8. Etappe: Leiwen - Neumagen-Dhron (13,8 km)

Die Busverbindung für diese Etappe ist ideal und so fahre ich am Morgen auch gleich zum Tagesziel nach Neumagen-Dhron. In der Nähe des Friedhofs finde ich am Moselufer einen Parkplatz und brauche von dort nur noch wenige Schritte bis zur Bushaltestelle an der Römerstraße hinaufgehen. Die Haltestelle Euchariusstraße in Leiwen ist mir dagegen noch vom letzten Mal bekannt.

Hinauf zur Weinbergkapelle am Ginsterberg

In Leiwen muss ich zunächst zurück zum Moselsteig, aber den Weg kenne ich vom letzten Mal und außerdem ist er gut mit dem Zeichen der Moselsteig-Zuwege markiert. Am Freizeitgelände etwas außerhalb von Leiwen wechsele ich die Markierung und folge nun wieder dem vertrauten Moselsteig-Logo. Von hier wandere ich weiter im Schandelbachtal hinauf und bin auf neuen Wegen unterwegs.

Tatsächlich sind die Wege so neu und ich von der Umgebung offenbar so fasziniert, dass ich gar nicht bemerke, wie mir der Moselsteig verloren geht. Interessanterweise treffe ich an einer Abzweigung einen Wanderer mit Moselsteig-Karte in der Hand, dem es ganz ähnlich wie mir ergangen zu sein scheint. Wir tauschen uns kurz aus, schauen gemeinsam auf die Karte, die aber wegen des Maßstabs und der dicken Linie für den Moselsteig nur als Übersicht zu gebrauchen ist, und stellen fest, dass wir wohl oder übel die letzte Markierung suchen gehen müssen. Zweimal 450 Meter kommen so zusätzlich auf meinen Wegzähler.

An einem Holzlager hätte ich nach links abgehen müssen, denn dort weist ein Pfeil den Weg in die Senke des Bachtals und hinauf auf den Weg entlang des Ufers auf der anderen Bachseite. Zuhause werde ich sehen, dass ich einfach vom Punkt der Kartenbeschau geradeaus hätte weitergehen können, denn dort befand ich mich auch schon auf dem Uferweg - aber man will schließlich den kompletten Moselsteig kennenlernen, wenn man schon einmal darauf unterwegs ist.

Leiwen - Trittenheim - Neumagen-Dhron
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Weinbergkapelle über Leiwen Blick hinunter auf Leiwen Trittenheim voraus Trittenheim vom Vogelsang
Die Märtyrer-Kapelle bei Neumagen-Dhron Das Weinschiff von Neumagen-Dhron

Vom Uferweg führt ein abgehender Weg in die Weinberge hinauf. Der Weg verläuft stetig aufwärts, wodurch sich mit jedem Schritt mehr immer neue Ausblicke ins Tal bieten, die dann an der Kapelle am Ginsterberg besonders umfangreich sind. Direkt unter mir liegt Leiwen, aber auf der anderen Seite der Mosel ist hinter einem flachen Hügel auch schon Trittenheim gut auszumachen. Wie nahezu aus jedem Moselort ragt auch in Trittenheim deutlich der Kirchturm zwischen den übrigen Häusern hervor. Natürlich nutze ich das Panorama, um ausgiebig zu fotografieren.

Durch die Wälder nach Zummeterhof

Der Anstieg ist mit der Kapelle aber noch lange nicht beendet. Zunächst noch ein Stück im Weinberg hinauf, wird die Umgebung dann immer mehr von Wald eingenommen. Das bedeutet zwar Schatten, andererseits gehen dafür aber die herrlichen Weitblicke verloren. Schön, dass es zwischendurch immer wieder kleine Aussichtspunkte gibt, an denen man immer mal wieder zwischen den Bäumen hindurch ins Tal schauen kann, und meist befindet sich an diesen Stellen auch eine Bank zum Ausruhen.

Ein wenig überrascht umrunde ich dann ein Wildgehege, muss dabei aber ganz schön kräftig bergan steigen und erreiche so schnaufend den oberen Rand der Umzäunung. Ohne es so recht wahrzunehmen, befinde ich mich jetzt am Rande eines Ferienparks. Gleichzeitig biegt der Weg nach links den Hang hinab ab und ich kann an diesem Tag zum ersten Mal ein Stück weit talwärts wandern. Allerdings treffe ich bald darauf auf die Zufahrtstraße des Ferienparks. Verkehr ist hier zwar nicht sehr viel, aber Wanderer werden zur Sicherheit aufgefordert, auf dem breiten Rasenstreifen neben der Fahrbahn zu laufen.

Schließlich überquere ich mit dem Moselsteig die Straße und tauche für einen Moment wieder in Wald ein. Doch auch dieser Abschnitt dauert nicht lange, denn mit dem Tannenweg erreiche ich die Siedlung Zummeterhof und dort den Parkplatz eines Hotel Restaurants an der L 148. Wieder habe ich von dort einen herrlichen Blick ins Moseltal, diesmal liegt Trittenheim schon deutlich näher.

Trittenheim abgewandt

Der Moselsteig führt an dieser Stelle aber am oberen Rand eines Weinbergs über einige Stufen in den Hang und übersteigt seinen Scheitel. Wieder geht es andauernd bergan, diesmal aber durch eine offene Gras- und Buschlandschaft am Hang der Mosel abgewandten Seite. Dabei ist der Blick ins bewaldete Tal der Kleinen Dhron eine schöne Abwechslung.

Während des Aufstiegs überlege ich mir, dass ich am höchsten Punkt eine Rast einlegen möchte. Als dann aber am Rande einer Wiese im Schatten von Bäumen eine Grillhütte mit Tischen und Bänken näherkommt, überlege ich nicht lange und biege dahin ab. Ganz schön warm ist es heute wieder und die Bänke sind eine nahezu perfekte Einladung, auch nach der Vesper einen Moment zu ruhen, die Beine hochzulegen und die Augen für einen Moment zuzumachen.

Der älteste Weinort Deutschlands: Neumagen-Dhron

Nachdem ich wieder aufgebrochen bin, ist der Aussichtspunkt Vogelsang schnell erreicht. Zwei Bänke stehen dort, allerdings ohne Schatten, und man hat einen herrlichen Blick auf Trittenheim, die Weinberge und die Mosel hinauf nach Leiwen.

Ein niedriger Eichenwald nimmt mir dann wieder eine Zeit lang die Aussicht, bis ich vom Moselsteig auf eine offene Wiesenfläche geführt werde. Zwar kann ich auch dort nicht weit sehen, dafür glitzern aber die dunklen Flächen einer Photovoltaikanlage im Sonnenlicht und so nah wie jetzt, als ich am Gelände entlangwandere, bin ich einer solchen Solaranlage noch nie gekommen.

Info:
  • Neumagen-Dhron
    Der älteste Weinort Deutschlands Neumagen-Dhron ist recht sehenswert, bekannt aber vor allen Dingen durch das Steinrelief mit dem römischen Weinschiff. Vom Weinschiff gibt es einen Nachbau, der an der Mosel festgemacht ist und mit dem eine Fahrt gebucht werden kann.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Leiwen und Neumagen-Drohn gibt es eine regelmäßige Busverbindung: www.vrt-info.de.

Ein kurzes Wegstück wandere ich anschließend erneut am oberen Rand der Weinberge entlang und bin einmal mehr begeistert von den vielfältigen Panoramen bis tief in die Eifel hinein, die sich mir zeigen. Doch dann macht der Moselsteig einen Bogen und taucht ein in ein bewaldetes Seitental. Steil abwärts geht es bald und so habe ich deutlich an Höhe verloren, als ich an einem Weinfeld aus dem Wald heraustrete. Durch die Reben geht es nun noch hinunter zur Moseluferstraße, wo die Märtyrerkapelle auf mich wartet. Diese Kapelle wurde Anfang des 16. Jahrhundert errichtet und soll an das Sterben der Märtyrer von 286 in Trier erinnern.

Das letzte Stück des Weges nach Neumagen-Dhron muss ich dann leider ein langes Stück an der L 156 entlang. Erst am ersten Haus des Ortes quert der Moselsteig die Landstraße und bringt mich zum Campingplatz am Moselufer. Vorbei am Yachthafen komme ich schließlich auch an den Anleger des Weinschiffes, das dem in der Ortsmitte aufgestelltem Steinrelief nachgebaut worden ist. Gemütlich schlendere ich weiter durch die Wiesen und den Ort bis zum Auto.