9. Etappe: Hillesheim - Gerolstein (20 km)

Nach zwei Rückfahrten mit dem Taxi kann ich heute wieder mit dem Bus zum Ausgangspunkt zurückfahren. Deshalb parke ich das Auto in Hillesheim in der Nähe des Friedhofes auf dem Lindenplatz. Dieser Platz eignet sich gut, denn er liegt zentral, ist nahe des Busbahnhofs und es werden den Tag über keine Gebühren fällig.

Über den Augustinerplatz, der verkehrsberuhigt ist, komme ich am Krimi-Hotel vorbei zur die Stadt durchschneidenden B 421, auf der auch jetzt am Morgen schon viel Verkehr unterwegs ist. Gleich um die Ecke ist das Kriminalhaus und das Café Sherlock, sowie der KBV-Verlag, der viele der Eifel-Krimis herausbringt. Außerdem kann man in einer der Zellen im Amtsgericht übernachten und gemütlich in Gefängniskleidung zu Abend essen. All dies hat Hillesheim den Beinamen Krimihauptstadt eingebracht, doch auch ohne dem gefällt mir der Ort gut.

Von Hillesheim in die Vulkaneifel

Oben auf dem Graf-Mirbach-Platz an der Kirche, wo ich die heutige Etappe des Eifelsteiges beginne, ist es ruhiger als an der Hauptstraße. Noch im Schlenderschritt gehe ich zur alten Burgmauer und beobachte dort im Park eine Katze, die interessiert vom Uferrand des Teiches nach Schwimmendem Ausschau hält. Um die Mauer herum führt mich der Eifelsteig dann an einer Schule vorbei Treppenstufen hinunter zum Sportpark, wo ein Fußballplatz mit Kunstrasen und Tennisplätze beschaulich im Morgenlicht auf die Aktivitäten des Tages warten. Weiter geht es in die Parkanlagen des Bolzdorfer Tälchens. Der Tag verspricht ein schöner zu werden, die Luft ist angenehm frisch, denn es hat in der Nacht geregnet, und ich genieße es, wieder unterwegs zu sein.

Bald wandere ich durch ein Waldgebiet, erreiche Bolsdorf und bemerke kaum, dass ich schon gut 3 Kilometern zurückgelegt habe. Durch Bolsdorf geht es auf kleinen Straßen und Fußwegen, zum Teil an gepflegten Gärten entlang, in denen viel Gemüse angepflanzt worden ist, das jetzt kurz vor der Ernte steht oder bereits geerntet worden ist. Dabei fällt mir ein Garten besonders auf, denn in ihm stehen nicht nur die Anpflanzungen akkurat in Reihe und Glied, dazwischen befindet sich auch kein einziges Unkräuterlein, Wege und Boden um das Gemüse sind glatt und sauber wie Beton. Bewundernswert finde ich die Arbeit und Mühe, die der Gärtner hier investiert hat, aber gleichzeitig bin ich auch von der Sterilität abgestoßen.

Hinter Bolsdorf geht es weiter durch Wiesen und Weiden. Als ich mich eingehender in der Landschaft umschaue, fallen mir die bewaldeten Hügel in der Umgebung auf. Es braucht nicht viel Fantasie, um in den kegelförmigen Erhebungen ehemalige Vulkankrater zu erkennen und mir wird deutlich, dass ich nun in einem neuen Landschaftsteil der Eifel angelangt bin, der den Namen Vulkan-Eifel zu Recht trägt.

Hillesheimer Land
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An der Hillesheimer Kirche Stadtmauer von Hillesheim Der Blick zurück vom Heimatblick Eifellandschaft bei Roth

Bald trifft der Eifelsteig auf die vielbefahrene L 29, die Hillesheim mit Gerolstein verbindet. Zunächst habe ich hier Glück, denn der Weg führt mich zu einer Fußgängerunterführung, mit der ich unbeschadet auf die andere Straßenseite gelange. Dort liegt das Dorf Dohm, das als Teil eines Doppelortes Lammerdorf-Dohm durch die Straße getrennt ist. Mit der Hauptstraße komme ich an der Kirche vorbei und in einem Bogen wieder aus dem Ort hinaus. Hatte ich aber gedacht, dass die Landstraße durch den Ortsdurchgang gemieden würde, muss ich am Ortsausgang feststellen, dass es leider nicht so ist. Denn die Dorfstraße bringt mich zurück zur L 29, an der entlang ich mit Hilfe einer Brücke über die Kyll hinweggehen muss, um sie anschließend zu überqueren. Da Dohm nicht unbedingt sehenswert ist, wäre ich lieber auf der anderen Straßenseite geblieben und hätte mir so die Straßenüberquerung gespart - zumal gleich anschließend die einmündende K 47 ebenfalls überschritten werden muss. Beide Male sollte man sehr umsichtig sein.

Nach dem zweiten Seitenwechsel steigt der Eifelsteig nun für eine ganze Weile in einem Wald bergauf. Am Anfang dieses Aufstieges begleitet mich leider noch der Lärm der im Tal zurückbleibenden Landstraße. Erst nach einem Richtungswechsel und zunehmender Höhe wird es leiser und ich kann den Wald genießen, auch, wenn sich der Anstieg immer weiter hinzieht.

Dann bemerke ich, dass mir jemand folgt. Genauer gesagt sind es zwei Schüler, die ich auf ein Alter von unter zwanzig Jahren schätze. Bemerkt hatte ich die beiden schon auf dem Abschnitt zwischen Bolsdorf und Dohm, wo sie vor mir gehend geradeaus gewandert waren, während der Eifelsteig mich rechts an einer Kläranlage vorbei geführt hatte. Dann hatte ich sie ein Stück weiter die Straße hinauf gesehen, als ich nach Dohm unter der Straße her gegangen war. Jetzt sind sie also hinter mir, holen immer mehr auf und überholen mich. Da einer der beiden asiatischer Herkunft zu sein scheint, halte ich sie zunächst für Touristen, auch, wenn sie Rucksäcke tragen und mit einem guten Schritt voranschreiten. Ein Stück später hole ich die beiden wieder ein, weil sie Halt gemacht haben, um sich Wanderstäbe zu schnitzen.

Heimatblick, Eishöhlen und der Rother Kopf

Das Ende dieses Anstieges ist mit den Grill- und Schutzhütten am "Heimatblick" geschafft. Dort lasse ich mich einen Moment nieder, um den Blick zurück über das Land bis hin nach Hillesheim zu genießen. Dabei komme ich mit einem Paar ins Gespräch, das ebenfalls gerade angekommen ist. Auch die beiden sind auf dem Eifelsteig unterwegs, wohnen in Aachen, wo sie ursprünglich gestartet sind, um sich in mehreren Etappen mit Übernachtungen immer wieder auf den Weg zu machen. Inzwischen sind sie im Ruhestand und wollen den Eifelsteig nun endgültig bezwingen.

All zu lange halte ich mich nicht auf, zumal nun auch die beiden jungen Wanderer einlaufen und mir den Ort zu betriebsam machen. Dumm nur, dass ich die Wegweiser an einer der Hütten nicht sofort entdecke und in die Felder wandere. Erst an der nächsten Weggabelung, ca. 400 Meter später, bemerke ich, dass hier keine Wegzeichen angebracht sind. Nach den Erfahrungen der letzten Etappe ist mir sofort klar, dass ich den falschen Weg genommen habe und kehre um. Zurück an den Hütten entdecke ich dann den richtigen Weg, der hier mit einem Pfad ins Unterholz des umgebenden Waldes führt. Es folgt ein kurzer Abschnitt durch das Waldgebiet und anschließend geht es durch Wiesen und Felder mit einem schönen Blick in die Landschaft ins Tal auf den Ort Roth zu.

Der Eifelsteig streift das Dorf Roth nur am Rande, dabei ist es attraktiver als zum Beispiel Dohm, durch das ich am Morgen geführt worden bin. Trifft der Eifelsteig auf die K 33, zweigt er jedoch nicht nach rechts in Richtung Dorfmitte ab, sondern führt nach links und am Sportplatz vorbei, hinauf zu den Eishöhlen. Aus diesen Höhlen wurden früher Mühlsteine gebrochen und sie dienten - auch im Sommer - zur Gewinnung von Eis zur Kühlung. Man kann wenige Höhlen auch heute noch betreten - andere sind versperrt -, allerdings sollte man immer warme Kleidung und eine Taschenlampe dabei haben. Als ich an einem der Eingänge vorbeikomme, liegen dort die Rücksäcke der beiden jungen Wanderer, die offenbar meinen Irrgang am "Heimatblick" genutzt haben, um wieder die Führung zu übernehmen.

Durch den Wald oberhalb der Höhlen führt ein Pfad hinauf zum Rother Kopf. Kurz bevor ich diesen jedoch erreiche, biege ich noch kurz vom Eifelsteig ab, um von einer nahen Schutzhütte ins Tal zu blicken und nach dem zweiten Anstieg eine kurze Rast einzulegen. Die Wahl ist gut, denn neben dem Schatten hat der Platz auch den Vorteil, dass sich hierher außer mir keiner verirrt.

Zurück auf dem Eifelsteig gibt es wenig weiter die Möglichkeit, auf einen hölzernen Aussichtspunkt, der den Rother Kopf markiert, zu steigen und rundum in die Landschaft sowie in den nahen Steinbruch zu blicken. Einen Vater mit seinem 10-jährigen Sohn treffe ich hier. Der Vater verwendet das gleiche GPS-Gerät wie ich und seinem Sohn ist es zu warm und er hat keine Lust zu wandern, sondern möchte lieber ein Eis essen und schwimmen gehen.

Gerolsteiner Land
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Mühlsteinabbau an den Eishöhlen Der Auberg bei Gerolstein Die Munterley über Gerolstein Ein Kreuz am Weg zur Buchenlochhöhle Aufgang zur Buchenlochhöhle

Vom Rother Kopf geht es auf einem schmalen Pfad den Hang hinunter, vorbei an Ginsterbüschen, bis ein asphaltierter Wirtschaftsweg erreicht ist. Diesem Weg muss man ein Stück weit folgen, bevor der Eifelsteig nach links in die Felder abbiegt. Hier holen mich die beiden jungen Wanderer wieder ein, die die Erkundung der Eishöhlen gut überstanden zu haben scheinen. Da wir uns wiedererkennen und offenbar auf dem gleichen Weg unterwegs sind, spreche ich die beiden an und wir gehen ein Stück gemeinsam. Der Junge aus Asien versteht dabei allerdings nur wenig Deutsch und so ist sein Begleiter mein Gesprächspartner.

Die beiden sind tatsächlich Schüler, der Asiat als Gast an der Schule des anderen, sie kommen aus Köln und wollen an diesem Wochenende ein Stück den Eifelsteig wandern. Dazu treffen sie am Nachmittag noch zwei Freunde, die mit dem Zug in Gerolstein ankommen sollen. Zu viert ist dann geplant, noch ein Stück weiterzuwandern, um irgendwo an einem geeigneten Ort zu campen und unter einer mitgebrachten Plane zu schlafen. Abenteuerlich, aber das spart natürlich die Übernachtungskosten, und natürlich finde ich es schön, dass so junge Kerle auch heute noch solche Wanderungen unternehmen - auch wenn dem Wanderer aus Japan das Laufen auf Grund von Schuhproblemen ziemlich sauer zu sein scheint. Zu wünschen ist nur, dass sie ihr Feuer gut löschen, abdecken und außerdem ihren Müll wieder mitnehmen werden, denn leider sieht man unschöne Feuerstellen und den dazugehörigen Dreck immer wieder am Wegesrand - gerade in der südlichen Eifel.

Nach dem Abstecher durch die Wiesen und Felder gelangen wir bald wieder auf den Asphaltweg. Wieder folgen wir ihm ein Stück und kommen so an einen Abzweig mit einer Bank und einem Wegweiser "Zum Schockenturm". Die beiden Jungwanderer nutzen die Bank, um nach den Schuhen des Asiaten zu sehen, während ich mich auf den verwachsenen Weg mache, um den Turm zu entdecken. Tatsächlich gelange ich durch das Dickicht zu einer Holzplattform, von der man einen ersten, schönen Blick auf Gerolstein und die Dolomitfelsen hat. Als ich von dort aufbreche, kommen auch die beiden Jungwanderer an und wir verabschieden uns ein letztes Mal. Sie wollen eine Weile bleiben, weil noch viel Zeit ist, bis sie die Freunde in Gerolstein am Bahnhof abholen können.

In den Dolomiten bei Gerolstein

Zurück auf dem Eifelsteig führt mich der Weg vorbei an einer Wasserpumpstation und durch eine Weidenlandschaft mit vielen Hecken hinunter zum Stausee Gerolstein, den offenbar besonders Angler schätzen. Dann muss ich Acht geben, um den Abzweig von der Zufahrt des Sees durch das Gebüsch den Hang hinauf nicht zu verpassen. Völlig überrascht stehe ich nach dem kurzen Anstieg dann an einer Ferienhaussiedlung. Diese umrunde ich zunächst, um schließlich mitten durch die Anlage, an der Anmeldung und dem Restaurant vorbei, zu gehen. Wieder am Rand der Ferienanlage mit Namen Felsenhof zweigt ein Pfad durch eine kurzgemähte Wiese ab und er bringt mich zum nahen Auberg. Dieser markante Felsen kann bestiegen werden, doch auch die Umrundung mit dem Eifelsteig bietet tolle Aussichten auf das nahe Gerolstein und die gegenüberliegende Munterley, und so spare ich mir die Kletterei.

Als ich vom Auberg hinabsteige, gelange ich schnell in ein Wohngebiet: Die Ausläufer von Gerolstein sind erreicht. Durch die Wohnstraße folge ich dem Eifelsteig, komme dabei an einem Brunnen vorbei und nehme zwei Hände voll Wasser ins Gesicht, um mich ein wenig zu erfrischen. Dann erreiche ich die L 29, die ich heute Morgen schon kreuzen musste. Auch diesmal ist Vorsicht bei der Überquerung geboten.

Auf der anderen Straßenseite muss ich zunächst zwischen den an den Hang gebauten Häusern und Gärten steil auf einem Pfad aufwärts. Erst als ich einen Absatz erreiche, macht der Weg eine Kehre und der Anstieg lässt deutlich nach. Im Tal unter mir liegt nun der Ortskern von Gerolstein, den ich zwar wegen der dichten Bäume nicht sehen kann, der sich aber leider durch die heraufschallenden Verkehrsgeräusche deutlich bemerkbar macht.

Bald kommt mir der Pfad auch wieder von früheren Wanderungen bekannt vor, denn das letzte Stück dieser Etappe bin ich schon in Zusammenhang mit einer anderen Tour gegangen. Das hilft jedoch nicht beim steilen Aufstieg zur Munterley, zumal es nach Mittag drückend warm geworden ist und es mir bei der Klettereien in den Dolomitfelsen ganz schön den Schweiß aus den Poren treibt. Zum Ausgleich gönne ich mir bei herrlichem Blick auf Gerolstein und weit darüber hinaus eine ausgedehnte Pause am Aussichtspunkt.

Nach der Überquerung einer Wiese gelangt man in ein Waldstück. Dort fällt ein Kreuz auf, an dem neben verschiedenen Tafeln mit Kindermalereien auch ein Wanderschuh aufgehängt worden ist. Wenig weiter gibt es einen Aussichtspunkt mit Blick auf die Landschaft, durch die ich am heutigen Tage gewandert bin. Spätestens hier muss ich mir eingestehen, dass es auch die heutige Etappe des Eifelsteigs in sich hatte und ich trotz der geringeren Kilometerzahl ganz schön geschafft bin. Die sommerlichen Temperaturen und das drückende Wetter am Nachmittag haben dazu sicher beigetragen.

Durch lichten Buchenwald komme ich zur Buchenloch-Höhle, zu der eine hölzerne Treppe hinaufführt. Lange halte ich mich dort aber nicht auf und gehe weiter bis zur Papenkaule, dem Kessel eines erloschenen Vulkans, der zur Hälfte umrundet werden muss.

Info:
  • Ferienregion Gerolsteiner Land
    Tel.: 06591 949910     E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!     www.gerolsteiner-land.de
  • Bus & Bahn
    Gute Busverbindung zwischen Gerolstein und Hillesheim, die unter www.vrt-info.de herausgesucht werden können.

Als nächsten komme ich an eine Schutzhütte mit Grillplatz. Hier biegt der Eifelsteig kurz auf den asphaltierten Zufahrtsweg ab, bevor er wieder in die Felder und zu einem weiteren Aussichtpunkt führt. Hier, auf der Hustley, laden zwei Sinnesliegen zum Verweilen und Genießen der Aussicht auf Gerolstein ein, doch auch hier halte ich mich nicht lange auf.

Etwas 400 Meter weiter erfolgt dann der steile Abstieg durch einen Buchenwald, der mit vielen Schleifen hinunter an den Rand der Stadt führt. Dort überschreite ich mit einer Fußgängerbrücke zunächst die Bahngleise, dann die Kyll und gelange so schließlich an die vielbefahrene B 410, der ich stadteinwärts folge. Mit der Mühlenstraße biege ich dann von der Bundesstraße ab, gehe hinauf in den Ort, wo ich mir an einer Eisdiele den verdienten Lohn für den Tag abhole. Da ich noch Zeit habe, bis der Bus nach Hillesheim vom Bahnhof abfährt, mache ich schließlich auch noch einen Abstecher in den Kurpark und zur Helenenquelle, an der sich jeder Mineralwasser vom Haupttypus des Gerolsteiner Sprudels zapfen kann.