7. Etappe: Mehring - Leiwen (14,7 km)

Diese Wanderung beginne ich zunächst mit einer Busfahrt, denn es bietet wieder an, das Auto schon am Morgen am Zielort abzustellen. Das mache ich immer ganz gerne, weil ich dann nicht zu einer bestimmten Uhrzeit einen Bus oder Zug bekommen muss, um zurückzufahren, und so freier bin, in der Pausen- und Weggestaltung. Der Weinort Leiwen ist auch gut zu erreichen und einen kostenfreien Parkplatz für den Tag finde ich in der Nähe des Dorfplatzes an der Festhalle in der Tränkgasse. Von dort ist auch der Weg zur Bushaltestelle in der Euchariusstraße nicht weit. Pech habe ich an diesem Tag - es ist ein schöner und schon früh sehr warmer Samstag Ende Mai - aber mit dem Bus, denn der ist als sogenannter Regio-Radler unterwegs und sammelt unterwegs auch Radfahrer ein. Da die Räder auf einem Anhänger befestigt werden müssen, und dieser Umstand offenbar nicht in den Fahrplan einkalkuliert worden ist, hat der Bus deutlich Verspätung.

Die Busfahrt bietet eine rund halbstündige Tour entlang der Mosel und durch die am Ufer gelegenen Ortschaften. Der erste Haltepunkt in Mehring ist unter der Moselbrücke an der B 53. Das ist günstig, denn dort gibt es eine Treppe auf die Ebene der moselquerenden Straße und so brauche ich nicht lange zu suchen, um den Moselsteig wiederzufinden, der ja über die Brücke hinweg verläuft.

Von der Villa Rustica in die Mehringer Schweiz

Am anderen Moselufer gibt es eine Treppe, die in den Hang und damit von der Straße weg führt. Mit ihr gelange ich in ein Wohngebiet. An einem umzäunten Sportplatz zeigt dann ein Schild den Weg zur Römischen Villa Rustica und ich überlege nicht lange, ob ich diesen Abstecher machen soll - immerhin bin ich ja noch frisch und ausgeruht. Tatsächlich bin ich, wie so oft an solchen historischen Überresten, von dem, was ich sehe, auch nicht enttäuscht, als ich das Gelände mit dem rekonstruierten alten Bauwerk erkunde. Zur oben gemachten Kilometerangabe kommt dadurch allerdings ein Mehrweg von 900 Meter hinzu.

Wieder zurück am Moselsteig fällt mir eine weitere Wegmarkierung auf, nämlich die der ExtraTour Mehringer Schweiz. Bei Schweiz denke ich natürlich sofort an hohe, steil aufragende Berge und muss lächeln, denn so etwas erwarte ich hier eigentlich nicht. Andererseits tragen auch mehr oder weniger flache Gebiete in Norddeutschland den Beinamen Schweiz und so nehme ich es gelassen, dass ein gutes Stück Weg beide Wanderwege, also des Moselsteigs und der ExtraTour, parallel verlaufen. Zumal der Anstieg an der Hangkante, entlang an den Rückseiten einiger optisch ansprechender Wohnhäuser und Gärten, zwar als ambitioniert gelten kann, aber durchaus machbar ist. Andersherum überlege ich mir beim folgenden Abschnitt, dass ich froh bin, hinunter zur Mosel genau in diese Richtung zu gehen, denn der Weg ist so steil, dass auch das Abwärtsgehen stark beansprucht.

Nahe der Mosel tritt dann die Kehrtwende ein. Doch zunächst wird meine Aufmerksamkeit von Geräuschen einer Freizeitanlage beansprucht, denn ich entdecke die Ausläufer des Freizeitparks Triolago. Doch dann befindet sich am Wegrand eines dieser Moselsteig Hinweis- und Warnschilder, auf dem zu lesen ist, dass der nächste Streckenabschnitt über Pfade und Treppen steil aufwärts führt und deshalb festes Schuhwerk und Trittsicherheit erfordert. Sicher nichts für Freizeitparkbesucher, denke ich, die lieber mit der nahen Sommerrodelbahn den Berg hinunter fahren.

Von Mehring nach Leiwen
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Mehring von der Brücke Die Römische Villa Rustica Mehring Ziegen bei der Arbeit Freitzeitpark Triolago von der Aussichtskanzel Felsenkreuz auf dem Kammer-Knüppchen
Der Fünf-Seen-Blick Die Schleuse Detzem

Dann kommt das Schild der ExtraTour Mehringer Schweiz, dass auf den abgehenden Alternativweg über einen Kletterpfad hinweist. Inzwischen ist es aber auch auf dem regulären Weg so steil geworden, dass mir der Sinn nicht nach Klettern steht. Darüber hinaus führt auch der Moselsteig geradeaus und nutzt den Kletterpfad nicht. Bald rinnt mir der Schweiß in Bächen durch das Gesicht und ich habe das Gefühl, dass mich meine Schritte kaum einen (Höhen-) Meter voranbringen. Apropos Bäche: Sowohl das Molesbachtal, als auch das Tal eines unbekannten Bachlaufes, dem ich bald folge, sind durchaus sehenswerte Oasen. Davon kann ich mich in den Verschnaufpausen überzeugen, nicht zuletzt, als ich mich auf einer Bank niederlasse.

Nachdem ich mich wieder aufgerafft habe, verlasse ich das Bachtal in steilen Serpentinen. Unregelmäßig in den Boden eingelassene Absätze und Stufen erleichtern dabei nicht unbedingt den Aufstieg. Und je höher ich steige, desto mehr verlangt der Weg mir ab - gibt es an dieser Stelle überhaupt einen Unterschied zum Kletterpfad?

Als ich den Aussichtspunkt am Felsenkreuz Kammerwald auf dem Kammer-Knüppchen erreiche, habe ich es geschafft. Leider bin ich am Vatertag-Wochenende unterwegs und so hat vor mir bereits eine größere Gruppe Männer und Frauen den Platz erobert. Eifrig spricht man dem Moselwein zu - das nennt man wohl Frühschoppen - und entsprechend lautstark ist das Treiben. Wie sind die nur mit all den Flaschen, Gläsern und der sonstigen Verpflegung hier herauf gekommen?

Nun, ich halte mich nicht lange auf, obwohl der Blick ein weites Stück die Mosel hinauf, auf den Abschnitt der letzten Etappe, Mehring und auf den mir zu Füßen liegenden Ferienpark schon toll ist. Aber der Trubel, der dort rund um die Tische und Bänke herrscht, ist mir einfach zu viel.

Direkt nach der Aussichtskanzel befindet sich ein weiteres Schild der ExtraTour mit dem Hinweis, dass der links abgehende Pfad wieder sehr steil sei, Trittsicherheit erfordere und bei Regen Rutschgefahr berge. Umgangen werden kann dieser Abschnitt, in dem der Wanderer 600 Meter geradeaus geht. Da es an dieser Stelle keinen eindeutigen Wegweiser für den Moselsteig gibt, wähle ich die letztere Möglichkeit und komme damit auf einen breiten, befestigten Forstweg. Nun habe ich auch eine Ahnung, welchen Weg die Gesellschaft genommen hat, und als mir auch noch ein Fahrzeug entgegen kommt, vermute ich sogar, dass keiner zu Fuß bis zur Felsenkreuz gehen musste.

Dumm nur, dass am Fahrweg keine Wegmarkierung zu finden ist. Warum ich mich dann nach rechts wende, kann ich nicht sagen, aber komisch kommt mir die Sache schon vor. Deshalb stoppe ich nach rund 150 Metern und hole den Wanderführer zum Moselsteig aus meinem Rucksack hervor, um dort in Erfahrung zu bringen, wie der rechte Wegverlauf ist. Tatsächlich hätte ich danach dem Schild der ExtraTour folgen müssen, um nach links steil abwärts zu steigen.

Der Aussichtsturm "Fünf-Seen-Blick"

Nachdem der kurze aber heftige Abstieg geschafft ist, wird der Pfad ebener und bald danach erreiche ich auch den Punkt, an dem die ExtraTour auf dem Waldweg trifft. Kurz danach geht es leider aber schon wieder aufwärts, kurzzeitig auch sehr steil, doch dann, nach einer kurzen flachen Passage, gemäßigter als zuvor.

Eine Straße nähert sich und schließlich erreiche ich einen Parkplatz an der Landstraße. Hier überquert der Moselsteig die K 85, die von Mehring hinauf zur A 1 führt. Noch ein kleines Wegstück bergan, dann darf ich wieder talwärts wandern. Doch die Freude hält nicht lange an, denn mit dem Wechsel auf einen breiteren Weg geht es schon wieder aufwärts.

Dann steht vor mir ein hölzerner Turm, der sich 20 Meter in die Höhe streckt. Eigentlich habe ich keine Lust mehr, am heutigen Tag noch einmal irgendwo hinauf zu steigen, wenn es der Moselsteig nicht zwingend vorsieht. 105 Stufen, heißt es am Fuße des Turms, müssen bewältigt werden, wenn man nach oben will. Ein Paar, das auf einer Bank ausruht, hat sich offenbar auch nicht an den Aufstieg gewagt, warum sollte ich das also tun?

Der Ergeiz packt mich schließlich aber doch und ich steige die Stufen zur Aussichtsplattform hinauf. Belohnt werde ich mit dem sogenannten Fünf-Seen-Blick. Der heißt so, weil man von oben auf Grund ihrer Schleifen die Mosel nicht als Fluss wahrnimmt, sondern eher als einzelne Seen. Nun ja, wenn man so will, dann stimmt das, auch wenn ich nur auf vier See komme... Für Menschen mit Höhenangst ist es aber in jedem Fall ein Erlebnis, von dort oben hinunter zu schauen und eine grandiose Panoramasicht ist es zudem.

Die erste Moselschleuse und der Weinort Leiwen

Der Aussichtsturm ist Teil einer Freizeitanlage mit Grillhütte, die ich nach meinem Abstieg in der Nähe entdecke, obwohl der Moselsteig vorher bereits auf einen Pfad abzweigt und das Gelände umgeht. Außerdem haben wir am Fünf-Seen-Blick die ExtraTour Mehringer Schweiz verlassen. Viel wichtiger ist aber, dass von diesem Punkt an der Weg tendenziell nur noch talwärts führt.

Info:
  • Römische Villa Mehring
    Informationen zur Villa Rustica, die eine wenig abseits des Moselsteigs liegt, findet man unter Trier Tourismus.
  • Leiwen
    Leiwen ist ein nettes, kleines Städtchen, in dem Wanderer am Ende des Tages alles finden, was sie nach der Etappe benötigen.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Mehring und Leiwen pendeln Busse der Linie 333 (Moselbahn), nachzusehen beim Verkehrsverbund Region Trier.

Da der Moselsteig dann lange Zeit vorwiegend durch Waldgebiet verläuft, befestigt und plan ist, komme ich trotz der sich bemerkbar machenden Müdigkeit auf dem folgenden Teilstück gut voran. Nach und nach gestaltet sich der Untergrund jedoch immer mehr zu einem Fahrweg, der zum Schluss auch asphaltiert ist und manchmal kann man jetzt auf die Eifelhänge auf der anderen Moselseite sehen.

Dann gelange ich an eine Bank und habe freie Sicht auf die Weinberge, die Mosel und vor allen Dingen auf die voraus liegende Schleuse bei Detzem. Tatsächlich ist das die erste Moselschleuse, die ich vom Moselsteig aus erblicke und habe zugleich das Glück, dass ich einem Schiff beim Schleusen zusehen kann. Ein hölzernes Wegkreuz markiert diese Stelle.

Am Kreuz biege ich vom Asphaltweg ab und nehme stattdessen den befestigten Heckenweg, der hier mündet. Mit diesem Weg erlebe ich einerseits den schönen Bewuchs mit Ginster, Heckenrosen und Schwarzdorn, andererseits folge ich auch immer wieder dem oberen Rand der Weinberge und kann so den weiten Blick im Moseltal genießen. Oberhalb von Detzem an der Hinkellay schaue ich schließlich in ein sehr breit und flach daliegendes Moseltal, in dem der Fluss eine weitläufige Wende nimmt, und durchquere die Weinberge nun mitten durch die Rebreihen.

In einem kleinen Seitental der Mosel, unterhalb der Weinstockreihen, stoße ich dann auf den Schandelbach und entdecke hier auch einen Wegweiser, der mir den Zuweg in den nahen Ort Leiwen zeigt. Mit der Mühlenstraße erreiche ich schließlich den Dorfplatz und bin froh, dort die Schuhe ausziehen und ein kühles Getränk zu mir nehmen zu können.