14. Etappe: Reil - Zell (14 km)

Wie immer überlege ich mir im Vorfeld, wie ich den Transport zwischen den Etappen bewerkstellige. Die Recherche ergibt, dass es am Moselufer in Zell Parkplätze geben soll und es Verbindungen mit dem ÖPNV gibt, die mich in einer halben Stunde nach Reil bringen. Dabei kann man entweder den Bus von Zell nach Bullay nehmen und von Bullay mit der Bahn nach Reil fahren. Oder man nutzt die direkten Busverbindungen, die gegen 8:30 und 11:30 Uhr gehen, muss dann aber von der Haltestelle über die Brücke nach Reil hinüber und zum Bahnhof hinauf gehen.

Über die Brücke nach Reil

Meine Wahl trifft auf die zuletzt genannte Variante, ich parke also an der Uferpromenade in Zell, wo die Parkplätze etwas abseits des Schiffsanlegers auch tatsächlich kostenlos sind, und gehe zur Haltestelle in der Nähe der Moselbrücke. Mit dem Bus geht es durch die Ortschaften auf der rechten Moselseite und an der B 53 entlang. Meine Zielhaltestelle befindet sich unter dem Zubringer der Brücke nach Reil, aber eine Treppe macht mir den Aufstieg an dieser Stelle einfach.

Wie beim letzten Mal gehe ich dann über die Brücke nach Reil hinüber. Auf der anderen Seite überlege ich kurz, ob ich nach links gehen und mir den Ort anschauen soll, entscheide mich aber dagegen und biege stattdessen in die Straße ein, die zum Bahnhof hinaufführt. Dort, an den Parkplätzen vorbei, steige ich auf eine Wohnstraße hinab und befinde mich damit auf neuem Terrain.

Mit Erinnerungen an die Kanonenbahn auf den Prinzenkopf

Als ich schließlich Reil verlasse, entdecke ich in der Ferne zum ersten Mal ein bauliches Glanzlicht der Kanonenbahn, zu der ich bereits beim letzten Mal, als ich auf den Zug nach Traben-Trarbach gewartet habe, eine Schautafel am Bahnhof Reil studiert hatte. Es sind die Arkaden des Hangviadukts gegenüber von Pünderich, die deutlich zu erkennen sind. Ein Stück den Gleisen entlang wendet sich der Moselsteig aber schnell dem Weinberg zu, an dessen Rand ich mich befinde, und nimmt die Steigung. Damit komme ich bei schon recht warmen Temperaturen sehr bald ins Schwitzen.

Am oberen Ende des Weinbergs wartet ein Parkplatz, der zu einem schönen Ausblick und einer Kapelle gehört. An der Kapelle vorbei erreiche ich einen Wald und biege dort auf einen Weg ab, der mich auf einen Bergpfad weiter aufwärts bringt. Da mich jetzt Bäume umgeben, ist die Sicht natürlich eingeschränkt, und so halte ich erst wieder an, als am Wegesrand eine Bank aufgestellt ist, von der man eine gute Sicht hat. Doch anstatt ins Moseltal zu blicken, habe ich von diesem Aussichtspunkt einen weiten Blick ins Inland und bei dem Ort, den ich in der Ferne ausmachen kann, müsste es sich um Bengel handeln.

Kurz nachdem ich wieder aufgebrochen bin, stelle ich fest, dass der Aufstieg an dieser Stelle geschafft ist und es wieder bergab geht. Weiter auf der moselabgewandten Seite wandere ich durch ein Gebiet mit schönem Laubwald, der hauptsächlich aus Buchen und Eichen besteht.

Noch einmal führt der Moselsteig dann bergan, bis ich auf einer weitläufigen Wegekreuzung unter schattigen Bäumen ankomme. Der Moselsteig verläuft hier nach rechts, aber ein Wegweiser zeigt hier auch nach links zum Leofelsen mit Aussicht und zur Burg Arras. Zur Burg, die sich in Privatbesitz befindet, neben einem Hotel und einem Restaurant aber auch ein Museum und ein dermatologisches Laser-Institut beherbergt, ist es mir zu weit, aber die 100 Meter zum Leofelsen will ich unternehmen. Auf dem Felsen befindet sich eine Schutzhütte und von der kann ich im Tal auf Alf und die Mosel blicken, erkenne aber in der anderen Richtung auch die Mauern der Burg Arras zwischen hohen Bäumen auf einer Bergkuppe gar nicht so weit entfernt.

Nachdem ich wieder aufgebrochen und zurück an der Waldkreuzung bin, wandere ich weiter mit dem Moselsteig und freue mich über den Weg unter dem dichten Blattwerk der Bäume, der mich zugleich wieder talwärts und in Richtung des Flusses führt. Nach etwa einem Kilometer gelange ich an den Waldrand, wo sich eine Schutz- und Schankhütte befindet, die sich offenbar einer gewissen Beliebtheit erfreut, auch wenn am Tag meines Besuches gar kein Ausschank stattfindet. An den Tischen und Bänken vor der Hütte haben sich dennoch Leute niedergelassen und genießen, eine mitgebracht Flasche Wein geöffnet, die Aussicht auf Pünderich. Als ich dort einen Moment stehen bleibe, um das typische Bild des Moseltals in mich aufzunehmen, kommen weitere Wanderer dort an und es wird mir zu belebt an diesem Ort.

An der Hangkante entlang komme ich mit einem breiten Fahrweg zu einem Ehrenfriedhof. Auf diesem werden die Toten des Eisenbahnbaues und der Weltkriege geehrt. Von der Terrasse schaue ich hinab auf Pünderich, das Hangviadukt der Eisenbahn und schon weit zurück nach Reil.

Am Prinzenkopf
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Die Moselschleife bei Zell Bullay und Alf Pünderich Das Hangviadukt der Kanonenbahn

Hinter der Gedenkstätte geht ein Pfad ab und ich muss ein kurzes Stück steil durch ein Waldstück bergan steigen, dann stehe ich vor dem Aussichtsturm auf dem Prinzenkopf. Die überdachte Plattform auf dem Stahlgestell mit der innen verlaufenden Treppe ragt über die Baumgipfel hinweg und da ich das Glück habe, dass sich niemand auf dem Turm befindet, überlege ich nicht lange und steige die 131 Stufen hinauf.

Oben angekommen ist der Rundumblick wirklich einmalig! Vor mir liegt rechts Pünderich, an dem vorbei die Mosel von mir weg fließt, links Merl, das zu Zell gehört, wo mir die Mosel schon wieder entgegen geflossen kommt. Dazwischen auf dem Bergsattel sehe ich die Marienburg. Schaue ich vom linken Geländer der Plattform auf die Mosel hinunter, liegt dort Bullay und Alf, weiter zurück erkenne ich auch wieder die Burg Arras. Auf der linken Plattformseite liegt Pünderich unter mir und noch einmal erkenne ich das markante Hangviadukt.

Da dort oben auf der Plattform ein zweisitziges Gartensofa aufgestellt ist, lasse ich mich dort nieder und genieße neben der Aussicht auf die Moselschleife auch die mitgebrachte Vesper. Gestört werde ich nur kurz durch ein Paar, das den Aufstieg angeht, während sie die ganze Zeit redet, sich dann aber doch nicht bis ganz nach oben traut und beim Abstieg ihrem Mann durch immer lauteres Rufen mitteilt, dass es doch sehr hoch bis ganz nach oben sei.

Durch die Weinberge nach Zell

So steil, wie ich zum Prinzenkopf hinaufgestiegen bin, so steil geht es auch wieder bergab. Der Weg verläuft geradewegs auf die Marienburg zu und so treffe ich bald auf eine asphaltierte Zufahrt. Eigentlich könnte ich mit ihr bis zur Burg gehen, aber der Moselsteig hat kurz vor Erreichen der Burgmauern andere Pläne. An einem kleinen Spielplatz am Wegrand, etwa 200 Meter vor der Burg, zweigt der Moselsteig nach links in das Gehölz, an dessen Rand ich zuletzt entlanggewandert bin, ab. Einen Moment überlege ich, bin schon ein paar Schritte dem Pfad gefolgt, doch dann entscheide ich mich, auf der schmalen Straße zur Burg zu bleiben, auch auf die Gefahr hin, eventuell bis zu dieser Stelle zurückgehen zu müssen.

Als ich die Burganlage erreiche, ist dort gerade eine Gruppe Kinder dabei, unter Anleitung eine Seilbahn von der Mauerkrone herunter zum Weg zu installieren. Gleichzeitig entdecke ich einen Wegweiser des Moselsteigs, der hinauf zum Burghof zeigt. Irgendwie hat also auch der Moselsteig den Weg hier her gefunden und ich steige mit ihm die Stufen zur Burg hinauf.

Zell und die Moselschleife
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Die Marienburg 'Die Kanonenbahn: Hangviadukt und Eisenbahnbrücke Die Uferfront von Zell Der Schwarze Katz-Brunnen am Zeller Rathaus

Die Marienburg ist eine Jugendbildungsstätte, eine Art Jugendherberge mit Angebot, lädt aber nicht wirklich zum Verweilen ein. Also überquere ich den Hof und folge dem Pfad an der entgegengesetzten Burgmauer den Burgberg hinab. Als ich dann am Ende des Pfades wieder auf eine Zufahrtsstraße zur Burg und den dort befindlichen Parkplätzen gelange, ich es recht laut, denn der Verkehr der nahen Bundesstraße schallt auf dieser Seite der Mosel zu mir herauf.

Als ich mit dem Moselsteig von der Zufahrt abgeleitet und auf die andere Hangseite geführt werde, passiere ich ein Auto. Die Heckklappe ist geöffnet und im Vorbeigehen erkenne ich die Gestelle der Honigwaben aus einem Bienenstock, aus denen das flüssige Gold herausläuft. Während der Imker mit nacktem Bauch aus dem Gebüsch kommt, bleibe ich stehen und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir über das Imkern, seine Bienen, beantwortet freundlich meine Fragen und bietet mir zum Schluss an, mir ein Stück von den Waben abzubrechen. Aber es ist viel zu warm und ich habe nichts zum Transportieren dabei, dennoch nehme ich ein Stück, das lose zu sein scheint und stecke es mir in den Mund. Wie ein Bonbon lässt sich der Wachs kauen, während der Honig süß über meine Zunge läuft. Mit Dank verabschiede ich mich, gehe weiter und kaue noch eine Zeit auf dem Wachs herum. Gut gucken soll ich nach zwei Stunden können und Halsschmerzen würde ich jetzt auch keine bekommen, hatte mir der Bienenzüchter noch mit auf den Weg gegeben.

War es von Prinzenkopf bis an die Stelle mit dem Imker bergab gegangen, führt der Moselsteig danach eine längere Wegstrecke bergauf und wieder in die Weinberge. Zurückschauend habe ich jetzt einen interessanten Blick auf das Hangviadukt und auf die auf der anderen Seite des Bergrückens befindlichen Eisenbahnbrücke. Dazwischen liegt der Prinzenkopftunnel, über den ich hinweg gewandert bin. Als ich dann unterhalb des Gewerbegebietes Barl, von dem ich aber geschützt durch einen Waldstreifen nichts mitbekomme, den Hügel umrunde, senkt sich der Weg schließlich wieder und bringt mich mitten durch die Weinreben der Stadt Zell entgegen. Dabei habe ich einen schönen Blick auf Briedel, das mich von meiner Warte aus ein wenig an Trarbach erinnert.

Info:
  • Die Kanonenbahn
    Die sogenannte Kanonenbahn ist oft ein Thema am Weg und in der Landschaft. In Reil am Bahnhof befindet sich eine Informationstafel zur Strecke und auch einen Eisenbahnhistorischen Wanderweg zwischen Bullay und Reil gibt es.
  • Zell
    Die Stadt Zell ist allein auf Grund der baulichen Struktur bestens zum Bummeln geeignet, denn entweder flaniert man auf der Uferpromenade oder man taucht ein in die Fußgängerzone hinter den Häusern des Moselufers mit den vielen Geschäften, Cafés und Weinstuben.
  • Bus & Bahn
    Verbindung zwischen Zell und Reil gibt es mal direkt mit dem Bus, mal mit Umsteigen über Bullay und einer Kombination aus Bus und Bahn.

Bald kann ich die Brücke über die Mosel bei Zell erkennen und sehe mich meinem Ziel schon nahe, denn dort in der Nähe war ich am Morgen in den Bus gestiegen. Doch der Moselsteig nimmt einen anderen Weg: Bisher einmalig auf der Strecke gibt es eine Fußgängerbrücke über die Mosel, die sich in Höhe der Kirche befindet, deren Kirchturm ebenfalls schon zu sehen ist. Und dorthin zu gelangen muss ich die Zubringerstraße zur Brücke überqueren und auf der anderen Seite noch einmal in die Weinberge eintauchen. Dann komme ich an einen Waldstreifen und steige senkrecht hinab zum Moselufer, durch Weinberge, an einen Bildstock vorbei und am Rande von Schrebergärten entlang. An der Bundesstraße, die am Moselufer entlang verläuft, muss ich ein kleines Stück entlanggehen, bevor ich am Friedhof und der Kirche von Kaimt vorbei an die Fußgängerbrücke komme. Zell liegt nun auf der anderen Uferseite, die Kirche deutlich vor mir, und das Schild, das auf die berühmte Lage der Zeller Schwarzen Katze hinweist, darüber.

Zell an der Mosel

Zum Abschluss dieser Etappe schlendere ich also über den Übergang auf die Kirche zu. Ganz oben auf der Anhöhe über der Schwarzen Katze kann ich den Collisturm gut ausmachen, der auf der nächsten Etappe das erste Ziel nach steilem Anstieg sein wird. Jetzt biege ich aber zunächst einmal auf die Uferpromenade ein und folge dem Wegweisern des Moselsteigs in die Ortsmitte von Zell. Auf dem Weg bemerke ich das Schild einer Eisdiele und will mir das beinahe schon obligatorische Eis am Ende einer Etappe gönnen. Dazu überquere ich die Uferstraße, steige ein paar Stufen hoch und befinde mich damit im hinteren Teil eines Eislokals. Das muss ich erst durchqueren, bevor ich an der moselabgewandten Seite in den betriebsamen Teil komme. Von dort kann ich auf die Fußgängerzone vor dem Haus gehen und bis zum Rathaus bummeln. Am Brunnen der Zeller Schwarzen Katze treffe ich den Moselsteig wieder, der hier am Rathaus vorbei aus Zell hinaus und mit dem Klettersteig hinauf zum Collisturm führt.