24. Etappe: Winningen - Deutsches Eck in Koblenz (14,4 km)

Auch für diese Wanderung wähle ich als Ausgangspunkt den Bahnhof von Winningen. Dort sind die Parkplätze nämlich kostenlos und ich kann bequem mit der Bahn von Koblenz zum Auto zurückfahren - normalerweise, denn ausgerechnet an dem Samstag, den ich für die Etappe gewählt habe, ist die Bahnstrecke gesperrt und Busse fahren statt der Züge.

Für einen Samstag habe ich mich entschieden, weil im Spätherbst die Seilbahn zwischen dem Deutschen Eck und der Festung Ehrenbreitstein nur noch an Wochenenden über den Rhein pendelt und ich mir diese Fahrt als Abschluss für die Wanderungen auf dem Moselsteig ausgesucht habe. Leider wird der Himmel auf dem Weg zur Mosel immer trüber und bleibt an der Mosel auch den ganzen Tag über grau, so dass ich mich, in Koblenz angekommen, gegen eine Fahrt mit der Seilbahn entscheide und Koblenz lieber mit auf die Liste der Orte setze, die ich noch einmal besuchen möchte.

Ein letztes Mal zum Moselsteig

Der Moselsteig verläuft in einem Bogen um Winningen herum und so nehme ich zunächst wieder einmal einen Zuweg, der am Bahnhof beginnt und durch den schönen Ort hindurch führt. Anschließend geht es steil durch den Weinberg oberhalb von Winningen zum Aussichtspunkt Domgarten-Hütte - eine Strecke, die ich vom Ende der vorangegangenen Etappe noch gut im Gedächtnis habe. Als ich an der Schutzhütte angelangt bin, bin ich allein dort oben, doch wie bereits erwähnt, ist das Wetter an diesem Tag trüb und grau, so dass die Aussicht zwar auch einen gewissen Reiz hat, aber nicht wirklich schön ist - zumal das Herbstlaub der Weinreben bei Sonnenschein herrlich leuchten würde.

Der Hexenhügel und die letzten Weinberge

Von der Domgarten-Hütte streife ich noch kurz an Reben vorbei, bevor der höchste Punkt dieser Wanderung erreicht ist und die Landschaft um mich herum landwirtschaftlichen Charakter bekommt. Bald kann ich auch die nahe Autobahn ausmachen, bevor sich dann der Weg senkt und ich kurz drauf auf die Straße aus der Eifel hinunter nach Winningen treffe. Einige hundert Meter muss ich ihr ins Tal folgen, um dann links auf einen abzweigenden Weg einbiegen zu können. Damit geht es noch einmal bergan, bis ich an eine von Bäumen umstandene Wiese gelange, die als Rast- und Aussichtsplatz dient. Diese Fläche überquere ich mit dem Moselsteig und wandere in den Wald hinein, wo ich wenig später den Gedenkstein des Hexenhügels erreiche.

Danach bringt der Pfad mich wieder an den Waldrand und anschließend zu einer schmalen Straße am Rand einer Start- und Landebahn eines Flugplatzes. Einen Moment bleibe ich stehen, um zu schauen, ob ein Flieger startet oder landet, aber das große Rolltor ist verschlossen und auch die Ampel, welche die Straße bei Betrieb sperren soll, leuchtet nicht. Also gehe ich weiter.

Die letzte Etappe Moselsteig bis Koblenz
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Blick vom Domgarten hinunter auf Winningen Der Gedenkstein auf dem Hexenhügel Die Info-Tafel am Ende des Moselsteigs Die Festung Ehrenbreitstein und das Deutsche Eck Wilhelm I. blickt über Rhein und Mosel

In der folgenden Straßenkurve geht der Moselsteig ab zum Gelände an der Schutzhütte Pfarrhecks Kopf. Dort gibt es eine Feuerstelle, an der drei Jugendliche ihr Zelt aufgeschlagen und offensichtlich auch die Nacht verbracht haben - was mir unverständlich ist, so wie der Platz zugemüllt ist. Jedenfalls mag ich mich dort nicht länger aufhalten und steige deshalb auch ohne anzuhalten an der Hütte vorbei die Stufen hinunter zu einem Weinbergweg, mit dem ich unterhalb des Flugfeldes an den Rebstöcken entlang wandere und dabei den Blick ins Moseltal genieße.

Dann macht der Moselsteig eine Kehrtwende, ich verlasse die Höhenlinie, auf der ich zuvor unterwegs gewesen bin und durchquere die Rebreihen talwärts. Nachdem ich schließlich links auf einen Weg abgehe, verlasse ich den Weinberg und wechsele in eine Wiesenlandschaft mit Laub- und Obstbäumen. Vor allen Dingen Kirschen scheint es hier zu geben und ich stelle mir vor, wie es im Frühjahr sein muss, diesen Weg zu gehen, wenn die Bäume in der Blüte sind. Ohne es zu ahnen, lasse ich an dieser Stelle den letzten Weinberg auf dem Moselsteig hinter mir.

Ein Stück weiter hängen an einem Baumstumpf ein Paar Wanderschuhe, die an der Fußspitze mit Klebeband geflickt sind und den Eindruck einer langen Wanderung erwecken. Ob die wohl auch von einem Moselsteigwanderer stammen?

Nach den alten Wanderschuhen kommt auch das Ende des Moselsteigs schnell heran. Zwischen Tennisplatz und Fußballfeld hindurch komme ich in ein Neubaugebiet von Güls, streife dort hindurch und erreiche einen Platz, dessen dreieckige Wiesenfläche von Straßen und Häusern umrandet wird. Eine Tafel ist dort aufgestellt, die das Ende des Moselsteigs markiert. Und so nüchtern das klingt, so nüchtern wirkt das Ganze auch auf mich.

Dem Ende zu - am Deutschen Eck

Um irgendetwas vom Ende des Moselsteigs mitzunehmen, gehe ich zur nahen Kapelle und will sie mir ansehen, doch die Eingangstür ist verschlossen. Also verlasse ich diesen Ort, ohne bleibenden Eindruck und folge dem Zuweg zum Bahnhof Güls. Der Zuweg soll mich eigentlich in seinem weiteren Verlauf zum Deutschen Eck in Koblenz bringen, wobei ich mich frage, wie man überhaupt einen Wanderweg entlang der Mosel über 24 Etappen planen und gewandert sein kann, ohne das Deutschen Eck zum Ziel haben zu können?

Am nahen Bahnhof gehe ich unter den Bahngleisen hindurch und suche dort eine Markierung für den Weg nach Koblenz. Da ich aber keinen Hinweis auf den weiteren Verlauf finde, setze ich den Rucksack ab, um einen Blick in den Wanderführer zu werfen, und lese, dass ich dem RheinBurgenWeg folgen soll. Aber auch von dem ist keine Spur zu entdecken, und so gehe ich wieder unter der Bahn hindurch, um dort nach einem Zeichen zu suchen. Tatsächlich bemerke ich einen Wegweiser, der aber nicht so ganz eindeutig aufgestellt ist, und mich ein Stück parallel der Bahngleise an einigen Gärten vorbei in die Irre führt. Später Zuhause werde ich beim Blick auf aktuelle Karten entdecken, dass der Zuweg zum Deutschen Eck nicht zum Bahnhof nach links, sondern nach der Eisenbahnüberführung nach rechts und dann zur Mosel hinunter verläuft.

Info:
  • Deutsches Eck
    Die Landzunge, die als Deutsches Eck bekannt ist, markiert den Zusammenfluss von Mosel und Rhein. Wilhelm II. ließ dort seinem Vater zu Ehren das monumentale Reiterstandbild errichten, das am 31. August 1897 eingeweiht wurde.
  • Koblenz
    Eine muntere und sehenswerte Stadt ist Koblenz, die eigentlich viel mehr Zeit bedarf, als man gemeinhin nach einer Wanderung eingeplant hat. Seit 2010 hat die Stadt mit der Seilbahn, die das Deutsche Eck und die Festung Ehrenbreitstein miteinander verbindet, eine Attraktion hinzu bekommen.
  • Bus & Bahn
    Vom Hauptbahnhof in Koblenz kann man regelmäßig mit der Regionalbahn nach Winningen zurückfahren.

Schließlich finde ich den Weg durch Güls und komme an den Aufgang zur Gülser Moselbrücke, einer Eisenbahnbrücke, die Fußgängern die Möglichkeit bietet, die Mosel zu überqueren. Hier treffe ich auch auf den verloren geglaubten Zuweg des Moselsteigs wieder. Auf der anderen Seite bringt mich der Zuweg an die Uferpromenade, wo ich zwischen Mosel und Straße weiter in Richtung Koblenzer Stadtzentrum wandere. Besonders aufregend ist diese Strecke nicht, viel mehr strengt sie an, weil es meist über Asphalt und Pflastersteine geht.

Nach einer großen Autobrücke über die Mosel macht der Fluss noch einmal einen Bogen. Hinter der Biegung liegt das Mosellum, eine Ausstellung am Fischpass des Laufwasserkraftwerkes an der Staustufe Koblenz. Kurz überlege ich, ob ich mir das ansehen soll, entscheide mich aber nach einem kurzen Gespräch mit der Dame am Eingang dagegen. Anschließend unterschreite ich erst eine sehr breite Auto-, dann eine Eisenbahn- und zuletzt die schmale Balduinbrücke. Von dort erblicke ich zum ersten Mal die Festung Ehrenbreitstein, die schon auf dem Hang der anderen Rheinseite liegt, und das Deutsche Eck. Bis dorthin sind es laut Wegweiser noch gut ein Kilometer, so dass der Mehrweg vom Ende des Moselsteigs insgesamt rund sieben Kilometer betragen wird.

Koblenz

Auf dem Vorplatz der riesigen Reiterstatue Wilhelm I. sind auch an diesem trüben Samstag eine ganze Reihe Besucher unterwegs. Natürlich schaue auch ich mir den Platz an, sehe der Mosel zu, wie sie sich mit dem Rhein vereint, steige in den Sockel des Monuments und beobachte die Seilbahn, die von hier über den Rhein zur Festungsanlage Ehrenbreitstein hinauf fährt.

Dann gehe ich am Rheinufer flussaufwärts, passiere die Talstation der Seilbahn und tauche anschließend in die Altstadt von Koblenz ein. Die weiß durchaus zu gefallen, auch wenn bei diesem Besuch gilt, dass Spätherbst und Wetter nicht gerade zum Besuch des Schlossparks einladen und die durchaus schönen Gassen und Plätze an diesem Tag eher grau und etwas düster wirken.

Ein Eis gönne ich mir noch, wie nach so mancher Etappe auf dem Moselsteig, und habe das Glück, in einem Café ein sehr sahniges zu bekommen, das mir wirklich gut schmeckt. Weiter schlendere ich durch die Straßen der Einkaufsstadt Koblenz und beschließe schließlich, mich zum Hauptbahnhof aufzumachen, denn an diesem Tag ersetzt ein Bus den Zug nach Winningen, den ich erst noch auf dem Bahnhofsvorplatz finden muss. Unspektakulär geht so die 24. und letzte Etappe auf dem Moselsteig zu Ende.