7. Etappe: Blankenheim - Mirbach (18 km)

Als ich nach der vorangegangenen Etappe mit dem Taxibus zum Bahnhof in Blankenheim-Wald gefahren bin, habe ich den Fahrer nach einer Parkmöglichkeit in Blankenheim für den Tag gefragt, ohne dabei Gebühren zahlen zu müssen. So habe ich den Tipp erhalten, einem Platz in der Lühbergstraße zu nutzen, um mein Auto abzustellen. Der Platz ist am Morgen, an dem ich diese Etappe angehen will, schon komplett belegt, aber eine Passantin, die ich anspreche, meint, dass ich ruhig auf dem Zufahrtsweg parken könnte, denn das würden sonst auch alle machen. Also stelle ich mich so, dass ich keinen behindere und ziehe mir die Schuhe an. Dann gehe ich in den netten Ort und besuche ein weiteres Mal die Ahrquelle, die unter einem der alten Häuser entspringt. Jetzt am Morgen eines schönen Sommertages sind nur wenige Menschen unterwegs und die Stimmung ist eine ganz andere als die Male zuvor, als ich hier am Nachmittag gewesen bin - sie gefällt mir.

Während ich mich noch umschaue und erste Notizen mache, geht ein Paar an mir vorbei, das offensichtlich auch auf dem Eifelsteig unterwegs ist - haben die beiden oben in der Jugendherberge übernachtet? -, und mir geht durch den Kopf, dass mir eigentlich schon recht viele Wanderer auf den bisherigen Etappen, allein oder zu zweit, aber immer mit Rucksack, begegnet sind.

Über den Brotpfad nach Ripsdorf

Der Eifelsteig bringt mich zunächst über schmale Gassen, Treppen und Wohnstraßen auf der der Burg gegenüberliegenden Talseite zum Eifel-Blick Lühberg, von dem man einen schönen Blick auf Blankenheim und die Burg genießen kann. Dann führt der Weg weiter über einen kleinen Parkplatz einer Arztpraxis in ein Waldstück hinein. Hier, so denke ich, geht nun die Wanderung durch die Natur los, doch ich habe mich getäuscht, denn wenig weiter trete ich schon wieder aus dem Wald heraus, muss einige schon etwas überwachsene Stufen abwärts steigen und befinde mich wieder auf einer Wohnstraße. Mit ihr komme ich aber schließlich wirklich an den Ortausgang und biege nach links in einen Weideweg ein. Erst am Waldrand entlang geht es dann über eine offene Hochfläche, die den Blick über das Ahrtal erlaubt, ohne darin hinab sehen zu können.

Nach Überqueren eines Weges führt mich der Eifelsteig dann auf einen Pfad in ein Waldgebiet, in dem es recht steil abwärts geht. Der Schatten tut gut, denn der heutige Tag beginnt bereits anzudeuten, dass er ein sehr warmer werden wird.

Rund um Blankenheim
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Die Ahrquelle in Blankenheim Blankenheim und die Burg Die Hütte am Brotpfad Die alte Wehrkirche von Ripsdorf

Im Talgrund stoße ich auf eine Kreuzung breiter, befestigter Waldwege, werde jedoch schnell wieder über einen schmalen Steg, der mich über den Nonnenbach bringt, abgeleitet und muss nun aufwärts steigen. Hier befinde ich mich auf dem sogenannten Brotpfad, den die Leute aus den umliegenden Dörfern in früheren Jahren dazu genutzt haben sollen, um ihr frischgebackenes Brot nach Blankenheim zu tragen.

Der Pfad ist schön, steigt aber auch stark an und so bleibe ich an einem offenen Stück stehen, um Luft zu holen. Dabei schaue ich mich um und erfreue mich daran, dass, so weit das Auge reicht, nur Wald zu sehen ist.

Mit dem Pfad gelangt man auf einen breiten Forstweg und mit diesem zur Hütte am Brotpfad, einer Schutzhütte unter einem dichten Blätterdach. Weil es noch zu früh für eine Rast ist, hätte ich hier eigentlich gar nicht lange verweilt, wenn mich die Einrichtung der Hütte beim Blick hinein nicht in ihren Bann gezogen hätte. Denn nicht nur, dass im Inneren ein Gästebuch bereit liegt und zum Durchblättern einlädt, auch eine Tischdecke und frische Blumen in einer Vase schmücken den Tisch. Dazu Gegenstände wie Pflaster und sogar eine Einmalwindel zur ersten Hilfe.

Von der Schutzhütte aus geht es wieder bergab, zunächst weiter durch dichten Wald, dann habe ich aber auch einen ersten Blick auf Ripsdorf, das ich später erreichen werde, und wandere bald durch ein schönes Bachtal. Dabei kreuzt eine Blindschleiche meinen Weg und sie wird nicht die letzte sein an diesem Tag. Am Ende dieses Abschnittes überquere ich den Bach und muss ein Stück aufwärts gehen, bevor ich wieder auf eine Hochfläche stoße, die mit Wiesen bedeckt und eine weite Aussicht in die Eifel bietet. Außerdem begeistern mich an diesem Tag einmal mehr die abwechslungsreichen Grassorten und vor allen Dingen die vielen Wiesenblüten, die mir von Wegesrand aus zuwinken.

Dann geht es hinunter in das Schafbachtal. Diesem Bachlauf folgt der Eifelsteig nun für ein gutes Stück bis zur Kreisstraße 69. Dort, in der Nähe der Ripsdorfer Mühle, nutzt der Wanderweg eine Straßenbrücke, um den Schafbach zu überqueren. Für mich eine interessante Stelle, weil ich den Weg nach Ripsdorf vor längerer Zeit schon einmal in entgegengesetzter Richtung gewandert bin - diesmal muss ich bergauf.

Etwas abseits der Straße arbeite ich mich also Schritt für Schritt in die Höhe, bis ich an einem Bauerhof die Tränkgasse erreiche und mit ihr zur massig, gedrungen und wehrhaft ausschauenden Dorfkirche gelange. Wenn man hier mit dem Eifelsteig in die Alendorfstraße, die die Hauptstraße durch den Ort darstellt, nach rechts abbiegt, befindet sich gleich an der Einmündung der Straße das Gasthaus Breuer. Hier kann man nicht nur übernachten, sondern auch rasten - im Sommer draußen im Hof zur Straße.

Durch weite Wiesen zum Kalvarienberg bei Alendorf

Wer weiterwandert, folgt der Ortsdurchfahrt, muss dann aber die Straße überqueren, um in den Weg Auf der Reusch einzubiegen. Auffällig ist diese Stelle, weil hier eine moderne Marienkapelle in den Garten eines Hauses gebaut worden ist, die von der Straße aus besucht werden kann. Anschließend biegt der Eifelsteig in die Weierstraße nach rechts ab und wenig später wandere ich durch eine weite Wiesenfläche. Je nach Blickrichtung sehe ich nur das saftige, kurzgemähte Grün, die vereinzelten Kronen einer Baumreihe und darüber den herrlich blauen Himmel mit vereinzelten Schäfchenwolken.

Die Baumreihe entpuppt sich als Bepflanzung der Landstraße zwischen Ripsdorf und Alendorf, über die ich nach einer Weile hinüber muss. Auf der anderen Straßenseite biege ich in einen breiten und leider asphaltieren Fahrweg ein. Nur wenige Schritte weiter entdecke ich ein älteres Wandererpaar, das sich gerade von einer Bank erhebt, die dort etwas abseits vom Weg am Rande eines Gehölzes aufgestellt ist. Es ist Mittagszeit und obwohl hier ein guter Wind bläst rinnt mir der Schweiß über das Gesicht. Also gehe ich zur Bank hinüber, begrüße das Paar, das mir den Platz wärmstens empfiehlt, und lasse mich dort mit einem herrlichen Blick zurück auf Ripsdorf und die umliegende Eifel nieder. Anstrengend ist es heute, denn dies ist schon die zweite Rast, vielleicht liegt es aber auch daran, dass es seit dem Schafbach immer mehr oder weniger bergan gegangen ist.

Nachdem ich wieder aufgebrochen bin, biegt bald ein weicher, schmaler Pfad vom asphaltiertem Weg in die Felder links von mir ab. Auch hier genieße ich die Fernsicht, kann sogar bis zur Hohen Acht und zur Nürburg sehen, und erreiche schließlich den Griesheul, der den höchsten Punkt der heutigen Wanderung darstellt. Das Gebiet ist aber nicht wegen der Aussicht bekannt, sondern weil hier seltene Orchideenarten wachsen und blühen. Erwarten darf man allerdings keine Gewächse, wie sie auf unseren Fensterbänken daheim gedeihen, aber Küchenschelle, Knabenkraut und Waldhyazinthe mit wunderbaren Blüten sind hier mit Vorsicht und Bedachtsamkeit zu entdecken und durchaus sehenswert.

Der Eifelsteig macht dann einen Bogen um den Griesheul herum und plötzlich schaut man ins Tal auf Alendorf und vor allen Dingen auf die herumliegende Wacholderheide, die so toskanisch anmutet. Doch auch den folgenden Abschnitt bis ins Lampertstal (siehe Wanderung 8) bin ich schon wiederholt gewandert und deshalb diesmal zwar auf den Anblick gespannt, aber nicht wirklich überrascht. Über den Friedhof führt der Eifelsteig an der alten Kirche vorbei und hinauf zum Kalvarienberg. Dort nutze ich die freie Sinnesliege für eine weitere Rast und besonders zum Genießen des Eifel-Blickes, der sich hier präsentiert.

Eifel
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Eifelblick Eifelblick II (Nürburg und Hohe Acht) Kalvarienberg mit Eifelblick Kurz vor Mirbach

Über die Grenze - Von Alendorf nach Mirbach

Vom Kalvarienberg geht es auf der anderen Seite hinunter ins bekannte Lampertstal. Auch dort soll es interessante Orchideenarten geben, doch die Wiese ist gemäht und deshalb fällt besonders der Lampertsbach auf, der eigentlich gar nicht da ist. Warum das so ist, erklärt eine Schautafel am Wegesrand, die ich bald passiere und interessiert studiere: Ein Schluckloch befindet sich an dieser Stelle - so, so...

Ein Stück weiter ringelt sich erneut eine Blindschleiche über den Weg und will offenbar auch zum Bach. Ob sie weiß, dass dieser gar nicht da ist? Dann huscht ein Eichhörnchen über den Weg und beobachtet mich kurz, bevor es in den Bäumen verschwindet.

Schließlich komme ich an den Abzweig, mit dem ich die letzten Male abgebogen bin, um zurück nach Ripsdorf zu wandern, und befinde mich anschließend wieder auf unbekanntem Gebiet. Aber nicht nur dies, auch ein neues Land betrete ich, als ich kurz drauf vom Eifelsteig über den Bach geleitet werde. Eine Gedenktafel erinnert hier an die Eröffnung des Wanderweges am 4. April 2009. Und auch, wenn es eigentlich nichts besonderes ist, aber dieser Punkt rührt mich schon ein wenig an - vielleicht, weil mir bewusst wird, wie lange ich schon auf dem Eifelsteig unterwegs bin.

Weiter wandere ich jetzt im Mirbachtal bergan. Der Weg ist hier zunächst bewaldet, lässt aber immer wieder auch Blicke auf die Bachaue zu, und führt dann zwischen Wiesen, Weiden und Feldern hinauf zum Ort Mirbach. Bevor ich aber in den Ort wandere, gönne ich mir noch einmal eine Pause und ruhe mich auf einer Bank aus.

In Mirbach gibt es nicht viel, gerade deshalb sticht besonders die Erlöserkirche hervor, die gerne auch Eifeldom genannt wird. Die recht junge Kirche (1902) wirkt wie eine Mini-Kathedrale und ist im Inneren mit prachtvollen Mosaiken und sehr viel Blattgold ausgestattet.

Der kleine Ort Mirbach und das Überschreiten der Ländergrenze bringt einen Nachteil mit sich: War es auf den vorangegangenen Etappen des Eifelsteiges kein Problem, mit öffentlichen Verkehrmitteln einfach zum Ausgangsort zu gelangen, gibt es von Mirbach nur die Möglichkeit, mit dem Taxi nach Blankenheim zurückzufahren. Das ist gerade für einen Einzelwanderer nicht ganz billig - bei Gruppen relativiert sich der Fahrpreis -, muss aber heute mal sein.

Info:
  • Mirbach
    Touristisches ist kaum im Netz zu finden, auch das Angebot für Kost und Logis ist im Ort sehr schmal.
  • Bus & Bahn
    Verbindungen gibt es höchstens zu unmöglichen Zeiten (Schulbusse) von und nach Hillesheim. Deshalb ist es ratsam, sich in Blankenheim nach einem Taxiunternehmen zu erkundigen.

Wie oben bereits beschreiben, war ich auf der vorherigen Etappe mit dem Taxi-Bus gefahren, hatte den Fahrer mit Voraussicht um eine Karte mit seiner Telefonnummer gebeten und am Morgen eingesteckt, so dass ich nun nicht lange überlegen brauche, wo ich anrufen kann. Auch mein Telefon habe ich dabei - dumm nur, wenn man kein Netz hat. Durchnass geschwitzt stehe ich also dort und brauche ein öffentliches Telefon. Unterhalb der Kirche entdecke ich ein Gebäude, das wie ein Café aussieht, zumindest befinden sich dort Leute in Ausgehgarderobe. Also beschließe ich, dort nach einem Telefon zu fragen. Zwar handelt es sich nicht um einen Gastronomiebetrieb, sondern um den Gemeindesaal des Ortes, doch ich habe das Glück, dass mir ein freundlicher Herr anbietet, mit seinem Telefon ein Taxi zu ordern. Tatsächlich hat er Empfang und das Taxiunternehmen verspricht, in 20 Minuten vor Ort zu sein. Zeit und Gelegenheit, mich mit dem Mann zu unterhalten und zu fragen, welches Ereignis hier gefeiert wird.

Als das Taxi kommt und mich zurückbringt, freue ich mich auf ein leckeres Eis in der Blankenheimer Eisdiele...