9. Etappe: Neumagen-Dhron - Kesten (16,6 km)

Für die Rückfahrt am Ende dieser Etappe habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen. Weil eine Busfahrt zwischen den Orten mit Umsteigen verbunden ist und die Gesamtzeit der Fahrt bei zum Teil mehr als einer Stunde liegt, ist mir der Gedanke gekommen, dass ich mich auch nach einer Schiffverbindung umsehen könnte. Denn es gibt sowohl in Neumagen als auch in Kesten einen Anleger und da eine Bootsfahrt auf der Mosel ja auch irgendwie mit dazugehört, ist es beschlossene Sache und das Etappenziel wird von Monzel nach Kesten verlegt.

Das Weinschiff von Neumagen-Dhron

Das Auto parke ich in Neumagen diesmal unterhalb der Kirche, denn das ist deutlich näher zum Bootsanleger als der außerhalb gelegene Friedhof. Außerdem komme ich so am weltbekannten Steinrelief des Weinbootes vorbei und kann früh am Morgen mit Ruhe einige Fotos davon machen. Dann nehme ich den Weg an der Peterskapelle vorbei und durch den kleinen Park hinunter zum Moselufer. Dort wende ich mich in Richtung der Moselbrücke und treffe so ein weiteres Mal auf das Weinschiff, diesmal aber als Nachbau in Originalgröße.

Zum Drachenfliegen über der Mosel

Nach dem Überqueren der Brücke geht es in einem Seitental der Mosel und parallel einer Landstraße steil aufwärts. Auch an diesem Tag ist es wieder schwül-warm und so rinnt nach wenigen Metern schon der Schweiß aus allen Poren. Zweimal muss ich die Landstraße überqueren, dann nimmt die Steigung ein kurzes Stück ab und über die Weinreben hinweg kann ich durch einen v-förmigen, kleinen Talausschnitt einen Teil von Neumagen-Dhron und das Hünsrücker Hinterland auf der anderen Moselseite ausmachen. Ja, diese herrlichen Aussichten sind der Mühe immer wieder wert, auch, wenn sie sich oft gleichen.

Über eine Art Hochheide verschärft sich der Anstieg wieder und auch am Gelände einer Kiesgrube entlang wird die Anstrengung nicht weniger. Im Gegenteil, denn jetzt muss ich auch noch an einer Straße entlanglaufen. Zum Glück verkehren keine Grubenfahrzeuge, wahrscheinlich, weil ich an einem Samstag unterwegs bin, aber der ein oder andere PKW begegnet mir trotzdem. Einer davon wir von einer Frau gefahren, die schaut, wie weit ihr Mann mit seinem Fahrrad ist. Allerdings hat die Steigung auch ihn geschafft und er schiebt das Rad, als seine Frau neben ihm hält und ihn mit einem Getränk versorgt, so dass ich beide überholen kann.

Weinschiff, Weinberge und die Moselloreley
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Das weltbekannte Steinrelief eines Weinschiffs Absprungrampe für Drachenflieger Blick zurück von der Weißlei auf Neumagen-Dhron Weinberge, Piesport und die Moselloreley

Ein Stück weiter gibt es einige Bänke im Schatten mit schönem Blick ins Moseltal und zurück auf das schon ein wenig hinter einer Bergkuppe verschwundene Neumagen-Dhron. Eigentlich sind diese Sitzgelegenheiten aber dafür gedacht, die hier über eine Rampe startenden Drachenflieger zu beobachten. Allerdings sind an diesem Tag keine Flieger am Start, was wohl mit der fehlenden Thermik zu tun hat, wie ich denke. Inzwischen sind auch der Radfahrer und seine Frau am Startplatz eingetroffen, kurz drauf kommt ein zweiter PKW mit einer Rolle auf dem Dachgepäckträger dazu. Aus dem Wagen steigt ein Flieger aus, der auf der Suche nach günstigen Startbedingungen ist. Er sieht sich um, macht aber keine Anstalten, sein Fluggerät auszupacken. Der Wind würde ihn beim Starten gefährlich auf den Hang drücken, verrät er. Seine Frau war mit ausgestiegen, geht dann aber wieder zum Auto und setzt sich gelangweilt auf den Beifahrersitz. Während sich die anderen drei weiter unterhalten, beende ich meine Trinkpause, setze meinen Rucksack wieder auf und wünsche allen einen guten Tag.

Durch das Meer der Trauben

Erfrischt schaffe ich die letzten 400 Meter des Anstiegs gut. Dann biegt nach rechts ein Pfad von der Straße ab, der mich jetzt wieder talwärts führt und kurz drauf treffe ich an der Weißlei ein. Der Abgrund des Felsens ist mit einer Balustrade gesichert, aber unter hohen Bäumen hat man einen erneut schönen Blick auf das schon entfernt liegende Neumagen-Dhron. Außerdem erkenne ich voraus schon den Ort Piesport, den der Moselsteig zwar nicht angeht, der aber einen bekannten Namen hat. Und dann entdecke ich ein wenig überrascht zwei Bierdosen, die ein wenig verborgen in der Wurzel eines alten Baumes liegen. Wer mag die hier abgelegt haben? Niemand ist in der Nähe, die Schutzhütte ist verwaist... Die Dosen scheint jemand versteckt und vergessen zu haben, also entschließe ich mich, einmal eine Ausnahme zu machen und den Müll anderer Leute mitzunehmen.

Wenig weiter muss ich über den Parkplatz der Hütte und komme wieder auf die Straße, die ich von vorhin kenne. Dann geht es sehr steil auf dem sogenannten Römerweg hinab zur Spoarkapelle. Nach dem Startplatz der Drachenflieger nutze ich die Kapelle ein weiteres Mal, um zu trinken. Der kleine Innenraum ist bis auf die Bodenfließen kaum interessant, aber erstaunlicherweise ist er angenehm kühl und so mag ich mich zunächst gar nicht wieder aufraffen, um weiterzuwandern.

Schattig aber sehr steil muss ich noch ein Stück abwärts auf einem Kreuzweg, bevor es mit dem Moselsteig an einer Station im spitzen Winkel aus dem Wald und hinein in das weite Meer der Weinreben geht. Vor mir liegt in einer Schleife der Mosel ein weit geschwungener Hang, der ausschließlich mit Wein bepflanzt ist. Daran schließt sich der Felsen der sogenannten Moselloreley an, während am Fluss selbst der kleine Ort Piesport mit den beiden Moselbrücken zu sehen ist.

Zum ersten Mal wandere ich an der Mosel nun ein langes Stück ausschließlich durch einen Weinberg. Dabei scheint die Sonne unnachgiebig auf mein Haupt und ich bereue es, mich mit Mützen, Kappen oder Hüten immer schwer getan zu haben. Nach 3 Kilometern habe ich das Gefühl, dass mein Hirn beginnt gut durchgegart zu sein und sehne mich nach ein wenig Schatten. So erreiche ich eine kleine Nebenstraße und muss ihr folgen, bevor an einer Kreuzung ein Wegweiser aufgestellt ist. Links würde es mit dem Moselsteig über die Straße gehen, aber rechts soll in der Nähe die Rotlay sein und etwas weiter der Aussichtpunkt Moselloreley. Besonders die Loreley würde ich mir schon gerne einmal aus der Nähe ansehen. Also biege ich nach rechts ab und verlasse den Moselsteig.

Um es kurz zu machen, den ersten Aussichtspunkt, die Rotlay, finde ich nicht und den zweiten kann ich auch nicht entdecken. Nach 700 Meter an einem Waldrand entlang, senkt sich der Weg wieder durch einen Weinberg, in dem ich eine Kapelle ausmachen kann, der Mosel entgegen. Ist das die Loreley? Später Zuhause auf der Karte werde ich sehen, dass ich für die Rotlay auf einen Pfad hätte abgehen müssen, wobei ich mich an keinen Abzweig erinnern kann. Bei der Kapelle handelt es sich um die sogenannte Pestkapelle und der Aussichtspunkt Moselloreley wäre gar nicht mehr so weit entfernt gewesen - ob er sich allerdings gelohnt hätte, vermag ich nicht zu sagen. Statt mir die Loreley anzusehen mache ich eine ausgiebige Pause in einem schattigen, etwas verwildertem Obstbaumgarten wenige Meter auf dem Weg zurück.

Als ich wieder zurück an der Landstraße bin, muss ich noch einmal durch einen Weinberg. Dann befindet sich wieder ein Schild am Wegesrand, dass auf den nahen Staustufenblick auf der Burglay hinweist. Auch hier lasse ich mich darauf ein, dem Hinweis zu folgen. Insgesamt habe ich damit am Tourenende rund 2 Kilometer mehr auf dem Wegzähler, als eigentlich nötig gewesen wäre.

Info:
  • Moselschifffahrt
    Eine Flussfahrt, die ist lustig, eine Flussfahrt, die ist schön... Zumindest einmal sollte man mit dem Schiff auf der Mosel unterwegs gewesen sein.
  • Kesten bzw. Osann-Monzel
    Das eigentliche Etappenziel ist Osann-Monzel, der Doppelort oberhalb von Kesten, das am Moselufer liegt.
  • Bus & Bahn
    Leider sind Busverbindungen zwischen Etappenstart und -ziel nur mit Umsteigen und viel Zeitaufwand möglich.

Ein Sauerbunnen und eine Schifffahrt auf der Mosel

Die nächsten 2,5 Kilometer schreite ich zügig voran. Das liegt zum einen daran, dass eine kleine Wandergruppe seit dem Abzweig Burglay mit mir auf dem Weg unterwegs ist, die ich gerne hinter mir lassen möchte, zum andern bin ich von Hitze und Strecke wirklich kaputt und möchte nur so schnell wie möglich in Kesten ankommen.

Als ich am römischen Sauerbrunnen ankomme, halte ich mich dort auch nicht lange auf, obwohl der Ausfluss in einer gemauerten Senke durch den hohen Eisengehalt die Steine rostig rot gefärbt hat, urig unter Bäumen liegt und ein feucht-kühles Klima schafft. Aber wie man dieses Wasser trinken mag und gar erfrischend findet, kann ich sowieso nicht verstehen.

Am nahen Freizeitgelände haben sich einige junge Leute unter den Bäumen auf der Wiese niedergelassen, um den Tag zu genießen und wenig weiter steht ein von einem Traktor gezogener Wagen, auf dem eine größere Gruppe fröhlich dem Moselwein zuspricht. Für mich viel wichtiger ist aber der Wegweiser an der folgenden Kreuzung, der mir vom Moselsteig ab den Weg nach Kesten zeigt.

Nach noch einmal 1,4 Kilometern durch ein Weinanbaugebiet gelange ich schließlich oberhalb der Kirche an den Friedhof von Kesten. Über Treppenstufen erreiche ich das Gebäude, umrunde es und entdecke dann unterhalb der Kirche ganz in der Nähe den Schiffanleger von Kesten. Froh, es geschafft zu haben, lasse ich mich auf einer der Bänke nieder und muss auch nicht mehr all zu lange warten, bis das Schiff anlegt.

Bei zwei großen Gläsern Apfelschorle erhole ich mich dann während der einstündigen Rückfahrt auf dem gut besuchten Schiff. An Deck herrscht Ausflugsdampferstimmung, doch ich bin froh, dass ich es für diese Tag geschafft habe.