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Schlusswort und Bewertung des Soonwaldsteigs


Würde ich den Soonwaldsteig noch einmal wandern? - Klares Nein!

Natürlich hat es schöne Augenblicke unterwegs auf dem Soonwaldsteig gegeben. Aber in der Rückschau schrumpfen diese Momente auf ein paar wenige zusammen und es überwiegen dann eben doch leider die Enttäuschungen.

Rückblickend dominieren in meiner Erinnerung breite, gut befestigte Fahrwege, die nicht selten schnurgerade durch den Wald verliefen. Besonders unschön empfand ich aber die beiden Windparks, durch die der Soonwaldsteig hindurchführt, garniert mit den Verkehrsgeräuschen der A 61, der vierspurigen B 50 und diverser anderer Straßen. Auch den Lärm bei der langen Umrundung des Steinbruchs bei Henau empfand ich als Zumutung.

1. und 6. Etappe führten durch bewohnte Gebiete, aber die Erwartungen, die ich damit verbunden hatte, waren nicht hoch und konnten so nicht sehr enttäuscht werden. Am Ende bleibt, dass allein die 2. Etappe – vor allen Dingen im Mittelteil zwischen Teufelsfels und Blickenstein – meine Erwartungen erfüllen konnte, denn sie war aussichts- und abwechslungsreich in schöner Natur mit kaum Menschen auf den Wegen. Für einen 90 km langen Weitwanderweg ist das aber zu wenig.

Leider haben weder die Naheland-Touristik GmbH noch das Deutsche Wanderinstitut, das das Wandersiegel für sogenannte Premiumwanderwege vergibt und den Soonwaldsteig damit ausgezeichnet hat, auf meine Kritik reagiert. Beim Wanderinstitut ist das allerdings auch nicht weiter verwunderlich, leiten die die Mail doch nur weiter an den Wegbetreiber, also die Naheland-Touristik Gmbh.




Ein Jahr später!

Es dauert lange, bis das untere Teilstück des Weges durch das Morgenbachtal wieder freigegeben wird. Als dann der Wetterbericht für das kommende Wochenende im September einen Spätsommertag mit viel Sonnenschein ankündigt, mache ich mich am Samstag auf, um eine Runde von gut 10 km zu laufen, mit der ich am Jägerhaus starte, von dort die wenigen Meter zum SWS gehe und dem Weg an der Burg Rheinstein vorbei bis zum Schweizerhaus folge. Anschließend steige ich der ein Jahr zuvor gewanderten Abkürzung entgegen, wende mich dann aber kurz vor Erreichen der Höhe mit einem abzweigenden Weg nach links, um auf dem Kamm zu bleiben und auf einem einsamen, aber auch nicht weiter erwähnenswerten Waldweg weiter zu wandern. Leider finde ich nicht den richtigen Weg, der mich ans obere Ende der Steckeschlääferklamm bringen sollte, sondern gelange kurz vor dem unteren Ende wieder im Morgenbachtal auf den SWS. Auch diesmal lasse ich es mir nicht nehmen, die Baumgeister im Hasselbachtal zu suchen, gehe im Tal einmal hinauf und wieder hinunter, um dann zurück zum Parkplatz am Jägerhaus zu gehen.

Objektiv betrachtet ist das wieder freigegebene Teilstück des Morgenbachtals wirklich schön und urig, denn unter dichtem Blätterdach hat sich der Bach tief in den Grund gegraben und umgestürzte Bäume scheinen liegenbleiben zu dürfen. Auch die kritisierte Wegbeschaffenheit im oberen Verlauf ändert sich dort und wird nach und nach sogar zu einer spannenden Strecke. Als der SWS an einer ehemaligen, einsam gelegenen Mühle in den Hang und hinaus aus dem Tal steigt, bleibt es lange Zeit ein schmaler Hangpfad. Und natürlich sind die Blicke ins Rheintal und die Burgen wunderbar.

Nun, das alles hätte wahrscheinlich auch mir richtig gut gefallen, allerdings hatte das hervorragende Wetter und das Wochenende selbstverständlich nicht nur mich hinter dem Ofen hervorgelockt, und so war der Weg gut besucht. Im Morgenbachtal ging es auf der Hintour noch, auf den engen Pfaden rund um die Burg Rheinstein aber, einem Ausflugslokal, staute es sich immer wieder durch entgegenkommende Leute. Dabei wären gerade auf diesen schmalen Hangpfaden gutes Schuhwerk und Trittsicherheit dringend erforderlich. Zwei Erlebnisse auf diesem Abschnitt, die mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind:

  • 200 m von der Burg entfernt steht ein kleines, sehr enges Türmchen und weil dort niemand ist, beschließe ich, an dieser Stelle eine Trinkpause einzulegen und die Aussicht auf den Rhein und die Burg zu genießen. Es kommen immer wieder Menschen vorbei, die aber weitergehen, wenn sie bemerken, dass ich mich im engen Turm aufhalte. Als dann aber drei Herren im bayrischen Outfit und Bierfahne meinen, sie müssten sich zu mir in den Turm quetschen und lautstark geistreiche Bemerkung zum Besten geben, geschieht mein Aufbruch fluchtartig.
  • Danach kommt mir ein Paar jenseits der 70 bergab gehend entgegen. Er macht einen rüstigeren Eindruck als sie, beide sind in jeder Hand mit einen Wanderstock bewaffnet, sie mit leichten, hellen Sneakern beschuht. Als die vorangehende Dame mich bemerkt, wird sie langsamer und unsicher. Dann rammt sie so gut es geht die Wanderstöcke rechts und links neben sich in den Boden, blockiert damit den schmalen Hangpfad der zur linken Seite steil zum Rhein abfällt, und verkündet “Oh, ich will aber nicht abstürzen!” Ich bin geneigt zu antworten: “Und von mir erwarten sie, dass ich den Hang hinunter springe?”, quetschen mich dann aber irgendwie wort- oder besser sprachlos an ihr vorbei.

Ohne Frage ist auch die Steckeschlääferklamm bei der Rückkehr am Nachmittag mit Gruppen und Familien gut besucht. Dass dort viele Menschen auf die Suche nach den Baumschnitzereien gehen, ist allein am plattgetretenen Untergrund zu erkennen.

Fazit: Wer es ruhiger und einsam mag, der sollte diese Runde vielleicht besser in der Woche gehen und Wetter bevorzugen, das nicht jeden vor die Tür lockt. Dann kann es ganz schön sein.

6. Etappe: Steckeschlääferklamm / Jägerhaus – Bingen Hbf (10 km)


Fortsetzung im direkten Anschluss an die 5. Etappe bis Bingen Hbf. Von dort mit dem Bus zurück nach Rheinböllen (Bus: 7,- €).

Start: 15:15 Uhr Steckeschlääferklamm (Jägerhaus)
Ende: 18:00 Uhr Hbf Bingen

Figuren, Gesichter und freundliche Geister, die in Baumstämme geschnitzt und gemalt sind, kenne ich von der Ahr, wo sie rund um das Teufelsloch bei Altenahr zu finden sind. Deshalb ist es keine Frage, dass ich, nachdem ich das Jägerhaus habe links liegen lassen und den unteren Eingang der Steckeschlääferklamm erreicht habe, diesen kurzen Abstecher mache.

Gleich, wenn man das Tal betritt, fühlt man sich beobachtet, denn von überall her schauen dem Wanderer meist freundliche Gesichter von Baumgeister aus Asthöhlen der Bäume belustigt dabei zu, wie man sich unsicher umsieht und nach ihnen sucht. Vor einigen Jahren hat ein Künstler 46 Schnitzereien mit Einverständnis des Forstamtes im Tal geschaffen. Durch den natürlichen Wuchs der Bäume sind mit den Jahren allerdings einige Figuren verwachsen, so dass erneut Hand angelegt werden musste. Zuvor waren im Tal schon 15 Brücken über den Hasselbach angelegt worden. Steckeschlääfer bezieht sich im Übrigen auf die Wanderer, die ihren Stecken hinter sich her schleifen.

Gut zweimal 450 m beträgt die Distanz, die der Rundweg durch die Klamm ausmacht. Die sollte man aber in keinem Fall auslassen. Trotz inzwischen schon müder Füße mache ich mich also auf die Suche nach den Baumgeistern und werde auch schnell fündig. Ob ich am Ende wirklich alle gefunden habe, kann ich später allerdings nicht sagen.

Nachdem ich am oberen Ende der Klamm angekommen bin, mache ich wieder kehrt und gehe zurück zum unteren Ende, wo ein Wegweiser mit einer Reihe von Schildern aufgestellt ist. Nicht nur der SWS wird hier angezeigt, auch die zuvor erwähnte Rundtour Baumgeisterweg des RheinBurgenWegs, der Hildegard von Bingen Pilgerpfad und verschiedene mehr treffen sich an diesem Punkt. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich nun in ein stark frequentiertes Wander- und Naherholungsgebiet vorgestoßen bin. 200 m sind es von hier zum Jägerhaus, dem Ziel der vorangegangenen Etappe.

Mit dem SWS geht es von der Steckeschlääferklamm weiter talwärts, weiter stets am Ufer des Morgenbaches entlang. Das Tal ist schön, beinahe urig zu nennen, dicht bewaldet und bewachsen, der Bach plätschert munter in Richtung Rhein, doch der Belag des Weges besteht aus mehr oder weniger grobem Schotter und fühlt sich unter den Füßen gar nicht schön an. Einmal denke ich, dass man offenbar die gesamte Strecke befahren will, so breit und befestigt ist der Weg angelegt worden. Über mir ist es inzwischen komplett bewölkt und der Himmel tiefgrau, aber Regen hat es bisher noch nicht gegeben.

Dann behindert nach 1,7 km, an der Schutzhütte Morgenbachtal, ein Gitter und ein Schild mit der Aufschrift “Morgenbachtal GESPERRT – Betreten verboten!” das Weitergehen. Aufgrund von Unwetterschäden ist der untere Teil des Morgenbachtals wegen Absturzgefahr nicht begehbar. Daneben sind zwei weitere Hinweise aufgehängt, die eine Umleitung und Abkürzung für die Baumgeisterrundtour und den SWS anzeigen. Zwar wäre es ein leichtes, an dem Gitter vorbei und weiter talwärts zu gehen, aber für Experimente und die eventuelle Rückkehr zu diesem Punkt bin ich nach inzwischen 18,5 km eindeutig zu müde. Deshalb nehme ich diese Abkürzung auch mit leichtem Herzen an, auch wenn mir dadurch die Burgen Reichenstein und Rheinstein und darüber hinaus sicher auch einige schöne Blicke ins Rheintal entgehen.

Zunächst muss ich im Folgenden also erst einmal aus dem Tal aufsteigen. Dies geht sehr steil vonstatten, ist aber nach gut 500 m geschafft und am Ende wartet an einer Wegkreuzung eine Bank zum Ausruhen. Anschließend geht es durch schönen Hochwald bergab in Richtung Schweizerhaus.

Zwei Bäume haben sich dann am oberen Rand einer Wiese quer über den Weg gelegt und ich muss mir meinen Weg durch das Gestrüpp der Kronen bahnen. Dafür kann ich über den unteren Rand der Wiese schon den Rhein erkennen, der bei inzwischen eingetrübter Sicht allerdings nur im grauen Einerlei auszumachen ist.

Als ich kurz drauf auf eine Sandsteinsäule stoße, habe ich den sogenannten Eselspfad erreicht. An dieser Stelle ist das leise Brummen der auf dem Rhein fahrenden Schiffe und das Rauschen der Züge an den Ufern schon zu hören. Durch eine Allee aus noch niedrig gewachsenen Kastanien geht der Weg dann weiter. Der Wind hat aufgefrischt und so ist es nicht ungefährlich unter den Bäumen hindurch zu gehen, denn sie werfen dabei gerne ihrer Früchte nach mir.

Am unteren Ende der Allee wartet die Waldgaststätte Schweizerhaus, von deren Terrasse man einen schönen Blick auf den Rhein hat. Leider ist es, wie schon mehrfach erwähnt, inzwischen grau zugezogen, und so ist die Aussicht auch nicht so beeindruckend, wie sie es sicher bei schönem Wetter wäre. Auch ein Verweilen in der Außengastronomie verspricht wegen der Temperaturen kein Vergnügen, und so halte ich mich dort nicht lange auf. Zumal ich hoffe, den Bus von Bingen Hbf nach Rheinböllen um 18:16 Uhr erreichen zu können. Danach wäre erst um 19:21 Uhr die nächste, aber auch die letzte Möglichkeit, zum Auto zurückzukommen. Ab dem Schweizerhaus bin ich auch wieder auf dem SWS unterwegs.

Zunächst auf der Zufahrt zur Gaststätte, dann aber abgehend auf einen schmalem Pfad am bewaldeten Hang entlang, wandere ich weiter in ein Seitental, das der Possbach zum Rhein hinab gegraben hat. Nach 1 km gibt es dann eine Aussicht auf den Rhein und auch auf das im Wolkendunst liegende Bingen, nach weiteren 600 m einen Abzweig zum Damianskopf, einem Aussichtspunkt mit Blick auf Bingen. Die rund 300 m bergab schenke ich mir allerdings, denn müdigkeitsbedingt erscheint mir jeder Meter zu viel, zumal es zum Damianskopf bergab geht und ich die Steigung anschließend auch wieder hinaufgehen müsste.

3,5 Kilometer sind es dann noch bis zum Bahnhof Bingen, als ich nahe am Weg eine geschwungene Sitzliege entdecke und beschließe, dort eine Pause einzulegen. Auch von diesem Punkt habe ich einen schönen Blick durch das Blatt- und Buschwerk hindurch, kann im Dunst aber nur wenig von der im Rheintal liegenden Stadt erkennen. Kalt ist es geworden, denn um nicht zu frieren, muss ich mir einen Fleecepullover überziehen.

Eine Viertelstunde später breche ich schon wieder auf, denn es fröstelt mich in den durchgeschwitzten Klamotten und es bleiben mir für die letzten Kilometer so noch eine gute Stunde, um den Bus zu erreichen. Am Forsthaus Heiligkreuz vorbei, das an diesem späten Nachmittag vor dem Wochenende recht gut besucht ist, treffe ich bald auf die Zufahrt des Gasthauses und bleibe nun längere Zeit auf einem Pfad immer ganz in der Nähe der schmalen Straße. Dabei geht bald ein Pfad in die Kreuzbachklamm ab, ein Weg, der als alpin bezeichnet wird und absolute Schwindelfreiheit erfordert. Nichts für mich also, zumal es Passagen geben soll, die über Steigeisen verlaufen.

Den nächste kurze Halt mache ich am sogenannten Prinzenkopf, einem Aussichtspunkt auf Bingen mit Bänken und Schutzhütte. Kurz muss ich dann über die asphaltierte Zufahrt, bevor es links ab auf einen Pfad den Hang hinab geht. Laute Musik schallt hier durch die Bäume aus dem Tal herauf und kündigt die näher gekommene Stadt an. Steil geht es auf dem Pfad ins Tal und offenbar ist im Ort eine Kirmes oder ähnliches, die auf mich zu warten scheint. Der Pfad endet an der Jugendherberge von Bingen im Ortsteil Bingerbrück. Der bekannte Mäuseturm liegt hier unter mir im Rhein, macht aber im grauen Dunst keinen fotogenen Eindruck. Auf der anderen Rheinseite ragt die Burgruine Ehrenfeld über den Weinberg empor.

Durch die abwärts führenden Straßen gelange ich zwischen den Häusern hinab zur B 9 und kann nach Überqueren der Straße die Fußgängerbrücke über die Bahngleise zum Bahnhof und der Bushaltestelle nehmen, die ich eine Viertelstunde vor Abfahrt des Busse nach Rheinböllen erreiche. Auch die Musik in der Stadt klärt sich hier auf, denn viele Mädels und Frauen sind im Dirndl unterwegs, während die Männer in Lederhosen gekleidet sind: Offenbar wird im Park am Mäuseturm Oktoberfest gefeiert. Damit beende ich den SWS und so unspektakulär wie es hier klingt, ist es dann auch.

Die Rückfahrt mit dem Bus dauert 45 Minuten. Müde, aber zufrieden genieße ich die Fahrt mit eigener, leiser Musik im Ohr bei bester Laune und bin froh und glücklich, den Soonwaldsteig geschafft zu haben.

5. Etappe: Rheinböllen – Jägerhaus / Steckeschlääferklamm (15,5 km)


Die 6. Etappe, die in Bingen/Rhein endet, schließt sich direkt an diese Wanderung an, deshalb mit dem Auto nach Rheinböllen und in der Nähe der Bushaltestelle Am Bahnhof geparkt. Von Bingen Hbf mit dem Bus zurück nach Rheinböllen (Bus: 7,- €).

Start: 10:05 Uhr Janismühle in Rheinböllen
Ende: 15:15 Uhr Steckeschlääferklamm

Da Parkplätze in Bingen zu bezahlen sind und ich mir die 2 x 25 km Fahrstrecke sparen möchte, parke ich auch am Morgen vor dieser Etappe wieder in Rheinböllen an der Janismühle, wo ich am Tag zuvor schon einen guten, nahen Platz zur Bushaltestelle Am Bahnhof gefunden hatte. Von dort nehme ich den Fußweg an der L 214 entlang über die B 50, an der Bushaltestelle und dem Autohof vorbei zu den Bahngleisen, wo ich nach 800 m wieder auf den SWS treffe. Dabei ist der Verkehrslärm der Landstraße, der vierspürigen B 50 und der Autobahn 61 schon enorm.

Bevor es mit der Landstraße über die Gleise geht, biege ich mit dem SWS nach links zur Kläranlage von Rheinböllen ab. Kurz davor erscheint ein Wanderer mit Isomatte bepacktem Rucksack und bewaffnet mit einem Wanderstab von rechts kommend auf dem Weg. Er geht auf mich zu, scheint in die entgegengesetzte Richtung unterwegs zu sein, und hat möglicherweise in der Nähe übernachtet. Letzteres wundert mich, denn an der Kläranlage sind ja nicht nur die Straßen laut, auch das Werk gibt Geräusche von sich und riecht ein wenig. Vielleicht hatte der junge Mann aber auch eine ganz andere Intention... Beim Umrunden der Anlage kommt er mir allerdings wieder entgegen und so keimt in mir der Verdacht, dass er sich verlaufen hat. Erneut nicken wir uns zu, sehen uns dann aber nicht mehr wieder.

Zwischen Klärwerk und Autobahndamm wandere ich auf einem ansonsten schönen, buschigen Pfad weiter. Tau liegt auf dem Gras und färbt meine Schuhe dunkel. Apropos Schuhe: Für diese letzte, lange Doppeletappe habe ich schon die Tage davor beschlossen, dass ich nicht die bis hier her getragenen Wanderschuhe anziehen werde, denn auch nach einem halben Jahr Einlaufzeit und vier Etappen verursachen sie Blasen und brennende Füße, so dass ich auf meine geliebten Leichtwanderschuhe zurückgegriffen habe, die sich jetzt anfühlen, als hätte ich gar keine Schuhe an den Füßen. Einzig die Sohle ist dünner und Steine dadurch eher zu spüren.

Der Trampelpfad mündet in eine nicht befahrene Landstraße, mit der ich unter der Autobahn hindurch gehen kann. Tatsächlich wäre der Weg ohne A 61 und der an Ende nahen Fabrik durchaus als idyllisch zu bezeichnen gewesen, so aber...

Nach der Unterquerung der Autobahn wechsele ich die Straßenseite und steige an einem Wegweiser den dicht bewaldeten Hang hinauf. Nach einer kurzen Strecke erreiche ich einen Waldweg und werde nach links geleitet, jetzt schon ein Stück oberhalb der A 61. Den nächsten Weg, auf den ich an einer T-Kreuzung stoße, muss ich nach rechts nehmen, er ist breit und mit Steinen befestigt, bringt mich aber durch ein schönes Waldgebiet aus Fichten, Buchen und Birken.

Beim Erreichen des nächsten Absatzes darf ich dann wieder auf einen weich gepolsterten Weg wechseln, an dessen Ende das Forsthaus Emmerichshütte liegt, welches die Möglichkeit zur Einkehr bietet. Doch nach erst gut 3 km und einer Stunde Wanderzeit ist es noch viel zu früh für eine Pause, zumal auch nach dem Gewinn an Höhe ein deutliches Rauschen der Autobahn im Tal zu hören ist. Auf einem Asphaltweg steige ich also weiter den Berg hinauf, vorbei an einem verlassen daliegenden Jugendfreizeitheim, das allerdings in der Außenanlage auch nur die übliche Tischtennisplatte, einige Spielplatzaccessoires (Rutsche, Kletterturm, Schaukel), einen Basketballkorb, ein kleines Tor und eine Grillhütte zu bieten hat. Kurz danach endet der Asphaltweg und ich folge einem breiten, befestigen Fahrweg. An dieser Stelle kann ich, wenn ich stehenbleibe und mich umdrehe, die zurückliegenden Windräder vom Vortag auf der anderen Talseite sehen und überlege, dass ich nun in den Binger Wald wechsele.

Weiter steige ich den breiten Fahrweg hinauf, bis ich an einer gerodeten Fläche wieder in die Nähe von Windrädern komme. Dabei geht mir durch den Kopf, dass ich schon ungewöhnlich lange kein Wegzeichen mehr bemerkt habe. In einer Wegkurve entdecke ich dann einen Pfosten mit Wegmakierung, der meinen Verdacht bestätigt, dass ich eine Weile schon nicht mehr auf dem SWS gewandert bin. Allerdings stellt sich hier die Frage, in welche Richtung ich den Schildern folgen soll: Weiter mit dem breiten Fuhrweg den Berg hinauf, oder links ab auf eines der Windräder zu?

Zunächst entscheide ich mich, dem Weg bergan zu folgen, komme so aber nach 250 m an einen abgehenden Weg, an dem ein Schild aufgestellt ist, mit dem eine Umleitung für Wanderer angezeigt wird: Wegen der Errichtung von Windkraftanlagen ist der ursprüngliche Weg des SWS nicht begehbar. Es braucht eine Zeit, bis ich die Kartenskizze interpretiert habe und begreife, dass der hier aus dem Tal kommende Weg, den ich der Markierung nach jetzt eigentlich hinabsteigen müsste, der Weg ist, den ich hinauf gekommen sein sollte. Also mache ich wieder kehrt, gehe zurück zum letzten Wegweiser und biege dort auf die freigeholzte Fläche des Windparks ein. Dabei bemerke ich die Wolkenfront, die aus Norden über die Ebene auf mich zukommt, es wird Regen geben!

Bald tauche ich dann in einen Nadelwald ein, die Wege werden weicher, doch auch hier kreisen die Windräder über den Gipfeln und wieder achte ich darauf, ob ich die A 61 immer noch hören kann und tatsächlich ist ein leises Hintergrundrauschen immer noch vorhanden.

Der schöne Nadelwaldpfad endet an einer Asphaltstraße, die den Berg hinauf unter einem Windrad hinweg führt. Anschließend gelange ich am Ohligsberg an eine Schutzhütte mit Tisch und Bänken davor. Es ist Mittag und durch den fehlenden Baumbewuchs habe ich wieder die Möglichkeit in die Ebene zu sehen. So kann ich erneut die herannahende Wolkenfront beobachten, die sich immer weiter vor den blauen, sonnigen Himmel schiebt. Es scheint jetzt nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Regen beginnt, und deshalb halte ich mich auch nicht lange auf, sondern schultere schnell wieder den Rucksack, um noch einige Kilometer im Trockenen zu laufen.

Auf befestigten Wegen und am nächsten Windrad vorbei wandere ich so ins nahe Tal, wo das Umspannwerk Kandrich auf mich wartet. Anschließend unterschreite ich die dort vorbeilaufende Stromleitungen und lasse endlich den Windpark hinter mir.

Auch ins folgende Forsthaus Lauschhütte kann man einkehren. Der große Parkplatz zeigt aber auch, dass sich dort viele Wanderer treffen und in die umliegenden Wälder aufbrechen oder den naheliegenden Kletterwald besuchen. Nach 9 km treffe ich dort eine gute halbe Stunde nach dem Aufbruch vom Ohligsberg ein, halte mich aber nicht lange auf, sondern wandere ohne Halt weiter.

Wenig weiter komme ich an einen offenen Hang, der im Winter ein beliebtes Ziel für Skifahrer und Rodler sein soll. Dies aber natürlich nur, wenn es ausreichend Schnee gibt und dies ist in den letzten Jahren immer seltener der Fall gewesen.

Durch einen relativ jungen Wald geht es auf breitem, befestigtem Weg am Salzkopf vorbei. Inmitten von Fichten steht dort 75 m vom Weg entfernt ein hölzerner Aussichtsturm, der die Baumgipfel überragt. Selbstverständlich lasse ich es mir nicht nehmen, diesen kurzen Abstecher zu machen, um dann die 19 + 17 + 15 + 15 + 14 + 13 Stufen hinaufzusteigen. Oben angelangt ist der Rundumblick wunderbar! Zurück kann ich zum Hochsteinchen und Schanzerkopf sehen, inklusive natürlich der Windparks. Die 70 km entfernt liegende Hohe Acht in der Eifel entdecke ich bei inzwischen zugezogenem Himmel leider nicht, kann aber durch den trüben Dunst in den Rheingraben blicken und dort sogar im Teleobjektiv der Kamera einen Frachter ausmachen. Und wie winzig mein Rucksack dort unten auf einer der Bänke ist... Das ganze ist wiedermal ein Erlebnis, solange ich nicht in die Tiefe blicke und mir dazu überlege, wie lange die Holzstämme, aus denen der Turm gebaut ist, schon Wind und Wetter ausgesetzt sein mögen.

Wieder zurück auf dem SWS muss ich aufpassen, denn schnell zeigt die Markierung vom befestigten Fuhrweg, auf dem kurz zuvor tatsächlich noch ein Auto vorbeigefahren ist, als ich noch am Aussichtsturm gestanden und einen Schluck Wasser getrunken habe, auf einen zwischen den Stämmen von Nadelbäumen abgehenden Pfad. Dieser ist angenehm weich, verläuft aber nur ein Stück weit parallel zum Waldweg, um nach 400 m an einem Picknicktisch wieder in diesen zu münden. Ein kurzen Vergnügen also.

Nach dem Salzkopf verläuft der SWS übrigens nur noch mehr oder weniger abwärts. Auf dieser Strecke ins Tal bin ich von schönem Wald umgeben, allerdings ohne Ausblicke oder sonst einer Abwechslung, und der Weg, den ich dabei gehen muss, ist langweilig breit und befestigt. Immerhin kann ich so Tempo aufnehmen und gut vorankommen.

1,2 km geht es so, dann zweigt an zwei Picknicktischen ein Weg im spitzen Winkel ab, mit dem ich ins Morgenbachtal hinein wandere. Dabei haben Blätter des herabgefallenen Laubes den Weg dick bedeckt und rascheln jetzt bei jedem meiner Schritte um meine Füße. Herrlicher Buchen- und Eichenwald umgibt mich, ein besonders eindrucksvolles Exemplar einer Eiche ist dabei einmal mehr einem Förster gewidmet. Sein Name ist Ernst Jung.

Wieder zweigt ein Weg im spitzen Winkel ab, die Befestigung des Weges ist hier zunächst schon etwas älter und wieder dicht mit Laub bedeckt. Nach einem wie am heutigen Tage beinahe üblichen breiten, befestigten Weg, ist dies aber im Zusammenspiel mit dem umgebenden Buchenhochwald einmal wieder ein schöner Wegabschnitt. Dazu zwitschert ein einzelner Vogel je dreimal, Pause, dann wieder dreimal...

So komme ich in das Quellgebiet des Morgenbaches, den ich nun bergab weiter begleiten werde. Dabei umgibt mich ein dunkler, aber schöner Hochwald, und so ist es eigentlich wieder nur der Wegbelag, der manchmal sogar parkähnlich geschottert ist, der nicht so recht in das Bild einer naturnahen Wanderung passen will.

Schließlich treffe ich auf eine Rundtour (Baumgeisterweg) des RheinBurgenWeges, den ich von Winningen an der Mosel bis zu seinem Ende in Remagen auch bereits gewandert bin. Weiter am Morgenbach entlang im schönen Tal stoße ich nach einem weiteren Kilometer auf die Zufahrt zum Jägerhaus, das eigentlich das Ziel dieser Etappe darstellt. Um dorthin zu gelangen müsste ich die 300 m nach links in die Straße einbiegen. Stattdessen folge ich dem SWS nach rechts über eine Brücke an einem Löschteich vorbei und biege danach nach links zur nahen Steckeschlääferklamm ein.

3. Etappe: Brücke B 421 - Sargenroth (20,7 km)


Mit dem Auto nach Sargenroth, in der Ortsmitte geparkt. Um 11:43 Uhr mit dem Bus nach Gemünden, von dort mit dem vorbestellten Taxi an Gehlweiler vorbei bis zum SWS an der Brücke im Simmerbachtal (Bus: 3,- €, Taxi: 10,70 + Trinkgeld).

Start: 12:00 Uhr Holzbrücke über Simmerbach an der B 421 südl. von Gehlweiler
Ende: 19:40 Uhr Parkplatz in Sargenroth

Nachdem der letzte Tag ein schöner Wandertag gewesen ist, an dem es im ersten Drittel viel - vor allen Dingen viel Schmidtburg - zu sehen gegeben hat, dann eine abwechslungsreiche Wegführung folgte und Einsamkeit, die ich mir gewünscht hatte, bin ich sehr gespannt und guter Dinge, was die heutige Tour betrifft.

Nachdem das Taxi mich abgesetzt hat, gehe ich hinunter zur überall mit dem Zusatz "Neue" versehenen Holzbrücke und bereite mich auf die Tour vor: Ziehe mir die Weste über, verstaue alle Utensilien am richtigen Platz, ziehe die Schnürsenkel an den Schuhen noch einmal nach und setze den Rucksack auf. Erst dann steige ich die Stufen zur Brücke hinauf, schaue einen Moment lang auf den Fluss, der munter unter mir hinweg sprudelt und entdecke auf einem Stein am Ufer drei rote Äpfel, die dort wie eine Opfergabe abgelegt zu sein scheinen. Ob dort jemand den Fluss milde stimmen wollte? Es scheint geholfen zu haben, denn im Gegensatz zum Hahnenbach ist das Bett des Simmerbachs zwar auch gut gefüllt, aber das Wasser ist deutlich klarer als das des Bruders am Vortag. Mit dem Simmerbach, der hier oft auch schon Kellenbach genannt wird, folge ich dem SWS am Ufer in Fließrichtung. Schön ist es hier im dunklen Wald, einzig die immer wieder vorbeirauschenden Fahrzeuge auf der an der anderen Uferseite gelegenen B 421 stören den Eindruck.

Bald macht der Pfad eine Kurve und beginnt in den Hang hinein zu verlaufen. Herrlicher Mischwald umgibt mich hier: Buchen, Eichen, Birken, aber auch Nadelgehölz. Als der Pfad steiler wird, führt er durch ein Geröllfeld mit dicht bemoosten Steinen, wie ich es vom Vortag auf dem Abschnitt zwischen Teufelsfels und Blickenstein erlebt habe, nur, dass der Weg gestern eben verlief. Stufen aus künstlichen Baumstämmen sollen dann den Aufstieg erleichtern - tun es aber eigentlich nicht, im Gegenteil - und wahrscheinlich das Abrutschen des Hanges vermeiden helfen.

Nach einem halben Kilometer erreiche ich einen Absatz, auf dem ich auf einen der Traumschleifen-Wanderwege treffe. Dieser hat den Namen "Heimat" bekommen. Für einen Ableger der im Hunsrück angesiedelten Film-Triologe mit dem Titel "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" wurde das nah gelegene Dorf Gehlweiler als Kulisse verwendet und ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Darauf spielt der Name der Traumschleife an. Gleichzeitig ermöglicht eine Aussichtsplattform einen schönen Blick ins dicht bewachsene Tal, aus dem allerdings der Verkehrslärm der B 421 herauf dröhnt, ohne dass die Straße zu sehen wäre.

Zusammen mit der "Heimat" geht es auf einer bewaldeten Felsennase weiter bergan. Wieder quere ich ein Geröllfeld, bleibe vor der Querung des nächstes stehen, um wieder zu Atem zu kommen und dabei den Blick bewundernd ins Tal zu richten, wo ich nun auch das graue Band der Bundesstraße entdecken kann. Anschließend benötigt der sichere Tritt wieder meine ganze Aufmerksamkeit.

Das nächste Mal, als ich auf einen querenden Weg stoße, ist dies ein Waldfuhrweg, der Henauer Weg, der gleichzeitig einen Zuweg des SWS von Gehlweiler darstellt. Geradeaus geht es weiter aufwärts, nun aber zunächst auf einem befestigten Waldweg, bevor es nach wenigen Metern wieder auf einen Pfad abgeht und damit auch in ein nächstes Geröllfeld mit bemoosten Steinen. Dabei geht mir durch den Kopf, dass der Aufstieg durchaus einen alpinen Charakter hat.

Wieder gelange ich an einen Querweg. Auf einem Felsbrocken hat dort jemand eine geöffnete Fischdose abgestellt und mit zwei Steinen beschwert. Richtig gelesen, eine von diesen rechteckigen Dosen mit den abgerundeten Seiten, in denen Heringsfilets meist in viel Tomatensauce schwimmen, hier allerdings ist der Fisch wohl eher in Öl eingelegt. Offenbar hat da jemandem der Inhalt nicht geschmeckt und er wollte die geöffnete Dose nicht weiter transportieren. Einerseits verständlich, so aber sicher auch keine Lösung. Gleichzeitig muss ich an dieser Stelle jedoch sagen, dass Abfall bisher auf dem SWS kein Problem dargestellt hat. Im Gegenteil, so gut wie kein Müll lag am Weg, nicht einmal die sich auf manch anderen Wegen stapelnden Papiertaschentücher sind mir aufgefallen. An der Saar gab es diese Hinterlassenschaften einmal auf einer der dortigen Traumschleifen in einer so großen Häufung, dass ich unterwegs begonnen hatte, sie zu zählen.

Nach dem Absatz wird die Steigung leichter, doch ein Dauerdröhnen wird nun zunehmend lauter. Es hört sich wie das Abräumen von Steinen, Schutt oder Geröll in einem Steinbruch an. Tatsächlich wird hier in großem Umfang Quarzitgestein abgebaut und dieses Gebiet umrunde ich nun oberhalb, nicht all zu weit von der Abbruchkante entfernt. Allerdings ist der Wald hier dicht gewachsen, so dass ich von den Arbeiten in der Grube nichts zu sehen bekomme.

Wieder geht es durch ein gewachsenes Geröllfeld, bei dem man nie weiß, ist der Stein, auf dem man tritt, fest oder lose, gibt er einen sicheren Stand oder wackelt er beim Betreten.

Genau über dem Steinbruch hat man einen schönen Blick in die Landschaft und das weit unter mir liegende Kellenbachtal. Eine Bank lädt zum Ausruhen und Genießen der Aussicht ein, doch die Aufsteller müssen stets an Sonn- und Feiertagen hier oben gewesen sein, denn obwohl ich immer noch nichts vom Steinbruch sehen kann, muss das Förderband und die Verladestation direkt unter mir sein und es schallt entsprechend laut herauf - schön ist das nicht!

Dennoch bleibe ich einen Moment lang in der Sonne sitzen und schaue mich um. Manchmal sieht man es, dass jemand eine Mütze, Handschuhe oder ähnliches irgendwo gefunden und speziell aufgehangen hat, damit sie der Eigentümer, wenn er auf der Suche danach zurückkommt, schnell finden kann. Dort oben ist dies mit einem Handtuch geschehen, das über einen Ast gehängt wurde, und man möchte ausrufen: "Der Wanderer, der sein Handtuch vermisst, wird gebeten es am Aussichtspunkt Henauer Steinbruch abzuholen, der Wanderer, der sein Handtuch..."

Nach dieser kurzen, aber geräuschvollen Pause wandere ich einen breiten Waldweg bergab und lasse den Lärm langsam hinter mir. Nur noch leise ist schließlich ein Grundrauschen aus dem Tal zu hören und so versuche ich Kilometer zu gewinnen, denn ich habe heute noch eine weite Strecke vor mir und bisher getrödelt, denn für die 1,5 Kilometer bis zum letzten Aussichtspunkt habe ich eine Stunde gebraucht. Zunächst gelingt der schnelle Gang auch ganz gut, dann jedoch bleibe ich an einem Wegweiser stehen, der in den Hang zeigt, um die Schilder genauer zu studieren. Ein weiterer Zuweg von Gehlweiler (3 km) wird angezeigt, doch während ich dort so stehe und lese, höre ich aus dem Tal erneut Verkehrslärm, verursacht von einem Rennfahrer, der die Straße mit dem Nürburgring verwechselt.

Wieder geht es danach bergauf, bald zwischen den Hochstämmen von Nadelbäumen hindurch. Eine Etage höher treffe ich auf einen breiten Waldweg und werde mit Hilfe eines Wegweisers nach rechts geleitet. Dabei fällt auf, dass SWS und Traumschleife sich nicht einig bei der Angabe der Entfernung zur Ruine Koppenstein sind, denn während das Schild des SWS 0,7 km angibt, sind es auf dem für die Traumschleife nur 0,4 km. Wenige Meter weiter zweigt der Weg wieder auf einen Pfad in den Hang mit einem Nadelbaumbestand ab und so nähere ich mich ein weiteres Mal der Geräuschkulisse des Steinbruchs.

Der Koppenstein ist eine 554 m hohe Erhebung, auf der der erhaltene Turm einer ehemaligen Burg aufragt. Wie auch immer, 26 steinerne Außenstufen und 58 sehr schmale Metalltritte im Inneren des Turms bringen mich auf die obere Plattform. Dabei ist es so eng, dass ich meinen Rucksack absetzen muss, um im Schlot nicht immer wieder daran hängen zu bleiben. Oben angekommen habe ich dann allerdings vom 14 Meter hohen Turm eine grandiose Rundumsicht. Außerdem kann ich von hier oben das erste Mal den staubenden Steinbruch, den ich zuvor umwandert habe, erkennen. Dahinter sind laut Richtungsanzeiger die Höhen des Lützelsoons zu sehen, über die ich am Vortag gekommen bin. Trotz des herrlichen Sonnenscheins weht dort oben aber auch ein kalter Wind, immerhin hatte es in der vergangenen Nacht bereits Frost gegeben.

Unebene Stufen mit Handlauf führen vom Fuß des Turmes zu einer Schutzhütte. Hier gesellt sich nun auch noch der Schinderhannes Naturerlebnisweg zum SWS und der Traumschleife, Infotafeln dokumentieren dies nur wenig unterhalb der Hütte an einer zugeschütteten Brunnenfassung. Auf breitem Weg geht es durch herrlichen Laubmischwald im gelegentlichen Wechsel mit Nadelwald bergab. Ein Paar mit Hund kommt mir dabei entgegen und es sind die ersten Menschen, die mir an diesem Tag nach rund 3,5 Kilometern Strecke begegnen. Gleichzeitig ist es ruhig geworden, denn mit jedem Schritt ins Tal verblassen die Geräusche des Steinbruchs und keine Straße ist zu hören. Das schöne Gefühl, allein mit sich und der Natur zu sein, ergreift mich seit dem gestrigen Tag zum ersten Mal wieder.

Mächtig Baumstämme, von denen viele sicher schon einige hundert Jahre hinter sich haben, bewundere ich, als nach längerer Zeit der Stille ein Auto auf der tiefer gelegenen Landstraße vorbeirauscht, auf die ich nun zulaufe. Als ich auf die K 62 treffe, muss ich an ihr nach rechts gehen und lasse dabei sowohl den Traumpfad als auch den Schinderhannesweg zurück, nicht ahnend, dass mir letzterer wieder begegnen wird. Schließlich überquere ich die Landstraße - ein einziges Auto ist auf dieser Strecke vorbeigekommen - und tauche wieder in den Wald ein. Gleichzeitig entdecke ich die Markierung des Wanderwegs E3, dem ich am gestrigen Nachmittag nach Gehlweiler gefolgt war. Dabei schaue ich auf die Uhr und stelle entsetzt fest, dass ich bisher 2,5 Std. für nur ca. 4,5 Kilometer gebraucht habe!

Erneut treffe ich auf eine wenig befahrende Landstraße, die K 63, die überquert werden muss. Auf der anderen Straßenseite wandere ich dann an einer Wiese entlang und genieße dabei einen schönen Fernblick auf das nahe Henau und das entfernter liegende Schwarzerden. Im Bogen geht es um die weitläufige Fläche, bis es nach links in den Wald zurückgeht. Vielleicht einen Kilometern später führt der SWS mich dann vom befestigten Waldweg ab nach rechts auf einen Pfad. Damit geht es zu einer Brücke über einen Bach, der unter einem dichten Blätterdach durch den Taleinschnitt plätschert. Auf der anderen Uferseite gelange ich wieder zurück auf einen breiten Forstweg.

Dann höre ich erneut vorbeifahrende Autos, diesmal von zwei Seiten, und komme an die T-Kreuzung der L 229 mit der K 15, an der ich 450 Meter entlang wandern muss. Zwar sind hier nicht all zu viele Fahrzeuge unterwegs, doch die wenigen scheinen es dafür um so eiliger zu haben und nehmen auf Wanderer nur wenig Rücksicht - vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Als ich endlich in die weite Wiesenfläche einbiegen darf, steige ich in ihr etwa einen halben Kilometer hinauf, um dann an einem Heckenriegel eine geschwungene Liege zu entdecken. Obwohl Straße und Fahrzeuge zu sehen und auch leise zu hören sind, der Blick von der Liege auch auf den Steinbruch in der Ferne geht, der dort vor sich hin staubt, gönne ich mir eine Pause. Die Sonne scheint wärmend auf mich, der Lützelsoon ist immer noch hinter dem Steinbruch gut auszumachen und auch der Turm auf dem Koppenstein ist zu erkennen. Die Füße schmerzen in den Wanderschuhen und bieten auch nach einem halben Jahr des Einlaufens keine blasenfreie Wanderung. Erst gestern habe ich ein Blasenpflaster an die rechte Ferse geklebt.

Plötzlich bemerke ich kleine Schmetterling, die um mich herum flattern, ein kleiner blauer und zwei orange-braun gemusterte genießen offenbar wie ich jetzt Ende September die angenehm warme Sonne nach einem viel zu heißen Sommer. Auch Vogelgezirpe fällt mir auf und es herrscht eine friedliche Stimmung. Bevor ich die Augen ein wenig schließe, geht mir noch durch den Kopf, dass an dieser Stelle ungefähr die Mitte des SWS liegen müsste.

Nach einer halben Stunde breche ich wieder auf. Dazu biege ich hinter dem Heckenriegel nach links ab und komme so bald durch einen schönen Baumtunnels an die Landstraße. Hier sind gerade auf weiter Strecke die Fahrbahnmarkierungen erneuert worden und der süße Geruch der Farbe steigt mir in die Nase, als ich über den Asphalt gehe.

Auf der anderen Seite der Straße finde ich einen schmalen Pfad zwischen schwarz/weißen Birkenstämmen, mit dem ich schnell wieder in den Wald verschwinden kann. Anschließend wechselt der Pfad in einen Tannenwald, immer noch befindet ich mich jedoch in der Nähe der Straße. Als dann ein breiter Forstweg quert, haben die Laubbäume in der Umgebung wieder übernommen. Die Spitzen zweier Fichten liegen dann als erneute Opfer des vergangenen Sturms über dem Weg und ich muss mich bergan an ihnen vorbei zwängen.

Nach 4,5 Std. (16:30 Uhr) und knapp 10 Kilometern habe ich den Turm der Alteburg auf 620 m Höhe, einsam im Wald gelegen, erklommen. 20 Stufen aus Bruchstein auf einer Außentreppe, 2 in den Turm hinein und 67 auf der Wendeltreppe im Innern bescheren mir eine tolle Sicht nach drei Seiten. Die vierte wird bereits von den Kronen der umgebenden Bäume verdeckt. Gleichzeitig ist dies der höchste Punkt auf der heutigen Wanderung und von nun an geht es bergab - zumindest tendenziell.

Die Alteburg steht inmitten eines Buchenhochwaldes, gewölbeartig bilden die Bäume ein hohes Dach und die schon herabgefallenen Blätter rascheln um meine Füße, als ich von der Anhöhe hinabsteige. Dann, nach 1,5 km, stoße ich auf den Rennweg, ein breiter Forstweg, der mehr oder weniger schnurgerade durch den Wald verläuft und dabei gut befestigt ist. Schön ist das nicht, aber es lässt mich jetzt gut vorankommen, denn immerhin habe ich noch rund 10 km Strecke vor mir und der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten.

Nach nur 25 m stößt der Sponheimer Weg von rechts zum SWS, nur wenig weiter gabelt sich der Weg und der Sponheimer Weg geht nach links ab. Um zum Auto zu gelangen, habe ich mir die Markierung S des Sponheimer Weges gemerkt, denn damit komme ich nach Sargenroth. Doch zunächst bleibe ich noch auf dem SWS, obwohl das landschaftlich sicher keinen Unterschied macht. Geradeaus wandere ich also durch den noch recht jungen, dafür aber sehr dichten Wald, bis ich die sogenannte "Wildenburger Linie" erreiche, eine weitere Waldautobahn, die den SWS kreuzt. An dieser Stelle ist für heute Schluss mit dem SWS, denn hier muss ich nach links abgehen und den Sponheimer Weg wiederfinden. 2,6 km sind es laut Wegweiser noch bis zum Parkplatz Ellerspring, an dem ich morgen meine Wanderung auf dem Soonwaldsteig fortsetzen werde.

Mit dem breiten, befestigten Fahrweg der Wildenburger Linie geht es bergab, bis ein ebensolch gerader Weg kreuzt. Ein Wegweiser zeigt hier nach links, was ärgerlich ist, denn so gehe ich richtungstechnisch wieder zurück. Zusätzlich kommt mir nun auch noch ein Forstauto entgegen, biegt aber vor mir nach links ein, bevor es mich erreicht. An dieser Kreuzung befindet sich die Bollinger Eiche, ein uralter Baum, der an den Förster Matthias Bollinger erinnert, der den Forstämtern rund um die Alteburg von 1890 bis 1925 vorgestanden und zum hundertjährigen Geburtstag von der Landesforstverwaltung einen Hirsch zum Abschuss geschenkt bekommen hat. Allerdings gelang den Pensionär dies erst ein Jahr nach seinem Ehrentag im Jahr 1959. All dies lese ich auf einer Tafel, die vor der Eiche aufgestellt ist.

An der Kreuzung befinde ich mich erneut auf dem Sponheimer Weg und laufe nun mit ihm in Richtung Sargenroth nach Norden. Natürlich ist auch dieser Weg als Fahrweg angelegt und tatsächlich kommt mir kurze Zeit später ein zweites Auto hinterher, bis es mich ein- und schließlich überholt hat.

In einem Bogen gelange ich so zurück auf die Wildburger Linie, mit der ich bis an die Häuser der Försterei Wildburg, die unterhalb der gleichnamigen Burgruine liegen, laufe. Wenn es diese Ruine tatsächlich gibt, so sind ihre Mauern vom Wald verdeckt und nicht zu sehen. Laut Karte müsste ich, um dorthin zu gelangen, am Forsthaus vorbei und nach der Besichtigung auch hierher zum Ausgangspunkt zurück - ein Mehrweg von etwa 1 km, bei verbleibenden rund 5 km bis zum Ziel. Das ist mir am heutigen Tag zu lang, zumal ich nicht weiß, was mich dort oben wirklich erwartet. Also biege ich vor dem Forsthaus nach links ab und und folge lieber weiter dem Sponheimer Weg.

Der Sponheimer Weg ist mir übrigens schon einmal begegnet, als ich auf dem Moselsteig unterwegs gewesen bin, damals habe ich ihn zwischen Traben-Trarbach und Reil um Starkenburg herum begleitet. Daran zurückdenkend komme ich, inzwischen schon recht erschöpft, an die Kreuzung an der Schutzhütte Wildburg. Von dort geht es die nächsten 3 km talwärts bis zum Brühlbach, wobei auch diese Strecke befestigt und zum Teil sogar asphaltiert und somit nicht gerade eine Erholung für meine brennenden Füße ist.

Plötzlich höre ich ganz in der Nähe das Röhren eines Hirsches. Es ist Ende September und Brunftzeit. Die Geräusche hören sich nach einem ganz schön großen Tier an, das seine Weibchen sicher zu beeindrucken weiß. Tatsächlich entdecke ich wenig später eine Hirschkuh, die auf einem Seitenweg steht. Sie blickt sich zu mir um, entschwindet dann aber im Unterholz in Richtung des Röhrens. Dann ertönt auf der anderen Seite des Weges ein weiteres Brunftgeräusch, nicht ganz so laut und tief wie das erste. Was aber, wenn es zum Kampf zwischen den beiden Kontrahenten kommen sollte, sie aufeinander zugehen, und ich genau dazwischen? Vielleicht erkennt der Bulle mich auch als Störenfried und will mich auf die Hörner nehmen? Mich nach Möglichkeiten umsehend, wie ich mich vor solch einem Angriff schützen kann, wird mein Schritt schneller.

Langsam geht auch die Sonne unter und orangerotes Licht leuchtet auf den Lichtungen des Waldes. Als von links der Schinderhannesweg zum SWS stößt, bin ich im Tal an einem waldpädagogischen Spielplatz angelangt und wähne mich in Sicherheit. Es ist bereits nach 19 Uhr, doch nun fehlen nur noch die zwei Kilometer den Hang hinauf nach Sargenroth zum Parkplatz, auf dem mein Auto auf mich wartet.

Als ich schließlich in ein offenes Gelände komme, sehe ich schon einen Kirchturm und bin dem Ende nahe. In diesem Moment beginnen auch noch die Kirchenglocken zu läuten.

Zum Schluss überquere ich an einem Sportplatz die Landstraße, gehe in das Dorf hinüber und erreiche mit der Waldstraße das Auto, wo ich endlich müde die Schuhe von den Füßen streifen kann.

Während es auf der Fahrt zur Unterkunft dunkel wird, lasse ich mir die Tour noch einmal durch den Kopf gehen. Die beiden Aussichtstürme waren sicher die Highlights, außerdem sind mir auf der Strecke nur das Paar mit dem Hund am Koppenstein, die beiden Fahrzeuge am Forsthaus Wildburg und ein Jogger entgegen gekommen. Aber fast die Hälfte der Strecke war heute mehr oder weniger von Verkehrs-, ganz besonders aber von Steinbruchgeräuschen untermalt, mindestens genauso viel bin ich befestigte und asphaltierte Wege, die meist schnurgerade angelegt waren, gewandert. Insgesamt bleibt deshalb ein eher enttäuschender Eindruck.

4. Etappe: Wanderparkplatz Ellerspring – Rheinböllen Bahnhof (17 km)


Mit dem Auto nach Rheinböllen und an der Janismühle in der Nähe der Bushaltestelle Am Bahnhof geparkt. Mit dem stündlich fahrenden Bus zum Bahnhof nach Simmern. Von dort mit dem vorbestellten Taxi zum Wanderparkplatz Ellerspring (Bus: 4,90 €, Taxi: 28,70 € + Trinkgeld).

Start: 11:50 Uhr Wanderparkplatz Ellerspring an der L 108
Ende: 19:40 Uhr Janismühle in Rheinböllen

Allein die letzten 6 km nach der Ortschaft Tiefenbach durch den Wald zum Wanderparkplatz Ellerspring sind schon schön, wobei auch meine Taxifahrerin zuvor einen Kollegen hatte fragen müssen, um zu erfahren, wie sie dort hinkommt, und beide sind wir überrascht, wie weit es bis dorthin ist. Während der Fahrt erzählt sie mir, dass sie Huskys Zuhause hat und mit diesen gerne unterwegs ist, sich gerne mit Gleichgesinnten trifft und am liebsten die Gegend um Thalbach zum Laufen mit den Hunden mag.

Als ich mich vergewissert habe, dass ich auch richtig bin, in dem ich nach einem Wegzeichen gesucht habe, und das Taxi wieder gefahren ist, mache ich mich abmarschbereit, binde die Schuhe noch einmal fest zu und setze schließlich den Rucksack auf. Eine Schutzhütte steht am Randes des Parkplatzes, direkt daneben eine Infotafel und ein Wegweiser, der mir die Richtung zeigt. Überragt wird das ganze von einem Sendemast. Ein schöner Pfad taucht neben der Hütte in das Grün der Bäume ein und ich folge ihm gern. Ein Stück noch parallel der wenig befahrenen Straße beginne ich so meine Wanderung an diesem Tag.

Durch das dichte Unterholz des recht jungen Laubwaldes schlängelt sich mein Weg zunächst, wechselt dann mal in ein Nadelgehölz, um mich anschließend alte, stattliche und hochaufgewachsene Buchenstämme bewundern zu lassen, während die Sonne herrlich die sich verfärbenden Blätter der Bäume bescheint und den gesamten Wald erstrahlen lässt.

Nach etwa 1 Kilometer erreicht der schöne Pfad eine Y-Kreuzung, bestehend aus asphaltierten Fahrwegen. Die Straße macht eine Kurve und der SWS geht weiter geradeaus auf einem noch befestigten Fuhrweg, an dessen Seite bald eine Picknicktisch aufgestellt ist, an dem ein Wegweiser nach links auf einen erneut schönen Pfad links abgehend zeigt. Mit diesem Pfad schleiche ich mich unter dem dichten Blätterdach der Bäume nah an ein mit Maschendrahtzaun abgesperrtes Gelände, auf dem ein hoher, schlanker Turm steht, auf dem ein UFO gelandet zu sein scheint. Für diesen Fernmeldeturm hat man sich die höchste Erhebung in der Umgebung ausgesucht, die Ellerspring mit 657 Metern.

Auf dem Areal sind Männer beschäftigt und ich gebe mir Mühe, nicht entdeckt zu werden – warum auch immer – und umrunde das Gelände im dichten Wald, auf dessen Boden wieder einmal bemooste Felsbrocken verteilt herumliegen.

Nach gut 2 Kilometern hat der vergangene Sturm erneut die Krone einer stattlichen Buche umgehauen und über dem Pfad gefällt, so dass ich weit ausholen muss, um wieder auf die Strecke zu gelangen. Nach weiteren knapp 500 Metern endet dann aber der schöne Pfad und mündet auf einem breiten Forstweg, bei dem es sich um den vom gestrigen Tag bekannten Rennweg handelt. Der SWS quert diesen geradeaus, nimmt aber nun auch einen schnurgeraden Fahrweg, wie ich am letzten Wandertag schon reichlich unter den Schuhen hatte.

Nachdem ich eine zweite Waldautobahn überquert habe, dabei müsste es sich um den Landrichtweg handeln, mit dem ich auch gestern schon kurz zu tun hatte, nimmt die Befestigung meines Weges ab und wird zunehmend wiesiger. Befahren wird er aber trotzdem, wie ich an den Treckerspuren erkennen kann. Schließlich komme ich in einen Nadelwald und kann wieder einen weichen Untergrund genießen, denn immer noch sorgen meine Schuhe dafür, dass meine Füße brennen und insgeheim habe ich schon lange beschlossen, dass ich die morgige Etappe mit ihren mehr als 25 Kilometern in dem Paar meiner Lieblingsschuhe machen werde, auch wenn es sich dabei nur um Leichtwanderschuhe handelt.

Eigentlich unbemerkt stoße ich auf den Gräfenbach. Es gibt keinen Steg oder eine Brücke, die ihn überquert und zu sehen ist auch nichts, außer einer Info-Tafel, die auf das hier befindliche Gewässer aufmerksam macht. Unterschiedliche Vogelstimmen, bei denen es sich nicht um den sonst gut hörbaren Eichelhäher handelt, machen auf sich aufmerksam, als ich die Tafel studiere und mich nicht bewege. Da eine der Stimmen keine 5 Meter von mir im dichten Gras zu sein scheint, glaube ich an eine Bachstelze, denn irgendwo dort muss der Bach fließen. Der Vogel fliegt aber nicht auf, als ich weitergehe, sondern verstummt nur, offenbar sicher, dass ich ihn nicht entdecke.

An dieser Stelle endet auch der Nadelwald und auf einer Schneise wandere ich nun in einem Mischwald, wobei rechts und links einige sehr alte Exemplare ihrer Gattung aufragen. Meist handelt es sich um Buchen, Eichen und Fichten gesellen sich aber auch immer wieder dazu.

Die Lichtung wird breiter, der Weg leider auch. Ein Specht klopf an einen Stamm am Wegrand, ohne dass ich ihn zu Gesicht bekomme. Dabei begleite ich stets den Gräfenbach, der sich mir aber ebenfalls kaum zeigt.

Als der SWS dann aber einen nach links abgehenden Weg nimmt, verlasse ich das Bachgebiet und komme stattdessen an die weite, offene Fläche des Naturschutzgebietes Glashütter Wiesen. Schmetterlinge, erst einer, dann ein zweiter flattern über meinen Weg und ich erreiche eine alte, stattliche Eiche, die einmal mehr einem Forstamtsleiter, nämlich Erich Albert, gewidmet ist. Das einzig unpassende an dieser Szenerie sind die Windräder, die über die Baumgipfel auf der anderen Seite der Wiese hinweg schauen. Entstanden sind die weiten Wiesen, weil hier einst für eine Glashütte Mengen von Holz und gleichzeitig das Gras für die Tierfütterung benötigt worden sind.

Nach rund 600 Metern habe ich das Ende dieser Freifläche erreicht und biege mit dem SWS nach links ab. Es erwartet mich erneut ein breiter Fahrweg, der, wenn auch in der Mitte schon von Gras durchbrochen, zunächst asphaltiert ist. Es folgen 2,5 km auf Forstfahrwegen, unterbrochen nur einmal von einem schmalen Pfad bergan durch ein Nadelgehölz bis ich die L 242 am Parkplatz Schanzerkopf erreiche. Eine Hirschkuh, die ich aufschrecke und eilig im Unterholz verschwindet, sowie die Info-Tafel zum Naturwaldreservat Schwappelbruch sind dabei das einzig aufregende auf den langen, befestigten Geraden dorthin.

Auf der anderen Straßenseite biege ich mit dem SWS in die meist mit Tannen, Gräsern und Birken bewachsene Böschung ein und steige den Hang hinauf. Wildschweine haben hier den Boden aufgebrochen. Trotz der Straße im Rücken ist dieser Pfad schnell nach meinem Geschmack, nämlich schmal und weich unter den Füßen.

Erneut ragen dann Sendemasten über den Fichten empor, dessen Zufahrt ich die letzten Meter zur Schutzhütte am Schanzerkopf nutze. Mit den fünf Masten im Rücken lasse ich mich unter den Bäumen neben der Hütte auf einer geschwungenen Liege nieder und genieße den Blick in Richtung Norden, wo ich nahe gelegen eine verschlossene Hütte bemerke, die sich am Rande einer Wiese befindet und im Winter gerne als Rodelpiste genutzt wird, wie ich irgendwo gelesen habe. Weit darunter bemerke ich die vierspurige B 50 von und nach Rheinböllen vor einem Riegel von Windrädern, die sich in der weiten Ebene drehen und Energie liefern. Immer noch zeigt sich keine Wolke am Himmel und so fällt es mir schwer, mich wieder aufzuraffen.

Bevor ich weitergehe, schaue ich mir noch die Tafel zur Traumschleife "Schanzerkopf-Tour" an, denn der Wanderweg begleitet den SWS an dieser Stelle.

Nach einer schönen Strecke auf einem Pfad meist durch Nadelwald erreiche ich nach gut einem Kilometer die nächste Landstraße (L 239) und befinde mich ganz nah an zwei hoch über die Tannengipfel hinausragenden Windrädern. Dass ich im folgenden durch einen Windpark wandere, wird deutlich, als ich an der Schutzhütte Eichberg an eine Mehrwegekreuzung komme: Die Wege sind hier alle befestigt und gut mit einem Fahrzeug befahrbar. Voran in einer Senke ragt auf einer freien, geschotterten Fläche, die von kurzgehaltenem Rasen umgeben ist, ein Windrad in die Höhe empor, so dass es sich einige Meter über den Baumgipfel frei drehen kann.

Auf einem der befestigten Wege erreiche ich die Zufahrt zum nächsten Windrad, werde dort aber nach rechts unter die Bäume des Nadelwaldes auf einen Pfad geführt und umrunde so den Turm in einem weiten Bogen. Trotzdem wandert mein Blick immer wieder in die Höhe und sucht nach den drei sich drehenden, gewaltigen Rotorblättern, die schon auch ein wenig Angst verbreiten können, Angst, dass sie aus der Verankerung reißen oder umkippen und einen kleinen Menschen wie mich einfach unter sich begraben. Gleichzeitig fühlt sich hier auf der sonnenabgewandten Seite der schemenhafte, immer wiederkehrende Schattenwurf der Flügel über den Tannengipfel sonderbar an. Andererseits sind die Windräder kaum zu hören und die Verkehrsgeräusche einer nahen Straße würde ich sicher als deutlich schlimmer empfinden.

Als ich wieder auf einen Versorgungsweg der Anlage stoße, stelle ich fest, dass ich auch einfach auf dem Fahrweg hätte geradeaus gehen können, um an gleicher Stelle zu stehen. Gleich dreifach gabelt sich dann der Weg und der SWS nimmt den rechtesten den Berg hinauf. Nein, schön ist dieser Abschnitt wirklich nicht, weder für das Auge, noch für die Füße.

Der Schinderhannesweg sowie der E3, denen ich ja nun schon wiederholt begegnet bin, verlaufen hier wieder parallel zum SWS, mit dem ich nun in ein Waldstück eintauche. Auf dem Weg bergan zum nächsten Windrad kommt mir dann ein Wanderer mit kräftiger Statur entgegen, schwere Wanderschuhe an den Füßen, modere Trekkingbekleidung und einem langen Stab als Wanderstock in der Hand. Der Mann schlendert den Berg hinab, doch sein Gesicht zeigt, dass er nicht so begeistert ist und womöglich Blasen und Müdigkeit die Stimmung drücken. Am interessantesten ist aber wohl die Feststellung, dass der Mann eine schwarze Hautfarbe hat.

Am dann folgenden Naturwaldreservat "Katzenkopf" gibt es ein Denkmal für vier Wehrmachtssoldaten, die in einem Schneegewitter im März 1944 dort im Wald mit ihrem Flugzeug, einer Junkers Ju 188, auf dem Flug nach Eindhoven abgestürzt und verstorben sind. Eine Gedenkplatte an einem Felsbrocken nennt ihre Namen, Dienstgrad und Geburtsdatum. Daneben befindet sich eine kleine Tafel mit der genaueren Information zu dem Ereignis.

Anschließend wandere ich zwischen zwei Windrädern auf ein drittes zu, daran vorbei und bin dann unsicher, als ich an einem Wegweiser lese, dass ich mich am Hochsteinchen befinde. Links geht ein Weg ab, aber gleichzeitig scheine ich auch den SWS verloren zu haben – was soll ich tun? Bevor ich mir jedoch darüber Gedanke mache, werde ich mir den nahen Turm ansehen, der sich hinter dem zuvor umrundeten Windrad befindet. Der Turm besteht aus einem offenen Metallgerüst und erinnert sehr an einen Strommasten. In Inneren steigt eine gewundene Treppe in die Höhe zur Plattform hinauf, die wiederum nur mit einer hüfthohen Brüstung aufwarten kann. Also genau das Richtige für jemanden wie mich mit Höhenangst.

Meinen Rücksack setze ich an einem Tisch mit je rechts und links einer dicken Bohle als Sitzbank ab und gehe dann todesmutig zum Turm hinüber. Am Fuße der Treppe lese ich ein Schild mit dem Hinweis, dass nicht mehr als 20 Personen auf dem Gerüst unterwegs sein dürfen. Zumindest dies ist nicht der Fall, denn ich bin allein an diesem Ort, gleichzeitig mindert diese Warnung mein Vertrauen an die Haltbarkeit der Konstruktion doch sehr. Gut, dass ich erst später lese, dass der Turn gerade sein 125jähriges Bestehen gefeiert hat, denn eine vertrauensbildende Maßnahme wäre das sicher auch nicht gewesen. Trotz allem mache ich mich an den Aufstieg der 40 Stufen bis zur oberen Plattform. Von dort hat man dann auch eine herrliche Aussicht auf Rheinböllen und jetzt, bei klarer Sicht, auch hinüber zum Rheingraben. Doch spätestens mit dem direkten Blick in die Tiefe zieht es mich auf den Boden zurück, jedes Foto bedeutet Angst vor dem Fall zu haben, und sei es nur, vor dem Fall der Kamera aus den zittrigen Händen. Deshalb ist die Verweildauer dort oben für mich auch keine drei Minuten lang, zumal neben dem Rauschen des nahen Windrades auch die Geräusche der A 61 aus dem Tal gut zu hören sind.

Wieder am Tisch mit den dicken Holzbohlen angekommen, nutze ich den abgesetzten Rucksack zunächst, um eine Trinkpause einzulegen und mache mir dann Gedanken darüber, wo ich den SWS wiederfinde. Das stellt sich dann zurück am Wegweiser als gar nicht so schwierig heraus, denn schnell entdecke ein Logo des Weges – also doch noch richtig! Leider beginnt hier dann auch ein Asphaltweg, der sehr steil talwärts verläuft.

Auch als es von der schmalen Straße nach rechts ab in den Wald geht, bleibt es steil und die Autobahn wird immer deutlicher hörbar. Von dort an bringt mich ein schöner Pfad durch das Unterholz des Waldes immer weiter ins Tal, bis ich ein weiteres Mal auf die Zufahrt zu einem Windradspargel gelange und ihr ein Stück folgen muss. Bald wechselt der Weg wieder und führt mich immer tiefer, aber auch leider immer näher an die Autobahn.

Rund 2 Kilometer dauert es so, bis ich die Teves-Straße und ein Industriegebiet von Rheinböllen erreiche. Es bleibt der Marsch an der Straße entlang bis zu einem Übergang der Hunsrückquerbahn, wo ich mich vom SWS für den heutigen Tag verabschiede, in dem ich nicht sofort danach rechts zur Kläranlage abbiege, sondern an der Straße bleibe, die mich die 800 Meter am Autohof vorbei und über die B 50 hinweg bis zum geparkten Auto am Ortsrand von Rheinböllen bringt, das dort in der Straße Janismühle auf mich wartet.

Als ich an diesem Abend auf der Rückfahrt zur Unterkunft im Auto sitze und den Tag an mir vorüberziehen lassen, denke ich, dass die Wanderung eigentlich schön an der Ellerspring begonnen hat, dann aber wurde der Weg wieder zunächst zu einer Waldautobahn, um dann nach einem schönen Intermezzo rund um den Schanzerkopf in einem Windpark zu enden. So waren die Wege meist weder sanft, noch ein Abenteuer...