Schritte später, gibt es einen schönen Blick auf Schloss Wartenstein, das auf dem nächsten Felsrücken deutlich sichtbar weit über dem Tal erbaut wurde.

Als nächstes geht es steil bergab an einem einzeln gelegenen Haus vorbei. Kurz danach muss ich über ein Meer auf zu Boden gefallener Zwetschgen laufen, die hier etwa 5 Meter den Boden pflastern und bedauere dabei, so viele Früchte zertreten zu müssen. Danach gabelt sie der Weg und der SWS führt durch Hecken weiter steil talwärts.

So stoße ich bald auf eine schmale Straße mit schönen alten Einfamilienhäuser und folge ihr durch den Ort Kallerfels ins Tal. Dabei fällt mir eine weitere Burgruine über mir auf, die direkt neben der oberen auf einem Felssporn gebaut worden zu sein scheint - zwei Burgen so dicht beieinander erscheint mir keinen Sinn machen zu wollen und so überlege ich mir, dass möglicherweise im Laufe der Jahrhunderte der Abschnitt zwischen den beiden Teilen ins Tal gestürzt ist.

Die schmale Straße zwischen den Häusern ist so steil, dass ich beinahe unweigerlich ins Laufen komme, bremse mich dann aber, als ich in einem Vorgarten einen Quittenbaum entdecke, dessen Früchte über den Zaun auf die Straße ragen. Ich bin versucht, ein paar dieser inzwischen selten gewordenen Früchte, bei denen es sich offenbar um Birnenquitten handelt, zu pflücken. Anschließend geht mir durch den Kopf, dass es im Winter bei Eis und Schnee sicher unmöglich ist, diesen Weg zu befahren - sowohl hinauf, als auch durch die engen Windungen hinab. Als nächstes nimmt ein Schild an einem Gitter in der folgenden, eben verlaufenden Wohnstraße meine Aufmerksamkeit in Anspruch. Der Zugang zu einem Spielplatz wird damit versperrt und es wird darauf hingewiesen, dass Erdwespen das Gelände vorübergehend unbegehbar machen.

Kurz drauf geht es von der Straße mit Namen Schlossstraße rechts wieder in den Hang hinein, wo ich mit einem Heckenweg erneut stark an Höhe gewinne. Ein schöner Niederwald aus Eichen und Buchen schließt sich an und nach gut einem Kilometer ist es dann geschafft und ich kann mehr oder weniger auf der gewonnenen Höhenlinie wandern. Still ist es im herbstlich gestimmten Wald, nur ein mäßiger Wind streicht durch die Blätter und gelegentlich warnt ein Eichelhäher mit spitzem Schrei vor meinem Kommen. So geht es ein gutes Stück, wobei es gelegentlich freie Sicht ins zurückliegende Tal gibt oder aufgestellte Tafeln mit Erklärungen zu den am Wegesrand wachsenden Bäumen das Wandern kurzweilig machen.

Das Vergnügen des schönen Waldwegs endet am schönen Schloss Wartenstein, an dem der SWS auf einen breiten, befestigten Weg mündet. Zum Gelände des Schlosses hat man freien Eintritt und von dort einen herrlichen Blick zurück auf Kallenfels und die Ruinen der drei (!) Burgen auf jeweils einem Felsensporn hoch über dem Tal des Hahnenbachs. Auf dem untersten Felsen, so lese ich auf einer an die Schlossmauer angebrachten Tafel, liegt die bereits im 16. Jh. verfallene Ruine der sogenannten Burg Stock im Hane, heute nicht mehr zu sehen und ohne nennenswerte Mauerreste. Dann folgt Schloss Kallenfels, von dem noch der quadratische Bergfried gut zu erkennen ist. Ganz oben die noch am besten erhaltene Anlage der Burg Stein. Die drei Burgen waren ursprünglich durch Zwingermauern, von denen sich nur wenige Reste erhalten haben, miteinander verbunden.

Das Schloss Wartenstein ist dagegen gut erhalten und bewohnbar. Doch niemand außer einer Frau, die bei meinem Betreten einsam den kleinen Schlossgarten unterhalb der Mauern hakt, ist dort, als ich das Gelände betrete. Der letzte ständige Bewohner des Schlosses war der Förster Karl von Pidoll, der 1984 verstorben ist und dem zuvor schon eine Eiche am Weg im Wald gewidmet war. Die kleine Außengastronomie ist geschlossen - vielleicht weil Montag ist -, geöffnet sind die Räume der Ausstellung zur Herstellung von Lohe zum Gerben von Lederwaren. Beim Verlassen des Schlosses betrete ich noch einen Ausstellungsraum am Tor und erschrecke, als die vorhin noch hakende Frau dort sitzt und mich unerwartet anspricht. Sie freut sich offenbar, dass jemand vorbeigekommen ist, doch unser Gespräch ist kurz, ich nehme mir Infomaterial aus einem Ständer und verlasse die Frau dann schon bald. Wie es wohl ist, den ganzen Tag dort allein mit sich die Zeit zu verbringen?

Vom Schloss aus geht es wieder talwärts, erneut durch Niederwald, der Wind ist jetzt wieder aufgefrischt, die Wolken sind dichter geworden. Beim recht steilen Weg bergab muss ich dann sehr Acht geben, um nicht auf dem Schotter auszurutschen, zumal zusätzlich zu den rollenden Steinen der Boden auch noch von Eicheln übersät ist, die zusätzlich wie kleine Rollen wirken. Dabei fällt mir auf, dass die Straße im Tal wieder deutlich hörbar geworden ist.

So erreiche ich den Ort Hahnenbach und durchstreife mit der "Neuen Straße" ein Wohngebiet, bis es etwa in der Mitte der Häuser mit dem SWS rechts den Hang hinauf geht, um anschließend abwechselnd mal steil bergan, mal wieder bergab zu steigen, immer aber durch Heckenlandschaft und Niederwald am Rande der Ortschaft entlang. Bald erreiche ich eine kaum befahrene Landstraße, die K 3, betrete und überquere sie. Anschließend steige ich ein Stück im dunklen Tal eines namenlosen Baches hinauf, komme so an den Grund des Gewässers und überschreite mit Hilfe eines dicken Betonrohres das schmale Rinnsal. Deutlich erkennbar haben hier reißende Fluten eine tiefe Rinne in den Waldboden gegraben und den Weg mit in die Tiefe gespült, so dass dieses Rohr sicher weiteren Schaden abwenden soll.

Auf einem am Hang verlaufenden Weg habe ich im Folgenden immer wieder herrliche Blicke in das Hahnenbachtal tief unter mir und auf die immer wieder dicht bewaldeten Flanken. Ein letzter steiler Anstieg auf einem schönen, schmalen Pfad am Hang entlang bringt mich dann zu einer Bank, die mich zu einer Rast einlädt. So kann ich verschnaufen, einen Schluck trinken und die Aussicht von der exponierten Stelle genießen: Ich habe freie Sicht auf die breiten, bewaldeten Bergrücken eines Seitentales, das vor mir liegt, während ich gleichzeitig in den wiesen- und weidenreichen Talgrund hinabsehen kann. Leider schallen auch die Geräusche eines Pferdebetriebes und natürlich die gut befahrene Talstraße zu mir hinauf.

Als ich nach einer ausgiebigen Rast mit dem Pfad weiterwandere, dauert es nicht lange und ich stoße auf einen breiten Weg, mit dem der SWS mich auf langgezogenen Serpentinen wieder ins Tal führt, wo ich auf die Wiesen treffe, die ich bereits von oben gesehen habe. Von der Talstraße, der L 182, biegt an dieser Stelle eine Landstraße (K 28) nach Sonnschied ab und mit dieser Straße überquere ich den Hahnenbach, der breit und gemütlich in Richtung Kirn dahinfließt und eigentlich Fluss heißen müsste.

Hinter der Straßenbrücke verlässt der SWS die Landstraße und wechselt auf eine Wiese, über die ich nun mehr oder weniger nah am Waldrand parallel zum Fluss laufe. Noch einmal drehe ich mich dabei um, denn eigentlich müsste ich von hier die Bank, auf der ich vor einer Viertelstunde noch gesessen habe, sehen können - es gelingt mir aber nicht, sie auszumachen.

Immer mal wieder führt mich der Weg dann auch in den Wald hinein. Leider ist auf diesem schönen Weg durch das Tal auch immer die auf der anderen Uferseite verlaufende Landstraße gut zu hören und die Geräusche machen den naturnahen Eindruck kaputt.

Noch einmal geht es dann in zwei Schleifen den Hang hinauf. Ein Pfad zweigt von Weg ab und bringt mich über sehr unangenehm zu gehende Stufen zurück ins Tal, wo ich einen Fuhrweg erreiche. Mit diesem geht es schließlich weiter abwärts, bis ich an die Häuser von Rudolfshaus komme.

Ganz spannend finde ich zum Schluss ein kleines Schild des Soonwaldsteiges, auf dem auf einen Wasserhahn am Haus auf der anderen Wegseite hingewiesen wird und aus dem jeder Wanderer kostenlos Wasser entnehmen kann. Beim Haus handelt es sich um die sogenannte Neumühle, die als solche nicht mehr zu erkennen und zuletzt ein Gastronomiebetrieb gewesen ist. Hintergrund für diese Wasserstationen ist, dass es direkt am Soonwaldsteig erst in Rheinböllen wieder Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Deshalb hat man Trekkingcamps am Weg ausgewiesen, die gegen Gebühr zum Zelten genutzt werden können. Allerdings gibt es dort keine Möglichkeit der Verpflegung und deshalb muss jeder Wanderer auch Wasser selbst mitbringen.

Auf der Landstraße angelangt, brauche ich nur noch wenige Meter nach rechts zu gehen, wo ich auf einem kleinen Platz an der Abzweigung nach Bruschied am Mittag das Auto geparkt habe, um von der nahen Bushaltestelle nach Kirn zu fahren.