2. Etappe: Roetgen - Monschau (17 bzw. 20 km)

Auch für die zweite Etappe des Eifelsteigs bin ich zweimal unterwegs. Nachdem ich die Strecke Aachen - Kornelimünster abgehakt hatte und die erste Etappe einmal gewandert war, ist es inzwischen Anfang Dezember geworden, als ich Zeit für diesen Abschnitt finde. Am Ende werde ich dann feststellen, dass eine Strecke unterschiedlicher nicht hätte sein können.

Winterwanderung auf dem Eifelsteig

In der Nacht vor der ersten Wanderung hat es geschneit! Davon ist Zuhause gar nicht viel zu sehen, doch klare, frische Luft und ein wolkenloser Himmel im herrlichsten Blau locken zu einer Wanderung. Je weiter ich dann aber in Richtung Rur, Hohes Venn und Roetgen komme, desto mehr Schnee liegt am Straßenrand und die schönste Winterlandschaft breitet sich abseits der Straßen aus. In Roetgen parke ich wieder auf dem bekannten Parkplatz am ehemaligen Bahnhof, weil dort die Bushaltestelle in der Nähe ist. Eigentlich wäre die Fahrt nach Monschau kürzer gewesen, von früheren Besuchen in der Stadt weiß ich aber, dass es nur sehr schwer ist, dort einen kostenlosen Parkplatz innerhalb der Stadtmauer zu finden. Deshalb habe ich mir die Rückfahrzeiten der Busse von Monschau nach Roetgen herausgesucht.

Auf fünf bis zehn Zentimeter schätze ich die Schneehöhe, als ich aufbreche, diese Etappe des Eifelsteigs zu erkunden. Später werde ich meine Schätzung um fünf Zentimeter nach oben korrigieren. Zunächst schaue ich mir jedoch die Wanderstation auf der anderen Seite der Bundesstraße an: Ein freundlicher Aufenthaltsraum mit sanitären Einrichtungen. Und sogar ein kleines Feuer brennt dort im Ofen.

Nachdem ich Roetgen verlassen habe, lasse ich auch die geräumten Straßen hinter mir und wandere durch den Schnee. Das ist zunächst noch nicht schwierig, da es schon vor mir Menschen gegeben hat, die diese Wege gegangen sind. Richtig toll ist die tief verschneite Landschaft, die um mich herum im wolkenlosen Sonnenschein glitzert.

Bald kommt dann ein Schild am Wegrand, das darauf hinweist, dass der folgende Streckenabschnitt feucht und morastig sein kann und eine Umleitung wird empfohlen. Da der Weg aber sehr idyllisch aussieht, von Hecken umsäumt und von einer hohen Decke Schnee bedeckt ist, beschließe ich, den Hinweis zu ignorieren. Nun, leider ist der Weg wirklich schnell sehr matschig und ich bereue ein wenig, ihn gegangen zu sein. Nicht nur, dass er sehr anstrengend zu gehen ist, auch die Schuhe werden natürlich schlammig und nass. Und eine Wanderung an einem Tag mit Temperaturen um 0° C und dauernassen Füssen ist nicht unbedingt ein Vergnügen.

Als ich nach der durch den Matsch gestiefelten Strecke auf einen befestigten Weg und mit ihm auf eine kleine Siedlung stoße, überlege ich einen kurzen Augenblick, ob ich diese Wanderung abbrechen sollte. Hier zeigt sich jedoch, dass meine Schuhe zwar von außen dunkelgefärbt von der Nässe sind, sich innen aber eigentlich noch ganz trocken anfühlen. Also beschließe ich, weiter zu gehen.

Bergan führend biegt der Eifelsteig dann bald in ein Waldgebiet ab. Auch hier ist der Untergrund ziemlich feucht, eine Umleitung gibt es allerdings nicht. Vielleicht liegt dies daran, dass der Eifelsteig hier über die Landesgrenze nach Belgien wechselt und die Belgier einfach nicht so empfindlich sind - wer weiß es? Der Wechsel macht sich übrigens zunächst dadurch bemerkbar, dass die Wegzeichen sich ändern, denn in der nächsten Zeit ist es nicht mehr das Logo des Eifelsteigs, das den Weg markiert, sondern ein gelber und ein grüner Balken. Offiziell befinde ich mich aber erst am Ende des Anstieges durch Buchenwald und Ilex in Belgien, denn dort passiere ich einen Grenzstein.

Winterlandschaft
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Der Weg führt ins Hohe Venn Der Steinbach am Rande des Hohen Venn An die Höfe des Reinartzhofs erinnert nur noch ein Schild Winterlandschaft am Steling Die Burg Monschau

Vereinzelte Holzstege sollen hiernach vor nassen Füßen bewahren, aber die Wegabschnitte zwischen den Holzbahnen sind feuchter, als es unter den Brettern der Fall ist, und es kommt vor, dass ein Holzweg genau in einem Schlammloch endet. Nach dieser Passage bekomme ich dann aber wieder festen Untergrund unter die Füße und umrunde eine weitläufige, eingezäunte Wiese auf einem geschotterten Weg.

Ein Stück weiter ist ein Geländewagen von Waldweg abgekommen und in den Graben gerutscht - wohl etwas zu schnell auf der verschneiten und glatten Waldpiste unterwegs gewesen der Herr, der wie ein Waldarbeiter gekleidet ist und eigentlich wissen sollte, was er tut. Trotzdem frage ich ihn, ob er Hilfe benötige, aber die hat er bereits angerufen, wie er mir sagt. Also lasse ich Fahrzeug und Fahrer allein und stapfe weiter durch den Schnee.

Bald geht es wieder bergauf und ich erreiche die Höfe von Reinartzhof. Zu sehen sind dort allerdings keine bewirtschafteten Gebäude mehr, sondern nur noch Informationstafeln, deren Scheiben jetzt witterungsbedingt vereist sind, eine Schutzhütte und eine Kapelle nebst Kreuz. Die Kapelle soll aus den Resten der Steine eines der Häuser von Reinartzhof errichtet worden sein.

Nachdem die Reinartzhöfe passiert sind, beginnt eine lange, gerade Strecke durch das Hohe Venn hinauf zum Steling, der höchsten Erhebung auf dem heutigen Weg. Und komisch, war ich bis auf die Begegnung mit einer Hundespaziergängerin und dem vom Weg Abgekommenen allein auf den Wegen, begegnen mir, je weiter ich in die Schutzzone des Hochmoores komme, immer mehr Menschen. Auch Skifahrer sind hier nun unterwegs.

Hatte ich schon erwähnt, wie toll das Wetter an diesem Tag gewesen ist?! Strahlend blauer Himmel und eine hoch verschneite Landschaft um mich herum - herrlich! Einmal mehr geht mir dies durch den Kopf, als ich aus dem Wald in die Hochmoorfläche stapfe. Da der Weg schon eine Weile mehr oder weniger aufwärts geführt hat, ist dies durchaus anstrengend. Doch etwas anderes gefällt mir an dieser Strecke so gar nicht: Sie verläuft mehr oder weniger schnurgerade und man kann den ansteigenden Weg zum Teil schon Kilometer im Voraus vor sich liegen sehen. Deshalb beschließe ich, dass ich diese Etappe noch einmal wandern werde, und zwar im Frühjahr oder Sommer. Dann will ich die Strecke bei normalem Wetter kennenlernen und eine Alternativroute auf Stegen durch das Moor zu meiner Linken ausprobieren.

Oben auf dem Steling sind die Wegmarkierungen wieder deutsch. Gleichzeitig gibt es wunderschöne Aussichten in die Landschaft, als ich an einer großen Wiese entlang zu Kaiser Karls Bettstatt wandere. Faszinieren kann mich dieser Fleck allerdings nicht, denn alles ist ja hoch verschneit und zu erkennen ist so nicht wirklich etwas. Dafür finde ich wenig weiter den Blick von einem hölzernen Aussichtsturm toll. Hier bemerke ich auch, dass meine Schuhe zu lose geschnürt sind und will sie wieder fester binden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die Senkel sind mit einer dicken Eisschicht bedeckt.

Nach der Turmbesteigung gehe ich durch Mützenich talwärts und erlebe anschließend einen schönen, schmalen Weg durch ein Bachtal. Dann sehe ich die Burg Monschau auf der anderen Talseite vor mir liegen. Hier steige ich den schmalen Weg zur vielbefahrenen Bundesstraße hinunter, überquere sie und folge dem Eifelsteig auf der anderen Straßenseite einige Treppenstufen hinab. Im Tal findet gerade auf einer kleinen Weide mit einem Stall ein lebendes Krippenspiel statt - es ist ja auch Adventszeit.

Am Felsenkeller vorbei komme ich zur Straße in die Stadt. Viele Menschen begegnen mir hier und ohne nachzudenken folge ich dem Strom. Dabei verliere ich den Eifelsteig, ohne es jedoch wirklich zu bemerken.

In der Altstadt von Monschau ist Weihnachtsmarkt, aber da der nächste Bus in Richtung Roetgen in nicht all zu langer Zeit abfahren wird und ich erst noch die Haltestelle finden muss, habe ich eigentlich kaum Augen für die Stände. Zumal mir angetrunkene und laute Besucher an den Glühweinbuden das ganze Geschehen verleiden.

Den Bus erreiche ich dann gerade noch rechtzeitig, muss aber stehen, weil er so voll ist. Und so merke ich erst als ich mir die Schuhe ausgezogen habe, im Auto sitze und die Heizung schon eine Weile den Innenraum aufgewärmt hat, wie müde und abgekühlt ich nach dieser Wanderung bin. Schön war's trotzdem...

Das Hohe Venn im Frühsommer mit Alternativroute

Klar, auch diese Etappe des Eifelsteiges musste ich noch einmal wandern. Um zu sehen, wie die Landschaft normalerweise, also ohne Schnee, aussieht und natürlich auch, um Fotos für den Wanderführer zu machen. Also breche ich Anfang Juni noch einmal auf.

Wieder parke ich das Auto am Bahnhof von Roetgen, der mir inzwischen schon richtig vertraut ist, und wandere los. Schnell ist klar, dass das Bild dieser Wanderung ein ganz anderes sein wird. Denn an diesem Tag strahlt der Himmel zwar auch in einem wolkenlosen Blau, aber Schnee gibt es natürlich keinen mehr. Dafür tauche ich hinter der Unterführung in das frische und üppige Grün der Bäumen, Sträuchern und feuchten Wiesen ein.

Wanderung im Frühsommer
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Der Weg ins Hohe Venn im Frühsommer Der Eifelsteig in Belgien Die lange Gerade durch das Hohe Venn Auf Stegen durch das Hohe Venn
Wollgras Bank am Steling Die Burg Monschau im Frühsommer Das Rote Haus in Monschau

Diesmal folge ich dem Schild, das auf den matschigen Streckenabschnitt hinweist - der Umleitungsempfehlung -, gehe mit der asphaltierten, schmalen Straße zu den nahen Häuser und an der folgenden Straße rechts bergan. Schnell stoße ich so auch wieder auf den Eifelsteig und folge ihm weiter. Wieder wechselt die Markierung und ich passiere den Grenzstein - alles bekannt, und doch wirkt es jetzt so ganz anders.

Auch die Stelle, an der der Geländewagen im Winter vom Weg abgekommen war, sieht jetzt im Frühsommer eigentlich ganz harmlos aus, so als wäre hier nie etwas geschehen.

Es folgt der Weg an den Reinhartzhöfen vorbei und jetzt, wo nicht mehr alles mit Schnee bedeckt ist, hatte ich erwartet, dass doch noch irgendetwas von den alten Häusern zu sehen ist - aber das ist nicht der Fall. Klar, es stehen dort die Info-Tafeln, die ich mir diesmal ausgiebig anschauen kann, weil sie nicht vereist sind, es gibt das Kreuz, die kleine Kapelle und die Schutzhütte, aber das war's.

Also gehe ich weiter und komme schnell an die Kreuzung, nach der die lange, gerade Strecke zum Steling hinauf beginnt. Jetzt, wo man den Weg klar und deutlich vor sich den Berg hinauf erkennen kann, wirkt die Strecke sogar noch trostloser als im Winter. Deshalb mache ich mein Vorhaben wahr und biege nach gut einem Drittel der Geraden nach links in einen Weg ein, der mich mitten in das Moorgebiet bringt. Etwas nach einem Kilometer biege ich noch einmal ab und befinde mich dann auf einem Stegweg, wie schon auf der letzten Etappe im Struffelt. Dieser Weg macht irgendwie Spaß und vor allen Dingen hat man das Gefühl einsam und allein im Hochmoor unterwegs zu sein. Und tatsächlich kommt mir auf dem 1,5 km langen Abschnitt auch nur ein einziger Wanderer entgegen - gut, ich bin auch nicht am Wochenende unterwegs wie beim ersten Mal.

Wieder auf dem Eifelsteig muss ich noch das letzte Stück auf der langweiligen Strecke hinauf zum Steling gehen. Von dort geht es weiter zur Kaiser Karls Bettstatt, ein Abschnitt, der mich auch wegen der weiten Blicke in die Landschaft im Winter begeistert hatte, mich jetzt aber nicht mehr ganz so überzeugt. Dafür kann ich mir diesmal die Felsen der Bettstatt genauer ansehen, die ja im Winter unter einer tiefen Schneedecke dalagen. Diesmal lasse ich mich auf einer der Bänke nieder und mache Rast.

Info:
  • Hohes Venn
    Die Website des Naturparks Hohes Venn - Eifel gibt es auch in deutscher Übersetzung.
  • Monschau Touristik
    Tel.: 02472 8048-0     E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!     www.monschau.de
    Der Weihnachtsmarkt ist weithin so bekannt, dass er eine eigene Website hat.
  • Bus & Bahn
    Monschau ist gut mit dem Aachener Verkehrverbund AVV zu erreichen.

Auch der hölzerne Turm steht noch an seinem Platz und lockt mich auf seine Aussichtsplattform. Es folgt der Ort Mützenich und anschließend der wirklich schöne Abschnitt auf schmalem Pfad an einem Bach entlang ins Tal. Bald ist so auch die Stelle erreicht, an der man einen guten Blick auf die auf der anderen Talflanke gelegenen Burg Monschau hat: Alles ganz anders als vor einem halben Jahr, alles irgendwie neu und doch auch wieder wunderbar und schön.

Am Felsenkeller unterhalb der Bundesstraße lockt jetzt ein Biergarten statt eines Krippenspieles. Diesmal sind hier aber nicht so viele Menschen unterwegs und ich gebe acht, wo ich den Eifelsteig das letzte Mal verloren habe. Das ist schnell ausgemacht, ich hätte mit ihm links hinauf zur Burg gehen müssen. Zum ersten Mal komme ich so auf die Burg Monschau und kann von dort auf die Stadt hinabblicken. Zu besichtigen ist die Burg nicht, denn in ihr ist eine Jugendherberge eingerichtet. Also gehe ich über Treppenstufen und Gassen hinunter in den Ort. Der ist an diesem Tag vor dem Wochenende wirklich beschaulich und nicht so verstopft. Gemütlich lasse ich diesen Wandertag ausklingen und fahre später mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt.