16. Etappe: Neef - Ediger-Eller (11,4 bzw. 14,5 km)

Geplant habe ich diesmal, das Auto in Ediger abzustellen, mit dem Bus zum Bahnhof am Rande von Eller zu fahren und dort in den Zug nach Neef zu steigen.

Tatsächlich finde ich auch leicht einen Parkplatz an der Moseluferstraße in Ediger. Da ich bis der Bus kommt noch gut Zeit habe, suche ich mir ein Geschäft, in dem ich mein obligatorisches Brötchen mit Käse für die Tour kaufen kann. Als ich dann an der Theke stehe, habe ich immer noch eine Dreiviertelstunde bis zur Abfahrt des Zuges und weiß nicht so genau, wie ich die rumkriegen soll. Deshalb frage ich die nette Bedienung, wie lange man braucht, um vom Geschäft zum Bahnhof zu gehen und bekomme die erstaunte Auskunft, dass das nicht weit sei und es nicht mehr als 15 - 20 Minuten wären. Also mache ich mich, nachdem ich mein Brötchen bezahlt habe, auf, den Bahnhof zu Fuß zu erreichen. Ohne Probleme schaffe ich es rechtzeitig bis zum Haltepunkt und nutze zwischendurch auch noch die Gelegenheit, kurz einer Einweisung für Kanufahrer auf der Mosel zuzuhören. Für diesen Extraweg habe ich rund 2 Kilometer mehr auf dem GPS-Tracker, aber weil die heutige Strecke nicht lang ist, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Auch diesmal kommt der Zug mit Verspätung, aber im Gegensatz zum letzten Mal ist mir das an diesem Tag egal, denn ich muss ja keinen Anschluss bekommen.

Wer möchte kann auch mit dem Auto zur Bushaltestelle Bahnhof fahren, wo es eine Reihe kostenfreier Parkplätze gibt, und nur das kurze Stück bis zum Bahnhaltepunkt hinaufgehen. Der Moselsteig verläuft direkt an der Haltestelle vorbei und die Strecke verkürzt sich damit auf knapp 9 Kilometer. Allerdings entgeht dem Wanderer dadurch der wirklich schöne Ortskern von Ediger, denn wer den kompletten Moselsteig erwandern will, wird feststellen, dass der zwar durch Eller, nicht aber durch Ediger verläuft. Und die nächste Etappe ist wieder etwas länger.

Von Neef zum Bremmer Gipfelkreuz

Als ich in Neef nach der kurzen Fahrt über die Eisenbahnbrücke und durch den Tunnel unter dem Petersberg hindurch aussteige, ist es immer noch das ruhige, ein wenig verschlafen wirkende Dorf, wie beim letzten Besuch - mir gefällt das gut. Vom Bahnhof zum Dorfplatz, wo ich den Wegweiser des Moselsteigs wiederfinde, ist es nicht weit, ich mache ein paar Fotos, wende mich dann der Kloster-Stuben-Straße zu, mit der ich durch und schließlich zur Moselbrücke aus dem Ort hinaus gehe.

Auf der anderen Seite der Mosel verlasse ich die Straße am Zubringer zur Brücke und befinde mich dann in einem Mischgebiet aus Kleingartenanlage, Weinanbau und Brachflächen. Mitten hindurch wandere ich auf breiten Wegen auf den Ort Bremm zu, der vielen als der Hauptort des Calmont gilt, einem steilen, hohen Höhenzug, der sich am Ufer der Mosel zwischen Bremm und Eller erhebt. Auch der steilste Weinberg Europas soll sich dort befinden.

Mit dem Moselsteig berühre ich Bremm nur am Rande und werde stattdessen durch ein Weinanbaugebiet hin zur Landstraße geführt, die sich aus der Eifel hinab zur Mosel in Serpentinenschleifen den Berg hinab windet. Diese Straße werde ich im Folgenden noch mehrfach berühren und beginne hier mit dem ersten Überqueren den rund 2 Kilometer andauernden, recht steilen Anstieg zum Hochplateau auf dem Calmont.

Unterwegs befinden sich einige Stationen eines Kreuzweges am Wegesrand und als ich an ihnen vorbeigehe, kommt mir der Gedanke, dass ich auf meinen Wanderungen auf dem Moselsteig schon so vielen Kreuzwegen begegnet bin und frage mich, ob die schon mal jemand gezählt hat?

Als ich die Bremmer Bergkapelle erreiche, die sich unterhalb der schon erwähnten Landstraße befindet, ist nicht nur der Kreuzweg am Ende, es ist auch die letzte Begegnung mit der Straße. Durch ein schönes Laubwaldstück im Kandelbachtal führt anschließend zunächst ein Pfad, der mich mit einigem Auf und Ab auf einen breiteren Waldweg bringt, mit dem ich wiederum an einer breiten Kreuzung lande, an der ich auch den Wald verlasse. An der Kreuzung biege ich nach rechts auf einen breiten Fahrweg ein und tatsächlich kommt mir nur wenige Augenblicke später ein PKW entgegen, in dem ein älteres Paar sitzt, das offenbar bis zum Bremmer Gipfelkreuz vorgefahren ist. Mich ärgert so etwas.

Auf dem Gipfel
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Das Bremmer Gipfelkreuz Das römische Höhenheiligtum Die Mauern von Kloster Stuben Die Eisenbahnbrücke bei Ediger-Eller

Bis zum Gipfelkreuz geht es schon wieder bergab, deshalb kann es ganz so gipfelig auch gar nicht sein. Natürlich parkt kurz davor ein weiteres Auto, dessen Insassen der Weg vom Parkplatz zu weit gewesen ist. Außerdem herrscht auf der Aussichtsterrasse rund um das Kreuz rege Betriebsamkeit und deshalb fühle ich mich auch nicht so recht wohl dort, aber natürlich ist der Blick auf die Moselschleife mit dem Petersberg, Neef und Bremm auf der einen Seite, und Ediger-Eller auf der anderen einen kurzen Aufenthalt wert.

Bis zur Eller Todesangst

Vom Kreuz geht es zunächst weiter bergan. Nicht lange jedoch und es zweigt ein kurzer Stichweg zum Römischen Bergheiligtum ab. An der Stelle hat man die Fundamente eines römischen Tempels entdeckt und diesen dann nachgebaut. Der Ort liegt schattig unter Bäumen und bietet einen schönen Blick auf Bremm. Einige Tische und Bänke sind außerdem dort aufgestellt, ich bin dort alleine und so beschließe ich, eine Trinkpause einzulegen und mein mitgebrachtes Brötchen zu essen. Leider kommt wenig später ein Paar dazu, das sich an einem Nebentisch niederlässt und mich in meiner Ruhe stört. Aus diesem Grund breche ich dann auch bald wieder auf.

Wenige Schritte weiter gibt es einen erneuten Abzweig, diesmal zum Vier-Seen-Blick. Diese Bezeichnung kommt mir bekannt vor, gab es doch schon einmal eine Etappe, auf der ein hölzerner Turm mit einem ähnlichen Versprechen zum Aufstieg lockte. Auch diesmal folge ich dem Hinweisschild und schaue kurz drauf auf die Mosel mit den Dörfern der Calmont-Region hinunter. Zum ersten Mal kann ich von dort aber auch auf die Mauern von Kloster Stuben hinab schauen und nutze diese Gelegenheit, um einige Fotos zu machen.

Wieder bergab wandere ich im Wald weiter und komme als nächstes zu einer Schutzhütte. Dort ist eines der Warnschilder des Moselsteigs angebracht, das auf einen steilen Abstieg mit einem engen, schwierigen Pfad aufmerksam macht, Trittsicherheit und passendes Schuhwerk sind erforderlich, um weiter zu gehen. Bald wird der Wald niedriger und immer häufiger kann ich hinab ins Moseltal zu blicken. Bremm mit den Klostermauern, die entfernte Schleuse bei Neef und die Eisenbahnbrücke über die Mosel bei Eller sind jetzt schöne Fotomotive. Auch eine Fahne erregt bald meine Aufmerksamkeit. Dann komme ich an einen Abzweig mit einem Wegweiser, den ich aufmerksam studiere. Von rechts kommt der Calmont Klettersteig, ein großes Hinweisschild warnt hier vor der Benutzung, die nur auf eigene Gefahr stattfindet. Bei dem Weg, den ich bisher gegangen bin, handelt es sich laut Wegweiser um den Calmont-Höhenweg, der nun aber auf dem nächsten Wegstück mit dem Calmont Klettersteig ins Tal führt. Dann entdecke ich ein hölzernes Schild, das in Richtung des Klettersteiges zeigt, vor dem gewarnt wird. Auf dem Schild lese ich "Todesangst".

Calmont Klettersteig

Von der Todesangst wende ich mich ab - dabei handelt es sich übrigens um den Aussichtspunkt, der mit der Fahne deutlich sichtbar gemacht ist -, aber auf dem folgenden Abschnitt verläuft auch der Moselsteig auf dem Klettersteig und ist nicht ungefährlich. Denn auf einen schmalen Pfad geht es meist über Felsen steil talwärts. Zum Festhalten gibt es nur sehr selten Gelegenheiten, obwohl es rechter Hand ziemlich unmittelbar in die Tiefe geht. Dabei bewahrheitet es sich, dass es manchmal anstrengender und schwieriger ist, bergab zu steigen als bergauf.

Auf dem Calmont Klettersteig
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Die Fahne markiert die Todesangst Steil geht es zu am Calmont Klettersteig Die Schutzhütte am Galgenlay Die Weinlage Ellerer Höll

An der Galgenlay-Hütte ist der intensivste Teil des Abstieges geschafft. Noch ein paar Meter geht es von dort über steile, felsige Pfade in die Tiefe zum Bahnhof von Eller. Dort an den Gleisen könnte man, wenn man das Auto in Neef geparkt hat, einfach hinüber zur Warteplattform gehen - erlaubt ist dies natürlich nicht, eine einfache Barriere soll davon abhalten. Der Moselsteig bringt mich stattdessen parallel zu den Schienen in Richtung Eisenbahnbrücke, die zum Kaiser-Wilheln-Tunnel hinüberreicht, wie ich auf einer Tafel lese. Dann senkt sich der Weg und ich treffe am Fuße des Brückenkopfes auf die B 49, wo auch der Calmont Klettersteig endet bzw. beginnt.

Info:
  • Die Calmont-Region
    Die Steilhänge des Calmont am Moselufer zwischen Bremm und Ediger-Eller zählen zu den steilsten Weinbergen Europas. Mit zur Calmont-Region gehört auch das Gebiet am anderen Moselufer, wo die Mauern des Kloster Stuben weithin ein markantes Zeichen darstellen und die Kapelle auf dem Petersberg weithin sichtbar ist. Die Landzunge der Moselschleife gehört zur Ortschaft Neef.
  • Ediger-Eller
    Der Doppelort Ediger-Eller besticht durch schöne, enge Gassen, die durch liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser eingerahmt werden. In einem dieser Häuser befindet sich in Ediger die Touristinformation der Mosel Calmont Region. Gute Infrastruktur auch für Wanderer.
  • Bus & Bahn
    In Eller gibt es einen Bahnhof, von dem man in wenigen Minuten mit dem Zug nach Neef fährt. Auch ein Bus, der von Cochem kommt, hält sowohl in Ediger als auch am Bahnhof Eller: Bus und Bahn.

Mehr Ediger als Eller

Mit der Bundesstraße unterquere ich die Eisenbahnlinie und passiere die Zufahrt zum Bahnhof. Auf einer schmalen Nebenstraße komme ich dann an den Platz, an dem sich auch die Bushaltestelle befindet und es unter den Bäumen die Möglichkeit gibt, das Auto abzustellen.

Mit dem Moselsteig werde ich aber noch ein Stück auf einer ruhigen Parallelstraße nach Eller geführt, in das ich dann nach links abbiege. Auf einer schmalen Wohnstraße, an der sich Weingut an Weingut reiht, durchquere ich den Ort bis etwa zur Hälfte, um an der Kirche vorbei das Dorf mit der Bachstraße wieder zu verlassen. Sehr steil geht es mit der Nebenstraße bergauf in das Weinanbaugebiet Ellerer Höll und obwohl es sich um eine absolute Nebenstrecke handelt, kommt doch immer mal wieder ein Auto die Straße entlang. Da es für mich keine Ausweichmöglichkeit gibt, muss ich mich also nicht nur den Berg hinaufkämpfen, sondern zudem auch auf die Autos achten.

Nach einem guten halben Kilometer darf ich dann wieder in einen Weinberg abbiegen. Durch die gewonnene Höhe kann ich beim Zurückschauen nun noch einmal die mächtige Felswand des Calmont sehen, genauso wie die Schutzhütte Galgenlay und das Kloster Stuben. Auf einem Weinbergweg wandere ich nun durch die Rebstöcke in der Höhe parallel zur Mosel von Eller hinüber nach Ediger, wo mir mit jedem Schritt, den ich näher komme, der mit kleinen Zacken verzierte Kirchturm auffällt.

Ganz nahe an der Kirche bin ich schließlich an der heraufkommenden Kirchstraße. Doch anstatt mit der Straße in den Ort abzubiegen oder zumindest hier einen Zuweg auszuweisen folgt der Moselsteig der Straße bergan und damit von Ort weg. Zwar geht es mit dem Steig in der folgenden Serpentinenkurve wieder zurück auf einen Wirtschaftsweg, dafür lasse ich aber auch die Kirche mit jedem Schritt immer weiter hinter mir. Erst in der nächsten Wegkurve gibt es einen steilen, durch Schieferstücke rutschigen Pfad am Ende eines Weinberges, der mich eine Etage tiefer und näher an den Ort bringt. Doch unten angekommen biegt der Moselsteig in ein Seitental ein und führt wieder vom Ort weg.

Erst im Tal gibt es einen Wegweiser, mit dem ein Zuweg nach Ediger ausgewiesen ist. Diesen Zuweg nutze ich nun, um hinunter ins Dorf zu gehen. An der Klepperstraße, die parallel zur Bundesstraße verläuft, wende ich mich dann nach links, um meine Tour am Brunnen vor dem schön restaurierten Fachwerkhaus der Touristik-Information abzuschließen.

In den Gassen von Ediger
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Der geschmückte Kirchturm von Ediger Pelzerstraße Raiffeisenstraße Hochstraße Paulusstraße

Natürlich komme ich nicht umhin, mir den Ort noch ein wenig näher anzuschauen. Zum einen, weil ich der Kirche noch einmal näherkommen will, zum anderen muss ich ja sowieso noch ein Stück weiter zum geparkten Auto an der Moseluferstraße. Und Ediger hat einige kleine, wirklich schmucke Gassen mit prächtig restaurierten Fachwerkhäusern anzubieten, durch die es sich lohnt zu bummeln. Gut, zur Kirche komme ich dann nicht mehr, weil ich die richtige Straße irgendwie verpasse, aber auch so begeistert mich der Gang durch den Ort.