10. Etappe: Kesten - Bernkastel-Kues (11,7 bzw. 15 km)

Dadurch, dass ich am Ende der vorangegangenen Etappe den ersten Zuweg vom Freizeitgelände am Sauerbrunnen nach Kesten genommen habe, fehlt mir das Stück Moselsteig nach Osann-Monzel, das ich zu Beginn dieser Wanderung nachholen will. Tatsächlich werde ich aber zwei Anläufe brauchen, um Bernkastel-Kues zu erreichen.

Das 1. Mal: Von Kesten nach Mülheim

In Kesten parke ich am Eiermarkt. Ob das ein richtiger Parkplatz ist, kann ich nicht sagen, auf einer Karte ist er als solche eingezeichnet und als ich dort eintreffe, parken auch schon Autos auf dem kleinen Platz und ich stelle mich einfach dazu. Vorteil dabei ist, dass sich die Bushaltestelle in der Nähe befindet.

Nachdem ich mir die Schuhe geschnürt und den Rucksack aufgesetzt habe, mache ich mich also zunächst daran, über den Zuweg wieder zum Moselsteig hinauf zu wandern. Bis zum Freizeitgelände sind es ca. 1,5 Kilometer, die mich, stramm aufwärts durch die Weinberge bringen. Dort, wo ich beim letzten Mal den Moselsteig verlassen habe, steige ich dann weiter den Hang hinauf, zunächst noch durch ein kleines Waldstück, bald aber wieder zwischen den Rebreihen. Das Wetter ist an diesem Tag wieder einmal drückend warm, und so fließt mir der Schweiß in Bächen über das Gesicht.

Nach 3,5 Kilometer ist dann der höchste Punkt dieses Abschnittes erreicht und ich schnaufe tief durch, kaum noch ein trockenes Stück Stoff am Körper. Nach 4 Kilometern dann der Schock: Ich schaue zwischen den Reben hinab ins Tal und sehe die Kirche von Kesten genau unter mir, keine 500 Meter von meinem Standpunkt entfernt, Streckengewinn gleich null! Nach 5,8 Kilometern komme ich an die Pfarrkirche St. Nikolaus in Monzel, wo ein weiterer Zuweg mit der Straße von Kesten heraufkommt - Weglänge von der Kirche in Kesten bis hier her: ca. 800 Meter. Spätestens an dieser Stelle hat die Motivation für die weitere Strecke deutlich abgenommen.

Leicht bergan wandere ich durch die Weinfelder bei Ozann-Monzel, hinauf zum Brauneberg und zur dortigen Schutzhütte. Anschließend geht es am Rande der Weinberge entlang weiter, bis der Moselsteig sich entschließt, nach mit einem Schlenker ins Liesertal abzuknicken. Dort beginnt dann der Abstieg ins Tal, der an der vielbefahrenen Moselbrücke nach Mülheim endet. Die Brücke wird gerade saniert, als ich über sie hinweg gehe - gut 10 Kilometer bin ich bis dort hin bereits gegangen, mindestens neun sind es noch bis Bernkastel.

Rund um Osann-Monzel
Zum Vergrößern anklicken
Kesten an der Mosel Eine Schnecke auf dem Weg nach oben In der Ferne: Die Schleuse Wintrich Am Moselsteig Osann-Monzel umgeben von Weinreben

Der Himmel ist inzwischen bedeckt, die Luftfeuchtigkeit hat für mein Empfinden noch zugenommen, als ich durch den Ort Mülheim gehe. Die Gedanken, die Wanderung abzubrechen, nehmen zu und als ich das Schild sehe, das zum Schiffsanleger weist, überlege ich nicht lange und biege zur Mosel hin ab. Den Anleger habe ich schnell gefunden, bis zur nächsten Abfahrt habe ich noch mehr als eine halbe Stunde Zeit und so setze ich mich am Ufer auf eine Bank. Passend zum Tag beginnt es kurz drauf zu regnen.

Zum krönenden Abschluss kommt dann das Schiff herangerauscht, erreicht die Höhe des Ablegers, scheint jedoch keine Anstalten zu machen auch tatsächlich anzulegen. Also stehe ich von der Bank auf und gehe auf den Anleger. Als ich dort stehe, ruft jemand von Schiff herüber, ob ich mitfahren wolle und ich bestätige dies. Die Antwort kann ich auf Grund der Entfernung und der Fahrgeräusche nicht mehr verstehen. Das ist inzwischen auch egal, denn klar ist, dass dieses Schiff vorbei ist und mich nicht mitnehmen wird.

Zum Glück habe ich Zuhause auch eine Rückfahrt mit dem Bus als Alternative herausgesucht. Deshalb weiß ich, dass es noch eine Verbindung mit dem Bus von Kues nach Kesten gibt, die durch das auf der anderen Uferseite liegende Lieser verläuft. Allerdings weiß ich nicht, wo sich dort im Ort eine Bushaltestelle der entsprechenden Linie befindet, und so heißt es, sich zu beeilen, um nicht auch noch diesen Bus zu verpassen.

Wieder zurück über die Moselbrücke finde ich nach rund 2 Kilometern die passende Haltestelle und mit einigen Minuten Verspätung, die mich nach dem Erlebten ein wenig nervös machen, kommt auch der Bus. Der bringt mich nach Osann zur Grundschule, wo ich nach kurzem Aufenthalt in den Bus nach Kesten umsteigen kann.

Das 2. Mal: Von Kesten nach Bernkastel

Nach den vorangegangenen Ereignissen vergeht ein dreiviertel Jahr, bis ich mich ein weiteres Mal an dieser Etappe versuche. Inzwischen ist wieder Frühling geworden und an einem herrlichen Tag fahre ich wieder nach Kesten, parke auf dem kleinen Platz in Kesten, wo mein Fahrzeug an diesem Tag das einzige ist.

Natürlich nehme ich heute von Kesten den direkten Zuweg nach Monzel an der Straße entlang hinauf nach Monzel, was nur eine Strecke von ca. 900 Metern ausmacht. Direkt am Ortseingang biege ich dann hinter der Kirche rechts in die Straße ein und befinde mich wieder auf dem Moselsteig. Aber dieses Stück Weg ist mir ja noch vom vorangegangenen Sommer bekannt und deshalb nicht weiter erwähnenswert. Außer, dass an diesem Tag niemand auf dem Aussichtpunkt mit den Fahnen die Landschaft genießt und ich das deshalb diesmal tun muss. Und das mir am Brauneberg ein Helikopter auffällt, der im Tiefflug über die Hänge fliegt und die Weinreben besprüht. Auf dem asphaltieren Vorplatz an der Schutzhütte hat er seine Station, an der er das Spritzmittel auffüllt und dort warten einige Männer darauf, dass das Fluggerät zurückkehrt. Als ich an der Schutzhütte eintreffe, befindet sich der Helikopter kurz drauf auch im Landeanflug und ich kann mir das Gerät genauer anschauen, allerdings halte ich wegen der Rotorblätter und des Lärms respektvollen Abstand. Erst nachdem das Flugzeug wieder abgehoben hat, traue ich mich näher. Dass das gespritzte Mittel gut gegen Kopfläuse sei, wird mir nicht bestätigt, dafür soll es aber gegen Fußpilz helfen. Der Helikopter hat aber in diesem Gebiet sein Werk verrichtet und reinigt Tank und Düsen nur noch mit Wasser, wie mir beim Weitergehen versichert wird.

Als der Moselsteig dann in das Liesertal hineinführt, verpasse ich den Abzweig und wandere zunächst am Rande einer Wiese weiter. Da es mir aber komisch vorkommt, dass es keine Wanderzeichen mehr gibt, drehe ich um und geh so lange zurück, bis ich den übersehenen Weg entdecke - so ganz scheint mir der Weg dann doch nicht mehr vertraut.

Durch Mülheim gehe ich nun hindurch und auf neuen Wegen durch die Weinberge auf der anderen Seite hinauf zum sogenannten Helenenkloster. Von dort kann man zurückschauen auf den Ort, vor allen Dingen aber auf das auf der anderen Uferseite befindliche Lieser, das durch das in der Gründerzeit errichtete Schloss direkt an der Mosel auffällt.

Rund um Bernkastel-Kues
Zum Vergrößern anklicken
Das Gründerzeit-Schloss von Lieser Bernkastel-Kues und die Burg Landshut Das Mosaik der St. Anna Kapelle Am Markt von Bernkastel

Weiter wandere am Rande eines Waldes, was zu dieser Jahreszeit einen besonderen Reiz hat, denn während den Weinbergen noch das satte Grün der Reben fehlt, blühen und grünen die Büsche, Bäume und Sträucher.

Oberhalb des Ortes Andel komme ich an eine Grillhütte, die für große Gesellschaften ausgelegt ist. Auf einer Wiese vor der Hütte gibt es einige Tische und Bänke, aber das Besondere ist für mich der Blick auf das Ziel dieser Etappe, nämlich Bernkastel-Kues zu beiden Seiten der Mosel. Vor allen Dingen bin in neugierig auf die Altstadt von Bernkastel, von der ich schon viel gehört habe, dort aber im Gegensatz zu Kues noch nie gewesen bin. Nicht ganz so schön ist leider die Ansicht der über dem Ort thronenden Burg, denn über ihr schwebt ein Baukran.

Auch der nächste Abschnitt führt mich durch ein schönes Waldgebiet. Ein kleines Highlight ist dabei der Abstieg über einen steilen Pfad zu einer kleine Brücke über einen Bach, der sich seinen Weg durch den Schieferfelsen gegraben hat. Wie in einer kleinen Klamm muten die massiven Felsen unter den alten und eindrucksvollen Buchen an. Beinahe dunkel ist es hier am hellen Tag, doch steht dort eine Bank zum Ausruhen und ein Schild mit der Aufschrift "Waldfrieden".

Danach reihen sich die Sehenswürdigkeiten in schneller Reihenfolge aneinander. Als erstes habe ich die Gelegenheit, auf den Schutzhafen bei Kues hinunter zu blicken, dann stehe ich vor der Kapelle St. Anna, deren Besonderheit und Schmuck mir allerdings zunächst gar nicht auffällt. Erst als ich die Kapelle umrunde und den erneuten Blick auf Bernkastel-Kues suche, entdecke ich das Mosaik an der Stirnseite des Gebäudes.

Als nächstes erreiche ich die Burg Landshut, die über Bernkastel wacht. Wie schon an der Andeler Schutzhütte befürchtet, werden die alten Mauern restauriert und die Anlage erneuert, so dass eine Besichtigung bei meinem Besuch nicht möglich ist.

An der Burg vorbei nehme ich den Asphaltweg weiter in Richtung Stadt, bis mich Treppen direkt auf den Markt von Bernkastel, dem Herz der Altstadt, bringen.

Info:
  • Bernkastel-Kues
    Die beschauliche Altstadt von Bernkastel ist sehenswert, aber auch das am anderen Moselufer gelegene Kues sollte man nicht vergessen, zumal vom dortigen Forum die Busse abfahren.
  • Bus & Bahn
    Eigentlich nur eine sinnvolle Busverbindung werktags am Nachmittag. Deshalb vielleicht besser auf eine Schiffverbindung ausweichen.

Die Altstadt von Bernkastel ist wirklich sehenswert, aber an schönen Tagen offenbar auch recht bevölkert. Bleibt man einmal am Markt stehen und lauscht den Stimmen, dann kann man oft den Eindruck gewinnen, sich im Ausland zu befinden, denn Deutsch sprechen die wenigsten, die dabei an einem vorbeikommen. Da ich am Ende der Wanderung noch genügend Zeit habe, nutze ich dennoch die Gelegenheit, schlendere durch die Gassen und gönne mir dazu ein Eis. Am Moselufer schaue ich noch in die Tourist-Information rein und dort gibt man mir den Tipp, nach dem Besuch von Bernkastel auch hinüber nach Kues zu gehen, wo neben dem Cusanus-Stift Weinmuseum und Vinothek interessant sein sollen. Da ich für die Rückfahrt sowieso auf die andere Moselseite muss, nehme ich den Vorschlag an und wechsele mit der Brücke die Moselseite.

Das multimediale Weinmuseum lockt mich dann aber doch nicht und nach einer Weinprobe in der Vinothek steht mir auch nicht der Sinn. Also gehe ich zum ehemaligen Kueser Bahnhof, auf dessen Rückseite der Bus nach Kesten abfahren wird. Bis zu Abfahrtszeit möchte ich mich auf der Terrasse niederlassen, auf der ich schon einmal gesessen habe. Damals war im Bahnhof eine Art Kulturkneipe, in der Veranstaltungen für junge Leute stattfanden, damals gefiel mir der Ort gut, deshalb zieht es mich auch an diesem Tag dorthin. Leider gibt es das Lokal nicht mehr, Baulärm und -schutt haben stattdessen dort Einzug gehalten.

Als Alternative überlege ich mir, ein Plätzchen an der Mosel zu suchen, um dort das mitgebrachte Brötchen zu essen. Schnell finde ich eine Bank direkt am Fluss mit Blick auf das glänzende Mosaik an der St. Anna Kapelle, die Burg Landshut sowie die Uferfront von Bernkastel und habe Glück, dass ich eine Bank unter einem großen Baum gefunden habe, denn schon bald beginnt es zu regnen.