14. Etappe: Bruch - Kordel (29 km)

Die Etappe zwischen Bruch und Kordel ist die schwierigste des Eifelsteigs. Nicht nur, weil sie mit 29 km die längste Strecke darstellt, sondern auch, weil für Tageswanderer die Rückfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur zu ungünstigen Zeiten, mit langen Fahrtzeiten und dreimaligem Umsteigen möglich ist. Natürlich kann man die Etappe auch in zwei Wanderungen einteilen und in etwa der Mitte unterbrechen – der Ort Zemmer würde sich dafür anbieten, das Transportproblem ändert sich dadurch aber nur unwesentlich –, ich entscheide mich jedoch auch auf Grund meiner langen Anfahrt, die Strecke an einem Tag zu bewältigen.

Zunächst rufe ich bei einem Taxiunternehmen an, um den Preis für eine Fahrt von Kordel nach Bruch zu erfragen. Das Ergebnis liegt jenseits der 50,- € und kommt für mich nicht in Frage. Aber da gab es ja dieses Gespräch mit dem Fahrer des Kleinbusses, der mich von Bruch nach Wittlich gebracht hatte. Der freundliche Mann hatte mir vorgeschlagen, dass er mich zwischen zwei Fahrten schieben und am Bahnhof in Daufenbach abholen würde, um mich von dort nach Bruch zu fahren. Als ich ihn anrufe geht zunächst seine Frau ans Telefon und mir wird klar, dass ich vermutlich mit dem Chef des Unternehmens spreche.

Die 14. Etappe des Eifelsteigs ist eine von vieren, dessen Strecke mir komplett neu ist und so kenne ich auch den Ort Kordel nicht. Dort suche ich den Bahnhof, um mein Auto zu parken und mit dem Zug bis Daufenbach zu fahren.

Das Bahnhofsgebäude liegt schon ein wenig außerhalb des Ortes, ist aber ein schönes, altes Gebäude. Interessanterweise ist dort ein Gasthaus mit Terrasse eingezogen, dass einen sehr gemütlichen Eindruck macht. Allerdings befindet sich an dem Tag, an dem ich einen Parkplatz suche, ein großes Bierzelt nebst LKW-Anhänger auf der angrenzenden Wiese und so ist es für mich problematisch, dort zu parken. Da die wenigen anderen Parkplätze bereits belegt sind, spreche ich den Wirt des Lokals an, der gerade dabei ist, die Tische im Außenbereich einzudecken. Weil der Anhänger erst nach dem Wochenende abgeholt wird, soll ich mich einfach davor stellen und das mache ich dann auch.

Da noch Zeit ist, bevor der Zug kommt, beschließe ich, mich für einen Kaffee auf die Terrasse zu setzen und komme mit dem Wirt ins Gespräch. Er kennt den Eifelsteig und berichtet, dass vor allen Dingen am Wochenende immer wieder Gäste die Strecke wandern würden, dann aber nicht wüssten, wie sie zum Ausgangspunkt zurückkommen. Wenn es der Betrieb zulassen würde, würden er oder einer seiner Angestellten den Rücktransport für die Gäste übernehmen.

Nach dem Kaffee kommt bald mein Zug, mit dem ich zwei Stationen weiterfahre. Tatsächlich wartet in Daufenbach am Bahnhof dann auch der freundliche Fahrer, der mich mit einem PKW nach Bruch bringt. Den Geldschein, den ich ihm beim Aussteigen entgegenhalte, will der Mann zunächst nicht annehmen, aber immerhin haben so beide etwas davon.

Los geht's in Bruch

Es ist zehn Uhr am Morgen und keine Wolke am strahlend blauen Himmel zu sehen, als ich auf dem kleinen Dorfplatz in Bruch aufbreche. Bei diesem Wetter muss ich natürlich auch noch einmal Fotos vom restaurierten Mühlenhaus machen, als ich mit dem Eifelsteig am Ufer der Salm entlang durch Bruch zur Burg gehe. Genauso sind die beiden Türme der Burg jetzt auch ein ganz anderes Motiv, als eine Woche zuvor, als es wolkig-grau gewesen ist.

Von der Burg Bruch aus muss ich auf einem Trampelpfad circa dreihundert Meter eine Landstraße entlang und passiere dabei die Einmündung einer anderen Straße. Letzteres ist deshalb erwähnenswert, weil der Eifelsteig ein gutes Stück, bis hinauf nach Greverath, etwa sechs Kilometer weiter, parallel dieser Straße, der Kreisstraße 37, verlaufen wird. Doch davon ahne ich noch nichts, als ich vom Pfad an der Straße auf einen Waldweg abbiege und mit ihm den Berg hinaufsteige.

Von Bruch zum Rodter Turm
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Die Burg Bruch Rastplatz am Quellgebiet eines Baches Sonnenblume am Weg Apfelbaum am Wegrand Der Aussichtsturm bei Rodt

Waldreich wird die erste Stunde dieser Wanderung. Zum Glück ist die bereits erwähnte Kreisstraße keine stark befahrene und deshalb auch nur selten störend, als ich mich ihr nach einem Bogen um den Berg wieder annähere.

Dann betrete ich eine Wiese, komme mit ihr zum Ort Gladbach und steige an der K 37 entlang weiter aufwärts. Am Ende der Ortschaft übersehe ich dann beinahe den Pfad, der hier in den Hang hinein abzweigt. Schweißtreibend geht es mit dem Pfad steil bergan in einen Wald hinein. Dort wende ich mich nach links und folge nun wieder – unbemerkt – dem Verlauf der Straße.

Durch Felder erreiche ich schließlich Greverath an seinem östlichen Ortsrand. Hier biege ich in eine Landstraße ein – auf der Karte werde ich später sehen, dass es mir die K 37 ein Stück weit die Straße hinunter gleichgetan hat.

Der höchste Punkt am Rothaus

Durch das kleine Dorf Greverath führt der Eifelsteig mitten hindurch und an seinem Ortsausgang dann wieder in ein Waldgebiet hinein – diesmal nicht begleitet von einer Straße. Das bemerkenswerteste an dieser Passage ist eigentlich ein Rastplatz, den ich nur durch Zufall nach circa zwei Kilometer Wegstrecke entdecke, weil ich ein hübsches Staudengewächs am Wegesrand fotografiere. Dabei fällt mir eine im dichten Busch recht versteckt aufgestellte Sinnesliege auf und die gehe ein Stück heran. Ein Pfad durch üppiges Grün führt mich dann ein paar Schritte weiter in eine Talsenke, die beschattet von den umliegenden Bäumen das Quellgebiet eines Baches ist. Feucht und kühl ist es an diesem Ort, aber gleichzeitig auch ein wenig verwunschen und feenartig. Kurz lasse ich mich hier nieder.

Ein wenig später befindet sich am Weg eine Informationstafel zum Meulenwald, einem großen Waldgebiet, vom dem ich bereits im Vorfeld immer mal wieder etwas gehört habe. Neugierig studiere ich das Schaubild und erfahre, dass der Wald, den ich gerade durchstreife, seinen Namen von den Meilensteinen der ehemals hindurchführenden Römerstraße erhalten haben soll. Damit kündigt sich auch die näherkommende Stadt Trier an, verbunden mit Gedanken an das Ende meiner Wanderungen auf dem Eifelsteig.

Doch zunächst gilt es, bis zum Rothaus an der vielbefahrenen Landstraße 46 zu gelangen. Tatsächlich sehe ich, dass das Haus nicht nur Rothaus heißt, sondern wirklich komplett mit dieser Farbe gestrichen ist. Eine Gastwirtschaft befindet sich dort mit einem Biergarten im Innenhof.

An Zemmer vorbei zum Rodter Turm

Vom Rothaus geht es weiter durch Wiesen und Felder zum Ortsrand des nahen Ortes Zemmer. Ein Streifen vollerblühter Sonnenblumen begleitet mich dabei. Mit dem Eifelsteig berühre ich den Ort dann aber nur am Rande, denn als ich die Hauptstraße erreiche, wendet sich der Weg nach links und führt mich im Bogen um den Ort herum.

Warum ist das so? Hängt das vielleicht damit zusammen, dass ein Premiumweg, der der Eifelsteig sein möchte und laut Deutschem Wanderinstitut ist, nur einen gewissen Prozentsatz Asphaltwege aufweisen darf? Für Wanderer wäre es sicher auch angenehm und interessant, sich zwischendurch einmal eine Ortschaft anzusehen, Proviant aufzufrischen oder einkehren zu können – Zemmer würde dafür gute Gelegenheiten bieten. Außerdem würde der direkte Weg durch den Ort einen guten Kilometer Weg sparen, bei 29 Kilometern Gesamtstrecke an diesem Tag sicher ein Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte.

Info:
  • Zemmer
    Zemmer biete sich als Ort für eine Übernachtung in der Mitte dieser langen Etappe an. Es gibt dort neben einem netten, kleinen Heimatmuseum alles, was der Wanderer braucht. Die Website der Gemeinde ist allerdings touristisch nicht brauchbar. Wenig besser ist: Deutsch-Luxemburgische Tourist-Information.
  • Kordel
    Die Gemeinde Kordel findet internettechnisch so gut wie gar nicht statt - schade. Lediglich bei der Deutsch-Luxemburgische Tourist-Information kann man nach Gastronomie, Übernachtungs- und Freizeitmöglichkeiten (Freibad) schauen.
  • Bus & Bahn
    Eigentlich ist es unmöglich, von Kordel nach Bruch zurückzukommen. Wer trotzdem nachschauen möchte: www.vrt-info.de.

Der Eifelsteig um Zemmer herum besteht aus einem unschönen, breiten, geschotterten Weg, teilweise gesäumt mit Apfelbäumen, und trifft nach etwa zwei Kilometern auf die am Rothaus bereits überschrittene Landstraße. Zum Glück braucht die Straße nicht noch einmal überquert zu werden, denn der Eifelsteig biegt nach rechts ab und bringt mich zurück in ein Waldgebiet. Einen guten Kilometer weiter zweigt dann ein Weg ab, mit dem man in die Ortsmitte von Zemmer gelangt. Ich merke mir: Wenn ich diese Strecke noch einmal wandern sollte, dann nicht um, sondern durch den Ort hindurch!

Wenig später öffnet sich der Wald und ich habe freie Sicht zu meiner linken. Passenderweise stehen an dieser Stelle auch zwei Sinnesliegen und laden ein, den Blick über das Moseltal ins Hunsrück zu genießen. In Sichtweite befinden sich außerdem ein Sportplatz mit Parkgelegenheit und der Rodter Turm, eine 20 Meter hohe, hölzerne Konstruktion, die bestiegen werden kann. Die Aussicht von dort oben ist natürlich noch ein bisschen besser als von den Liegen – aber eben auch nicht so bequem.

Ins Tal der Kyll

Der Aussichtsturm von Rodt zeichnet den höchsten Ausschlag auf der Höhenmessung meines GPS-Gerätes. Anschließend verläuft der Eifelsteig eine längere Wegstrecke talwärts, was nach inzwischen rund zwanzig Kilometern sehr angenehm ist. Dabei geht es auch außen um den Ort Rodt herum. Diesmal ärgert mich dies aber nicht weiter, denn die Umrundung stellt hier keinen Umweg dar und das Neubaugebiet, das ich dabei streife, schreckt mich auch eher ab.

Schöner finde ich dagegen den anschließenden Weg durch Wiesen und im Folgenden durch ein Waldstück, wobei es zum Teil recht steil abwärts geht. An der Deimlinger Mühle habe ich dann den Talgrund und den Eifelfluss Kyll erreicht. Erinnerungen an vergangene Etappen rund um Gerolstein werden wach, als mir der Fluss wiederholt begegnet ist.

Die Kaulay und die roten Felsen von Kordel

An der Deimlinger Mühle überquere ich zunächst die Landstraße, die durch das Tal verläuft, dann direkt darauf die Bahnlinie von und nach Kordel, die ich am Morgen gefahren bin, und dann die Kyll. Schön ist es, dass der Eifelsteig hier vom asphaltierten Radweg auf einen schmalen, beinahe romantischen Trampelpfad direkt am Ufer des Flusses geführt wird. Leider dauert dieses Vergnügen keine 300 Meter und es geht wieder zurück auf den harten Radweg.

Dann passiert etwas, dass eigentlich wieder nur mit den Maßgaben eines Premiumwanderweges zu erklären ist: Der Eifelsteig zweigt vom Radweg ab, führt auf einem schmalen Pfad in den Hang hinein und verläuft parallel des Asphaltweges durch den Hang. Ein Stück weiter steige ich wieder auf den Radweg hinunter und folge diesem, bis erneut ein Wegzeichen nach rechts in den Hang weist. Dabei ist ein Pfad natürlich prinzipiell deutlich schöner als der Radweg, aber auf Grund des Auf und Abs mit zum Teil recht starken Steigungen, des aus dem Boden stehenden Wurzelwerks und der vielen Stolpersteine ist die Strecke mühselig und langwierig. Und so ist der harte Belag des Radweges nach mehr als 24 Kilometern, die hinter mir liegen, sicher kein Genuss, doch an dieser Stelle überlege ich, ihn dem kräfteraubenden Pfad vorziehen, auch weil er die Möglichkeit böte, weit auszuschreiten, um Strecke zu machen.

Noch einmal geht es vom Radweg in den Hang, diesmal sehr steil und in immer wiederkehrenden Serpentinen. Mit meinen Kräften am Ende muss ich bald eine Rast einlegen, als ein Baumstamm im Wege liegt, der überstiegen werden will.

Nur wenige Meter weiter stößt der Pfad auf einen Waldweg und der Anstieg schwächt sich deutlich ab. Es folgt ein schöner Waldweg und die ersten roten Felsen, aber auch die ersten Geräusche aus dem Tal, die durch das dichte Grün der Bäume hindurch auf das nahe Kordel aufmerksam machen.

Dann muss ich aufpassen, dass ich den Abzweig auf einen Pfad den Berg hinunter nicht verpasse, über den ich nach wenigen Metern zur Kaulay gelange. Hier, auf einer Bank auf dem Plateau des Sandsteinfelsens, lasse ich mich erneut nieder und habe nach fast 28 Kilometern das Etappenziel Kordel zu meinen müden Füßen liegen.

Die roten Felsen von Kordel
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Blick auf Kordel von der Kaulay Die Sandsteinhöhlen an der Kaulay Blick hinauf zur Kaulay

Der Eifelsteig entfernt sich beim Abstieg von der Kaulay wieder von Kordel. Das ist für den müden Wanderer zunächst frustrierend, auch, wenn der Pfad bergab führt. Dann aber, wenn es wieder in Richtung Kordel geht, versteht man, warum die Wegführung so vorgenommen worden ist. Denn mit dem Richtungswechsel bin ich am Fuß der Felsen angekommen und komme nun an bizarren Höhlen vorbei, die sich hier in den Sandstein eingegraben haben. Auch eine ehemalige Eremitage soll es in einer der Höhlen gegeben haben. Wahrscheinlich ist für all dies der Welschbilliger Bach verantwortlich, der nahe im Tal nach Kordel fließt.

Nur wenig weiter bietet sich mir dann der beindruckende Blick senkrecht empor am roten Felsen der Kaulay, auf dem ich einige Augenblicke zuvor noch gerastet habe. Anschließend erreiche ich die ersten Häuser von Kordel, steige auf Fußwegen und Treppen hinunter in den Ort, wo an diesem ersten Abend des kommenden Wochenendes ein reges Treiben herrscht, und schaffe es mit letzten Kräften zum Bahnhof.

Ach ja, am Bahnhof stand am Morgen ein Bierzelt und es sollte Oktoberfest gefeiert werden. Jetzt um 18:45 Uhr ist auch der Bierstand besetzt, Vater und der vielleicht zehnjährige Sohn warten auf Kundschaft. Der Vater ist geschickt, sagt seinem Sohn laut, dass der vorbeikommende Wanderer sicher durstig sei und der Sohn ihn fragen müsse, ob er ein Bier wolle. Ich bleibe stehen und beschließe, das Angebot anzunehmen, wenn es anstatt des Bieres auch Apfelschorle geben würde. Die soll mir der Sohn dann schon einmal zapfen, während ich zum Auto gehe, mir die Schuhe ausziehe und zusammen mit dem Rucksack im Kofferraum verstaue.