12. Etappe: Manderscheid - Kloster Himmerod (19 km)

Der Abschnitt des Lieserpfades von Manderscheid bis vielleicht zur Pleiner Mühle wird oft als einer, wenn nicht der schönste Wanderweg der Eifel bezeichnet - sicher zu Recht, wie ich zugeben muss. Kein Wunder also, dass auch der Eifelsteig diesen Verlauf nimmt und dem Lieserpfad von Manderscheid aus folgt.

Als Tagestourwanderer habe ich auf diesem Abschnitt das Problem, dass es vom Kloster Himmerod am Wochenende keine und auch in der Woche nur unpraktikabele Busverbindungen gibt, die mich zurück nach Manderscheid bringen könnten. Deshalb entschließe ich mich dazu, das Auto in Großlittgen zu parken, wo es an der Kirche einen großen, kostenlosen Parkplatz gibt, und von dort mit dem regelmäßig verkehrenden Bus nach Manderscheid zu fahren. Das bedeutet aber auch, dass ich vom Kloster noch einmal rund vier Kilometer zum Parkplatz laufen muss.

Auf dem Lieserpfad - dem schönsten Wanderweg der Eifel!

In Großlittgen wird gerade der Verkehr kontrolliert, als ich dort nach der Bushaltestelle suche und kann so einen Polizisten fragen. Mit seiner Hilfe entdecke ich auch das Schild zum Parkplatz an der Kirche, fahre dorthin, ziehe mir die Wanderschuhe an und gehe zurück, um auf den Bus zu warten. Zwei Jungs stehen bereits an der Haltestelle, beide mit Rucksack, und ich erfahre, dass sie die letzten Tage auch auf dem Eifelsteig unterwegs gewesen sind. Übernachtet haben sie im Zelt, sind nun auf dem Heimweg und freuen sich auf ein gutes Essen bei Mutter. Auch und gerade diese kleinen Geschichten, die ich unterwegs immer wieder erzählt bekomme, sind es, die mir den Eifelsteig mehr und mehr ans Herz wachsen lassen, je länger ich auf ihm unterwegs bin.

In Manderscheid angekommen schaue ich mich noch einmal um, mache einige Fotos, aber da es an diesem Tag nur einen grauen Himmel als Kulisse gibt, sind die Bilder nicht wirklich toll. Beim nächsten Mal, denke ich schließlich, und mache mich auf den Weg, am Kurpark vorbei zum Ortsausgang, wo der Lieserpfad nach rechts in den Weg Zur Mariengrotte von der Straße abbiegt und kurz drauf auf einen Fußpfad wechselt - mit prächtigen Aussichten auf die Unterburg inklusive. Diese Blicke sind bis zur Balduinshütte und dem darauffolgenden Aussichtspunkt wirklich einmalig, so dass ich mich nicht davon abhalten kann, trotz des schlechten Wetters immer wieder neue Fotos zu machen.

Und dann beginnt der Streckenabschnitt, für den der Lieserpfad so gerühmt wird: Auf einem schmalen Pfad am Hang entlang, links in der Tiefe die Lieser, rechts zumeist moosbewachsene Felsen und zwischendurch immer wieder wunderbare Aussichten ins einsame, dicht bewaldete Tal. Was soll man über diese Strecke noch mehr sagen? - Am besten macht man sich auf, um dieses herrliche Stück Weg zu erleben. Einzig störend an diesem Tag sind die Mountainbikefahrer, die es offenbar unglaublich abenteuerlich finden, wenn sie auf diesem engen, felsigen Weg auf dem Fahrrad fahrend sich und andere gefährden.

Nach gut fünf Kilometern, es ist immer mehr oder weniger bergab gegangen, erreiche ich eine Wiese im Tal. Dort, so erinnere ich mich, habe ich auf meiner ersten Wanderung eine Rast eingelegt, damals noch mit einer Zigarette, um eine sich lauthals unterhaltende Wandergruppe vorbeiziehen zu lassen. Heute kommt mir der Platz deutlich bewachsener vor, aber die Brücke über die Lieser gibt es dort immer noch. Auf der anderen Seite folgt ein steiler und langanhaltender Aufstieg. Nach etwa zwei Dritteln gibt es immer noch einen Picknicktisch, von dem man einen weiten Blick ins Land hat. Leider ist die Stelle ziemlich verdreckt und so halte ich mich hier nicht lange auf. Warum können die Leute nur ihren Müll nicht mit nach Hause nehmen - das gilt übrigens auch für Papiertaschentücher, die für die nachfolgenden Wanderer mehr als unschön sind und je nach Lage(n) mindestens 6-8 Monate brauchen, bevor sie verrottet sind. Nicht zum ersten Mal ärgert mich dieses ignorante Verhalten meiner Mitmenschen.

Auf dem Lieserpfad
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Die Manderscheider Burgen Rastplatz mit Aussicht Der Burgblick Kleine Sonnen am Weg (Rainfarn)

Es geht noch ein Stück aufwärts, dann aber ist der Anstieg geschafft und ich betrete ein offenes Gelände. Die Lieser ist an dieser Stelle das erste Mal nicht in Sicht- oder Hörweite und es braucht eine Weile des Abwärtswanderns, bis sie wieder an der Seite des Weges rauscht.

Ein Stück Wegstrecke weiter ist es die Karl-Kaufmann-Brücke, die mich erneut über die Lieser bringt - mitten im Wald gelegen und stabil gebaut. Wieder geht es anschließend den Berg hinauf und diesmal beginnt es dabei leicht aber anhaltend zu regnen. Während ich noch überlege, ob ich meine Regenpelle aus dem Rucksack hervorholen und überziehen soll, komme ich an einen Abzweig. Auch an diesen erinnere ich mich, weil ich an dieser Stelle beim ersten Mal Lieserpfad die laute Wandergruppe, die sich hier am Picknicktisch niedergelassen hatte, überholen und abhängen konnte. Diesmal entdecke ich dort aber vor allen Dingen einen Wegweiser, der vom Eifelsteig ab zum sogenannten Burgblick weist und ich beschließe, ihm die wenigen hundert Meter zu folgen.

Am Burgblick gibt es eine Schutzhütte und einen Steg, der vom Berghang ein kleines Stück weit absteht und einen wunderbaren Blick in das tief unten liegende Liesertal ermöglicht. Die Hütte ist bei meiner Ankunft leider von einer Wandergruppe belegt, dafür kann ich von der Aussichtsplattform unten im Fluss einen Fischreiher entdecken, der ungestört auf der Jagd im fließenden Gewässer steht. Ob er vergeblich dort gewartet oder tatsächlich Beute gemacht hat, kann ich letztendlich auf die Entfernung nicht sagen, als der Vogel sich schließlich davonmacht. Inzwischen ist es aber still geworden, bin ich dort oben allein, und irgendwie bekommt der Moment verbunden mit der Aussicht etwas Magisches und Erhabenes.

Abzweig ins Ilgenbachtal

Zweieinhalb Kilometer nach dem Burgblick heißt es dann Abschied nehmen vom Lieserpfad. Kurz nach Passieren der tiefsten Stelle der heutigen Wanderung in der Nähe des Flusses, zweigt der Eifelsteig nach rechts in ein wenig bekanntes Tal ab. Doch auch dieser Weg gefällt mir, denn am Ilgenbach hinauf führt lange nur ein schmaler, verwachsener Pfad. Durch den Regen ist das hohe Gras nass und bald sind es meine Hosenbeine auch, aber das nehme ich auf der einsamen Strecke gerne in Kauf. Manchmal finde ich nämlich, dass Wanderungen im Regen einen besonderen Reiz haben und diese gehört an jenem Tag dazu.

Ein Stück weit vor dem Erreichen einer Landstraße, der L 62, wird der Weg wieder breiter und an einer Wasserpumpstation gibt es an einer Kreuzung einen Wegweiser, der nach links in Richtung Großlittgen zeigt. Nässe, Müdigkeit und der tiefgraue Himmel lassen mich an dieser Stelle zum ersten Mal überlegen, ob ich nicht abbiegen und die Wanderung abkürzen sollte. Doch ich beschließe, zum Kloster Himmerod weiterzugehen, will so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben und auch wegen des Wanderführers das gesamte Stück Weg gesehen und erlebt haben.

Nach der Landstraße öffnet sich die Landschaft, ich steige weiter aufwärts, jetzt am Waldrand an einer Wiese entlang, bis ich ein kurzes Stück weiter an einer Bank eine kurze Pause einlege, trinke und ausruhe. Es folgt ein Nadelwald und endlich, als der Eifelsteig nach links abbiegt, habe ich auch den höchsten Punkt dieses Abschnittes und für den Rest des Weges geschafft. Bald darauf trete ich aus dem lichten Wald und sehe Großlittgen vor mir liegen. Wieder gehen mir die Gedanken an den kürzesten Weg zurück zum Auto durch den Kopf, wieder bleibe ich stehen, um zu trinken, diesmal unter einem alten, hohen und dichten Nadelbaum, unter dem eine Sinnesliege mit Blick auf Großlittgen zum Ausruhen verlockt.

Info:
  • Kloster Himmerod
    Das Kloster Himmerod liegt abgelegen im Salmtal. Im und am Kloster findet man aber verschiedene Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten (www.abteihimmerod.de).
  • Bus & Bahn
    Verbindungen vom Kloster Himmerod nach Manderscheid sind rar, liegen ungünstig und verlaufen über Großlittgen. Deshalb sollte man nach Verbindungen von dort schauen: www.vrt-info.de.

Lange bleibe ich nicht, denn dazu ist es mit nassen Klamotten zu kalt. Zwar regnet es jetzt nicht mehr, als ich über die offenen Wiesen und Felder talwärts gehe, aber immer noch ist es grau und wolkenverhangen. Bald überquere ich erneut eine Landstraße, die nach Großlittgen hineinführt, und wandere auf der anderen Straßenseite weiter durch die Wiese, bis ich auf einen Asphaltweg stoße. Wieder gäbe es hier die Möglichkeit, direkt zurück zum Ausgangspunkt zu gehen, doch noch einmal entscheide ich mich, den gesamten Eifelsteig kennenlernen zu wollen und bis zum Kloster Himmerod durchzuhalten.

Zurück nach Großlittgen

Mein Entschluss dauert nur 200 Meter an, dann drehe ich mich um und wende mich Großlittgen zu. Verantwortlich mache ich dafür zunächst das Wetter, denn es hat wieder zu tröpfeln begonnen, dann den für meine müden Füße unangenehmen Asphaltweg. Zuhause werde ich mir ansehen, wie weit es noch bis zum Kloster gewesen wäre und mir überlegen, ob ich diesen Weg für den Wanderführer später noch nachhole, ist ein weiterer Gedanke zur Entschuldigung.

Tatsächlich fehlen mir an dieser Stelle noch 1,75 Kilometer bis zum Kloster. Stattdessen komme ich bald wieder auf die Landstraße, die ich ein Stück weit oberhalb bereits überschritten hatte, und gehe nun an ihr entlang ins Dorf bis zur Hauptstraße. Großlittgen macht an diesem Samstagnachmittag einen stillen und verlassenen Eindruck und ich sehe nur sehr wenige Menschen. Trotz der nur knapp zwanzig Kilometer an diesem Tag bin ich schließlich froh über meine Entscheidung und glücklich, als ich wieder am Auto angelangt bin.