13. Etappe: Traben-Trarbach - Reil (16 km)

Die Überlegung vor dieser Etappe ist wieder einmal die, dass ich mit dem Auto zum Etappenziel fahre. Unterstützt wird dies dadurch, dass in Traben-Trarbach die Endhaltestelle der Bahn liegt, die auch in Reil einen Haltepunkt hat, und so dauert die Fahrt zwischen den Orten nur wenige Minuten. Als ich in Reil ankomme, gibt es dort, wie ich gehofft hatte, am Bahnhof ein paar Parkplätze und so ist für diese Wanderung alles bestens.

Die Grevenburg über Traben-Trarbach

Der Bahnhof in Traben befindet sich gleich hinter dem Busbahnhof, der wiederum am Gebäude "Alter Bahnhof" liegt. Busbahnhof und Alter Bahnhof, in dem die Tourist-Information untergebracht ist, sind mir noch von der letzten Tour bekannt und auch der Weg zur Brücke über die Mosel ist kein Problem, zumal ich auf der Poststraße bereits wieder auf dem Moselsteig laufe. Auf der Moselbrücke nehme ich an diesem schönen, sonnigen Morgen das alte Postamt und das Brückentor auf Trarbacher Seite in den Sucher der Kamera, denn beides hatte ich wegen des grauen Himmels beim letzten Mal nicht fotografiert. Dabei weckt auch schon die hoch aufragende Mauer der Burgruine der Grevenburg mein Interesse, denn dort hinauf wird mich der Moselsteig als nächstes führen. Trarbach schaue ich mir dagegen an diesem Tag nicht an und beschließe, dafür noch einmal einen extra Tag einzuplanen.

Der Anstieg zur Grevenburg ist dann nicht ohne. Zwar wird der Weg schnell zu einem schönen Waldpfad, aber er schlängelt sich in immer wiederkehrenden Serpentinen steil den Hang hinauf. Nach einer halben Stunde erreiche ich den Parkplatz zur Burgschenke. Dorthin führt in Weg mit dem Hinweisschild, dass das Betreten der Ruine auf eigene Gefahr stattfindet, und ich frage mich, ob das Gelände tatsächlich so gefährlich ist. Tatsächlich lohnt sich aber der Besuch der Anlage, denn der Blick ins Moseltal auf Traben-Trarbach ist wirklich einmalig schön.

Traben-Trarbach
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Der Alte Bahnhof in Traben Das Jugendstil-Postamt in Traben Das Brückentor Trarbach Die Ruine Grevenburg

Der Aufstieg ist an der Grevenburg aber erst zur Hälfte geschafft, der Moselsteig führt noch weiter auf den Berg hinauf. Und so kann ich wenig später noch einmal auf die Burgruine hinabschauen und finde auch diese Sicht durchaus attraktiv.

Über Starkenburg nach Enkirch

Im Folgenden geht es durch ein Waldgebiet weiter bergan, bis ich eine neu errichtete Schutzhütte passiere. Die Hütte ist schon von einer Wandergruppe belegt und so halte ich mich an dieser Stelle nicht lange auf. Außerdem geht es nun für einen halben Kilometer auf einem schönen, bewaldeten Hangkantenpfad bergab und so erhole ich mich vom langen Aufstieg auch ohne Rast.

Weiter geht es dann aber wieder mit einem Anstieg, der damit endet, dass ein Wegweiser links von Weg ab hinauf zu einem Aussichtspunkt zeigt. Nach nur wenigen Metern komme ich so an die Schutzhütte Auf'm Rech und lasse mich dort für eine Trinkpause nieder. Eine Fahne weht hier im Wind und steht senkrecht in der Luft - ganz schon windig ist es geworden. Und auch der Himmel ist nicht mehr klar, wie noch am Morgen beim Start der Etappe, wolkenbedeckt und grau sieht es aus. Trotzdem ist die Sicht zurück nach Traben und hinüber in die Eifel beeindruckend.

Wieder auf dem Moselsteig komme ich schnell nach Starkenburg hinein, in dem ich zuerst hinter den Häuser über eine mächtige Felsplatte gehen muss, um dann zwischen den Häusern über eine Treppe auf die Dorfstraße hinunter zu steigen.

In Ort gibt es einen weiteren Aussichtspunkt und auch hier steht die Fahne senkrecht in der Luft. Am Ortsende verlasse ich dann ein weiteres Mal den Moselsteig, um zur Ruine der Burg hinauf zu steigen. Auch von dort oben habe ich wieder eine schöne Aussicht, doch außer einer weiteren Schutzhütte und einer Fahne im Wind ist die Anlage sehr ernüchternd, denn von alten Mauern ist nur noch sehr wenig zu sehen.

Mit einer kleinen Straße verlasse ich den Ort Starkenburg und umrunde ich Burgberg talwärts gehend. Kurze Zeit später erreiche ich aber schon wieder die Straße, die durch Starkenburg hindurch und aus dem Ort hinaus führt, und muss sie überqueren. Auf der anderen Seite gelange ich auf eine Art Kammweg, der mich mit meist offener Sicht parallel zur Mosel weiter bringt. Leider ist oftmals auch die ebenfalls zum Weg parallel verlaufende Straße in der Nähe - nun gut, so viele Autos sind auf der Strecke nicht unterwegs und als der Moselsteig wieder in ein Waldgebiet hinein führt, ist eigentlich auch die Straße für eine Weile vergessen.

Es folgt die sogenannte Winzerkapelle, ein unter dem Schatten der Bäume erbauter Pavillon mit einem kleinen Kräutergarten davor, und anschließend der Rottenblick. Auch an diesem Aussichtspunkt befindet sich eine Schutzhütte und wie so oft auf dieser Etappe an markanten Punkten weht eine Fahne im Wind. Viel interessanter ist aber auch hier der Blick auf die Mosel und das nahe Enkirch.

Nach Enkirch hinunter geht es recht steil und teilweise auch über eine Betontreppe. Mit der gelange ich an einige Steilgärten, in denen die Eigentümer zum Teil Obst und Gemüse zu ziehen versuchen. Zwischen den Gärten hindurch komme ich dann wieder an die Landstraße und muss nun auch ein Stück an hier entlanggehen, bis ein Fußweg die Schleife der Straße abkürzt und mich in den Ortskern bringt. Der wäre eigentlich auch ganz schön, wenn das Wetter ein wenig freundlicher wäre, denn inzwischen hat sich der Himmel komplett bewölkt, es ist finster grau geworden und sieht nach Regen aus.

Zwischen Starkenburg und Reil
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Yachthafen am Rande von Traben 'Schutzhütte auf der Starkenburg Wegweiser in Enkirch Kelter und Kapelle Reil in Sicht

Es ist dann die Kirche, die mich anzieht und dabei vom Weg abbringt. Denn auf dem Weg dorthin verliere ich das Wegzeichen und bemerke das erst, als ich die Kirche umrundet habe. Um den Moselsteig wiederzufinden muss ich ein Stück zurückgehen und in die Backhausstraße abbiegen.

Am Ende der schmalen Backhausstraße muss ich kurz rechts und dort teilt sich dann die Straße. Hier entdecke ich ein schön gestaltetes, hölzernes Schild und den Wegweiser zum Unterdorf. Tatsächlich führt mich der Pfad durch ein kleines Waldstück in den deutlich tiefer gelegenen Teil des Ortes. Von dort geht es dann wieder hinaus aus Enkirch und hinein in die Weinberge.

Vertikal durch die Lagen und ein grüner Winzer

Nachdem ich in ein Seitental der Mosel gewandert und dort kurzzeitig durch einen Wald gekommen bin, steige ich wieder in einen Weinberg. Der Blick auf dieser Strecke ist wieder weit, die letzten Häuser von Enkirch liegen unter mir und entfernt, auf der anderen Uferseite der Mosel, kann ich jetzt gelegentlich das Signalhorn des Zuges hören, mit dem ich heute Morgen nach Traben-Trarbach gefahren bin. Dabei verpasse ich irgendwie einen Abzweig des Moselsteigs, denn ich befinde mich schon auf Höhe der Häuser, als wir auffällt, dass ich lange schon keine Wegmarkierung mehr gesehen habe. Als ich an eine Kreuzung komme, an der sich erneut kein Wegweiser befindet, wird es zur Gewissheit: Ich muss umkehren und die letzte Markierung suchen.

Dreihundert Meter zurück entdecke ich dann einen dieser hüfthohen Pfosten, an dem ein Logo des Moselsteigs angebracht ist. An dieser Stelle zweigt der Richtungspfeil auf einen Pfad, der zwischen den Reben in die Höhe führt. Nahezu senkrecht muss ich nun im Weinberg empor bis zur nächsten Stufe, an der ich auf einen Wirtschaftsweg stoße. Verschnaufen ist aber nicht lange angesagt, denn es geht nur kurz links und anschließend erneut durch die Reben zur nächsten Etage hinauf - mein Respekt für die Arbeit der Winzer steigt mit jedem Schritt!

Oben angekommen wandere ich dann am Waldrand entlang. Bis auf zwei folgernde, kürzere Abschnitte, werde ich nun für den Rest des Weges bis Reil immer am oder in den Weinbergen unterwegs sein. So passiere ich Burg und gelange auf einen Weinlehrpfad, der mit immer neuen Tafeln auf die Vielfalt des Weinbaus aufmerksam machen.

Dann sehe ich einen kleinen Traktor am Wegesrand stehen. Ein Weinbauer rangiert sein Mini-Raupenfahrzeug auf den Anhänger und als ich an dem Gerät vorbeigehe, grüße ich den Mann und schaue ihm dabei ins Gesicht: Eine dicke, grüne Staubschicht hat sich über die Haut und die Kleidung gelegt. Den Kommentar, dass er aber keine gesunde Gesichtsfarbe habe, kann ich mir dabei nicht verkneifen.

Info:
  • Reil
    Der Ort ist sicher nicht der bekannteste an der Mosel, aber Reil bietet Wanderern u.a. eine Touristinformation, Unterkünfte und Gastronomie, aber auch ein Geschäft zum Auffüllen des Proviants.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Traben-Trarbach und Reil gibt stündliche Verbindungen mit der Moselweinbahn - auch am Wochenende.

Zurück in Reil

Der Zielort dieser Etappe, Reil, rückt nun immer näher, immer deutlicher ist die Brücke über die Mosel zu erkennen, über die auch ich hinüber muss.

Als ich etwa auf Höhe der Kirche des Ortes bin, ist am Wegrand eines der Moselsteig-Hinweisschilder aufgestellt. Ein Pfad durch einen ehemaligen Weinberg führt steil abwärts, wobei Schieferstücke den Abstieg rutschig und gefährlich machen. Zum Glück ist diese Passage nicht lang und als ich auf dem nächsten Weinbergweg angelangt bin, geht es eben weiter.

Unter mir liegt dann die Moselbrücke, die zum Ort Reil hinüberführt. Doch statt dorthin abzusteigen bleibt der Moselsteig in der Höhe und verläuft weiter parallel zum Moselufer. Wieder bin ich in Sorge, dass ich den Weg verloren hätte, aber diesmal entdecke ich immer wieder neue Moselsteig-Markierungen, bin also auch auf dem richtigen Weg. Erst nachdem ich die Brücke schon ein gutes Stück passiert habe, komme ich an einen talwärts führenden Weg und kann mit einer 180°-Kehre zurück in Richtung Brücke gehen.

Nach weiteren Serpentinen fällt mir etwas oberhalb der die Brücke überquerenden B 53 ein besonderer Weinberg auf. An den Stangen, an denen die Reben befestigt sind, befinden sich Namensschilder. Tatsächlich bietet es hier ein Winzer an, eine Patenschaft für Rebstöcke zu übernehmen.

Nicht viel weiter erreiche ich endlich die Moselbrücke. Mit ihr wechsele ich die Uferseite der Mosel und komme nach Reil. Als ich dann gerade überlege, ob ich mir den Ort noch genauer anschauen soll, bemerke ich an der Straßenecke eine Pizzeria, die mit selbstgemachtem Eis wirbt. Es ist keine Frage, ob ich der Eisdiele einen Besuch abstatte, erteile damit aber der Ortsbesichtigung eine Absage. Mit meinem Eis in der Hand gehe ich die wenigen Meter zum Bahnhof hinauf und beende diese Etappe. Gut 1,5 Kilometer mehr als oben angegeben habe ich an diesem Tag durch das zweimalige Verlieren des Weges auf dem Wegstreckenzähler.