20. Etappe: Treis-Karden - Moselkern (13,3 km)

Das Navigationsgerät habe ich für diese Wanderung auf Moselkern eingestellt. Dort will ich das Auto parken und mit dem Zug nach Treis-Karden fahren. Einen Parkplatz in Moselkern zu finden ist auch nicht schwer und so bin ich rechtzeitig für den rausgesuchten Zug am Bahnsteig. Die Fahrt nach Treis-Karden dauert nicht lange und so kann ich mich schon bald für den Tag rüsten, den Rucksack aufsetzten und die Wanderung auf der Sankt-Castor-Straße beginnen.

Treis-Karden und der Buchsbaumweg

Weinhäuser und Gaststuben liegen dann auf dem Weg zur Pfarrkirche St. Castor, die als der bedeutendste Kirchenbau an der Mosel zwischen Trier und Koblenz gilt. Und wieder fällt mir dieser Name auf, den ich bisher nur von den Behältern für den Atommülltransport kannte, in dieser Region aber beinahe an jeder Straßenecke zu finden ist. Auch ein Brunnen auf dem Lindenplatz, dem beschaulichen Zentrum des Ortes, zeigt die Statue des Kirchenmannes.

Lange halte ich mich dort aber nicht auf, quere stattdessen die Hauptstraße von Karden und biege in den Burg-Eltz-Weg ab. Schon hier wird mir also angezeigt, wohin es mit der heutigen Wanderung gehen wird. Bevor ich aber die Burg erreiche, wartet noch der Buchsbaum-Wanderpfad auf mich, mit dem der bedeutendste wilde Buchsbaumbestand so weit im Norden auf mich wartet. Dazu gilt es aber zunächst einmal auf einem schmalen Pfad in den steilen Hang hinauf zu steigen, der über Felsen und durch Weinbergbrachen führt. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit sind dazu angebracht, worauf auch zu Beginn ein weiteres Schild des Moselsteigs hinweist.

Erste Buchsbaumbüsche rücken an den Pfad heran, es geht in ein Seitental und mit dem Überschreiten eines Baches durch ein Waldstück zurück zur Hangkante über der Mosel. Eine Bank lädt dort als erstes zu einer Rast ein, denn der Blick ins Moseltal, vor allem aber zurück nach Treis-Karden, ist einen Moment des Innehaltens wert.

Kurz drauf gilt es dann zunächst eine Info-Tafel zum Ortsheiligen St. Castor, der in einer Höhle in den Felsen unter diesem Standort gelebt haben soll. Am Pfad zur Höhle, dem ich ein paar Schritte folge, um zu sehen, ob es von der Höhle etwas zu sehen gibt und der Weg sich lohnt, liegt eine umgestoßene Barke, an der ein Hinweis angebracht ist, das der Weg nicht passierbar sei. Da ich von der Höhle noch nichts sehen kann, es heißt, der Abstieg würde ca. 30 Minuten brauchen und ich diesen Weg auch wieder hinaufsteigen muss, entscheide ich mich gegen den Besuch der Höhle. Wahrscheinlich wäre ich davon auch - wie so oft an solchen Sehenswürdigkeiten - nur enttäuscht. Stattdessen steige ich die wenigen Meter zum nahen Aussichtspunkt am Kompes-Köppche hinauf und genieße die Aussicht auf den Startort dieser Etappe.

Von Karden mit dem Buchsbaum-Wanderweg zur Burg Eltz
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Der St. Castor-Brunnen auf dem Lindenplatz in Karden Karden mit der Pfarrkirche St. Castor Ein Blick zurück vom Buchsbaum-Wanderweg Buchsbaumstumpf Die Burg Eltz

Nach einer kurzen Foto- und Verschnaufpause mache ich mich an den letzten Rest des Aufstieges, um dann in ein Waldgebiet einzutauchen, das im Unterholz dicht mit Buchsbäumen bewachsen ist. Ein wenig bin ich davon überrascht, denn eigentlich hatte ich erwartet, das Buchsbäume viel Sonne benötigen. Aber eigentlich ist mir das egal, denn als ich im Krailsbachtal ankomme und mich in ihm wieder in Richtung Mosel wende, ist der Weg oberhalb des Baches ein richtig schöner, auf dem ich auch noch Schwung bekomme, weil er jetzt deutlich talwärts verläuft.

Dann verlasse ich den Wald und befinde mich auf einem Hang, der sich deutlich zur Mosel senkt, dabei den Blick ins Tal frei lässt. Über die Felsen klettere ich weiter durch dichten Buchsbaumbestand, bis ich den Krailsbach kreuze. Von dort muss ich erneut in Stück aufwärts steigen, gelange so wieder an den Moselhang, wo der Pfad durch offenes Gelände weiterführt. Noch einmal drehe ich mich um und schaue auf das inzwischen in einiger Entfernung liegende Treis-Karden zurück.

Schließlich wird der Weg breiter und Weinberge, die teils bewirtschaftet werden, teils brach liegen, rücken an den Weg heran. Damit ist dann auch bald das Ende des Buchsbaumwegs erreicht und der Ort Müden kommt näher.

Hinauf nach Müdenerberg

Müden komme an einem Unterstand, der aus Bruchsteinen gemauert ist, am nächsten. Dort gibt es einen Wegweiser, auf dem auch ein Zuweg (0,4 km) in den Ort angegeben ist. Gleichzeitig sind in der Schutzhütte Tafeln zu einem Friedhof aus der Völkerwanderungszeit, der hier gefunden wurde, angebracht.

Nachdem ich beides, Wegweiser und Info-Tafeln, eingehend studiert habe, mache ich mich an den zweiten, steilen Aufstieg an diesem Tag. Dabei gelange ich schnell auf einen Kreuzweg und wieder einmal geht mir durch den Kopf, dass an der Mosel nahezu jeder Weg, der steil und anstrengend genug ist, mit den Stationen der Leiden Jesu auf dem Weg zum Kreuz versehen zu sein scheint. Interessant ist aber an diesem Weg, dass es ein sogenanntes "Blickkreuz" gibt, das an einer Stelle errichtet worden ist, an der die Menschen, die in früheren Jahren ihre Heimat für längere Zeit verlassen mussten oder dorthin zurückkehrten, ein letztes oder erstes Mal auf das Moseltal oder das Hunsrück schauen konnten und dabei für die gesunde Rückkehr beteten oder ihrem Gott dankten.

Weiter geht es durch schönen Laubwald steil in die Höhe. Daran ändert sich zunächst auch nichts, als ich auf eine Wiese gelange. Zwischen den Weiden und Feldern gehe ich auf eine kleine Ansammlung von Häusern zu, stoße in Müdenerberg auf die K 32, wo der Anstieg deutlich abflacht. Der selten befahrenen Landstraße muss ich folgend und entdecke dabei, dass sie von Apfelbäumen gesäumt wird. Die Zahl der Früchte ist enorm und locken jetzt im Spätsommer, probiert zu werden. Da sich keiner um die Ernte der Äpfel zu kümmern scheint, überlege ich, ob ich nicht am Nachmittag mit dem Auto hier her kommen soll, um ein paar der Früchte zu sammeln, denn jeder Apfel, den ich probiere, schmeckt mir wirklich gut. Leider finden das offenbar auch die Würmer, die sich bis in die Kerngehäuse vorgearbeitet haben.

Nachdem sich die Straße einem Waldrand genähert hat, verläuft sie ein Stück daran entlang und ich beginne zu erahnen, um welche Straße es sich hier handelt. Denn irgendwie kommt mir die Umgebung von früheren Wanderungen immer bekannter vor. Als ich dann nach einer Waldwiese am Saum des Waldes nach rechts von der Straße abbiege, wird es immer gewisser, dies ist der Weg zur Burg Eltz. Den schön und einsam gelegenen Rotherhof erkenne ich sofort wieder und erste Wanderer kommen mir aus dem Tal entgegen, wobei ich jedes Mal froh bin, an diesem Tag einmal in die entgegengesetzte Richtung gehen zu können, denn es geht hier doch über eine längere Strecke recht anstrengend bergan.

Burg Eltz - einer der schönsten Burgen Deutschlands

Noch vor dem Erreichen des Elzbaches gibt es eine Stelle, an der man die Burg auf ihrem Felsen erblickt. Dies allerdings nur, wenn man ein wenig von Weg ab- und zwischen den Bäumen hindurch geht. Ein Trampelpfad hat sich mit den Jahren zu diesem Platz gebildet. Dennoch, den richtigen und schönsten Blick auf die Burg hat man, wenn man über die Elz hinüber gegangen ist und nach einem kurzen Anstieg um eine Felsklippe kommt, hinter der sich dann plötzlich die Burg auf dem Felssporn aus dem Tal erhebt. Denn auch wenn es in Deutschland viele Burgen und Schlösser gibt - gerade auch in der Eifel -, so ist die Burg Eltz sicher einer der schönsten.

Info:
  • Burg Eltz
    Einer der schönsten und bekanntesten Burgen Deutschlands ist sicher die Burg Eltz, die ehemals die Rückseite des 500-DM-Scheins schmückte.
  • Moselkern
    Der Ort Moselkern ist durch Weinanbau geprägt, den meisten aber sicher vor allen Dingen als "Tor zur Burg Eltz" bekannt.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Treis-Karden und Moselkern verkehrt die Regionalbahn in regelmäßigen Abständen.

Auf einem Sims am steilen Felsen entlang geht es zum Burgtor. Vorgenommen habe ich mir für dieses Mal, dass ich mir die Schatzkammer ansehen möchte. Denn bei meiner ersten Besichtigung habe ich nur an einer Führung durch die Räume der Burg teilgenommen. Weil ich aber schon eine länger Wanderung hinter und den Weg nach Treis-Karden noch vor mir hatte, hatte ich auf die Schatzkammer, für die damals noch ein extra Eintrittsgeld bezahlt werden musste, verzichtet. Bei meinem jetzigen Besuch gibt es aber nur ein Ticket für beides zusammen, da ich aber die geführte Tour nicht noch einmal machen möchte, verzichte ich letztendlich ganz auf den Eintritt.

Also steige ich die Treppe vor dem Burgtor hinunter zur Elz und folge dem Wanderweg zur Ringsteiner Mühle, der sehr schön stets am Hang über dem Bach verläuft und der mir vom Traumpfad "Eltzer Burgpanorama" bekannt ist.

Durch das Elzbachtal nach Moselkern

An der Ringelsteiner Mühle nehmen der Moselsteig wie der Traumpfad eine Brücke über den Elzbach. Auf der anderen Uferseite steigen beide Wege steil den bewaldeten Hang hinauf und ich erinnere mich, ganz schön ins Schwitzen und Schnaufen gekommen zu sein, als ich auf dem Traumpfad unterwegs gewesen bin. Und so bin ich ganz froh, dass ich für diese Wanderung Moselkern als Ziel geplant habe, denn dorthin führt der Zuweg des Moselsteigs mehr oder weniger an der Elz entlang zur Mosel hinunter. Einziger Wermutstropfen: Schon bald muss ich eine Straße begleiten und dabei auf Asphalt laufen.

In den eigentlichen Ortskern von Moselkern gelange ich, nachdem ich unter der Eisenbahnlinie Trier - Koblenz hindurch gekommen und nach links in die Oberstraße eingebogen bin. In dieser Straße befindet sich auch das Rathaus, das durch den Freundeskreis Historisches Rathaus Moselkern liebevoll restauriert worden ist und als das älteste an der Mosel gilt.

Da ich das Auto am Morgen an der Moselstraße geparkt habe, spare ich mir den Weg zum Bahnhof und biege in eine schmale Gasse nach rechts zum Moselufer ab.