5. Etappe: Trier - Schweich (18,9 km)

Die 5. Etappe mit Start in Trier ist also meine erste Etappe auf dem Moselsteig. Den besonderen Reiz macht dabei für mich aus, dass sich der Beginn des Moselsteigs an das Ende meiner Wanderungen auf dem Eifelsteig anschließt.

Da ich nicht in Trier parken möchte und generell lieber am Morgen zum Zielpunkt der Wanderung fahre, um zum Auto zurück zu laufen - auch weil es dann nicht nötig ist, auf die Zeit zu achten, um den Bus/Zug für die Rückfahrt zu erreichen -, gebe ich also den Ort Schweich in das Navigationsgerät ein. Dort am Bahnhof angekommen entdecke ich auch sofort einen P&R-Parkplatz, der kostenfrei nutzbar ist. Nur wenige Fahrzeuge befinden sich auf dem Gelände und ich kann mir nahezu einen beliebigen Platz für mein Auto aussuchen. Insgesamt macht die Gegend um den Bahnhof an diesem Samstag Morgen einen recht verschlafenen Eindruck. Dafür reisen dann aber erstaunlich viele Personen mit dem Nahverkehrszug, den ich von Schweich nach Trier nehme.

Von der Porta Nigra vor die Tore Triers

Als ich am Hauptbahnhof in Trier aus dem Zug steige, erwartet mich eine munter belebte Innenstadt. Zwar mache ich an diesem Morgen keinen Abstecher in die Altstadt von Trier, doch auf meinem Weg zum Moselsteig komme ich an der Porta Nigra vorbei und nutze das herrliche Wetter, um von allen Seiten Fotos vom Wahrzeichen der Stadt zu machen. Anschließend nehme ich den Weg aus der Stadt hinaus, den ich schon von der Wanderung auf dem Eifelsteig kenne, nämlich mit dem Grüngürtel an der Stadtmauer entlang bis zur Merianstraße und mit ihr zur Moselbrücke. Dabei folge ich den Markierungen eines Zuwegs, die mir bereits auf dem Weg vom Bahnhof zur Porta Nigra aufgefallen sind.

Trier
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Das Wahrzeichen Triers: Die Porta Nigra Die Stadtmauer von Trier Ausflugsschiff auf der Mosel Das Drachenhaus am Weisshauspark
Die Mosel DAuf dem Felsenpfad über Trier Ausruhen mit Aussicht auf Trier Panorama von Trier

Auf der Moselbrücke bleibe ich kurz stehen, denn bei bestem Wetter sehen natürlich auch das Weisshaus oben auf den roten Sandsteinfelsen und die weißen Boote auf dem Fluss besonders fotogen aus. Außerdem zeichnet die rote Felslinie im frischen Frühlingsgrün deutlich den nächsten Abschnitt meines Weges ab und ich kann die Felskante leicht ein gutes Stück moselabwärts mit den Augen verfolgen.

Auf der anderen Seite der Moselbrücke staut sich wie beim letzten Mal viel Verkehr, der in die Stadt hinein will. Mit der Bundesstraße gehe ich der Autoschlange entgegen und bin dann froh, als ich auf den Fußweg unterhalb der roten Felsen einbiegen und die Abgase hinter mir lassen kann. Die folgenden Treppenstufen bringen mich hinauf zum Rosengarten des Drachenhauses, an dem vorbei ich zum Parkplatz am Weisshaus gehe - all das kommt mir vertraut vor, doch wirkt es jetzt im Frühjahr so ganz anders.

Start auf dem Moselsteig

Beinahe ohne es zu merken gelange ich auf meinem Weg zum Endpunkt des Eifelsteigs auf den Moselsteig. Denn irgendwo unterhalb des Drachenhauses entdecke ich zum ersten Mal eine Wegmarkierung für den neuen Weitwanderweg entlang der Mosel. Am Parkplatz Weisshauspark, wo sich die Endmarkierung des Eifelsteigs befindet, bleibe ich dann noch einen Moment beinahe ehrfürchtig stehen und schaue mich um. Wieder erinnere ich an meine Ankunft dort und die Enttäuschung über diesen nichtssagenden Ort am Ende eines so großartigen Wanderwegs wie den Eifelsteig.

Dann wende ich mich dem Weg zum Weisshaus hinauf entgegen und beginne mit der Wanderung auf dem Moselsteig. Ab dem Weisshaus folgt auch der Moselsteig dem Felsenpfad bis Biewer, d. h. ich wandere dem Eifelsteig entgegen. Wieder gibt es dabei herrliche Blicke auf Trier hinunter, nur, dass das Wetter an diesem Tag deutlich freundlicher ist, als noch ein halbes Jahr zuvor. Strahlend blauer Himmel mit kaum einer Wolke lassen Trier jetzt in einem völlig anderen Licht erscheinen, als ich an den vielen Aussichtspunkten auf die Stadt schaue und natürlich fotografiere wie ein Weltmeister.

Als ich nach Biewer hinuntersteige, kommt mir eine Gruppe Wanderer entgegen, die offenbar auf Pilgerreise unterwegs ist. Ausgerechnet der älteste Teilnehmer muss den größten Rucksack tragen - gemein, wie ich finde und leicht scherzhaft kundtue.

In Biewer ist an diesem Vormittag nicht viel los, als ich an der Schule vorbei durch den Ort bis zum St. Jakobus Brunnen gehe. An der Hauptstraße entlang ist der Weg auch diesmal nicht sehr attraktiv und so bin ich froh, als ich auf die enge Treppe zwischen den Häusern hindurch einbiegen kann. Mit dem anstrengenden Aufstieg verlasse ich langsam diesen Stadtbezirk von Trier, kämpfe mich aber auch nach den Stufen noch weiter den steilen Hang hinauf.

Rechter Hand, etwas abseits des Weges, befindet sich eine kleine Kapelle in der Nähe eines Funkmastes. An diese Kapelle hat mich der Eifelsteig, auf dem ich mich ja auch immer noch befinde, damals nicht geführt. Diesmal mache ich hier eine Verschnaufpause, auch wenn der Anstieg noch nicht zu Ende ist.

Kurz nach der Kapelle verlasse ich den Wald und komme auf die Strecke, die durch Weiden zur Siedlung Auf der Bausch führt. Hier begegnet mir ein Wandererpaar, das mir bekannt vorkommt, obwohl ich es noch nie gesehen habe. Allerdings meine ich, dass es sich bei den beiden um das Autorenpaar handelt, das sowohl einen Führer zum Eifelsteig erstellt hat, als auch den Führer zum Moselsteig, den ich aktuell im Rucksack bei mir trage. Natürlich kann ich mich auch täuschen, der Moment des Aneinandervorbeigehens ist schnell vorbei, und ich bin nicht der Typ, der jeden anspricht. Angesprochen habe ich jedoch damals auf dem Eifelsteig den Pilzsammler, der mir auf diesem Abschnitt entgegenkam, wie mir dann wieder in Erinnerung kommt.

Am Parkplatz in der Nähe der Siedlung Auf der Bausch gibt es dann eine Weggabelung an einem alten Baum. An dieser Stelle ist einerseits der lange Aufstieg geschafft, andererseits trennt sich hier auch der Moselsteig von Eifelsteig. Als mir klar wird, dass nun das Wiedersehen mit dem Eifelsteig vorbei ist, steigt wieder dieses wehmütige Gefühl in mir auf, ich bleibe kurz stehen, möchte dem Eifelsteig etwas wie "es war schön" zurufen und ihm zum erneuten Abschied zuwinken. Natürlich tue ich das nicht, sondern mache mich auf den neuen Weg und bin neugierig, was mich erwarten wird.

Allein mit dem Moselsteig - teilweise (Ehrang, Quint und Schweich)

Ehrang ist ein Ortsbezirk von Trier, Quint ein Ortsteil von Ehrang, wie die ehemalige Militärsiedlung Auf der Bausch, an der ich gerade vorbei gekommen bin, übrigens auch. Ehrang ist das nächste Ziel der Wanderung auf dem Moselsteig, doch davon ist zunächst noch nichts zu sehen, denn erst einmal wandere ich durch einen schönen Laub-Mischwald auf einem breiten Forstweg in einem Bachtal talwärts. An der Talsohle angekommen versperrt dann allerdings eine breite, vierspurige Straße - die als Schnellstraße ausgebaute B 52 - den Weg. Zum Glück gibt es nur wenig weiter eine Unterführung, mit der mich der Moselsteig auf die andere Straßenseite führt. Doch dort muss ich auch gleich wieder bergan.

Im Trierer Land
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Der St. Jakobus Brunnen in Biewer Ginster am Wegesrand Aufstieg in Ehrang Am Ende des Kreuzwegs: Die Heidekapelle (1375) Das Kreuz über den Heidenstuben

Doch diesmal ist der Anstieg nicht ganz so stark und dauert auch nicht so lange. Mit dem Abwärtsgehen wird dann aber auch der Weg schmaler und ich nähere mich einer Felsenkante. Gleichzeitig entdecke ich eine Schutzhütte und nur wenige Schritte später eine tolle Aussicht ins Moseltal, wobei sogar schon die Ausläufer des heutigen Etappenziels in der Ferne auszumachen sind. Da hier auch Bänke zu einer Rast einladen, nehme ich das Angebot gerne an.

Nach der kleinen Pause muss ich das kurze Stück zurück zum Weg, mit dem ich anschließend an schroffen Felsen aus rotem Sandstein vorbei in Serpentinen auf einen schmalen Pfad steil ins Tal hinabsteige. Dort treffe ich auf Bahngleise und der Pfad geht über in einen Asphaltweg, mit dem ich den Ortsrand und die Hauptstraße von Ehrang erreiche. Mit der Straße geht es zuerst über die Bahngleise und sofort danach über das Flüsschen Kyll, das mir wiederum noch von meinen Wanderungen auf dem Eifelsteig bekannt ist. Im Ort bringt mich dann eine Eisdiele auf der anderen Straßenseite kurzfristig vom Weg ab - immerhin haben jetzt am Nachmittag auch die Temperaturen deutlich zugelegt.

Der Weg führt mich weiter durch Ehrang bis zur Kirche. Hinter der Kirche wird der Moselsteig dann einen Moment lang richtig spannend, denn nach einigen Stufen muss ich in einer schmalen, überwachsenen Unterführung den Berg hinauf. Anschließend klettere ich steil Stufe für Stufe, Schritt für Schritt in die Höhe und werde dabei von den Stationen eines Kreuzweges begleitet. Dabei ist das Ganze so atemraubend, dass ich zwischendurch einer der am Wegesrand platzierten Bänke nutze und mich darauf niederlasse.

Unterhalb der Wohnsiedlung Vordere Heide endet der Kreuzweg mit seinen vierzehn Stationen an einer kleinen Kapelle aus dem Jahre 1375. Wenig weiter ist auch der Hauptanstieg geschafft und ich stehe vor dem hohen, eisernen Kreuz an den Heidenstuben, einem Buntsandsteinfelsen, von dem es erneut einen grandiosen Ausblick ins Moseltal gibt.

Info:
  • Schweich
    Schweich ist ein nettes, kleines Städtchen, in dem Wanderer am Ende des Tages alles finden, was sie nach der Etappe benötigen.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Trier und Schweich verkehren regelmäßig Züge: www.bahn.de.

Als nächstes komme ich an den Gärten der Siedlung Hintere Heide vorbei. Anschließend tauche ich wieder in einen Wald ein und betrete den sogenannten Kaiser Wilhelm Weg, der mich nun wieder talwärts bringt. Als der Moselsteig den Wald wieder verlässt, treffe ich auf einen Asphaltweg, der mich an einem Friedhof vorbei zum Bahnhof des Ortes Quint führt. Dort überquere ich die Bahngleise mit einer Straßenüberführung und biege in eine Wohnsiedlung ein. Parallel zu den Schienen steige ich dann mit dem Moselsteig zur Landstraße 47 hinauf, wo mir zum ersten Mal ein Hinweisschild des Moselsteigs begegnet, wie ich es sonst noch nicht gesehen habe. An dieser Stelle ist darauf zu lesen, dass die Straße überquert werden muss, dabei aber auf die oft schnellfahrenden Fahrzeuge zu achten ist und die Fahrbahn zügig gequert werden sollte - vorbildlich, dieser Hinweis.

Nächster Halt: Schweich Bahnhof

Durch ein Waldgebiet steige ich noch einmal bergan, bis ich an die Häuser des Haardthofes gelange. Von dort an senkt sich der Weg wieder ins Tal und ich wandere von nun durch offene Weiden und Felder mit einem weiten Blick.

Nach einem schönen Stück auf einem Wiesenpfad abwärts durch die Weiden, treffe ich dann erneut wieder auf die Landstraße 47. Der Moselsteig bringt mich hier an eine Einmündung einer weiteren Straße, mit der ich im Folgenden parallel laufen muss. So erreiche ich eine Unterführung, hinter der sich direkt das Ortsschild von Schweich befindet, und die Bahnstraße, von der eine Straße zum Bahnhof Schweich abzweigt.

Über den Bahnsteig und an den Gleisen entlang gelange ich schließlich zum Parkplatz vom Morgen, auf dem ich mein Auto geparkt habe. Dumm nur, dass ich Licht und das leise gedrehte Radio angelassen habe, denn als ich das Fahrzeug starten will, gibt der Motor keinen Ton von sich. Mein Versuch, das Auto zur Straße zu schieben und es dort hinunterrollen zu lassen, scheitert, weil ich den Absatz vom Parkplatz zur Straße nicht schaffe. Das Gewerbegebiet am Bahnhof von Schweich macht an diesem Samstag Nachmittag einen ziemlich verlassenen Eindruck, doch zum Glück sehe ich auf der anderen Straßenseite in einer großen Halle jemanden, der mit Autos beschäftigt ist. Also gehe ich hinüber und frage, ob der freundliche Mensch mir beim Überbrücken der Batterie helfen könnte und kann so einen Augenblick später mein Auto wieder zum Laufen bringen.