18. Etappe: Beilstein - Cochem (14 bzw. 15 km)

Wie bei der letzten Etappe wähle ich auch diesmal Ellenz aus, um dort das Auto zu parken. Der Grund dafür ist einfach: Es müssen dort keine Gebühren für den Stellplatz gezahlt werden und ich kann frei wählen, welchen Platz ich nehme. So suche ich mir einen Parkplatz, der möglichst nahe der Bushaltestelle liegt, was an einem Wochentag, an dem kein Fest im Ort stattfindet, kein Problem darstellt. Busse von Cochem fahren die Strecke in der Woche stündlich, so dass die Rückfahrt gesichert ist, den Weg zur Fähre kenne ich noch vom letzten Mal.

Beilstein, die erste Warnung und das Erlebnis Moselkrampen

Als ich am Ende der letzten Etappe nach Beilstein gekommen bin, habe ich nicht mehr lange nach Markierungen Ausschau gehalten, sondern lief einfach geradeaus in den Ort hinunter und in die Straßen und Gassen, die mich lockten. Dabei bemerkte ich im unteren Ortsteil ganz ohne Suchen das Logo des Moselsteigs und merkte mir die Stelle für die nächste Wanderung. Dorthin kehre ich jetzt zurück, gelange schnell an die Klostertreppe und steige sie hinauf. Am oberen Ende angekommen werfe ich einen Blick auf Beilstein und in die Kirche, halte mich aber nicht lange auf, denn die Terrasse ist zum größten Teil von Tischen und Bänken eines Restaurant-Cafés bestellt, an und zwischen denen sich schon eine Vielzahl Menschen tummelt. Also wappne ich mich lieber für die Wanderung, setze den Rucksack richtig auf und marschiere los. Um die Kirche herum und in die Klosterstraße hinab ist es auch kein Problem, den Markierungen des Moselsteigs zu folgen. Dann aber gibt es eine abzweigende Straße, der ich richtungstechnisch folgen würde, aber es gibt keinen Hinweis drauf, dass der Weg dorthin führt. Deshalb bleibe ich auf der Klosterstraße und gehe rechts herum, wieder in Richtung Ort, so dass ich an den oberen Ausgang der Bachstraße komme. Hier bin ich das letzte Mal in den Ort hinab gegangen und als ich mich an dieser Straßenecke nach Wegzeichen umsehe, geht mir auf, dass ich an diesem Morgen das letzte Stück der vorherigen Etappe genommen habe. Also gehe ich wieder an der Kirche vorbei, die Treppe hinunter und zum Moselufer den Weg zurück. Unten angekommen schaue ich mir den Wegweiser - endlich - einmal genauer an und was ich vorher vermutet hatte, wird jetzt eindeutig.

Dem Wegweiser folge ich an der Uferstraße entlang ein kurzes Stück bis zu einem Parkplatz. Zu Beginn der Stellfläche befinden sich Altglascontainer und hier zeigt erneut ein Wegweiser auf einen Pfad zwischen den Weinreben den Hang hinauf. Der kurze, knackige Anstieg bringt mich eine Absatz höher, wo ich mich beinahe schon auf Höhe der Burg Metternich befinde, die auf der anderen Talseite liegt. Auch schön ist der Blick hinüber nach Ellenz, aber meine Aufmerksamkeit erregt schnell ein Schild am Wegesrand, das für den folgenden Wegabschnitt Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und festes Schuhwerk einfordert. Gleichzeitig ist das Begehen auf eigene Gefahr. Das Warnschild gehört mit zum Rundweg Erlebnis Moselkrampen, der die Orte dieser Region auf beiden Seiten der Mosel miteinander verbindet. Einen besonders schönen, aber eben auch nicht ganz einfachen Teil nimmt der Moselsteig hier mit.

Beilstein und das Erlebnis Moselkrampen
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Beilstein am Morgen Ellenz im Moseltal Auf dem Weg Erlebnis Moselkrampen Der Weg durch einen Weinberg

Der Weg verengt sich deutlich und steigt an. Dabei geht es manchmal im Zickzack-Kurs durch den Hang, werden schmale Stufen an den Stützmauern der Weinberge genutzt und schmale Pfad in bewaldeten Passagen. Führt der Pfad vom Wald in einen bewirtschaften Weinberg, so müssen zum Schutz vor Wildschweinen Tore geöffnet und auf der anderen Seite wieder geschlossen werden. Das alles ist zum Teil anstrengend und der Schritt muss immer wieder mit Bedacht gewählt werden, insgesamt macht es aber eine Menge Spaß. Dabei habe ich Glück, denn es kommt mir auf der gesamten Strecke niemand entgegen, dem ich ausweichen müsste, denn das hätte an manchen Stellen wirklich schwierig werden können.

Mit Blick auf den Ortsteil Fankel des Doppelortes Bruttig-Fankel und das Laufwasserkraftwerk endet der schöne Weg und geht über in einen Weinanbauweg eines flachen Weinbergs. Schließlich gelange ich an eine wenig befahrene Straße, die mir den Weg versperrt. Der Moselsteig nimmt hier einen parallel zur Straße verlaufenden Asphaltweg, der vielleicht als Radweg dient, um moselwärts zum Ortseingang Fankel hinunter zu führen. Am Ortseingangsschild quere ich die Straße mit einer einmündenden, kleinen Straße und folge dann dem Moselsteig auf der anderen Straßenseite wieder den Berg hinauf, parallel zur Straße. Der Moselstieg nutzt dann aber nicht den ersten abgehenden Weg, auch nicht den zweiten, sondern erst den dritten - und der liegt dem Weg, mit dem ich an die Landstraße gestoßen bin, gegenüber. Die direkte Überquerung hätte mir 550 Meter und 27 Höhenmeter erspart.

Weiter geht es durch ein Weinanbaugebiet, bis ich in ein bewaldetes Tal komme. Dabei wechsele ich zweimal die Richtung und bemerke schließlich die Spitze eines Kirchturms auf den ich nun zu wandere. Vor mir liegt der zweiten Ortsteil, nämlich nach Bruttig.

Das Kapainer Bachtal, die zweite Warnung und der Eiserne Mast

Der Ort Bruttig, so wie ich ihn kennenlerne, wird dominiert und geteilt durch einen hohen, gemauerten Bahndamm. Die Eisenbahnlinie wird nicht mehr befahren und ist zurückgebaut worden. Trotzdem stelle ich es mir komisch vor, im Schatten dieses Bauwerkes zu wohnen.

Am Ortsende von Bruttig entdecke ich eine Straßenbrücke über die Mosel und überlege, ob ich sie zur Querung der Mosel nutzen werde. Doch mit dem Moselsteig erreiche ich zwar die Landstraße, die über die Brücke führt, aber der Weg bringt mich nur auf die andere Straßenseite, um dort wieder in einen Weinberg einzubiegen. Nach wenigen Metern auf einem befestigten Weg befindet sich dann ein weiteres Hinweisschild des Moselsteigs, das Trittsicherheit anmahnt, da ein Abschnitt mit schmalem Pfad und steilen Stellen folgt. Dazu zeigen Wegweiser einen schmalen Weg zwischen den Rebreihen hindurch in Richtung Kapainer Baches.

Kurze Zeit drauf erreiche ich den Lauf des Baches, der den Berg hinab rinnt, biege nach rechts in sein eng geschnittenes Tal ein und steige den steilen Pfad empor. Tatsächlich ist das bewaldete Tal sehr idyllisch, aber auf den nächsten ca. 1,3 Kilometer muss ich 210 Höhenmeter bewältigen und brauche dafür eine halbe Stunde, die mich entsprechend viel Schweiß kostet. Einige schmale Brücken überqueren ich dabei, wobei ich im oberen Verlauf die ein oder andere nutze, um wieder zu Atem zu kommen, zu trinken und die Umgebung zu betrachten. Die erinnert an deutlich bekanntere Täler, die sowohl von der Eifel-, als auch von der Hunsrückseite zur Mosel hin abfallen.

Als ich die Steigung geschafft habe und der Wald sich über dem breiter gewordenen Weg öffnet, nutze ich den Abzweig zum sogenannten Eisernen Mast, um dort eine Pause einzulegen. Was sich so toll anhört, ist allerdings nur ein einfacher Strommast, über den eine Leitung steil abwärts zur Mosel hinab gelegt ist. Dafür ist der umgebende Wald gerodet worden und so ergibt sich eine schöne Aussicht auf Bruttig-Fankel. Außerdem stehen dort eine Schutzhütte und einige Bänke, darunter auch eine der geschwungenen Sinnesliegen, die zum Genießen des Talblicks einlädt.

Der Apollo-Weg bei Valwig, die dritte Warnung und die Brauselay

Nachdem ich wieder aufgebrochen bin, durchstreife ich ein Stück Wald, bevor sich der Moselsteig einer Landstraße annähert. Mit dieser parallel geht es bis Valwigerberg, einer kleinen Siedlung oberhalb des Moselortes Valwig. Hier treffe ich auch zum ersten Mal auf einen Wegweiser des Apollo-Wegs, der den Moselsteig nun ein Stück weit begleiten wird. Seinen Namen hat der Weg übrigens auf Grund des seltenen Apollofalters bekommen, der in dieser Region noch anzutreffen sein soll. Zu sehen bekomme ich keinen, was wahrscheinlich an der Jahreszeit liegt, denn Ende August endet die Flugzeit des Schmetterlings.

Eiserner Mast, Madonna und die Reichsburg Cochem
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Die Schleuse und das Laufwasserkraftwerk Fankel Am Eisernen Mast mit Blick auf Bruttig-Fankel Die Weiße Madonna hoch oben in der Brauselay Die Reichsburg Cochem

Valwigerberg passiere ich mit der bereits erwähnten Landstraße, auf die ich am Sportplatz des Dorfes treffe. Im Ort schaue ich kurz in die kleine Wallfahrtskirche hinein, halte mich aber nicht lange auf und verlasse Valwigerberg wie ich gekommen bin, mit den Verlauf der Landstraße, bis ein Pfad in den Hang hinauf mich von der Straße abbringt.

Mit dem Pfad gelange ich wieder in die Weinberge, die hier nur zum Teil bewirtschaftet werden, zum Teil aber auch brach liegen. Tendenziell geht es dabei talwärts, der Blick kann bis auf kleinere Waldpassagen immer wieder über das Moseltal schweifen, und so komme ich gut voran. Dann erreiche ich zuerst einen Aussichtspunkt, der aber schon durch einen Raucher belegt ist, und anschließend zu einer gemauerten Schutzhütte, an der ich mich, weil alleine dort, niederlasse. Inzwischen schon wieder einige Höhenmeter tiefer, fallen mir dort die mächtigen Gebäude des Klosters Ebernach auf der anderen Moselseite ins Auge.

Nach kurzer Rast geht es weiter mit dem Apollo-Weg, der nach kurzer Strecke mit einem Warnschild aufwartet, wie ich es an diesem Tag bereits zweimal gelesen habe: Wieder wird auf die Gefährlichkeit des folgenden Weges hingewiesen, Trittsicherheit und angepasstes Schuhwerk gefordert. Wieder erwartet mich, wie schon am Vormittag, ein schmaler Weg, der am steilen Hang durch Weinberge hindurch führt, dabei auch schmale Treppenstufen an Mauern und stark abfallenden Pfade nutzt, wobei durch die inzwischen gering gewordene Höhe und die Nähe zur Mosel eine gewisse Ungefährlichkeit vorgegaukelt wird. Doch man sollte auf diesem Wegstück wirklich vorsichtig sein - dann aber macht es viel Spaß und einzig die Verkehrsgeräusche der nahen Moseluferstraße wirken störend.

Schließlich komme ich an die Brauselay, einem markanten Felsen, der sich am Moselufer auftürmt und in dem hoch oben eine Marienstatue wacht, auf die ich sicher nicht aufmerksam geworden wäre, wenn nicht eine Infotafel darauf hinweisen würde. An dieser Stelle umrundet der Moselsteig die Klippe und es rückt ein über der Mosel thronendes Bauwerk in mein Blickfeld, das majestätisch auf der Anhöhe über dem Fluß aufragt - die Reichsburg Cochem.

Immer wieder zur Burg hinaufschauend bemerke ich es kaum, als der Weg sich deutlich verbreitert und an einem Rastplatz in einen Asphaltweg mündet. Inzwischen habe ich mich Cond, einem Stadtteil von Cochem, genähert. Noch einmal geht es gut bergan, bevor der Moselsteig mich im rechten Winkel über eine Wiese hinab in den Ort bringt. Ein kurzes Stück weiter nehme ich die Brücke über die Mosel, mit der ich nach Cochem hinübergehe.

Info:
  • Erlebnis Moselkrampen und Apollo-Weg
    Sowohl der Rundweg Moselkrampen als auch der Apollo-Weg haben eine eigene Website.
  • Cochem
    Einer der bekanntesten Orte und touristischer Anziehungspunkte an der Mosel ist Cochem und die Reichsburg.
  • Bus & Bahn
    Von Cochem gibt es sowohl Busverbindungen nach Ellenz, die häufiger bedient werden (Fährzeiten nach Beilstein beachten!), als auch nach Beilstein.

Cochem

Die Stadt Cochem ist eines der Hauptziele der touristischen Ströme an der Mosel. Ein Grund dafür ist sicher die imposante Anlage der Höhenburg, ein anderer die engen Gassen der Altstadt. Und weil das Ganze auch wunderbar von der Mosel aus zu bestaunen ist, ist Cochem auch ein Hauptanlegeplatz der Ausflugsflotte.

Unter bzw. neben dem Brückenkopf liegt der Endertplatz, an dem die Touristinformation zu finden ist und von dem Busse in alle Richtungen abfahren. Auch mein Bus wird mich von dort zurück nach Ellenz bringen. Bis dahin habe ich aber noch etwas Zeit und nutze diese, um mir mein Etappenzieleis zu kaufen und damit durch die Gassen zu bummeln. Das dies nur ein kurzer Besuch ist, ist klar, aber auch Cochem zählt zu den Orten, die ich für einen Wiederbesuch einplane, auch wenn wir die große Menge an Menschen nicht gefällt. Aber einmal möchte auch ich der Reichsburg eine Besuch abstatten.