15. Etappe: Kordel - Trier (19 km)

Ein letztes Mal werde ich heute auf dem Eifelsteig unterwegs sein. Klar, ich kann natürlich immer wieder auf dem Eifelsteig wandern, aber es wird eben nie wieder so wie in diesem Sommer sein – ein komisches Gefühl beschleicht mich bei diesen Gedanken.

Das Auto parke ich in Kordel am Bahnhof, diesmal aber auf der anderen Seite der Gleise - also nicht am Bahnhofsgebäude -, wo es eine Reihe von Parkmöglichkeiten gibt, auch wenn man dafür ein ganzes Stück zurück zur Straße und zum Bahnübergang gehen muss.

Der Anfang von Ende - Start in Kordel

Auf dem Weg zum Bahnübergang kreuzt eine Schnecke meinen Weg. Sie ist so, wie man sich eine Schnecke vorstellt: Graue Farbe und mit einem schönen Haus auf dem Rücken. Wird sie es ohne Unfall über die Straße schaffen? Ich mache die Schnecke zum Fotomodel und wünsche ihr anschließend einen schönen Tag.

Der Bahnhof von Kordel liegt an der Straße zur Burg Ramstein, die nicht viel befahren wird. Dennoch biegt der Eifelsteig noch vor Erreichen des Bahnhofes mit der Hauptverkehrsstraße zuerst nach rechts und dann nach links ab, um der Landstraße ein Stück zum Ortsausgang zu folgen. Kurz davor lenkt er mich rechts in eine Wohnstraße, die steil bergauf führt. Am oberen Ende der Straße folge ich dann der Wegmarkierung hinter den Gärten vorbei in den Wald. Ganz schön steil geht es auch dabei zu.

Doch mit jedem (Höhen-) Meter bieten sich bald immer wieder herrliche Blicke zurück auf das im Tal liegende Kordel. Interessant ist dabei besonders, dass der rote Felsen der Kaulay, auf dem ich am Ende der letzten Etappe gestanden habe, so deutlich aus dem Wald über dem Ort hervorsticht.

Durch herrlichen, spätsommerlichen Buchenwald geht es weiter. Leider ist aber irgendwo im Tal auch bald eine Straße zu hören und wenig später muss ich die Landstraße nach Butzweiler auch überqueren. Zum Glück ist sie nur selten befahren.

Burg Ramstein, Butzerbachtal und Pützlöcher

Auf der anderen Straßenseite senkt sich der Eifelsteig dann bald steil zurück ins Tal. Dafür gibt es zwischen dem dichten Blattwerk hindurch nach kurzer Zeit schon erste Aussichten auf die verfallenen Türme und Mauern der nahen Burg Ramstein auf der anderen Talflanke. Unten angekommen auf der Zufahrtstraße, die auch am Kordeler Bahnhof vorbeiführt, ragt das Gemäuer der Burgruine dann auf einem Felssporn thronend majestätisch über den Baumgipfel hervor.

Burg Ramstein, Butzerbachtal und Pützlöcher
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Kordel mit der Kaulay Der Eifelsteig durch herrlichen Buchenwald Die Ruine der Burg Ramstein Die Hängebrücke im Butzerbachtal Das römische Bergwerk Pützlöcher

Hier am Parkplatz zum Butzerbachtal treffe ich auch erneut auf einen Wegabschnitt, auf dem ich für eine andere Wanderung schon einmal unterwegs gewesen bin. Damals kam ich aus dem Butzerbachtal und bin hinauf zur Burg Ramstein gestiegen, mit dem Eifelsteig lasse ich die Burg links liegen und tauche am unteren Ende in das Tal ein. Dort sollen mir sieben Wasserfälle entgegenkommen – gezählt habe ich sie nicht, aber beim Wort "Wasserfall" sollte man nicht zu viel erwarten. Ein Pfad am Ufer führt im schmalen, von Bäumen beschatteten Tal aufwärts, das Highlight ist dabei sicher, neben anderen Brücken und Stegen, die doppelte Hängebrücke. Beim ersten Mal war ich an einem 1. Mai bei schönem Wetter dort und das Tal war gut besucht von Familien, die den Weg verstopften und mir keine Möglichkeit gaben, das Tal zu genießen. Diesmal höre ich zu Beginn eine Schulklasse, die sich lautstark bemerkbar macht und ich schreite weit aus, um dem Lärm vielleicht zu entkommen. Tatsächlich kann ich so das kleine Tal bald mit mehr Ruhe erleben, denn an diesem Wochentag ist dort kaum jemand unterwegs.

Nach zwei Kilometern bin ich am oberen, begehbaren Teil des Butzerbachtales angelangt. Doch die nächste Sehenswürdigkeit warte schon wenige hundert Meter weiter: Das alte, römische Kupferbergwerk "Pützlöcher". Dieses interessante Gelände, das den Römern nach dem Abbau von Erzen als Steinbruch gedient hat, ist an diesem Tag menschenleer und so habe ich Gelegenheit, dort in aller Ruhe zu rasten, mir die Gänge und Stollen, deren Eingänge gesichert sind, zumindest von außen anzusehen.

Geyersley, Klausen- und Genovevahöhle

Als ich weiterwandere, gelange ich mit einem Pfad ins Tal an einen breiten Waldweg. Würde ich mich nach links wenden, würde ich zur Burg Ramstein kommen, wo es ein nettes Ausflugslokal gibt. Besonders bei schönem Wetter laden dort Tische und Stühle unter alten Bäumen zum Verweilen ein.

Da ich mit dem Eifelsteig aber in die andere Richtung geleitet werde, muss ich wieder ein Stück bergan steigen. Nach einer Weile komme ich so an den Abzweig zur Geyersley, den ich beim letzten Mal ignoriert habe. Da es heute deutlich ruhiger auf den Wegen ist, beschließe ich, diesmal den kurzen Abstecher von 500 Metern mitzunehmen. Belohnt werde ich für diesen zusätzlichen Weg auf den Felsen mit einer schönen Sicht ins Kylltal und die schon ein Stück zurückliegende Burg Ramstein.

Leider gibt es rund um den Aussichtspunkt auch deutliche Spuren davon, dass hier Leute campiert haben. Besonders die Plastiktüte mit Müll, die dort ans Gelände gehängt und "vergessen" worden ist, sticht mir ins Auge. Aber auch die Feuerstellen und Hinterlassenschaften, markiert mit Papiertaschentüchern, finde ich unschön.

Zurück auf dem Eifelsteig führt mich der Weg dann sehr steil, manchmal sogar über Stufen, einen Hang hinab. Als sich das Gebüsch zurückzieht, sehe ich wieder einen dieser mächtigen, roten Sandsteinfelsen, dessen Flanken zerfurcht und verwittert sind. Hier befindet sich die Klausenhöhle, in der ein Heiliger im 4. Jahrhundert seine Eremitage gefunden haben soll.

Ein Stück muss ich dem steilen Weg noch talwärts folgen, bevor ich auf einen Waldweg stoße, mit dem ich das Tal, in dem ich mich befinde, umrunde.

Ein Stück Wegstrecke auf breiten Forstwegen weiter, zweigt ein Pfad ab und bringt mich zu einer weiteren Höhle, der sogenannten Genovevahöhle. Diese liegt etwas in der Höhe und ist aus dem roten Sandstein herausgebildet wie eine Konzertmuschel. Auch die Genovevahöhle wird gerne von Wanderern angelaufen und offenbar ebenso gerne zum Lagern genutzt, wie Schmierereien an den Wänden, Feuerstellen, Müll und sonstiger Dreck belegen.

Zwischen Eifel und Mosel

Von der Genovevahöhle geht es sehr steil abwärts ins Kuttbachtal. Anschließend muss dann aber auch wieder ein Anstieg bewältigt werden. Erste Gedanken zur heutigen Etappe des Eifelsteigs gehen mir dabei durch den Kopf, was habe ich gesehen, was habe ich erlebt. Das Flair der einsamen Wege und Pfade ist spätestens seit dem Butzerbachtal dahin. Ab dort wirken auch die schmalen Wege ausgetreten und es ist deutlich, dass in diesen aufgeräumten Wäldern besonders an Wochenenden viele Erholungssuchende aus der Stadt unterwegs sind.

Am Ende wartet Trier
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Blick von der Geyersley auf Burg Ramstein Der Eingang zur Klausenhöhle Die Genovevahöhle Ausblick auf Trier

Wie um meine Gedanken zu bestätigen, dringen dann Straßengeräusche an mein Ohr, Lärm, der nur von einer Autobahn oder Schnellstraße kommen kann. Tatsächlich nähere ich mich der A 64/B 52, kann aber eine Unterführung nutzen, um unbeschadet auf die andere Seite der Straße zu gelangen. Es braucht danach eine Weile, bis ich die Geräusche hinter mir lassen kann und wieder die Ruhe in einem schönen Laubwald genießen kann.

Nach einer weiteren Wegstrecke komme ich in die Nähe einer einsam gelegenen Wohnsiedlung. An einem Parkplatz für Wanderer vorbei geht es von dort nach einem Tag, an dem der Weg meist durch Laubwälder führte, am Waldrand entlang durch eine Wiesen- und Weidenlandschaft. Alte Obstbäume stehen hier vereinzelt, doch für die Ernte scheint sich keiner mehr zu interessieren.

Dann bemerke ich einen Mann, der mir entgegenkommt. Er trägt einen Korb und mir ist sofort klar, dass er Pilze sammelt. Wir sprechen miteinander und ich begutachte seine Beute: Ein Steinpilz, der aber für meinen Geschmack schon zu sehr von Maden zerfressen ist. Doch er liebt Steinpilze und beklagt, dass diese Art, die nicht gezüchtet werden kann, immer mehr von kommerziellen Sammlern aus den Wäldern geholt und deshalb immer seltener würde. Nachdenklich gehe ich weiter. Als der Weideweg wieder zu einem Waldweg wird, schaue ich mich um, entdecke aber natürlich keinen einzigen Pilz. Damit war aber auch nicht wirklich zu rechnen.

Im Wald wird auch der Weg wieder steiler, schließlich geht es sogar über Treppenstufen abwärts. Da befinde ich mich aber schon am Ortsrand von Biewer, in das ich nun hinuntersteige. Etwas verloren stehe ich dann an der breiten Hauptstraße durch den Ort – ist das jetzt das Ende des Eifelsteigs, folgt nun nur noch eine Strecke an einer vielbefahrenen Straße entlang?

Zum Glück muss ich nur ein kurzes Stück an der staubigen Straße bleiben und kann am St. Jakobus – Brunnen nach rechts in eine deutlich angenehmere Straße einbiegen. Mit einem Fußweg an einer Schule vorbei erreiche ich den im Tal liegenden, hinteren Teil der Ortschaft, wo Schutz und Staub der Hauptstraße in Vergessenheit geraten. Zwischen den Häusern hindurch führt der Eifelsteig mich dann wieder auf einen Waldweg. Der ist jedoch nun wieder besonders steil und verlangt mir einiges ab. Schnaufend kämpfe ich mich Schritt für Schritt in die Höhe.

Auf dem Felsenpfad oberhalb der Mosel

Als ich das erste Mal an die Felskante trete, schaue ich hinunter auf die Mosel und das Häusermeer von Trier auf der anderen Uferseite. Da liegt also mein Ziel vor mir – nicht nur als Etappenziel, sondern auch als Ende des gesamten Weges auf dem Eifelsteig. Wieder ergreift mich ein wenig Wehmut und gleichzeitig bin ich gespannt, was mich am Ende erwarten wird.

Doch bevor es soweit ist, ist der Abschnitt über den Felsenpfad, der mehr oder weniger immer am Rand der Kante der Felsen entlangführt, ein durchaus erwähnenswerter Streckenabschnitt. Zwar ist die Felskante meist mit einem Zaun gesichert und Bäume verstellen oft die Sicht, aber immer wieder bieten auch Aussichtspunkte schöne Blicke ins Moseltal. Leider dringen von dort unten aber auch die Geräusche von Verkehr deutlich nach oben, ein weiterer Wehrmutstropfen ist das Wetter - es ist ziemlich wolkenverhangen und grau -, dennoch gönne ich mir eine Rast an einer exponierten Stelle, an der ein paar Sinnesliegen aufgebaut worden sind. Das also ist der Endpunkt Trier, da sind die Porta Nigra und der Dom zu erkennen, die Basilika,...

Es geht noch ein Wegstück über den Felsenpfad, weitere Aussichtspunkte folgen, und dabei schiebt sich eine Moselbrücke im mein Blickfeld. Dort werde ich sicher über den breiten Fluss in die Stadt hinübergehen.

Das Ende im Weisshauspark bei Trier

Der Felsenpfad endet am Weisshaus, einem nobel aussehenden Café-Restaurant mit Terrasse, von der sich ein erhabener Blick über die Mosel und Trier bietet. Der Eifelsteig führt daran vorbei und über ein paar Stufen gelange ich auf einen Weg, der auf der moselabgewandeten Seite ins Tal führt. In einer parkähnlichen Anlage treffe ich auf einen Parkplatz, eine Picknickbank und eine Tafel. Auf der Tafel finde ich Hinweise zum Weg in die City von Trier, eine Karte der Stadt und darunter eine mit dem Gesamtverlauf des Eifelsteigs. Auf der anderen Seite der Tafel lese ich unter der Überschrift Start/Ende Eifelsteig im dritten von vier Absätzen einen kurzen Text über den Weitwanderweg, dafür aber in vier Sprachen.

Info:
  • Trier
    Die älteste Stadt Deutschlands hat nicht nur alte Bauwerke wie die Porta Nigra und den Dom zu bieten: www.trier-info.de.
  • Bus & Bahn
    Zwischen Trier und Kordel gibt es eine gute Bahnverbindung: www.bahn.de.

Sehr ernüchtert schaue ich mich um, überlege, ob ich wieder hinauf zum Weisshaus gehen soll, um dort im Café das Erreichen des Ziels zu feiern. Doch ich entscheide mich dagegen, denn lieber will ich mir zumindest die Porta Nigra und die Altstadt von Trier anschauen, denn das letzte Mal war ich als Jugendlicher mit dem Lateinkurs in der Stadt. So gehe ich also weiter und hoffe, mit der Altstadt von Trier ein würdigeres Ambiente für den Abschluss des Eifelsteigs nach gut 350 Kilometern zu finden.