12. Etappe: Ürzig - Traben-Trarbach (16,8 km)

Vor dem Beginn der letzten Etappe war mir der Parkplatz am Moselufer in der Nähe des Schiffsanlegers von Ürzig aufgefallen. Dorthin lenke ich an diesem Tag mein Auto und stelle es ab. Ziel ist heute Traben-Trarbach und die Rückfahrt habe ich mit dem Bus geplant. Die Haltestelle in Ürzig liegt an der B 53 direkt dem Parkplatz gegenüber - ideal also.

Zum Moselsteig durch den Ürziger Gewürz- und Rosengarten

Vom Parkplatz mache ich mich auf, zwischen den alten Häusern hindurch zur Straße Altenberg, mit der ich am Ende der letzten Etappe hinab in den Ort gestiegen bin. Schon auf dem Weg dahin fällt mir ein Wegweiser auf, der zum "Gewürzgarten" zeigt. Scheint interessant zu sein und ich überlege, ob ich mir diesen Gewürzgarten für einen späteren Besuch merken soll. Dann, schon im Altenberg, gibt es zwischen zwei Häusern einen engen Treppenaufstieg, an dem ein weiterer Wegweiser angebracht ist. Nach kurzem Zögern beschließe ich, zumindest ein paar Schritte in die Richtung zu gehen, um zu gucken, ob man schon etwas vom Gewürzgarten sehen kann. Tatsächlich habe ich schnell einen schönen Blick über die Dächer von Ürzig hinweg auf die Mosel und befinde mich in einem ehemaligen Weinberg, dessen Terrassen jetzt mit unterschiedlichen Kräutern bepflanzt worden sind. Dazwischen windet sich ein Weg in die Höhe.

Ohne das ich lange überlegt habe, stehe ich am oberen Ende des Gewürzgartens und lese auf einer Tafel, dass es auch noch einen Rosengarten gibt. Dieser Rosengarten ist ebenso wie der Gewürzgarten in einem ehemaligen Weinberg angelegt worden. Da der Weg, auf den ich gelangt bin, nicht zum Altenberg zurückführt bzw. der Durchgang nicht gewünscht ist, steige ich auch noch durch den Rosengarten, eine Lage höher. Dort treffe ich wieder auf einen Querweg, den ich nun nach rechts gehen kann und gelange mit ihm am Rastplatz "Johannisruh" vorbei in einen Wald. Dort entdecke ich eine Hütte in einem Bachtal und erkenne in ihr die Schutzhütte, an der ich mich auf der letzten Etappe von meinem Mitwanderer getrennt hatte. Also wechsele ich auf den Pfad dorthin und befinde mich damit wieder auf dem Moselsteig.

Das Moseltal bei Ürzig
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Im Gewürzgarten von Ürzig Die Schutzhütte am Altenberg Das Moseltal bei Ürzig Die Weinberge bei Lösnich

Von der Hütte hinunter in die Schlucht bis zum oberen Teil des Altenberg ist es nun nicht mehr weit. Doch statt mich diesmal einfach ins Tal nach Ürzig zu wenden, schaue ich mich diesmal genauer um und wie vermutet entdecke ich, wenn auch ein wenig versteckt, ein Wegzeichen des Moselsteigs, das mich den Hang hinauf führt.

Über den Burgberg zum Mont Royal

Bergan komme ich schnell wieder in eine Rebparzelle und an die Straße, die das Ober- mit dem Unterdorf verbindet. Hier entdecke ich auch eine Treppe, die von Ürzig heraufkommt und an der ein Wegweiser den Zuweg von der Mosel herauf kennzeichnet. Doch ich wende mich in die entgegengesetzte Richtung und biege in eine Straße ein, die mich an einer Reihe von Wohnhäusern aus dem Ort hinausbringt. Sofort nach dem Ortsausgangsschild zweigt dann ein Pfad links ab und verläuft mehr oder wneiger am Waldrand entlang parallel zur Landstraße. Dieser Weg ist eigentlich recht schön und angenehm zu wandern, wenn, ja wenn da nicht die Straße wäre. Dabei habe ich Glück, denn an dem Wochentag, an dem ich auf der Strecke bin, sind nicht viel Fahrzeuge unterwegs und so fühle mich nicht sonderlich vom Verkehr gestört. Dennoch bin ich froh, als ich die Straßenseite wechseln muss, um einen Hügel herum durch den Wald zur Burgberghütte hinaufgehe und damit die Straße fürs Erste hinter mir lasse.

Von der Burgberghütte hat man einen wirklich tollen Blick auf Ürzig, wo trotz schon einiger Entfernung der Gewürz- und Rosengarten noch zu erkennen ist. Außerdem sieht man zurück auf die Hochmoselbrücke und natürlich auch auf das unter mir liegende Erden sowie auf das kommende Lösnich.

Nach der Burgberghütte wandere ich mit dem Moselsteig eine Zeit lang durch ein schönes Waldgebiet, bevor es dann mit weitem Blick auf das Moseltal ein Stück durch einen Weinberg geht. Wieder muss ich dann über eine Straße hinweg und erreiche damit nach dem Burgberg den zweiten Peak an diesem Tag. Lupinen säumen jetzt im Frühsommer den Weg, doch genauso erkenne ich die Stiele und Blätter des Riesen-Bärenklaus, einer hochwachsenden Pflanze, die bei Berührung schwerste Hautreizungen hervorrufen kann. Offenbar hat man versucht, die Pflanze zu bekämpfen in dem die Stiele über dem Boden abgeschnitten worden sind. Allerdings ist der Bärenklau extrem widerstandsfähig und an vielen Stellen schon wieder dabei, sich zu erholen.

Schließlich ist es Kröv, der Weinort, mit der wahrscheinlich bekanntesten Weinlage an der gesamten Mosel, dem Nacktarsch, der sich unter mir zeigt. Gleichzeitig wandere ich über einen offenen Hangweg, an dem sich dann linker Hand ein Trog mit einem Hahn in der Hangwand befindet. Direkt daneben führen Treppenstufen zur Schutz- und Grillhütte Hähnchensborn. Als ich dort jedoch ankomme, sind viele der Tische und Bänke schon belegt und ich halte mich nicht lange auf. Wenig weiter werde ich mit dem Moselsteig an einem Parkplatz vom Hangweg auf einen Pfad den Hang hinunter geführt und treffe so auf die Bergkapelle Kröv.

Nach dem Besuch der Kapelle überquere ich den Parkplatz und die von Kröv heraufkommende Bergstraße. Der Moselsteig wird wieder schmaler und schön zu gehen, doch an dieser Stelle macht sich der näher kommende Ferienpark bemerkbar, denn immer häufiger hört man Stimmen und Rufe, meist von Kindern, und Radfahrer nutzen nun auch gerne den Weg.

Der Weg an Kröv vorbei nach Traben-Trarbach
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Auch schön: Mohnblumen am Weinberg Quelle Hähnchensborn und Aufgang zur Hütte Die Bergkapelle Kröv Wunderbare Mauerblümchen In Sicht: Trarbach als Teil des Doppelortes Traben-Trarbach

Vor dem Erreichen des Ferienparkgeländes muss ich ein kleines Stück an der Landstraße entlang, dann aber biegt der Moselsteig rechts in einen Wirtschaftsweg ein, um kurz drauf einen schmalen Weg nach links zu nehmen. Damit umrunde ich den Freizeitpark und wandere schließlich wieder parallel einer Landstraße. Ohne es zu bemerken - kommen da die lauten Rufe der Kinder her - passiere ich den Kletterpark Mont Royal, der sich hinter den Bäumen versteckt, und die sich in der Nähe befindlichen Festungsanlage. Dafür komme ich an einem Aussichtspunkt vorbei, von dem ich direkt auf den Ort Wolf hinunterschaue.

Vom Flugplatz zum Jugendstil

Als sich die Bäume lichten und Gebäude auftauchen, habe ich den Flugplatz Traben-Trarbach / Mont Royal erreicht. Eine Gaststätte mit Tischen vor der Tür lockt an dieser Stelle, aber wer sich unter Flugplatz einen betriebsamen Airport vorstellt, der ist hier falsch. Die Startbahn ist eine kurz gemähte Wiese und Verkehr, so ist mein Eindruck, als ich einen Moment überlege, ob ich mich im Biergarten niederlassen soll, um die Starts und Landungen anzuschauen, gibt es hier so gut wie nicht. Also gehe ich lieber zum Tower, der aber nicht besetzt ist, und schaue in die Flugzeughalle, wo zwei Sportflugzeuge stehen.

Hinter dem Tower gibt es einen weiteren Aussichtspunkt, von dem man wunderbar auf die alte Brücke von Wolf sehen und gleichzeitig die Arbeiten an der neuen, ein Stück moselabwärts, beobachten kann. Dort lasse ich mich einen Moment nieder und finde die Wahl besser, als wenn ich am Flugfeld darauf gewartet hätte, dass sich ein Flieger in die Lüfte schwingt. Zumal ich dann auch noch auf einer Anhöhe eine Ruine entdecke, bei der es sich um die Mauerreste des Klosters Wolf handelt, wie ich später herausfinden werde.

Wenig nach dem Rastplatz zweigt der Moselsteig auf einen steil abfallenden Weg ab. Gerade arbeite ich mich den Geröllweg hinunter, als sich doch noch ein Flugzeug in den Himmel erhebt - leider zu spät, denn ich kann nur die Propeller durch die Bäume brummen hören.

Mit dem neuen Weg gelange ich wieder in die Weinberge und auf einen Wirtschaftsweg, mit dem das Gefälle ein wenig abnimmt. Rechter Hand fließt die Mosel im Tal, dazwischen liegen die Hänge mit den Reben und linker Hand befinden sich meist Trockenmauern, die den darüber liegenden Weinbergen Halt geben sollen. Doch dort oberhalb ist der Weinanbau, wenn es ihn dort gegeben hat, aufgegeben worden und so haben sich interessante Pflanzen, Moose und Flechten an und auf der Mauer niedergelassen.

Schließlich schiebt sich Trarbach auf der anderen Moselseite mehr und mehr in mein Blickfeld, bewacht von einer Kirche und überthront von den Ruinen einer Burg. Doch nicht Trarbach erreiche ich schließlich zuerst, sondern Traben, auf dessen Uferseite ich gewandert bin.

In Traben statte ich als erstes der Tourist-Information im Alten Bahnhof einen Besuch ab, denn bis der ausgesuchte Bus kommt, habe ich noch ein wenig Zeit, die ich nutzen möchte, um mir den Ort anzusehen, der wegen der vielen Hausfassaden aus dem Jugendstil bekannt ist. Mit einem Stadtplan in der Hand gehe ich als erstes hinunter zur Brücke, die auf Trarbacher Seite ein schönes Tor aufzuweisen hat. Auf Grund des bedeckten Himmels verschiebe ich den Fototermin aber auf das nächste Mal, ebenso wie den Besuch von Trarbach und schlendere statt dessen wieder zurück zur Trabener Uferseite. Dort gibt es in einem kleinen Haus am Brückenkopf einen Eisverkauf, wo ich mir die verdiente Portion für den Weg durch die Straßen von Traben mitnehme.

Info:
  • Traben-Trarbach
    Neben der guten Infrastruktur für Wanderer gibt es im Doppelort Traben-Trarbach noch viele sehenswerte Bauwerke aus der Zeit des Jugendstils und der "Belle Epoque".
  • Bus & Bahn
    Ürzig und Traben-Trarbach sind gut mit Bussen des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel verbunden.

Ein Besuch in Traben-Trarbach

Sowohl in Traben als auch Trarbach gibt es viele schöne und interessante Bauwerke, oft aus dem Jugendstil und der "Belle Epoque". Eindrucksvoll und einzigartig ist das Brückentor auf Trarbacher Seite. Für schlechtes Wetter, das es ja eigentlich gar nicht gibt, gibt es im und rund um den Historischen Stadtturm die Museumszeile, eine Ansammlung von Museen für unterschiedliche Interessengebiete. Sehenswert ist auch die Führung durch die Traben-Trarbacher Unterwelt, die den Besucher in mehr als 32 Keller des Ortes bringt.

Die möglichen Aktivitäten auf und um den Mont Royal oberhalb von Traben klingen im obigen Text ja schon immer mal wieder durch. Nennenswert sind die Ruinen der ehemaligen Festungsanlage, die auch mit einer Führung zu besichtigen sind. Gleich nebenan befindet sich der Kletterpark, der besonders Kindern und Jugendlichen viel Spaß bietet, während Erwachsene möglicherweise lieber ganz hoch hinaus wollen und überlegen, einen Rundflug vom Flugplatz zu buchen. Alle zusammen unternehmen sicher gerne einen Schiffsausflug auf der Mosel.

Das in dieser Aufzählung die Grevenburg, eine Ruine mit schönem Ausflugslokal hoch über Traben-Trarbach, nicht zu finden ist, hat einen guten Grund: Gleich zu Beginn der nächsten Etappe führt mich der Moselsteig dort hinauf.