23. Etappe: Kobern-Gondorf - Winningen (14 km)

Auch die 23. Etappe des Moselsteigs begehe ich zweimal hintereinander. Diesmal liegt es daran, dass ich am Ende der ersten Wanderung beim Speichern des Tracks abgelenkt werde und mir ein Fehler passiert, der dazu führt, dass die Software Zuhause den Track nicht importieren kann. Verärgert darüber bin ich aber nur kurz, denn gleichzeitig freue ich mich, dass so das Ende der Wanderungen auf dem Moselsteig noch ein wenig herausgezögert wird. Außerdem ist der Herbst im Jahr, in dem ich auf dem Moselsteig unterwegs bin, besonders farbenfroh, so dass es doppelt Freude macht, an der Mosel zu wandern. Zum Parken des Autos nutze ich jeweils eine der Möglichkeiten am Bahnhof in Winningen. Dort wird die Tür der Wartehalle zu den Gleisen übrigens immer erst kurz vor Einfahrt des Zuges geöffnet.

Ein kurzer Weg: Von Gondorf nach Kobern

Am Bahnhof in Gondorf überlege ich nicht lange und nehme den Zuweg, der von dort über die Bahnhofstraße nach Kobern führt. Zum einen kenne ich den Weg um Gondorf, der zwar durchaus wandernswert, aber auch gerade zu Beginn sehr steil ist, bereits von der vorherigen Etappe, zum anderen habe ich gelesen, dass Kobern ein durchaus sehenswerter Ort sein soll, der aber mit dem Moselsteig nur umgangen wird.

Tatsächlich ist Kobern klein, aber fein, und rund um den Marktplatz einen Blick oder zwei wert. Bei meinem ersten Besuch habe ich sogar die Gelegenheit, an einem Montag Vormittag am Frühschoppen teilzunehmen, der gerade im Zuge einer Kirmes beginnt, als ich am Festzelt vorbeikomme. Durch die Buden und Stände verliere ich aber auch ein wenig die Orientierung und muss mir den Weg hinauf zum Moselsteig und zu den Burgen durch die richtige Gasse erst suchen.

An der Pfarrkirche St. Lubentius vorbei rückt dann der Glockenturm ins Bild, der in frühen Jahren auch als Wehrturm der Befestigung von Kobern diente. Zwischen zwei Häusern hindurch gibt es einen schmalen Durchlass, durch den hindurch man zum Glockenturm hinaufsteigen kann - ein Weg, den ich mir aber spare, denn erfahrungsgemäß werde ich auch später auf meinem Weg noch reichlich Gelegenheiten haben, wunderbare Aussichten zu genießen.

Kobern-Gondorf, der Tazelwurm und Winningen
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Der Marktplatz von Kobern mit dem Tazelwurmbrunnen Die Kapelle St. Matthias auf der Oberburg von Kobern Die Moseltalbrücke der Autobahn 61 bei Winningen Der letzte Weinort an der Mosel als Ziel der Etappe Die Kirche im schönen Winningen

Kurz drauf stoße ich auf die Hauptzufahrtsstraße zum Ort aus dem Landesinneren, an der ich am Parkplatz für den Traumpfad "Koberner Burgpfad" auch wieder mit dem Moselsteig vereint werde. An den Abstieg mit dem Traumpfad erinnere ich mich noch von der Umrundung Gondorfs, jetzt wende ich mich aber dem Aufstieg zur Niederburg zu, an dem gleich zu Beginn ein Klettersteig abgeht. Beide Male entscheide ich mich aber für den regulären Weg mit dem Moselsteig und den sogenannten Tatzelwurmweg, einem Rundweg, der am Brunnen des Fabelwesens auf dem Marktplatz von Kobern beginnt.

Natürlich schaue ich mir die Ruine der Niederburg an und wie erwartet ist der Blick von dort oben auf Kobern-Gondorf entsprechend. Mit den Stationen eines Kreuzweges erreiche ich dann zunächst ein Kreuz, das auf einer Anhöhe steht, und wenig weiter dann die Matthiaskapelle, die die Hauptattraktion auf der Oberburg darstellt. Durch die Sonne ist während der ersten Wanderung Dunst aus dem Moseltal aufgestiegen, der dem Blick ins Tal etwas Mystisches gibt.

Über den Pirschpfad ins Hohensteinbachtal und auf den Rosenberg

Hinter der Matthiaskapelle gibt es in der niedrigen Mauer ein Durchlass, hinter dem die Natur beginnt. Wie schon erwähnt wandere ich mit dem Tatzelwurmweg und das sorgt dafür, dass nun merkwürdig geformte Bänke und Drachenkopf-Wegweiser am Wegrand auftauchen. Der Weg wiederum windet sind als schmaler Pfad durch ein schönes Waldgebiet in ein Seitental der Mosel, und soll ein Pirschpfad sein, der Kinder dazu anhalten soll, leise zu sein, um Waldtiere entdecken zu können. Wobei sicher auch mancher Erwachsene einmal auf die Umgebung achten und schweigen sollte, als lauthals erzählend durch die Natur zu schwadronieren.

Das Ende des Pirschpfades wird vom Guidoborn, einem Sauerbrunnen, markiert. Kurz danach überquere ich den Hohensteinbach und verlasse sein Tal, in dem ich bald auf einen Pfad abbiege, der mich steil den Hang hinauf führt und zum Aussichtspunkt am Rosenberg bringt. Dort stehen zwei Bänke, um mit dem Blick zurück auf die Burgen und Kobern ausruhen zu können. Und auch eine Aussicht auf die kommende Moseltalbrücke der A 61 gibt es von dort schon. Beim ersten Mal rastet dort allerdings auch schon in Männergruppe, die sich zum Mittag ein Bier gönnt.

Nach dem Aussichtspunkt komme ich schnell auf das fruchtbare Hochplateau rund um den Rosenberg, wobei mir dort das Wegzeichen des Tatzelwurmweges das letzte Mal begegnet. Dem Moselsteig folgend senkt sich der Weg wieder und ich laufe abwärts mit einer Kerbe in der Landschaft. Dann stoße ich auf eine umzäunte Baumschule, in der sich dicht an dicht junge Bäume drängen, die ich für Kirschbäume halte - zumindest erinnern mich die Blätter daran. Erstaunt bin ich aber nicht nur darüber, dass die Stämme so dicht aneinander gepflanzt worden sind, sondern auch darüber, wie groß das Areal ist, das die Bepflanzung einnimmt. Die Größe wird mir bewusst, als ich etwa zur Hälfte um die Anbaufläche wandere.

Herbstliche Täler an der Mosel

Nach der Baumschule geht es allerdings wieder in den Wald hinein und im Belltal steil bergab. Dichter Laubwald umgibt mich dabei und bei herbstlicher Blattfärbung und raschelnden Laub unter den Sohlen ist dieser Abschnitt beide Male herrlich zu wandern.

Der Abstieg endet am Langentalbach, an dem entlang ich dann auch wieder ein Stück im Tal hinauf gehe. Bei der zweiten Wanderung bemerke ich dabei ein Fuhrt, die zu einem natürlichen Steinbruch führt - ein ungewöhnlicher Baumstamm ist dafür verantwortlich. Die emporsteigende, felsige Wand macht wir deutlich, wie steil es gleich im Anschluss in die Höhe gehen wird.

Die Moseltalbrücke der A 61 bei Winningen

Noch einmal muss ich also auf einem schmalen Pfad den Hang hinaufklettern und dabei auch zweimal Stufen nehmen, die an Mauern hinaufsteigen. An dieser Stelle kommt es mir so vor, als wenn ich in einem Weinberg aufsteigen würde, dabei umgibt mich ein recht dichter Niederwald. Möglicherweise hat man hier aber den Weinanbau schon vor langer Zeit aufgegeben und die Natur durfte sich die Fläche wiederholen.

Schon ziemlich weit oben macht der Weg eine Kehre und an dieser Stelle kann man von einer Felsenklippe ins Tal der Mosel schauen, weil das Geäst den Blick frei gibt. An dieser Stelle kann man die Moseltalbrücke der Autobahn schon ganz deutlich erkennen und staunt über die Spannweite. Ein Stück höher gibt es einen Aussichtspunkt mit einer Bank, von dem der Blick zurück bis Kobern-Gondorf und gleichzeitig auf Dieblich am anderen Moselufer schweifen kann. Kurz drauf verläuft der Moselsteig dann wieder in einem Waldgebiet, wo ich unter hohen Buchen auf der ersten Tour meine Verpflegungspause einlege.

Info:
  • Kobern
    Gleich zu Beginn kommt man mit dem Zuweg des Moselsteigs durch das schöne Kobern und am alleinstehenden Glockenturm vorbei. Mit dem Moselsteig selbst geht es zur Niederburg und weiter zur Oberburg mit der Matthiaskapelle hinauf. Wer den Ort nicht schon am Ende der vorherigen Etappe besichtigt hat, sollte in jedem Fall diesmal Zeit dafür einplanen.
  • Winningen
    Winningen ist der letzte Weinort an der Mosel vor dem Finale, hat aber über den Weinanbau und -tourismus hinaus noch eine Menge mehr zu bieten.
  • Bus & Bahn
    Wieder eine Etappe, die gut für Tageswanderer geeignet ist, da es gute Verbindung zwischen Start und Ziel mit der Moseltalbahn gibt.

Nach dem Weitergehen nähert sich der Moselsteig immer mehr der Hangkante und an freien Stellen ist es nun die näherkommende Moseltalbrücke, die die Blicke auf sich zieht. Zwar habe ich schon mindestens zweimal dort an der Rastanlage der Autobahn angehalten, um den Blick ins Tal zu genießen, aber gerade aus der Perspektive, die sich mir auf diesen beiden Wanderungen bieten, ist das Bauwerk schon ziemlich beeindruckend.

An der Autobahnbrücke angelangt steigt man Stufen am Brückenkopf hinunter, um unter den Boden, dem tragenden Kasten des Bauwerks, zu gelangen und darunter hinweg zu gehen. Auf der anderen Seite steigt man wieder hinauf zum Rastplatz Winningen Ost. Der Parkplatz wird am Restaurant vorbei umrundet und im angrenzenden Gebüsch mit einem Durchgangstor im Maschendrahtzaun verlassen. Danach verläuft der Moselsteig zunächst auf asphaltierten und befestigten Wegen.

Als ich dann den Wald verlasse, biegt mein Weg im rechten Winkel links ab und führt zwischen Waldrand und Weinreben zum Distelberger Hof, einer großen Hofanlage mit mehreren Wohnhäusern. Anschließend geht es noch einmal durch einen Weinberg, bis ich die Domgarten-Hütte erreicht habe. An dieser Stelle verlasse ich den Moselsteig, um mit einem Pfad durch den Weinberg hinunter nach Winningen zu steigen. Während sich auf der ersten Wanderung eine dunstige Schicht am Himmel gebildet hatte, ist es beim zweiten Mal schön geblieben. Aus diesem Grund suche ich beim ersten Mal den direkten Weg zum Bahnhof und streife am Ende der zweiten Tour durch den Ort, um ihn mir genauer anzusehen, bevor ich zum Auto gehe.