17. Etappe: Ediger-Eller - Beilstein (15,8 bzw. 17,2 km)

Weil die Busverbindungen auf der linken Uferseite zwischen Ediger und Ellenz besser sind, braucht es keine lange Überlegung, um zu beschließen, das Auto am Morgen in Ellenz zu parken und zur Ortsmitte zu gehen, wo der Bus nach Ediger hält. Am Nachmittag werde ich mit der Fähre von Beilstein übersetzen und von Anleger zurück zum Auto gehen.

Zu den Gräbern der Römer...

Noch nicht im Wandermodus schlendere ich in Ediger zuerst noch einmal zum Brunnen vor der Touristikinformation. Durch die Touren auf Eifel- und Moselsteig finde ich es inzwischen interessant, ein Etappenziel am Nachmittag bei der Ankunft zu betrachten und es dann mit dem Morgen beim nächsten Start zu vergleichen. Meist ist es am Morgen deutlich ruhiger und beschaulicher, eben noch nicht so betriebsam wie nachmittags - so auch in Ediger. Auch, als ich aufbreche, um hinauf zum Moselsteig zu gelangen, lasse ich es gemütlich angehen, um die schönen Gassen und Häuser wahrzunehmen und einige Foto zu machen. Den Weg kenne ich ja noch vom letzten Mal.

Mit dem Moselsteig komme ich dann in das schöne Pehrbachtal. Es geht bergan, aber ich habe ja erst wenige hundert Meter unter den Sohlen gehabt und so geht es gut voran. Bald verlasse ich den Bachlauf, wechsele die Talseite und gehe an einem Waldrand entlang wieder zurück auf die Mosel zu. Bald erreiche ich so die Sonnenseite des Flusses und damit auch wieder in die Weinberge. Hier gönne ich mir eine kleine Pause, um noch einmal zurück auf Ediger-Eller zu schauen und habe dabei sogar das Glück, dass gerade ein Zug über die Eisenbahnbrücke fährt. Doch als Fotomotiv ist die Brücke schon zu weit entfernt, als dass man ein spannendes Bild damit machen könnte.

Weiter geht es bergauf, wobei der Weg zwischen Waldpassagen und Weinbergwegen wechselt. Bei freier Sicht fällt mir der Campingplatz am Moselufer ins Auge und ich bemerke, dass die gegenüberliegende Uferflanke von oben bis hinunter zum Ufer komplett bewaldet ist. Nichts Weltbewegendes, aber an diesem Morgen doch irgendwie besonders.

Wieder biegt der Moselsteig in ein Seitental ab und umrundet es. Dabei geht es zum ersten Mal ein gutes Stück Weg bergab und in ein ausgedehntes Waldgebiet. Doch die Freude über das Bergabgehen währt nicht lange und es folgt ein erneuter Anstieg. Als dieser dann geschafft ist, lasse ich auch den Wald hinter mir und stehe wieder am oberen Rand eines weiten Weinanbaugebietes. Gleichzeitig befindet sich dort ein Wegweiser, der mir die Richtung für den folgenden Weg zeigt. Neugierig macht mich aber ein Zuweg, der zu Römergräber führen soll - lohnt sich dieser Abstecher und der damit verbundene Mehrweg? Angegeben sind für die Strecke 800 Meter, aber wenn es dafür etwas Interessantes zu sehen gibt...

Bald schon entdecke ich oberhalb des Weinbergs zwei Dächer, deren vordere Bereiche von Säulen gestützt werden - dorthin bin ich also unterwegs. Als ich am Fuße der Gebäude ankomme, schaue ich zu den beiden Gebäuden empor und muss noch einen letzten, steilen Anstieg bewältigen, bevor ich die Gräber erklommen habe. Oben angekommen drehe ich mich zunächst einmal um und genieße die weite Sicht: Ein weites Meer frischgrüner Reben liegt vor mir, die Orte Nehren und Senhals an der Mosel dahinter, bevor sich am anderen Ufer ein steiler Hang erhebt.

Rund um den Römerberg
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Ortsteil Ediger und der Calmont Die Lage Römerberg und die Römergräber Blick auf Senhals von den Römergräbern DDie Kirche von Senheim

So weit, so gut, wenden wir uns also den Römergräbern zu. Zwei Grabkammern sind es, die es zu bestaunen gibt. In der einen sieht man auf Mauer- und Steinplattenreste hinab, die mich nicht besonders aufregen, denn davon gibt es in der Eifel wirklich an jeder Ecke ausreichend und genug. Aber das andere Grab soll auch das sehenswertere sein, denn dort sind Grabmalereien im Deckengewölbe erhalten geblieben, die als einzigartig im Rheinland gelten. Zwar bin ich ein wenig irritiert, weil ich oberhalb der Mosel stehe und etwas vom Rheinland lese, lasse mich aber nicht weiter darauf ein. Den Gewölbekeller darf man nicht betreten, was auch Sinn macht, wenn man die Kritzeleien der Besucher an den Wänden und Säulen betrachtet. Also gibt es eine schwere Eisentür, die den Eintritt verwehrt. Um die Malereien dennoch sehen zu können, muss man eine Klappe wie an einer Gefängnistür nach oben schieben und öffnet damit ein verglastes Fensterchen. Tut man dies, so soll im Kellergewölbe ein Licht angehen und die Malereien erleuchtet werden. Offenbar hat die Gemeinde Nehren aber die Stromrechnung nicht bezahlt und so bleibt der Keller dunkel.

...an den 70er und 80er Jahren vorbei...

Der GPS-Tracker ermittelt für den Weg zu den Gräbern eine Gesamtstrecke hin und zurück von 1 Kilometer. Bleibt die Frage, ob es sich lohnt, die Römergräber zu besuchen, die ich diplomatisch mit ja und nein beantworten möchte, denn fehlt das Licht bleibt nur die schöne Aussicht. Dafür geht es zurück auf dem Moselsteig nun erst einmal recht steil hinunter zur Mosel, quer durch die Höhenlinien und den Weinberg. Kurz vor dem Erreichen der Moseluferstraße schwenkt der Weg hinüber nach Nehren, umrundet den Ort und führt hinüber nach Senhals. Über die Bundesstraße gelange ich dort mit einer schmalen Brücke, um dann auf der Dorfstraße in Richtung Moselbrücke zu gehen. Ein Weg, den ich am Morgen schon mit dem Bus gefahren war.

Die Brücke wird restauriert, deshalb ist der Bürgersteig auf einer Seite gesperrt, während die andere nur verengt zu benutzen ist. Der Weg ist so weit verengt, das ein Nebeneinander nur schwer möglich ist, Radfahrer sollen aus diesem Grund absteigen und ihr Vehikel schieben. Quizfrage: Wie viele Radfahrer steigen tatsächlich aus dem Sattel?

Auf der anderen Uferseite gibt es einen Campingplatz und einen Bootshafen. Der Moselsteig verläuft hier über den Hafendamm, um am Ende die Landstraße zu überqueren und am Rande von Senheim hinauf in die Weinberg zurückzukehren. Dort verläuft der Weg dann sehr lange Zeit parallel der Mosel, auf Mesenich zu, stets umgeben von Reben. Abwechslung bringen dabei verschiedene Reliefe von Bürger der Gegend, Skulpturen und Spiele wie ein Glücksrad oder eine Waage mit Steingewichten zum Wiegen des Körpergewichts.

Auf dem Weg nach Beilstein
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Die Gemarkungsgrenze zwischen Senheim und Mesenich Der Mesenicher Steinreichskopp am Kuturweg In den Weinbergen oberhalb von Mesenich Der Marktplatz von Beilstein Beilstein und die Burgruine Metternich

Oberhalb von Mesenich gelange ich an ein Gelände mit einer Grillhütte. Warm ist es geworden, einmal mehr bin ich froh, dass ich seit der zehnten Etappe einen Hut dabei habe, der mich vor der Sonne schützt, aber auch den Schweiß aufnimmt. Neugierig auf eine riesige Karte mit Wanderwegen, die am Grillplatz an einer Wand angebracht worden ist, beschließe ich, dort eine Pause zu machen.

Auch nach der Rast bleibt der Moselsteig in den Weinbergen, die hier wieder flacher geworden sind. Dann komme ich an ein Gelände, das ich zunächst für ein Industriegebiet halte, denn erkennen kann ich nur die fensterlosen Betonwände hoher Hallen. In einigen Links-Rechts-Kombinationen umrunde ich das Grundstück, bis ich schließlich an der Zufahrt stehe. Auf dem Gelände befinden sich einige Hallen und Gebäude, die alle offensichtlich schon eine ganze Weile verlassen sind. Dann fällt mein Blick auf einen Schriftzug einer Lichtreklame: Ich befinde mich an der ehemaligen Kelterei von Keller-Geister.

Der Leser, der nun denkt, Keller-Geister kenne ich doch auch noch, ist so alt, dass er in den 70er und 80er Jahren schon Werbefernsehen geschaut hat. Damals, in Zeiten, als es nur ARD, ZDF und ein drittes Programm zu empfangen gab, wurde diese Marke massiv mit TV-Spots beworben: Grüne Flache, Schraubverschluss und ein fröhliches, gezeichnetes Teufelchen mit Sektkelch in der Hand. Vieles hat sich seit dem geändert, tatsächlich gibt es die Marke aber auch heute noch, allerdings in einem anderen Gewand.

...und über die Schweiz ins Mittelalter

Im Bogen umrundet ich das Gelände, um wieder in die Weinberge zu gelangen. Steil nach oben geht es dann, bevor der Moselsteig genauso steil wieder in ein Seitental hinabführt. Anschließend muss aber dieser Höhenverlust wieder ausgeglichen werden, denn schließlich komme ich jetzt in die Briederner Schweiz. Ein Felsblock steht am Wegesrand und ein Warntafel weist darauf hin, dass nun Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig sind - das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.

Die folgende Wegstrecke ist dann so recht nach meinem Geschmack, denn es handelt sich hierbei wirklich um einen schmalen Pfad, der sich am bewaldeten Hang entlang windet. Allerdings muss ich auch sagen, das mir, während ich dort unterwegs bin, niemand entgegenkommt, was an der ein oder anderen Stelle wirklich zu Schwierigkeiten geführt hätte. So aber genieße ich den Weg, auch wenn aus dem Tal von beiden Uferstraßen deutliche Verkehrsgeräusche zu mir herauf dringen und die Sicht auf Grund der Bäume meist eingeschränkt ist. Am Ende dieser ca. 1,6 Kilometer langen Passage gibt es wieder breite Wege und eine Wandergruppe schlägt gerade den Weg, den ich gekommen bin, ein - genau abgepasst, denke ich.

An einem Jüdischen Friedhof vorbei blicke ich dann auf die Mauerreste und den Turm der Burg Metternich. Ähnlich wie in Bernkastel thront die Burg hier über einem mittelalterlichen Ort und bewacht die Mosel von ihrer hohen Warte. Je näher die der Anlage komme, desto freier wird auch der Blick und ich bemerke Ellenz auf der anderen Moselseite. An der Burg stehe ich jedoch vor einem Zaun, denn um auf das Gelände zu kommen muss ein Eintrittsgeld entrichtet werden. Das ist zwar moderat, aber so recht steht mir nicht der Sinn danach. Deutlich neugieriger bin ich auf Beilstein, das unterhalb der Burg auf der mir abgewandten Seite liegt.

Info:
  • Beilstein
    Der kleine, aber liebevoll restaurierte Ort Beilstein wird gerne auch das Dornröschen der Mosel genannt.
  • Bus & Bahn
    Bessere Busverbindungen von und nach Ediger gibt es auf der linken Uferseite der Mosel, von Ellenz aus. In Kombination mit der Fähre, die von Ostern bis Ende Oktober täglich von 9-12 Uhr und 13-18 Uhr zwischen Bundesstraße und Beilstein verkehrt, die beste Möglichkeit des Transports zwischen den Orten.

Beilstein

Nach Beilstein gelange ich von der moselabgewandten Seite. Eine schmale, mit Kopfsteinen gepflasterten Straße führt dort zwischen schön restaurierten Fachwerkhäusern hinab zur Mosel. Der Ort ist nicht groß, aber die Szenerie hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Bernkastel, nur, dass alles eine Nummer kleiner ist: Neben den engen Gassen mit schmucken Häusern gibt es einen beschaulichen Marktplatz, bewacht von einer Burg... Kein Wunder, dass in früheren Jahren einige Filme in dieser Kulisse gedreht worden sind, berühmt ist die Klostertreppe wegen einer Szene mit Heinz Rühmann.

Am Ende der Bachstraße gibt es eine Eisdiele und natürlich genehmige ich mir dort zum Abschluss der Tour ein Eis. Damit bummele ich hinüber zur Fähre, die gerade am diesseitigen Ufer festgemacht hat. Feste Abfahrtszeiten gibt es nicht, bei Bedarf pendelt das Boot zwischen den Ufern hin und her. Da jetzt bei schönem Wetter im Sommer immer Bedarf ist, kommt man also schnell zum anderen Ufer. Die Überfahrt dauert keine 5 Minuten.

Am anderen Ufer angekommen, nehme ich den breiten Rad-/Fußweg neben der Straße nach Ellenz hinein, wo das Auto auf mich wartet. Natürlich bleibe ich dabei aber immer auch noch einmal stehen, um hinüber nach Beilstein zu schauen, das dort wirklich malerisch vom Moselufer liegt.