19. Etappe: Cochem - Treis-Karden (24,9 bzw. 26,6 km)

Den Bahnhof von Karden, den ich bereits von früheren Wanderungen kenne, ist der Ausgangspunkt für diese Tour. Dort parke ich das Auto und fahre dann mit dem Zug nach Cochem, dem Beginn dieser Etappe. Eigentlich hatte ich geplant, auch die Strecke vom Bahnhof bis zum Endertplatz mit dem Bus zu fahren, aber als ich sehe, dass der Busfahrer mit dem Verladen von Fahrrädern beschäftigt ist und dafür sicher auch noch eine Weile brauchen wird, entscheide ich mich kurzfristig, die 600 Meter zu Fuß zurückzulegen. Außerdem habe ich noch kein Brötchen für unterwegs gekauft und da man mir in Karden gesagt hat, dass es auf dem Weg eine Bäckerei geben würde, kann ich mir dies damit auch besorgen.

Der erste Aufstieg, eine Seilbahn und der Wildpark Klotten

Rund um den Endertplatz ist auch am Morgen schon eine ganze Menge los, deshalb will ich mich dort gar nicht lange aufhalten und suche mir dem Weg durch das Stadttor hin zur Seilbahn. Die Seilbahn ist in Betrieb und ich vermute, dass der folgende Aufstieg stets zwischen den Pfeilern verlaufen wird. Tatsächlich kreuze ich die Bahn des Sesselliftes, während es steil bergan geht und Stufen immer wieder beim Weg in die Höhe helfen sollen. So komme ich an eine Aussichtsterrasse, die auf Grund der gewonnenen Höhenmeter einen schönen Blick über Cochem bietet, gleichzeitig aber auch eine willkommene Gelegenheit ist, Luft zu holen und das nächste Ziel des weiteren Aufstieges auszumachen, das über mir in Form eines Gipfelkreuzes in der Sonne leuchtet.

Hinauf geht den Weg übrigens keiner außer mir, entgegen kommen mir aber auf dem nächsten Abschnitt mehrere Personen. Besonders die, die dabei erwarten, dass man ihnen Platz macht und der Meinung sind, der schmale Pfad sei allein für sie gemacht, möchte ich an dieser Stelle herzlich grüßen.

Cochem und Pinnerkruez
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Altes Stadttor in Cochem Das Pinnerkreuz über Cochem

Das Pinnerkreuz liegt an einer Aussichtskanzel wenige Schritte vom Moselsteig ab. Der Blick auf Cochem und die gegenüberliegende Reichsburg ist natürlich toll, aber beim Fotomachen konkurriert man genauso natürlich mit vielen anderen Menschen und so ist es für mich schwierig, etwas auf den Chip zu bannen. Schnell mache ich mich wieder auf und erreiche die Bergstation der Seilbahn. Von dort geht es auf breiten Wegen weiter bergan, bis ich auf den Parkplatz und schließlich an den Eingang des Wild- und Freizeitparks Klotten komme. Laute Stimmungsmusik und Kinderkreischen begleiten mich, während ich das Gelände umrunde. Erst auf der Zufahrt erlaubt es mir der Moselsteig, nach rechts in den bewaldeten Hang abzubiegen, wo zum ersten Mal an diesem Tag das Gefühl aufkommt, auf einer Wanderung durch die Natur unterwegs zu sein - es wird ruhig und nur noch wenige Menschen begegnen mir. Dazu hat es 3,3 Kilometer gebraucht, die ich mir beim nächsten Mal, wenn es dazu kommen sollte, schenken werde, in dem auch ich die Seilbahn nutze.

Klotten und der zweite Aufstieg im Dortebachtal

Durch den Wald geht es wieder abwärts, dabei liegen mit zunehmender Entfernung zum Freizeitpark immer häufiger Aussichtspunkte mit Schutzhütten und Bänken zur Rast, die wunderbare Blicke ins Moseltag gewähren. An der Seits-Kapelle wechselt dann die Umgebung und ich wandere wieder durch ein Weinanbaugebiet, so dass mir eine weite Sicht ins Moseltal geboten wird. So komme ich am Friedenskreuz und einem jüdischen Friedhof vorbei auf eine schmale Straße, die hinunter an den Rand der Ortschaft Klotten führt. Dort zweigt der Moselsteig von der Hohlstraße ab, um mich in die Nähe der Burg zu bringen und diese dann unterhalb zu umrunden - betreten wird sie dabei nicht. Ziel scheint vielmehr der sogenannte Moselschieferblick zu sein, an dem eine Laube ideenreich mit Hilfe verschiedener Sponsoren errichtet worden ist. Von diesem Platz geht es im Bogen wieder zurück und auf die Kirche von Klotten zu, bis ich von einem Weinbergweg hinunter in den Ort geleitet werde. Mit einer engen Gasse lande ich dort wieder auf der Hohlstraße, die ich weiter oben zur Burg abgehend verlassen hatte. Auch wenn der Moselsteig sicher den schöneren Weg wählt, so macht dieser Bogen knapp zwei Drittel Mehrweg mit 500 Meter aus.

Im Unterdorf verläuft der Moselsteig auf einer Straße parallel zur Bahnstrecke Trier - Koblenz. Am Ende des Ortes geht es dann mit Hilfe einer Unterführung unter den Bahngleisen hinweg und ich lande am Straßenrand der B 49. Dicht an der Straße entlang, zwischen Leitplanke und Bahndamm, muss ich die nächsten ca. 450 Meter gehen, bis ich an das hölzerne Schild komme, das mich - wieder durch eine Unterführung - zum Dortebachtal leitet.

Das Dortebachtal gilt als einmalig in der Region und ist inzwischen auch durch diverse Fernsehsendungen weithin bekannt. Kein Wunder also, dass auch der Moselsteig sich dieses Schmuckstück nicht entgehen lassen möchte und in seine Strecke einverleibt. Doch schon nach 250 Metern verlässt der Moselsteig den Talgrund wieder und nimmt eine kleine Brücke über den Bach, um anschließend einem gewundenen, steilen Pfad den Hang hinauf zu folgen und den zweiten heftigen Anstieg des Tages in Angriff zu nehmen. Dabei wäre das Highlight des Tals der Wasserfall gewesen, der sich etwa 500 Meter im Tal aufwärts befindet. Auch von dort hätte man mit dem Rundweg Dortebachtal den Weg hinauf auf die Hochebene nehmen können, wo er einige Zeit mit dem Moselsteig parallel verläuft.

Klotten an der Mosel
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Die Burg Coraidelstein bei Klotten Die Kirche in Klotten In den Gassen von Klotten Klotten an der Mosel

Mit dem Moselsteig steige ich also etwa 700 Meter den steilen Hang hinauf. Oben angekommen mache ich den kurzen Abstecher zum Kasteschkopp, wo es einen Unterstand gibt, an dem ich mir eine Pause mit schönem Blick ins Moseltal und zurück auf Klotten gönne.

Der dritte Aufstieg zum Archäologiepark Martberg

Nach dem Aussichtspunkt Kasteschkopp geht es weiter auf die Hochebene, wobei ich längere Zeit zwischen Wald- und Feldrand wandere und den Annischerhof mit großzügiger Entfernung umrunde. Der Steigungswinkel hat sich dabei deutlich verringert, aber bis zur Zufahrtsstraße zum Gehöft geht es eben auch immer noch aufwärts. Erst danach ist die zweite Steigung des Tages geschafft.

Als ich in einen Buchenwald einbiege, senkt sich der Weg in ein schönes Bachtal. Schließlich überquere ich einen Bach und steige auf den Weg auf der anderen Uferseite. Hier ist dann die Markierung für mich ein wenig uneindeutig und ich entscheide mich nach rechts zu gehen. Ein an einem Baumstamm geschwärztes Wanderzeichen ignoriere ich, wundere mich aber schnell, dass es keine Moselsteig-Logos mehr zu entdecken gibt. Nach 250 Metern setze ich den Rucksack ab, trinke einen Schluck und beschließe, wieder zum Bachübergang zurück zu gehen. Dort nehme ich die andere Richtung und tatsächlich befinde ich mich damit wieder auf dem Moselsteig.

Wieder bergauf wandere ich jetzt ein Stück durch ein Waldgebiet, in dem ich bald an einen breiten Waldweg stoße. Nach rechts gehend bleibe ich auf dem Weg, der nun mehr oder weniger schnurgerade verläuft. Am Ende dieser Geraden steht ein Wegweiler, der mit 90°-Winkel nach Kail hinüber zeigt. Bevor ich diesen Richtungswechsel vornehme, entdecke ich aber eine Bank im Schatten unter den Bäumen, neben der eine Kiste aus Plastik aufgestellt ist. Darüber ist ein Schild an den Baum angebracht, auf dem zu lesen steht: "Hier Getränke-Station für Wanderer". Tatsächlich befinden sich in der Kiste Isolierboxen, in denen Wasser, Bier und Apfelschorle kühl gehalten werden. Für den Obolus von 1,- € je Flasche kann man Getränke nach Wahl entnehmen - eine wirklich schöne Idee, finde ich, und nehme trotz meines noch vorhandenen Wasservorrates eine Apfelschorle und stecke den Euro in das dafür vorgesehene Sparschwein.

Danach erreiche ich den kleine Ort Kail und bin überrascht, als ich an der Hauptstraße an einer Destillerie vorbeikomme. Einen Moment bin ich versucht, nachzusehen ob es einen Verköstigungsraum gibt, einen Shop oder sogar eine Führung mit anschließender Probe möglich ist, gehe dann aber schnell weiter, um nicht in Versuchung geführt zu werden, denn immerhin bin ich vom Tagesziel noch einige Kilometer entfernt.

Schaut man sich den Verlauf der Etappe auf der Karte an, so wird man feststellen, dass für den Abstecher nach Kail ein weiter Schlenker ins Landesinnere auf die Hochebene der Eifel gemacht wurde und man fragt sich, warum. Das Dortebachtal hätte ein möglicher Grund sein können, aber wie wir bereits festgestellt haben, ist der Ausflug nur kurz und lässt den Wasserfall als Höhepunkt aus. Ein anderer Grund könnte gewesen sein, dass die Destille als Sponsor des Moselsteig auftritt, aber dann hätte ich im Vorfeld schon davon gehört und wäre nicht so überrascht gewesen, als ich vor dem Gebäude stand. Als einziger Grund für die vielen Mehrkilometer auf dieser für den Moselsteig sehr langen Strecke bleibt dann nur, dass man unbedingt den Weg durch den Schlitzergraben nehmen wollte. Dieses enge Bachtal ist einsam und dicht bewaldet, stellt für ca. 1,2 Kilometer einen schönen Abschnitt an diesem Tag dar und entschädigt ein wenig dafür, dass das Dortbachtal so vernachlässigt worden ist.

Am Ende steige ich kurz aus dem Tal empor und lande wieder in einem Weinanbaugebiet über der Mosel. Ein Winzerpaar ist dort mit der Bearbeitung der Reben beschäftigt - Blätter werden entfernt, damit die Trauben optimal von der Sonne beschienen werden können - und wir kommen ins Gespräch.

Pommern, Martberg und Treis
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Der Lenus-Mars-Tempel auf dem Martberg Die Sonnenuhr bei Pommern Hölzerne Statue eines Mönchs über Treis-Karden Blick auf Treis im Abendlicht

Bald danach komme ich an der Pommerner Sonnenuhr vorbei, die übergroß neben dem Weg aufragt. Anschließend muss ich ein kurzes Stück eine Landstraße entlang und entdecke dann, wieder in den Weinbergen, eine Kapelle oberhalb der Reben hell im Sonnenlicht leuchten. Immer wieder muss ich dorthin aufschauen und vernachlässige dabei, auf den Weg zu achten. Und so lande ich schließlich in einer Sackgasse am Ende des Weinbauweges und finde kein Wanderzeichen mehr. Also muss ich wieder zurück, bis ich etwas tiefer gelegen am Weg einen Pfosten entdecke, der mir den Pfad zeigt, den ich hinunter nach Pommern nehmen muss - 250 Meter extra kommen so auf den Tageskilometerzähler.

Am Friedhof entlang und an der Kirche vorbei komme ich zur Lindenstraße hinunter, streife mit ihr kurz durch den Ort, um am Goldberg wieder in die Reben zu steigen. Dabei geht es dann wieder ganz schön zur Sache, so dass ich nach kurzer Strecke erst einmal eine Pause einlegen muss, mich an einer Bank niederlasse und mein Brötchen hervorhole.

So gestärkt mache ich mich dann an den dritten Aufstieg des Tages, der mich hinauf zum Martberg bringt. Die bereits geleisteten Kilometer machen sich dabei jetzt bemerkbar und auch, wenn ich langsam aber stetig Schritt für Schritt den breiten Weg zunächst durch Buschland, dann durch ein Waldgebiet hinaufsteige, muss ich bald immer mal wieder stehen bleiben, um zu verschnaufen. Mit letzten Kraftreserven komme ich so an eine schmale Straße, der ich folge. Kurz drauf verlasse ich den Wald, gelange auf ein Hochplateau und endlich lässt hier die Steigung langsam nach.

Dann entdecke ich die Gebäude des Archäologie-Parks Martberg und steuere darauf zu. Leider sind die Öffnungszeiten des Tempels auf die Wochenenden und Feiertage begrenzt, so dass ich die Innenräume des Tempel nicht besichtigen kann. Deshalb bleibt es bei einem kurzen Rundgang über das Gelände, bevor ich mich aufmache, mein Tagesziel zu erreichen.

Info:
  • Archäologie-Park Martberg
    Besonders die Innenbemalung des Lenus-Mars-Tempels der auf der Hochebene Pommerner Mart gelegenen Tempelanlage ist sehenswert.
  • Treis-Karden
    Der Doppelort Treis-Karden wird von der Mosel geteilt, der Moselsteig kommt aber nur nach Karden, wo sich auch der Bahnhof befindet.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Cochem und Treis-Karden gibt es eine gute und regelmäßige Zugverbindungen.

Treis-Karden

Weit komme ich aber nicht, denn wenig später zeigt ein Wegweiser den Weg zur nahen Fahrlei, einem Aussichtspunkt über Treis, an dem eine Fahne weht, die mir zu Beginn des Ausstiegs von Pommern schon aufgefallen war - weitere 600 Meter Zusatzweg sind so zur Wegstrecke zu verbuchen. Interessant ist diese kurze Rast für mich aber vor allen Dingen, weil ich dort, als ich auf einer der Bänke sitze und trinke, ein merkwürdiges Tier bemerke: Ein etwa hummelgroßes Insekt kommt heran geflogen, senkt sich an die Blüten einer Pflanze herab und bleibt dann in der Luft stehen wie ein Kolibri, während es seinen Rüssel in die Kelche taucht. So etwas habe ich bisher nur im Fernsehen gesehen, aber noch nie live in der Natur. Um einen Kolibri kann es sich natürlich nicht handeln, zum Fotografieren ist das Tier zu schnell und so bleibt nur, zu Hause Tante Google zu fragen. Die zeigt mir Bilder eines Taubenschwänzchen.

Als ich wieder im Feld am Abzweig des Moselsteigs zurück bin, fehlen mir nur noch gut 3 Kilometer bis zum Bahnhof von Karden. Die gehe ich nun mit müden Füßen, aber schnellen Schritten an, denn die Steigungen sind im Folgenden nicht mehr der Rede wert und der Weg verläuft tendenziell bergab. Zunächst geht es dazu vom Feld ins Gebüsch, und zwar auf einem Pfad, den ich ohne Markierung möglicherweise übersehen hätte. Und nur so entdecke ich eine uralte Eiche, die mit einem Schild als Druideneiche bezeichnet wird. Der Pfad schlängelt sich durch das Dickicht, macht mir Spaß und mobilisiert noch einmal letzte Kräfte.

An einem Rastplatz mit einer Statue des St. Castor, der dritten Lebensgroßen Holzfigur seit dem Aufstieg von Pommern, bleibe ich noch einmal stehen, um auf Treis-Karden hinab zu schauen und einen Schluck zu trinken. Kurz nachdem ich weitergegangen bin, wechsele ich an einem Felssporn mit dem sogenannten St.-Castor-Blick die Richtung, um anschließend in vielen Schleifen den Hang in einem Seitental hinab zu steigen. Aus diesem Tal heraus komme ich, als ich an einem Strommast um eine Kurve biege und an der Schutzhütte Josefinenrast erneut auf das inzwischen schon nahe Karden hinabblicken kann. Wie schon am Ende anderer Wanderungen, die Karden als Ziel hatten, ist es jetzt schon so spät, dass die Sonne nur noch den im Tal gegenüberliegenden Ortsteil Treis bescheint, während Karden schon im Schatten liegt.

Der Rest des Weges verläuft durch Buschwerk und an Streuobstwiesen vorbei, wobei nun auch nach und nach die Wege wieder auf den Moselsteig treffen, die oberhalb abgezweigt waren und Abkürzungen gewesen wären, hätte ich sie denn genutzt. Durch die Straßen von Karden gelange ich hinunter zur St.-Castor-Straße, an der ich den Moselsteig für diesen Tag verlasse, um nach rechts zum Bahnhof zugehen, wo das Auto auf mich wartet.