11. Etappe: Bernkastel-Kues - Ürzig (16,7 km)

Da es zu erwarten ist, dass in Bernkastel-Kues Parkplätze nur kostenpflichtig zu bekommen sind und es mir generell lieber ist, am Morgen am Zielort zu parken, fahre ich für diese Etappe nach Ürzig. Der Ort "fließt" vom Berg hinunter zur Mosel, wobei der neuere Ortsteil oben und der urig, alte am Moselufer liegt. Dazwischen windet sich die Landstraße in Serpentinen den Hang hinab und etwa in der Mitte gibt es eine Reihe von Parkplätzen. Einen davon nehme ich, da in meinem gekauften Wanderführer zu lesen ist, dass der Moselsteig den unteren Ort nicht berührt und nur in der Höhe durch den Oberort verläuft. Am Ende der Tour kann ich also bequem bergab zum Auto gelangen, während ich jetzt hinunter in den Ort gehe, denn für die Fahrt nach Bernkastel-Kues habe ich mir wie schon einmal eine Schifffahrt ausgesucht.

Los geht's im Wohnzimmer Bernkastels

Als ich am Auto aufbreche, fällt mir der Bau einer das Moseltal überspannenden Brücke ins Auge. Im Hinterkopf erinnere ich mich, dass ich schon von diesem Projekt gelesen oder gehört habe und das es nicht ganz unumstritten ist. Im Moment ragen nur die Pfeiler der Brücke in den Himmel, während auf der anderen Uferseite ein Teilstück der Fahrbahn bereitliegt, um über die Träger geschoben zu werden.

Dann komme ich nach Ürzig, wo im deutlichem Gegensatz zum modernen Brückenbau alte Häuser glänzen, und gehe durch die Gassen zur Mosel. Bis das Schiff kommt, habe ich noch ein wenig Zeit und so schaue ich den Schwalben bei der Jagd zu und genieße den Moment. Unterbrochen werde ich einmal, als ein junger Mann mir ein Ticket für die Schifffahrt verkaufen will. Tatsächlich ist er mit dem Auto vorausgefahren und sorgt so für einen schnellen Ablauf beim Einsteigen, als das Schiff endlich angelegt hat und die Passagiere aufnimmt. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt bis Bernkastel-Kues, inklusive der Schleusung durch die Schleuse Zeltingen.

In Bernkastel zieht es die Menschen dann als erstes in die Altstadt, die an diesem Tag, als auch ich dort ankomme, schon gut besucht ist. Die Tische der Lokale erfahren überall lebhaften Zuspruch, was kein Wunder ist, denn es geht auf die Mittagsstunde zu und das Wetter ist herrlich sonnig und warm, auf den Straßen bummeln die Menschen gemütlich umher... Ein Grund, warum ich mich nicht zu lange in den engen Gassen aufhalte und dem kleinen Markt, den die Bernkasteler gerne auch als ihr Wohnzimmer bezeichnen, schnell überquere.

Weiter über Maria Zill zur Schäferei

Im Tal des Kallenfelsbaches führt der Moselsteig aus Bernkastel hinaus und wechselt schnell in ein ausgedehntes Waldgebiet. Dies bedeutet, dass die nächsten drei Kilometer zwar meist im Schatten der Bäume verlaufen, dennoch aber gut ansteigen. Das hat wiederum zur Folge, dass sich das Schweißband an meinem Hut immer stärker vollsaugt und ich am Aussichtspunkt Maria Zill bereits zwei Trinkpausen hinter mir habe.

Von Ürzig nach Bernkastel-Kues und zurück
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Die Hochmoselbrücke bei Rachtig In den Gassen von Ürzig Der Stadtteil Kues vom Aussichtspunkt Maria Zill Wehlen mit Moselbrücke Das Techenter Kreuz und die Schleuse Zeltingen

Auch mit Blick auf das Moseltal greife ich wieder zur Wasserflasche, beginne aber an dieser Stelle zum ersten Mal zu überlegen, ob und wann ich eine weiter Wasserflasche kaufen muss. Am Kloster Machern gibt es einen Gastronomiebetrieb, daran kann ich mich erinnern, und sicher werde ich spätestens dort Nachschub für meinen Wasserhaushalt bekommen. Nachdem das Problem gelöst zu sein scheint, nehme ich noch einen guten Schluck und kann dabei jetzt auch das Panorama mit Kues auf der einen Seite und dem voraus liegenden Wehlen auf der anderen genießen.

Auf dem anschließenden Abschnitt neigt sich der Moselsteig wieder talwärts, und dies bleibt auch so, bis ich das Ortschild "Schäferei" passiere. Ansehen kann ich mir den Ort jedoch nicht, denn sofort hinter dem Ortseingang zweigt der Moselsteig ab und steigt wieder an. Diesmal dauert der Anstieg nur gut 500 Meter, führt aber stramm bergan und ich schnaufe bald mit jedem Schritt, den ich mich den Hang hinaufarbeite, der Schweiß fließt wieder in Strömen.

Zelting-Rachtig und das Kloster Machern

Nach einer Steigung geht es naturgemäß wieder bergab, aber inzwischen sind die offenen Abschnitte des Weges immer häufiger und das bedeutet, immer öfter im Sonnenschein unterwegs zu sein. So passiere ich den Ort Wehlen unter mir, der sich deutlich durch die Moselbrücke hervorhebt.

Dann, es geht wieder ein kleines Stück aufwärts an der sonnigen Hangkante am Waldrand entlang, entdecke ich einen Picknickplatz, der von einem Baum überschattet wird. Auch, wenn der Tisch schon besetzt ist, überlege ich nicht lange, grüße den Mann, der vor mir dort gewesen ist, und lasse mich neben ihm im Schatten auf der Bank nieder. Leider hat er den deutlich besseren Platz erwischt, denn nicht nur, dass er wie ich Schatten hat, er kann auch noch über die Balustrade auf die Mosel hinunter schauen, was mir von meinem Sitz verwehrt ist. So trinke ich und warte nach einem kurzen Gespräch darauf, dass der Mann den Platz räumt - er sieht nicht nach einem Wanderer, sondern viel mehr nach einem Autofahrer aus, der den Wagen in der Nähe geparkt hat. Tatsächlich habe ich die ausreichende Geduld, was aber kein Wunder ist, denn immer noch ist es mir eindeutig zu warm.

Nachdem ich wieder aufgebrochen bin, entdecke ich einen weiteren Aussichtspunkt, diesmal mit einem Kreuz, das auf die Mosel hinabblickend aufgestellt worden ist. Es folgt ein steiler Abstieg und kurz drauf ein weiterer Aussichtspunkt, auf dem sogar ein Holzpavillon neu errichtet worden ist. Der offene Platz eignet sich sehr gut, um den Verkehr in der direkt darunter liegenden Schleuse Zeltingen zu beobachten, durch die ich am Morgen selbst mit dem Schiff geschleust bin. Außerdem bemerke ich moselabwärts jetzt ein auffälliges Gebäude, bei dem es sich um das Kloster Machern handeln muss. Doch lange will ich mich nicht in der Sonne aufhalten und wandere deshalb nach nur kurzem Stopp weiter.

Oberhalb von Zeltingen erreiche ich dann die Weinberge und bleibe, während ich den Ort passiere, in den Reben. Unerbittlich scheint nun die Sonne auf mich herab und die Schieferböden reflektieren die Wärme zusätzlich von unten. Inzwischen ist die 30°-Marke deutlich überschritten und ich versuche nur noch so schnell als möglich aus dieser Hitze heraus zu kommen.

An einem Feuerwehrhaus nimmt der Moselsteig einen Wiesenpfad an den letzten Weinreben vorbei hinunter zu einer Wohnstraße und ich gelange damit zum Ortsrand von Rachtig. Mit der Brückenstraße gehe ich ins Dorf hinunter, entdecke aber an der Kreuzung Weingartenstraße eine Bank, die zum kleinen Teil von Schilder zu örtlichen Geschäften und Lokalen überschattet wird. Der Schatten reicht gerade, um am äußersten Rand der Sitzfläche meinen Kopf und den Oberkörper aus der Sonne halten zu können, aber dort lasse ich mich nieder und merke, wie geschafft ich bin.

Zeltingen-Rachtig
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Zeltingen mit der Schleuse Rachtig mit der Brücke

Mindestens 20 Minuten bleibe ich sitzen und betrachte das geringe Treiben an der Kreuzung. Dann mache ich mich auf, immer noch habe ich mir einen Rest Wasser in der Flasche als Notreserve übriggelassen, falls es im Kloster Machern keine Möglichkeit gibt, meinen Vorrat aufzufüllen. Doch eigentlich schreit mein Körper nach mehr Wasser, als ich über die Moselbrücke hinweg weiter durch die Sonne gehe.

Im Hof des Kloster Machern gibt es ein Eiscafé und ein Gasthaus, beide haben Tische und Stühle nach draußen gestellt. Doch wenn ich mich hier niederlasse, dann weiß ich, dass die Getränkerechnung sehr hoch ausfallen wird. Deshalb gehe ich in das Gasthaus hinein und frage nach einer Flasche Wasser zum Mitnehmen. Mein Blick fällt dabei durch die geöffnete Tür eines Vorratsraums auf ein Sixpack stilles Mineralwasser in 2 Liter Flaschen. Die Bedienung muss erst den Chef fragen, ob sie mir eine Flache verkaufen darf, der Chef ziert sich eine Zeit lang, verkauft mir dann aber doch eine der Plastikflaschen zu einem Preis, für den ich im Supermarkt beinahe einen ganzen Sixpack bekommen hätte - mir ist es recht.

Ein Stück den Berg vor der Klosterpforte hinauf befindet sich an der schmalen Straße eine Mariengrotte. Der Platz ist wunderbar schattig und kühl, deshalb lasse ich mich dort auf einer Bank nieder, esse mein mitgebrachtes Brötchen und trinke, trinke,...

Ein unterhaltsames Ende

Als ich mich zum Weitergehen entschließe, fällt mir das Wandern wieder leichter, auch wenn es nun wieder bergan und durch offenes Gebiet geht, und selbst die Sonne erscheint jetzt nicht mehr so heiß wie zuvor. Die Brücke über die Mosel liegt bald ein Stück hinter mir und bietet mit Zeltingen und der Schleuse im Hintergrund ein nettes Fotomotiv. Gleichzeitig sind die Pfeiler der Hochmoselbrücke, die ich am Morgen schon von Ürzig aus bemerkt hatte, deutlich näher gerückt.

Der Moselsteig steigt dann ein paar Stufen hinauf zu einem runden, neu errichteten Pavillon auf Holz. Dort rastet bereits ein Wanderer, als ich eintreffe. Um zu trinken setze auch ich den Rucksack ab und wir kommen ins Gespräch. So erfahre ich, dass wir es am Kloster Machern genau umgedreht gemacht haben: Er hat die heiße Zeit am Nachmittag an der Mariengrotte pausiert, um dann in das Gasthaus im Kloster zu gehen, wo er mich während des Wasserkaufens bemerkt hat. Als ich dann wiederum an der Mariengrotte saß, muss er mich überholt haben.

Vom Pavillon wandern wir gemeinsam weiter, denn auch mein Mitwanderer erkundet den Moselsteig, allerdings an mehreren Tagen am Stück, und will nach Ürzig, um dort zu übernachten. Er ist schon verschiedene Weitwanderwege gegangen, u.a. auch den Eifelsteig, und nun zum zweiten Mal für eine Woche auf dem Moselsteig unterwegs.

Wir trennen uns wieder an einer Hütte, die dunkel in einem schattigen Waldstück steht. Mein Mitwanderer möchte hier noch einmal eine Trinkpause machen, während es mich zum nahen Ürzig zieht. Eine insgesamt interessante Unterhaltung endet so.

Info:
  • Kloster Machern
    Etwa vier Kilometer vor dem Etappenziel Ürzig liegt das Kloster Machern, das sich gut für eine Pause anbietet.
  • Ürzig
    Der eigentliche Ortskern von Ürzig liegt im Tal am Moselufer. Hier findet man Gastronomie und die Tourist-Information.
  • Bus & Bahn
    Verbindungen zwischen Ürzig und Bernkastel-Kues kann man beim Verkehrsverbund Region Trier nachsehen. Dabei darauf achten, ob man Bernkastel oder Kues als Ziel auswählt.

Durch einen kurzen, schluchtartigen Abschnitt komme ich auf einen Asphaltweg. Irgendwie achte ich nicht auf die Wegmarkierung des Moselsteigs und wende mich an dieser Stelle nach rechtsum den Berg hinab zu gehen. Die Idee war eigentlich auch richtig, denn nur wenig später treffe ich in Ürzig ein. Nur hatte ich ja geplant, so lange auf dem Moselsteig zu bleiben, bis ein Zuweg hinunter in den unteren Ortsteil führen würde, um dabei am Auto vorbei zu kommen. Stattdessen befinde ich mich nun im alten Ürzig und muss die Straße zum Parkplatz hinauf.

Als das geschafft ist, ist auch nicht mehr sehr viel Wasser in der 2 Liter Flasche, die ich seit der letzten Rast gar nicht mehr in den Rucksack getan habe. Zum Glück hat das Auto den Nachmittag im Schatten gestanden und ist somit nicht zu sehr aufgeheizt. Für die Navigation-CD haben die Temperaturen aber gereicht, denn die muss ich erst vor die Lüftungsschlitze halten, damit die kühle Luft der Klimaanlage sie wieder gängig macht.