6. Etappe: Kloster Steinfeld - Blankenheim (23,5 km)

Wie schon vor der 5. Etappe fahre ich auch diesmal nach Kall und stelle mein Auto hinter dem Bahnhof auf dem Park & Ride - Parkplatz ab. Bereits vor meiner Abfahrt Zuhause habe ich telefonisch einen Taxibus bestellt, zu dessen Haltestelle ich von Parkplatz nicht weit zu gehen brauche. Das Taxi kommt mit etwas Verspätung, bringt mich dafür aber bequem hinauf zum Kloster Steinfeld.

Vom Mittelalter in die Römerzeit - Vom Kloster Steinfeld nach Nettersheim

Es ist noch Vormittag, als ich mich für die kommende Wanderung an einer Bank im kleinen Park vor den Klostermauern vorbereite, schaue, dass alles am richtigen Platz verstaut ist, die Kamera am Gürtel hängt, das Notizbuch in der einen, das GPS-Gerät in der anderen Tasche steckt und auf Null gesetzt ist. Dabei fällt mir auf, wie menschenleer und ruhig der Ort jetzt ist, obwohl die Sonne herrlich scheint und der Himmel strahlend blau glänzt.

Dann geht es los mit der 6. Etappe des Eifelsteiges, zuerst hinunter zum Gillesbach, anschließend hinauf zum Eifelblick "Königsberg". Von dort hat man einen schönen Blick zurück auf das Kloster Steinfeld mit seinen drei markanten Türmen.

Nachdem ich mich von der Aussicht gelöst habe, gibt es ein Stück weiter ein intensives Geruchserlebnis, als es deutlich nach Knoblauch riecht. Also schaue ich mich um und entdecke schnell den Grund: Der gesamte Waldboden ist mit Bärlauch bewachsen. Doch die Blütezeit ist jetzt im Sommer lange vorbei, das Grün welkt und es ist nicht daran zu denken, das leckere Kraut zu pflücken. Interessant ist es aber schon, dass Bärlauch auch jetzt noch so stark zu riechen ist.

Anmerkungen im Winter 2014/15

Weil ich jemanden in der Eifelhöhenklinik in Marmagen besuchen will, überlege ich mir, vorab eine Wanderung dort zu unternehmen. Dazu parke ich das Auto auf dem Parkplatz der Klinik und folge dem Wanderweg Nr. 2 des Eifelvereins OG Marmagen. Das charmante an dieser Tour sind nicht nur die schönen Aussichten und der Gang durch den Ort Marmagen, auch ein Stück Eifelsteig gehört mit zur Runde. Entgegengesetzt des Eifelsteiges wandere ich von den Wiesen bei Barhaus, wo der Eifelsteig Richtung Nettersheim führt, durch den Wald, in dem der Bärlauch stand, zum Eifelblick "Königsberg" und weiter ins Gillesbachtal, wo der Eifelsteig hinunter vom Kloster Steinfeld kommt, während der Wanderweg Nr. 2 noch ein Stück weit im Gillesbachtal bleibt, bevor er zur Eifelhöhenklinik hinauf führt. Leider ist das Waldstück rund um den Eifelblick "Königsberg" sehr matschig, weil hier Waldarbeiten stattgefunden und schwere Maschinen den Boden umgepflügt haben. Der Wald ist hier vom Land verkauft worden und die neuen Eigentümer wollen forstwirtschaftlichen Nutzen aus dem Gelände ziehen. Zukünftige Eifelsteig-Wanderer wird das sicher wenig freuen, wenn sich dafür keine Lösung findet.

Einige Wochen später lese ich, dass die Wege wieder hergerichtet werden sollen.

Wenig später erreiche ich an einer Wiese den Waldrand und bin begeistert von der Sicht über das offene Land. Die weite Wiese wird mit dem Eifelsteig umrundet und anschließend geht es über einen schmalen Pfad in ein Tal hinunter. Mit dem Tal geht es weiter abwärts, bis ich in der Nähe der Urft auf die Bahnstrecke Köln - Trier und den Römerkanal-Wanderweg stoße. Nach einem Schwenk wandere ich dann mit Eifelsteig und Römerkanal-Wanderweg parallel zu den Schienen, werde dann aber auf eine große Wiese zum "Grünen Pütz" hinabgeleitet. Aufschlüsse und eine Brunnenstube der römischen Wasserleitung von Nettershein nach Köln sind hier zu bewundern. Am Ende der Wiese befindet sich außerdem ein kleines Bruchstein-/Fachwerkhaus, das ich merkwürdig finde. Denn zunächst halte ich es tatsächlich für ein altes Gebäude, dann fallen mir jedoch die geraden Balken des Fachwerkes auf. Außerdem ist das Haus offen und typischerweise von Jugendlichen entsprechend verunreinigt worden.

Sofort hinter dem Haus führt eine Treppe auf einen Parkplatz und mit dem Eifelsteig an einer Infotafel vorbei steil aufwärts. Nach dem Aufstieg und dem Verlassen des Waldes wandere ich dann an Wiesen- und Weidenrändern entlang. Dabei sehe ich auch einige Bläulinge, die von der Blütenpracht am Wegesrand genauso begeistert sind wie ich. Schließlich bringen mich die Wegmarkierungen des Eifelsteiges wieder hinunter in das Tal der Urft. Auf asphaltierten Wegen überquere ich dort die Bahnlinie, werde dann an den ersten Häusern von Nettersheim noch einmal auf einen schmalen Pfad geführt, der mich unter der großen Unterführung, auf der die Straße an Nettersheim vorbei nach Marmagen verläuft, hindurch führt.

Als ich dann in Nettersheim ankomme, ist eines der ersten Gebäude, das mich begrüßt, ein gemütlich ausschauendes Café in einem Fachwerkhof. Verlockend sind hier auch die Tische direkt am Eifelsteig. Außerdem bekomme ich mit, dass sich hier zwei Wanderer einen Stempel abholen, um ihre Wanderung auf dem Eifelsteig zu dokumentieren.

Mit den Straßen von Nettersheim geht es zum Bahnhof und nach erneuter Überquerung der Urft mit dem Parkweg zum Naturzentrum Eifel, wo auf der Wiese gerade für eine größere Gruppe gegrillt wird und es herrlich verführerisch nach Würstchen duftet. Über die Kaninhecke am alten Kalkbrennerofen vorbei verlasse ich Nettersheim, mache mit dem Eifelsteig einen kurzen Abstecher in den Baumgipfelpfad hinauf, bevor ich dann auf den nächsten Streckenabschnitt gehe, der mir wieder von vergangenen Wanderungen bekannt ist.

Hinter dem sogenannten Römerweiher entschließe ich mich jedoch, erst einmal dem römischen Matronentempel, etwas abseits des Eifelsteigs, einen Besuch abzustatten, um dort Mittag zu machen. Das Tempelgebiet kenne ich als ruhigen Ort mit schönem Blick über die Landschaft, zu dem sich nur selten Menschen verirren. Leider ist letzteres an diesem Tag nicht ganz so.

Info:
  • Nettersheim
    Nettersheim ist vor allem wegen des Naturzentrums Eifel bekannt.
  • Blankenheim
    Die Website macht leider nicht viel her, der Ort dafür um so mehr...
    Tel.: 02449 87-222 oder -223     E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!     www.blankenheim.de
  • Bus & Bahn
    In Blankenheim gibt es keinen Bahnhof, deshalb ist ein TaxiBus nötig, um an die Bahnstrecke nach Bl-Wald zu gelangen. Verbindungen bei bahn.de oder VRS-Info.de.

Zurück auf dem Eifelsteig schaue ich mir auch noch einmal den rekonstruierten römischen Meilenstein an, der hier auf der Wiese steht, wo auch das Original gefunden worden ist. Dann geht es weiter im Urfttal hinauf - eine Wanderung die mir in entgegengesetzter Richtung auf der anderen Uferseite schon einmal nicht sehr viel Spaß gemacht hat, weil die Bahn regelmäßig durch das Tal rattert, die Wege breit sind und die Landschaft ereignislos ist.

Aus der Römerzeit ins Mittelalter - Von Nettersheim nach Blankenheim

Spannender wird die Strecke erst wieder, als der Eifelsteig in einer Kurve auf einen engen Pfad den Hang hinauf wechselt. Mit diesem steilen Aufstieg befinde ich mich deutlich über der Urft und kann damit, nachdem der Pfad wieder zu einem Waldweg geworden ist, deutlich weiter über die Landschaft schauen als zuvor - zumal es einige schöne Rastplätze mit Talblick gibt. Bald bemerke ich, dass der Weg mich in ein Seitental der Urft gebracht hat. Kurz darauf wechselt der Weg wieder den Belag und es geht hinunter in das Haubachtal. Dort gibt es an einer Kreuzung einen Wegweiser, der hier zum Bahnhof nach Blankenheim-Wald zeigt. Für eine Rundwanderung würde ich hier jetzt abbiegen und sehen, dass ich einen Zug nach Kall erwische, um auf dem Eifelsteig weiterzuwandern, gehe ich aber geradeaus.

An einem Weiher vorbei geht es mit dem Eifelsteig langsam aber stetig im Tal immer weiter bergan und schließlich, nach einem Abzweig, aus dem Tal heraus. So gelange ich auf eine offene Fläche und kann wieder weit über die Landschaft schauen. Auf schnurrgeradem Weg wandere ich dann weiter am Waldrand entlang. Blankenheim ist nicht mehr weit und so macht sich die näherkommende und vielbefahrene B 51 immer deutlicher bemerkbar.

Der Eifelsteig führt hier zu einer Brücke, um Wanderer sicher über die Bundesstraße zu geleiten. War ich bisher immer nur selbst als Autofahrer auf dieser Straße unterwegs, kann ich es nun nicht lassen, auf dem Scheitelpunkt der Brücke einem Moment lang stehen zu bleiben und zuzuschauen, wie die Autos und LKWs unter mir in und aus der Eifel fahren: Für einen Augenblick eine interessante, weil neue Perspektive.

Auf der anderen Brückenseite liegt das Gewerbegebiet "Am Murel" und ich befürchte, dass ich durch die unschönen Straßen hinab in den Ort gehen muss. Doch der Eifelsteig zeigt Erbarmen und in der ersten Straßenkurve gibt es einen Abzweig rechts hinunter in ein Waldstück. Eine Reihe von Wanderwegen führen mit dem Eifelsteig zusammen in die Senke, u.a. der Tiergartentunnel-Wanderweg. Die Strecke verläuft dann eigentlich recht schön am Waldrand entlang, doch leider ist auch hier die Bundesstraße immer in der Nähe und deutlich zu vernehmen.

Zwischendurch mache ich noch einen kurzen Abstecher zu einer Quelle, die den Beginn des Tiergartentunnels markiert. Denn von hier kam das Wasser, das durch den Berg geleitet wurde, um auf der anderen Seite den Garten der Blankenheimer Burg zu bewässern. Welche bauliche Meisterleistung für die Zeit des Mittelalters dies darstellt, wird später noch deutlich. Zunächst mache ich hier aber erst einmal erneut eine Pause und nutze sie, um mich für ein Sammeltaxi von Blankenheim zum Bahnhof in Blankenheim-Wald anzumelden.

Auf den Spuren der Römer
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Kloster Steinfeld vom Königsblick Die Quellfassung Grüner Pütz Feld mit Klatschmohn Matronen im Tempel bei Nettersheim

Nachdem ich weitergewandert bin, komme ich am Friedhof von Blankenheim an eine Straße, die ich überquere. Auf der anderen Seite geht es über eine Wiese talwärts zu einer weiteren Straße, an der ich zunächst ein Stück entlang muss, um sie dann auch zu überqueren. Hier geht es dann wieder bergan und ich erreiche einen Waldrand. An dieser Stelle gibt es eine Informationstafel, die den folgenden Abschnitt erklärt: Unter der Bergkuppe, die von Buchenwald überschattet wird, verläuft der Tiergartentunnel und Bauschächte, die mit Abständen senkrecht zum Tunnel führen, befinden sich hier am Weg. Dort, wo die Wasserleitung wieder aus dem Berg hervortritt, kann man nach telefonischer Voranmeldung an Führungen teilnehmen.

An diesem Nachmittag ist es für eine Führung zu spät und so gehe ich am ehemaligen Barockgarten vorbei zur Burg Blankenheim, die heutzutage als Jugendherberge genutzt wird. Vor der Einfahrt zum Burghof weist ein Wegweiser des Eifelsteigs um die Burg herum und so steige ich dort hinunter in das schöne Städtchen Blankenheim mit dem mittelalterlichen Ortskern, in dem auch das Flüsschen Ahr seinen Ursprung unter einem der alten Fachwerkhäuser hat. Interessant ist an diesem warmen Sommertag aber vor allen Dingen die Eisdiele, die meiner Meinung nach zu den besten in diesem Teil der Eifel zählt.

Nach der Erfrischung ist es schwer, wieder in die Gänge zu kommen, aber ich muss schließlich noch zum Busbahnhof vor der Stadtmauer, um von dort mit dem Anrufsammeltaxi nach Blankenheim-Wald zum Bahnhof zu gelangen. Am Ende, zurück mit dem Zug in Kall, werde ich froh sein, im Auto zu sitzen, denn diese Etappe des Eifelsteiges hatte es in sich.