10. Etappe: Gerolstein - Daun (26,5 km)

Am Morgen dieser Etappe fahre ich bis nach Gerolstein, um dort auf dem Parkplatz am Bahnhof das Auto für 5,- EUR für den ganzen Tag abzustellen. Es ist noch nicht 10:00 Uhr, als ich meine Schuhe angezogen und den Rucksack gepackt habe, um mich auf dem Weg zu machen, doch die heutige Strecke wird es wieder in sich haben.

Löwenburg, Heiligenstein und Dietzenley

Von Gerolstein bin ich schon wiederholt gestartet und so ist mir auch der erste Abschnitt der heutigen Etappe bis zur Dietzenley vertraut. Mit dem Lift fahre ich hinauf zur noch ruhigen Einkaufsmeile und steige dann weiter hinauf zur Ruine der Löwenburg. Den kurzen Abstecher dorthin gönne ich mir, denn von den alten Mauern hat man einen schönen Blick auf Gerolstein, aber auch auf Munterley und Hustley. Eine kleine Bühne ist unter den Bäumen aufgebaut, auf der offenbar für ein in Kürze stattfindendes Theaterstück geprobt worden ist.

Zurück auf dem Eifelsteig folge ich den Markierungen zunächst talwärts durch ein Wohngebiet, um dann mit dem beginnenden Wald bergan zu steigen. Ziel diesen Anstiegs ist der Heiligenstein, eine Aussicht mit Schutzhütte, von der man über das Tal der Kyll bis zu den eindrucksvollen Türmen der Kasselburg und darüber hinaus blicken kann. Während meines Aufenthalts dort bemerke ich Spuren eines Lagerfeuers und leider auch liegengebliebenen Müll - haben hier die beiden jungen Wanderer übernachtet, die ich eine Woche zuvor ein Stück begleitet hatte, die sich einen Platz zum Übernachten in der Natur suchen wollten?

Auch das nächste Ziel ist schnell erreicht und liegt nicht weit entfernt: Die Büschkapelle. Auch dorthin mache ich einen kurzen Abstecher, stelle aber fest, dass dort eine Veranstaltung stattfinden soll und für diesen Zweck wird sauber gemacht. Ein Grund, um mich nicht lange aufzuhalten. Am Grafen- und dem Davitskreuz vorbei wandere ich also schnell weiter auf meinem Weg zur Dietzenley.

Im Gerolsteiner Land
Zum Vergrößern anklicken
Gerolstein mit Auberg und Munterley Blick hinüber zur Kasselburg vom Heiligenstein Das Davitskreuz am Wegrand Der Turm auf der Dietzenley

Etwa einen Kilometer vor dem Felsen mit dem weiten Rundumblick nähere ich mich zwei Kindern, die hinter ihrem Großvater hertrotten, der sich gerade mit einer Wanderin unterhält und dabei offensichtlich nicht bemerkt, dass seine beiden Kleinen bereits ein gehöriges Stück zurückgeblieben sind. Gelangweilt oder aus Unmut schlagen die beiden mit Stöcken nach dem Grün am Wegesrand. Erst als sich Frau und Großvater voneinander verabschieden, bemerkt er den Abstand zu seinen Schutzbefohlenen, ruft sie heran und wartet auf die beiden. Bis sie wieder zusammen sind, habe ich die Gruppe überholt, mache mich an den letzten, kurzen Anstieg zum Aussichtsturm auf der Dietzenley und schließlich natürlich auch an den Aufstieg auf den hölzernen Turm selbst.

Der Ausblick von dort oben ist wirklich toll, man blickt weit in das Gerolsteiner Land hinein, rüber bis zur Kasselburg, aber auch bis zum Schwarzen Mann in der Schneifel oder zur Nürburg in der Hocheifel.

Während ich noch die Sicht genieße, haben auch der Opa mit den Enkeln den Platz unter dem Turm erreicht. Nun erfahre ich, dass die beiden Jungs auf die urdeutschen Namen Fritz und Willi (eigentlich Friedrich und Wilhelm) hören - oder auch nicht -, ihr Opa den Eifelsteig bereits gewandert ist und dabei, wie auch jetzt mit seinen Enkeln, häufig in Jugendherbergen übernachtet hat. Außerdem empfiehlt er mir ein Bed & Breakfast, das ihm sehr gut gefallen hat und sich in Bruch befindet, einem Etappenziel des Eifelsteigs weiter im Süden. Davon habe ich schon bei der Planung der nächsten Etappen gelesen, denn es ist eine der wenigen Übernachtungsmöglichkeiten im Ort und befindet sich in einer ehemaligen Wasserburg.

Nach Neroth und zum Nerother Kopf

Von der Dietzenley mache ich mich auf, um das nächste Etappenziel, den Nerother Kopf, zu erreichen. Die Strecke bis dorthin ist ein wenig länger und führt über weiter Strecken durch ausgedehnte Waldgebiete. Das ist zunächst sehr schön, zumal mir sehr lange Zeit niemand begegnet, wird aber irgendwann auch ein wenig monoton und langweilig, weil es zumeist auf breiten, gut ausgebauten Waldwegen voran geht. Nach einem Drittel des Weges passiere ich ein einsam gelegenes Forsthaus nebst Wochenendhaus, aber ansonsten passiert rund sechs Kilometer lang gar nichts.

Dann jedoch führt der Eifelsteig aus dem Wald heraus und ich komme an eine weite Wiese. Vor mir liegt nun der Ort Neroth und dahinter erhebt sich der dicht bewaldete Nerother Kopf, ein Vulkankegel, der aus dieser Perspektive gar nicht so spektakulär aussieht.

Der Eifelsteig nähert sich der Ortschaft, biegt dann aber bei Erreichen der ersten Häuser nach rechts in ein Seitental ab. Warum der Eifelsteig an dieser Stelle diesen Haken schlägt und nicht in den Ort hinein führt, bleibt mir ein Rätsel. Auch bei der zweiten Berührung des Dorfes leitet der Weg den Wanderer von Neroth weg. Dabei hätte der Ort Wanderern einiges zu bieten, denn es gibt dort neben Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie auch einen Laden zum Auffüllen des Proviants und natürlich das Mausefallenmuseum zur kurzweiligen Unterbrechung der Wanderung.

Mit dem Eifelsteig umrundet man Neroth also umständlich und erreicht an einem Parkplatz das Flüsschen Kleine Kyll. Ihr folgt man ein kleines Stück und biegt dann links hinauf ab, um den Aufstieg auf den Nerother Kopf in Angriff zu nehmen. Und dieser Anstieg hat es wirklich in sich, denn so harmlos der Berg aus der Entfernung ausgesehen hat, so steil geht es jetzt den Berg hinauf. Schweiß läuft mir die Stirn herunter und ich bin froh, dass ich unter Bäumen gehen kann, denn so habe ich zumindest Schatten. Doch der Weg ist lange Zeit so steil, dass es sich bei jedem Schritt so anfühlt, als sei ich nicht ein Stück vorwärts gekommen und ich würde auf der Stelle gehen. Dann nimmt die Steigung ab und ich glaube, das Schlimmste hinter mir zu haben, doch da habe ich mich getäuscht, denn auch die letzten 500 Meter bis hinauf auf den Kopf steigen noch einmal extrem stark an.

Info:
  • Neroth
    Wie im Text beschrieben, wird Neroth vom Eifelsteig links liegen gelassen, obwohl das Dorf Wanderern viel bietet. Deshalb hier zumindest der Link zur Website des Ortes: www.neroth.de.
  • Daun und die Ferienregion Vulkaneifel
    Tel.: 06592 951370     E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!     www.gesundland-vulkaneifel.de
  • Bus & Bahn
    Zwischen Daun und Gerolstein verkehren regelmäßig Busse: www.vrt-info.de.

Oben an der Spitze des Kegels bin ich nassgeschwitzt, völlig außer Atem... und auch ein wenig enttäuscht. Denn der Nerother Kopf ist dicht bewaldet, eine Aussicht gibt es nicht, und so bleibt nur die Rast an einem der Picknickplätze und das Stöbern in den Mauern der Burgruine und an der Höhle.

Vom Nerother Kopf bis nach Daun

Auf der anderen Seite der Kuppe gibt es einen kurzen "Xynthia Steg". Dieser Steg führt durch eine Windwurffläche, die der starke Sturm im Februar 2010 verursacht hat. Danach geht es auf eine weite Wiesenfläche, die der Eifelsteig überquert - zunächst links am Gebüsch vorbei, dann rechts am Randrand entlang.

Anschließend geht es wieder in ein Waldgebiet hinein und das Dorf Neunkirchen taucht linker Hand auf. In diesen Ort führt der Eifelsteig nun zumindest in ein Randgebiet und quert dann eine Landstraße. Mit ihrer Zufahrt komme ich zur Neunkirchener Mühle, wo eine Einkehr möglich wäre.

Ein Stück geht es parallel der Landstraße weiter, dann jedoch biegt der Eifelsteig nach links ab und führt von der Straße weg. Wenig weiter zweigt ein Pfad ab und es wird noch einmal richtig anstrengend, denn der schmale Weg windet sich in steil ansteigenden Serpentinen den Hang hinauf. Nach einer Tagesleistung von rund 23 Kilometern verlangt mir der Anstieg nun wirklich alles ab und ich muss mehrere Male anhalten, um Luft zu holen und mir den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Der Anstieg nimmt schließlich ab und ich werde am Ende durch einen schönen Blick zwischen den Bäumen hindurch auf die Burg Daun belohnt.

Zwischen Neroth und Daun
Zum Vergrößern anklicken
Auf Neroth und den Nerother Kopf zu Tagpfauenauge Kleiner Fuchs Die Burgruine auf dem Nerother Kopf Daun und die Dauner Burg

Der Abstieg an den Rand von Daun ist dann schnell geschehen. Über die Bundesstraße 257 hilft eine Fußgängerampel, an einer Schule vorbei und am Rande eines Wohngebietes entlang führt der Eifelsteig anschließend noch einmal in ein kleines Waldgebiet, um an einem Sportplatz oberhalb der Stadt erneut auf eine Schule zu treffen.

Am Ende des Spielfeldes würde der Eifelsteig nun geradeaus verlaufen, doch ich nehme am Randes des Friedhofes den Weg hinunter in die Stadt, um von dort mit dem Bus zurück nach Gerolstein zu fahren. Die Bushaltestelle befindet sich am Michael-Reineke-Platz, den ich mir für die nächste Etappe als Parkplatz merke.

Zuhause, als ich die GPS-Daten übertrage und mir die Wanderung noch einmal ansehe, stelle ich fest, dass der Weg zur Bushaltestelle, wäre ich an der Ampel zur Überquerung der B 257 nicht dem Eifelsteig gefolgt, sondern links mit der Bundesstraße gegangen, um etwa zwei Kilometer kürzer gewesen wäre. An diesem Tag hat der Eifelsteig wirklich einige Umwege genommen...