22. Etappe: Löf - Kobern-Gondorf (14,4 km)

Nach längerer Zeit auf dem Moselsteig ist dies wieder einmal eine Etappe, die ich zweimal begehe. Das hat den Grund in der Hauptsache darin, dass ich beim ersten Mal zum Ende auf der Moselbrücke einen Wegweiser nicht sehe oder richtig deute und deshalb nicht direkt zum Bahnhof von Gondorf hinabsteige, sondern erst eine weite Runde um den Ort mache. Außerdem besichtige ich beim ersten Gang die Burg Thurant zu Beginn der Strecke, wodurch sich der Weg natürlich ganz anders anfühlt als ohne Besichtigung. Doch auch abgesehen davon lohnt sich die Strecke, denn es warten unterwegs viele, schöne Aussichten und Wege. Beide Male parke ich am Morgen in der Nähe des Bahnhofs von Kobern-Gondorf und fahre mit der Bahn nach Löf.

Burg Thurant, Gebeine und ein Wallfahrtsort

Der Haltepunkt der Moseltalbahn liegt ein wenig außerhalb von Löf, wie ich von der letzten Etappe weiß. Nachdem ich aus dem Zug ausgestiegen bin, muss ich also zunächst zurück ins Dorf. Wieder an der Eisenbahnbrücke, an der der Zuweg zum Bahnhof abgeht, wechsele ich die Seite der Bahngleise und schaue mir kurz drauf die Kirche im Dorf an. Das heißt, ich umrunde sie, will auch hineingehen, bleibe aber vor verschlossener Tür stehen.

Anschließend wende ich mich der Brücke zu und habe gleich, neben der schönen Moselkulisse mit dem Ort Alken am Ufer, einen herrlichen Blick auf die Burg Thurant und freue mich darauf, die Anlage bei strahlenstem Himmelblau und Sonnenschein besichtigen zu können. Parallel der Straße, die sich den Berg hinauf windet, erreiche ich die Zufahrt zur Burg, werde vom Moselsteig aber kurz danach noch einmal in die Weinberge geführt, wo ich einmal mit und einmal ohne Burg ein Foto nach dem anderen mache. Schließlich steige ich durch die Rebreihen und betrete wieder die Zufahrt, jetzt schon ganz nahe der Burgmauern. Bei meiner ersten Wanderung biege ich an dieser Stelle ohne zu schauen auf die schmale Straße ein, um damit zur Burg zu gelangen. Am Parkplatz der Burg entdecke ich dann wieder einen Wegweiser des Moselsteigs, der auf einen Pfad auf der Mosel angewandten Seite zeigt, den ich eigentlich hätte kommen sollen. Also gehe ich wieder zurück, bemerke die Wegzeichen an einem Felsdurchbruch, mit dem ich auf die andere Hangseite in einen Niederwald komme. Der schmal Pfad ist hier sehr schön, wenn auch nur sehr kurz. Natürlich besichtige ich anschließend die Burganlage, die sich im privaten Besitz befindet, steige auf den Turm und genieße die Aussicht.

Unterhalb der Mauern der Burg bringt der Moselsteig mich durch den Weinberg zu einem Aussichtspunkt mit weißem Kreuz, um danach steil in einem Wald hinab nach Alken zu führen. Dabei betrete ich den Ort sozusagen durch die Hintertür, denn unvermittelt stehe ich vor einem Durchgang, der früher einmal zur Stadtmauer gehört hat, und komme damit an die alte Pfarrkirche St. Michael. An ihr vorbei führt mich ein Treppenabgang, mit dem ich an einem vergitterten Fenster vorbeikomme. Zwar hatte ich den Pfeil mit der Aufschrift "Gebeinhaus" zuvor bemerkt, dass mich hier aber tatsächlich Schädel von Menschen anschauen, überrascht mich dann aber doch sehr.

Mit den Stufen einer Treppe, die überdacht wird von Eiben, steige ich hinab in den Ort Alken. Mit dem Moselsteig bleibe ich dort aber nicht lange, denn der Wanderweg biegt nach rechts ab, führt mich zur Bachstraße, an der ich ein weiteres altes Stadttor bestaunen kann, um direkt dahinter einen wirklich steilen und anstrengenden Aufstieg anzugehen, der mich auf einem Kreuzweg zunächst durch Weinberge, dann durch das Gebüsch ehemaliger Anbauflächen hinauf zu einer Wallfahrtskirche bringt. Unterwegs schaue ich immer wieder hinüber zur Burg Thurant.

Burg Thurant wacht über Alken
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Burg Thurant bewacht die Mosel Weinberge und die Burg Thurant Das Gebeinhaus an der alten Pfarrkirche St. Michael/Alken Der Aufgang zur alten Pfarrkirche St. Michael/Alken Weinlaub mit Burg Thurant

Der Moselsteig erklimmt das Plateau nicht ganz, sondern nimmt einen Weg, der unterhalb der Wallfahrtskirche am Hang entlang verläuft. Interessant ist es aber in jedem Fall, bis zur Kirche zu gehen, denn dort am Treppenaufgang zum (verschlossenen) Eingangsportal hat man einen grandiosen Panoramablick in die gegenüberliegende Hochebene des Maifeldes und weit darüber hinaus in die Eifel bis zum Krufter Ofen und der Hohen Acht. Eine Schautafel benennt die zu sehenden, markanten Punkte und Erhebungen in der Ferne. Wer die Kirche von innen besichtigen möchte, der geht um die Ecke und betritt das Gebäude durch einen Seiteneingang.

Zurück in die Steinzeit

Mit dem Weg etwas unterhalb der Hangkante bis zur Bleidenberger Hütte kann ich noch das ein oder andere Mal zur Burg Thurant hinüber schauen. An der Wiesenfläche vor der Schutzhütte gilt es jedoch Abschied von der Burg zu nehmen. Von dort habe ich aber auch noch einmal einen wunderbaren Blick zurück nach Löf und Alken an der Mosel, sowie in das Seitental, in dem ich den vorangegangenen Weg zur Kirche gut mit den Augen nachzeichnen kann. Ein paar letzte Fotos, dann mache ich mich wieder auf und folge dem Lauf der Mosel, weiterhin in der Höhe bleibend.

An einer hölzernen Aussichtsplattform vorbei bieten kurz drauf ein Elefant und ein steinzeitlicher Lagerplatz einen zunächst irritierenden Anblick. Natürlich handelt es sich dabei um Skulpturen, die aus Stahl erstellt wurden und von einer feinen Rostschicht überzogen sind. Neugierig nähere ich mich dem Ensemble, das lebensgroße Figuren zeigt und an einen Fundort aus eben dieser Zeit in der Nähe erinnern soll.

Als ich weiterwandere, bleibe ich zunächst in einem Waldstück. Doch ist es von der Wallfahrtskirche bisher höchstens moderat abwärts gegangen, fällt der Weg nun immer steiler bergab und endet schließlich auf der Hauptstraße von Oberfell. Dort ist nicht viel Verkehr, zudem biege ich mit dem Moselsteig schnell in eine Seitenstraße ein, von der zwischen den Häuser und ihren Gärten hindurch eine Betontreppe in den Weinberg hinauf steigt. Hier wird es dann wieder sehr steil, als ich in einem Hohlweg aus Bruchsteinmauern den Hang hinauf klettere. Schnaufend gewinne ich immer weiter an Höhenmetern, wobei ich vom Weinberg in eine Brache und schließlich in ein Waldstück wechsele. Der Anstieg mildert sich erst, als ich eine Hochebene erreiche, in der sich Felder, aber auch Gärten befinden, in denen einige viel tragende Apfelbäume stehen. Während meiner ersten Tour sind die Bauern dabei, das Fallobst aufzusammeln, um es im Ort zu einer Obstkelterei zu bringen und gegen Saft einzutauschen. Außerdem bemerke ich zwei Wanderer, bevor ich nach gut 2 Kilometern nach Beginn des Aufstiegs den höchsten Punkt erreiche, die vor einer Schutzhütte ihre Sachen zum Trocknen ausbreiten. In einem kurzen Gespräch verrät mir der eine, das sie "nur" fünf Tage auf dem Moselsteig unterwegs sein wollen und von Koblenz aus versuchen, bis nach Bernkastel zu kommen. Der Punkt, an dem sich der Weg wieder dem Tal zuneigt, ist übrigens recht unspektakulär, weil er sich ohne Aussicht mitten im Wald befindet und kaum auffällt, da es schon vorher deutlich flacher geworden ist.

Ausblicke über das Land und in die Eifel

An einer Wegkreuzung nehme ich den Abzweig nach links und komme so erneut auf eine offene Hochebene. Wie so häufig in der Eifel geht auch hier auf der Hunsrückseite ein guter Wind, trotz des wolkenlosen Himmels, und ich überlege, mir etwas über zu ziehen. Mit diesen Überlegungen komme ich an die Röder-Kapelle, vor der ein Tisch mit einer Bank steht, auf der ich mich niederlasse, um von dort einen beinahe noch weiteren Panoramablick in die Eifel bestaunen zu können, als an der Wallfahrtskirche. Eine Schautafel zeigt mir auch an diesem Standort die exponierten Punkte, die bei gutem Wetter drüben in der Eifel zu erkennen sind. Mit der Rundumsicht genieße ich mein mitgebrachtes Brötchen.

Einmal Steinzeit, Weitblicke und Kobern-Gondorf
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BEin Blick in die Steinzeit Panorama an der Röder-Kapelle Kobern-Gondorf mit der Moselgoldbrücke Die Ruine der Niederburg Kobern

Nach meinem Aufbruch von der Röder-Kapelle geht es noch eine Weile am Rande der Felder und Wiesen entlang, schon bald liegt aber mit der Hitz-Ley der nächste Aussichtspunkt an der Strecke. Auch dort gibt es Bänke, sogar eine Sinnesliege, und eine Schutzhütte, der Blick schweift auch hier hinüber in die Eifel, aber an dieser Stelle ist der Blick ins Moseltal die Hauptattraktion.

Kobern-Gondorf schon früh im Blick

Nachdem ich mich von der Hitz-Ley abgewandt habe, bemerke ich über den Gipfeln der Bäume am Rande des sich absenkenden Feldes die markanten Türme und Mauern über einer Ortschaft: Kobern-Gondorf, das Tagesziel, liegt dort vor mir am Moselufer. Gut erkennbar sind weit über dem Doppelort die Matthiaskapelle auf der Oberburg, die Ruinen der Unterburg und der einzeln stehende Glockenturm.

Weiterwandernd tauche ich bald in ein kleines Waldgebiet ein. Anschließend geht es durch die (Streuobst-) Wiesen am Feller Hof vorbei immer steiler ins Tal, bis ich auf die Zufahrtsstraße zum Hof gelange. Dort wechsele ich auf die andere Straßenseite und betrete durch ein Tor den so beschriebenen Feuerrosenweg. Dabei handelt es sich um einen schönen Pfad auf Wiesenuntergrund, der an der Hangkante entlang immer wieder auch schöne Blicke ins Tal erlaubt, wenn Bäume und Hecken den Blick freigeben.

Info:
  • Burg Thurant
    Die Burg ist sicher den meisten eher unbekannt, aber die Anlage ist gut erhalten und einen Besuch wert - wer möchte kann auf Burg Thurant auch als Gast in einer Ferienwohnung übernachten.
  • Kobern-Gondorf
    Schon während des letzten Viertels der Strecke gibt es immer wieder Punkte, von denen der Wanderer auf Kobern-Gondorf schauen und dabei die auffälligen Türme und Burgen ausmachen kann.
  • Bus & Bahn
    Auch auf dieser Etappe ist die Verbindung zwischen Start und Ziel gut mit der Moseltalbahn geregelt.

Dann kann ich über das Geäst hinweg einen kleinen, überdachten Aussichtsturm sehen und steuere mit dem Moselsteig darauf zu. Der Turm erinnert an einen Mönch, der sich 70 n. Chr. dort niedergelassen haben soll und heißt deshalb Mönch-Felix-Hütte. Von dort hat man einen schönen Blick auf Niederfell und das näher gerückte Kobern-Gondorf, wo jetzt auch die sogenannte Moselgoldbrücke in der Sonne leuchtet.

Über den Nachtigallenpfad - gab es den nicht auch schon nach Löf hinab? - steige ich talwärts und gelange in einen Ausläufer von Niederfell. Dort geht es eng zwischen zwei Gartenzäunen auf die Bachstraße, mit der ich wiederum zur Moseluferstraße geführt werde. Weiter mit der Auffahrt zur Brücke betrete ich schließlich das Bauwerk und wechsele damit wieder die Uferseite der Mosel.

Am Ende des Überweges sehe ich dann auch schon den Bahnhof, in dessen Nähe ich das Auto geparkt habe. Über die Gleise hinweg macht die Brücke eine Kurve und in der Auffahrt gibt es einen Wegweiser. Diesem folgend gehe ich mit dem Moselsteig in die Straße Im Vogelsang ab und muss damit nun wieder einen Berg hinauf steigen. Dabei achte ich auf Abzweige nach rechts, um mit einem Zuweg zum Bahnhof abgehen zu können, entdecke aber auch an abgehenden Straßen nichts dergleichen.

Steil geht es aufwärts, ich komme an eine Serpentinenkurve und mache mit ihr eine 180°-Kehre. Es folgt eine zweite Kehre mit einem erneuten Richtungswechsel, mit dem ich auch am letzten Haus von Gondorf vorbeikomme. Kurz drauf verlässt der Moselsteig die Straße und ich wandere nun in einem Wald auf einem schönen Weg in der Höhe an Gondorf vorbei, ohne einen Blick auf den Ort werfen zu können, denn die Blätter versperren die Sicht. Immer noch befinde ich mich auf dem Moselsteig, aber einen Abzweig zum sich längst hinter mir liegenden Bahnhof gibt es nicht.

Letztendlich steige ich an der Landstraße, die Kobern und Gondorf trennt in den Ort hinab, wobei dies ein durchaus lohnender Weg ist. Mit den Straßen Mühlengraben und Castorbachstraße komme ich hinunter zur Bahnhofstraße und biege dort ein. Vorbei am Geschäft, in dem ich am Morgen mein Brötchen gekauft habe, erreiche ich mit dieser großen Ortsumgehung das Auto.

Irgendwo muss ich vorher einen Abzweig übersehen haben, irgendwo an der Brücke oder Im Vogelsang. Als ich Zuhause nachsehe, stelle ich fest, dass es an der Brücke einen Abgang zur darunter liegenden Bahnhofstraße geben muss. Dieser Umweg als ein Grund, aber auch, weil mir die Strecke insgesamt, trotz der beiden mächtigen Anstiege zwischendurch, sehr gut gefallen hat, veranlassen mich wenige Tag später, noch einmal auf diesen Weg zu gehen - diesmal ohne Burgbesichtigung und auf direktem Weg von der Moselbrücke zum Bahnhof.